Was gut war

Das ist die Überschrift einer Beitrags-Welle, die seit vielleicht einem halben Jahr durch die Bloggerei schwappt. Einmal wöchentlich, glaube ich, schreibt, wer mitmacht, ebendies auf: was gut war.
Es liest sich nett, aber ich glaube, am nettesten ists für die SchreiberInnen. Es ist gut, sich klarzumachen, was funktioniert im Leben, statt dauernd nur zu wälzen, was nicht funktioniert.

Mein Freund Volker – ja, der, der schon über 20 Jahre tot ist – der war seiner Zeit weit voraus:
Er hat mir zu einem Geburtstag ein kleines, rotes DinA5-Büchlein geschenkt. Leer. Nur vorn drin stand, daß es dazu dienen sollte, daß ich täglich einmal Rückschau halten und hier notieren sollte, was gut war an diesem Tag. Mir ging es zu der Zeit ziemlich schlecht: heftiger, lange sich ziehender Liebeskummer, gepaart mit Weltschmerz und meiner Neigung zum Blues….
Volker hatte ja so recht – weiß ich jetzt. Damals hab ich es ihm nicht gedankt – ich habe es wenige Tage lang versucht und war erschüttert: nichts, aber auch garnichts aufschreibbares mochte mir einfallen! Und was ich dann schließlich schrieb, das schrieb ich mit dem unguten Gefühl, zu lügen. Also hab ich das schnell wieder aufgegeben. (Aber das Büchlein, das habe ich noch immer)

Nach wie vor gibt es in den dunkelsten Zeiten Tage, an denen finde ich nichts, was gut war. Keinen noch so kleinen Moment der Entspannung, keinen des Friedens, erst recht keinen der Freude. Der Unterschied zu damals ist : heute weiß ich, da sind Dinge zum freuen. Ich kann sie sehen, ich kann sie bloß nicht empfinden. Und ich weiß: dies wird sich wieder ändern.

Nicht der Dicke. Aber trotzdem gut. Gefunden in Flensburg.

An den allermeisten Tagen gibt es aber Momente, die gut sind. Und ich kann sie inzwischen bemerken, auch wenn sie kurz sind (das, finde ich, ist das entscheidende: sie überhaupt zu bemerken im Wust des Tages, und um das zu lernen hilft so ein Büchlein, oder auch ein regelmäßiger Blog-Beitrag): ein warmer Herr F. an der Seite beim fernsehen, ein plötzlicher Blick auf ein leuchtendes Rapsfeld, die Kollegin, die sich freut, daß ich aus dem Urlaub zurück bin, eine schöne Formulierung im Buch, das ich grad lese, der Dicke, der mir beim heimkommen mit hocherhobenem Schwänzchen entgegengelaufen kommt („Mrrrrauuu!“), ein lieber Kommentar hier im Blog, eine unvermutet freundliche Begegnung beim Einkauf, eine Pflanze da, wo sie im letzten Jahr noch nicht war…..
Schnell vorbei – aber kurz entspannt, gefreut, gelächelt. Und an vielen Tagen gelingt es auch, mir die entspannenden Momente zu holen, wenn sie sich nicht von selbst einfinden wollen. Da helfen dann die gelernten MBSR-Übungen, auch meine Trostbücher, wenns richtig schlimm wird, oder ein schön matschiges Essen *gg*

Danke, Volker – ich weiß jetzt, was Du gemeint hast.

Ich lerne.

Es wird besser.

 

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5 Kommentare zu “Was gut war

  1. Bibo59 sagt:

    Das habe ich auch irgendwann mal angefangen, nicht aufzuschreiben, sondern mich abends daran zu erinnern, was gut war, lange bevor das zur „Achtsamkeitsübung“ wurde. Wenn ich mit der Hand schreiben muss ist das nämlich schon mal nicht gut. 😉 In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass es mir jetzt richtig gut geht. Die Haupt-Stressfaktoren haben sich quasi über Nacht in Luft aufgelöst und werden auch nicht oder jedenfalls nicht in dieser Form wieder kommen. Was bleibt sind „Peanuts“: Mal zwickt ein Knie und das Metall aus der Hand muss wieder raus aber das ist nichts im Vergleich zu vorher.

  2. teff42 sagt:

    wenn man lange genug hinschaut, gibt es sicher immer was gutes, mag es noch so klein sein. Für mich nach nun 8 Tagen mehr oder weniger starken Zahnschmerzen mit mehr oder weniger starken Schmerztabletten war das gute heute, dass mein Hausarzt mich den Rest der Woche krankgeschrieben hat, ohne sich großartig einen vorjammern zu lassen. Und was auch noch gut sein wird ist mein Walnuss-Feigenbrot, welches mit Butter einfach göttlich schmeckt (trotz Zahnweh) Dazu muss ich sagen, dass der Übeltäter identifiziert und in Behandlung ist und ich seit gestern den Schmerz ohne Mittelchen aushalten kann. Achja und inzwischen ist Kamillentee mein Freund, vorher habe ich den höchstens zum Füßewaschen verwendet…. Also ein guter Tag für Kamillentees Büchlein 😉

    • Fjonka sagt:

      Auweia! Dann wünsche ich Dir, daß es schnell weiter bergauf geht!!
      Das Brot – selbstgebacken??? Liest sich SEHR lecker!

      • teff42 sagt:

        das Brot ist vom Discounter (P…y), habe ich woanders noch nie gesehen, Klang aber so lecker (ist es auch), dass ich es immer wieder hole, wenn ich da in der Gegend bin (der Ort wo der Zahnarzt ist O:-) ) Mein Zahn gibt grad ruhe, nachdem ich gestern nochmal hin war und er da nochmal sehr schmerzhaft durchgefeudelt hat. Freitag kommt das Provisorium raus und ich bin hoffentlich von ab. Gestern gabs was „gutes“:
        Der große Hund war im Rapsfeld. Statt schwarzweiß war er eher grüngelb, von der Nase bis zur Schwanzspitze. Heute morgen war er immernoch sehr gelb, deshalb habe ich ihn im Teich baden lassen… Einfach zu niedlich…

  3. Ja mach mal, schreib auf, muss ja nix großes sein. In der Psychosomatik macht man das schon länger, genau wie es Achtsamkeitsübungen unter anderem Namen auch in der westlichen Welt schon länger gibt, das war nur nie so cool 😉
    Ähnlich wirkt auch ein Dankbarkeitstagebuch, der Psychologe gibt gern mal beides als Hausaufgabe. Und es tut auch psychisch völligst gesunden Menschen gut.
    http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/dankbarkeit-die-wurzel-fuer-gesundheit-und-wohlbefinden-a-1124119.html
    Grüße aus dem sonnigen, wonnigen Süden 😀

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