Ein Igel lebt

Samstags, nache Arbeit, ich gemütlich auf dem Sofa, der Herr F. guckt nochmal raus – und kommt zu mir: „Guck mal, ich hab hinten einen Igel gefunden, der sieht irgendwie komisch aus“, sagt er und hält mir sein Fairphone vor die Nase.

was man hier sieht ist nur ein kleiner Teil der weißen Blasen 😦

Ach Du Sch***, was ist DAS denn???? Ich zoome rein, und wir sind uns einig: was auch immer das ist, das ist nicht gut! Tierarzt!!! Ach neee, Samstag abend….. „Wir fahren nach Satrup, da sind doch die mit der Igelhilfe, weißt Du noch?“ „Nö. Igelhilfe?“ „Da waren wir doch mal zum Tag der offenen Gärten! Wenn ichs sehe, weiß ich, welches Haus das ist. Hoffentlich ist Jemand da!“

Gesagt, getan. Kiste und Zeitungen und Handschuhe geholt, rausgegangen – der Igel ist noch da, und jetzt sehe ichs auch in echt. Eklig!!!! Erst als wir schon im Auto sind, sage ich „Du, das könnten Zecken sein, aber so viele? Und weiß???“ „Stimmt eigentlich“, sagt der Herr F., aber wir sind uns einig: auch wenns bloß Zecken sind, in dieser Masse ist das nicht normal!

In Satrup angekommen, erkenne ich tatsächlich das Haus relativ sicher wieder, und da da auch Jemand draußen zugange ist, gehen wir erstmal ohne Igel fragen. Und sind gleich richtig. Igel also geholt, und tatsächlich: das sind Zecken, Dutzende. Auch an Rücken und Bauch hat er welche, und die beiden Igelhelfer machen sich gleich mit Pinzette und Handschuhen ans Werk.
Nein, das ist wirklich nicht normal, alles voll mit diesen widerlichen Viechern, und da krabbeln auch noch kleine, nicht vollgefressene überall!!! Bäh!!
Das bedeutet: unser Igel hat schon ein schwaches Immunsystem. Er ist auch eingefallen und schlapp, aber hat noch Kraft, sich zusammenzuziehen, immerhin. An der Größe der Pfoten sieht die Igelfrau: das ist schon ein älteres Tier, nicht von diesem oder letztem Jahr. Dafür ist er wirklich sehr klein und dünn……Nachdem die meisten Zecken erstmal weg sind, bekommt er einen Platz im Außengehege sowie Futter und Wasser. „Wenns so einem Igel sehr schlecht geht, dann ist es nicht sicher, ob er das überlebt. Am wichtigsten ist jetzt erstmal, daß er frißt und trinkt“

Wir lassen unsere Nummer und einen Spendenbetrag dort („das haben wir auch nicht oft, daß das Jemand anbietet!“- Schade eigentlich) und verabreden, daß wir voneinander hören und unseren Igel, wenn er denn parasitenfrei und ein wenig gepäppelt ist, wieder zu uns holen und im Garten freilassen. Mit einem guten Gefühl fahren wir nach Hause. Ob er’s schafft, ist nicht klar – aber ohne diese Aktion hätte er’s ganz sicher nicht geschafft. Insofern – alles richtig gemacht.

Auf dem Rückweg kribbelt und juckt es überall… aber das sind keine kleinen, krabbelnden Zecken, das ist der Insekten-Effekt: jedes ganz normale kribbeln fühlt sich jetzt an wie eine krabbelnde Jungzecke…. iiiiiigitt!


Sonntags eine Woche drauf dann war es so weit: nachdem ich Mitte der Woche nochmal dort gewesen war, um nachzufragen (Es ist ein Mädchen! In den ersten Tagen musste sie sogar zum fressen geweckt werden, so kaputt war sie, aber jetzt hatte sie schon auf 650g zugenommen und war ein wenig agiler, und am Wochenende können wir dann mal anrufen, dann ist sie vielleicht so weit, daß sie wieder heim kann) hieß es jetzt: grünes Licht zur Heimholung 😉

Genervtes Mädchen *gg*

Also los, ein Häuschen bekam das Mädel mit, und dann:

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Um halb neun wurde es klamm, wir sind reingegangen, und nuja – das Igelmädchen lag immer noch in seinem Karton. Nachtaktiv halt….

Am nächsten Morgen war sie dann verschwunden – maach et joot, Kleene, die Igelfrau meinte, es ist jetzt Paarungszeit, vielleicht findest Du ja noch Jemanden und kannst ein paar Igelkinder aufziehen. Aber nicht wieder ins Zeckennest legen!!!


* Wer nie ‚die Nas* am Igel hatt‘
weiß nicht wie Stacheln pieken.

Ich schätze, der weise, alte Dicke hatte schonmal – er hat SEHR ausgiebig geschnuppert, aber sich dann ohne den Karton näher zu untersuchen verzogen *g* Aber, Ihr seht: die Welt interessiert ihn noch! 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

13 Kommentare zu “Ein Igel lebt

  1. Sophia mottte sagt:

    Was für eine schöne Geschichte! Die Igeldame erlebt bestimmt noch tolle Abenteuer, jetzt, da sie sich mal richtig ausschlafen und erholen konnte. 🙂
    Mir juckt’s jetzt auch überall, der Insekteneffekt überträgt sich anscheinend auch digital.

    • Fjonka sagt:

      *lol* – ja, verrückt – ist fast wie mit gähnen, das klappt auch immer mit dem anstecken, sogar digital. Merkst Du’s schon, ich gäääääähne gaaanz ausgiebig…. *gäääähn*

  2. wattundmeer sagt:

    Schön, dass Ihr helfen konntet und ich drück die Daumen für die Igeldame.

    • Fjonka sagt:

      Wir weden wohl nicht erfahren, ob sie nun gut weiterlebt, aber immerhin hat sie eine Chance 🙂

      • wattundmeer sagt:

        Och, die siehst Du sicher noch mal in deinem Garten, wenn Du nach Sonnenuntergang raus schaust. Ich „treffe“ unseren Igel öfter mal.

        • Fjonka sagt:

          Naja, hind viele – mein Gundelchen hatte ich ja damals an den geschnittenen Nägeln wiedererkannt, aber dies‘ Igelchen ist zwar sehr hübsch, aber ich weiß nicht, ob ich’s wiedererkennen würde. Eher nicht. *g*

  3. teff42 sagt:

    Das arme Töffelchen… Gut dass ihr da ward.

  4. Anja sagt:

    Oh, hoffentlich hatte die Igeldame nicht gerade Junge. Konnte die Igel-Betreuerin das vielleicht irgendwie an den Zitzen sehen?

  5. Bibo59 sagt:

    Ob das der Igel ist, der auch immer zum Grillen gekommen ist?
    Ich muss hier auch aufpassen mit Zecken, vor allem im hinteren, etwas wilden Gartenteil.

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