Stadtbekannt

Offenbar entwickle ich mich langsam zum Schleswiger Original:

Schon zum 4. Mal wurde ich jetzt, diesmal von der Bedienung der Eisdiele, bei der ich mir – übrigens ohne Buch vor der Nase – ein Feierabendkügelchen genehmigen wollte, drauf angesprochen:
schon lange sähe sie mich immer wieder, und jetzt endlich müsse sie mal fragen, wie das denn eigentlich möglich sei – gleichzeitig zu laufen und zu lesen!?

Dazu kann ich sagen, daß ich bloß eine halbe Stunde Mittagspause habe, und daß zu lesen für mich da geradezu essentiell für eine echte Auszeit von Kakophonie, Gehetze und Multitasking ist. Also wandert mein Buch meist schon an der Fußgängerampel vor die Nase, um erst am Kaffeetresen wieder heruntergenommen zu werden. Jahrzehntelange Übung sorgt dafür, daß ich noch nie Probleme damit hatte, bei solchen Lese-Gängen mit jemandem oder etwas zusammenzustoßen- zur Verwunderung offenbar der gesamten Schleswiger Fußgängerzonenbevölkerung…. das, in kürzerer Form, erzählte ich auch der Bedienungsfrau. Und, erklärte ich weiter, man sähe ja schließlich auch immer öfter Smartphoneguck-GängerInnen, und die habe ich schon öfter mal mit anderen zusammenstoßen sehen.

Stimmt, meint die Verkäuferin, aber mit Buch – da sei ich doch die Einzige, die sie je gesehen hätte.

Das scheint so zu sein, was ich allerdings, bevor ich immer wieder angesprochen wurde, nicht bemerkt hatte …. aber langsam überlege ich mir doch, ob ich diese Art von auffallen gut finden soll. *g* Andererseits ist das Kind ja nun schonmal in den Brunnen gefallen. Schließlich heißt es ja Ist der Ruf erst ruiniert lebt sich’s völlig ungeniert… also werde ich wohl weitere Jahrzehnte lang gehend lesen ….

 

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14 Kommentare zu “Stadtbekannt

  1. a sagt:

    Mußte gestern schmunzelnd an Dich denken 😉 Als ich auf dem Fußweg an der B76 in Eckernförde laufend, schon von weitem einen Mann mit Rucksack und dickem Buch in der Hand, lesend auf mich zu laufen sah. Sprachlos war ich, als ich mitbekam, daß er das Buch im Gehen laut vorlas! 🙂

    • Fjonka sagt:

      Vielleicht hatte er ja einen „Knopf im Ohr“!? In jetzigen Handyzeiten wundere ich mich da über viel weniger als noch vor 10 Jahren – da waren laut mit sich selbst redende Menschen eher …. naja…. „Tabletten vergessen?“ war die Assoziation. Heute ist die Assoziation halt „Telefoniert“.

  2. hele sagt:

    wenn wir das einführen, dann können wir alle lesen beim laufen (nicht nur für handis gut9 :_)
    http://wien.orf.at/news/stories/2862164/

  3. Bibo59 sagt:

    Dazu fällt mir noch eine Bookcrossing Geschichte ein: Ich hatte einen Themenrelease gemacht über den früheren Leiter der Hamburger Oper eben da. Dann war ich um die Ecke was einkaufen und als ich später wieder vorbei kam, sah ich einen älteren Herrn, der glücklich in dem Buch blätternd beinahe vor einen Ampelmast gelaufen wäre. Von dem Buch habe ich natürlich nie wieder etwas gehört, aber solche Momente, wenn ich sehe, dass sich ein AF freut, sind doch auch schön.

  4. Maenade sagt:

    Ich mache das auch. Bisher ebenfalls ohne größere Unfälle. Früher nur, wenn’s zu spannend war bzw. das Kapitel am Ende der U-Bahnfahrt noch nicht zu Ende, heute, weil Lesezeit so knapp wird – und auch für mich ist Lesen nötige Entspannung.

  5. holle77 sagt:

    Mein „Im-Gehen-Lesen“ hat mit acht oder neun Jahren geendet, als ich aus der Pfarrbücherei kommend, völlig in mein Buch vertieft, mit so viel Schmackes frontal gegen einen Laternenpfahl gelaufen bin, dass ich tagelang eine dicke und schmerzhafte Beule auf der Stirn hatte.

    • Fjonka sagt:

      Oh-ha!
      Ich kann lesen und ds Buch so halten, daß ich mitkriege ob etwas oder Jemand zwischen mir und meinem Weg ist, klappt gut. Aber hätte ich so jung gleich sowas gehabt, hätte diese Technik wohl auch nicht so ausreifen können *g*

  6. Olli-V sagt:

    Da kannst Du stets behaupten… „ich gehe lesen“ 🙂

  7. Nighthawk sagt:

    Wer beim lesen nicht an eine Laterne gelaufen ist, verschenkt eindeutig zuviel Zeit zum lesen. O-Ton eines Germanistik-Profs….

  8. teff42 sagt:

    solange Du nicht an die Laterne oder schlimmer vors Auto läufst ist alles gut 🙂

  9. Eva sagt:

    Das ist schon witzig, vielleicht hat sich die Frau einfach mal Sorgen gemacht. 🙂 Wir achten einfach zu sehr, was andere Menschen von uns denken. Ich gehöre absolut dazu. Les doch weiter, wenn du willst und es dir Spass macht. Du machst das ja für dich.

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