Mein Garten als Testobjekt

Letzten Sonntag war es soweit: Zwei Frauen vom Naturgartenverein kamen mittags an, um meinen Garten auf Herz und Nieren zu prüfen – wie weit ist er auf dem Weg zum Naturgarten, und was kann ich noch ändern/ besser machen? Aber auch (denn mein Garten dient als Testgarten): sind die Kriterien, die man im Verein ausgearbeitet hat, stimmig? Ist der Bewertungsbogen verständlich? Ist die Prüfung so umsetzbar? Auch darum ging es, und so hatte ich nachher einen Feedbackbogen auszufüllen.

Um es gleich vorwegzunehmen: das Ergebnis für unseren Garten war besser als gedacht! Gäbe es die Prämierung genau nach den Kriterien, die jetzt getestet werden, dann hätte ich eine silberne Plakette bekommen, wenn – ja, wenn nicht die Silber-Goldnessel wäre….. Hier das ist sie, die Übeltäterin:

Hübsches Laub, bei Hummeln beliebte Blüte im Frühjahr, ABER sie ist nicht nur ein Neophyt*, sondern auch noch einer von der schwarzen Liste der INVASIVEN Neophyten, das heißt, sie verdrängt agressiv heimische Pflanzen. Und damit ist sie ein k.o-Kriterium für einen Naturgarten: wo ein invasiver Neophyt wächst, da ist kein Naturgarten.

Eigentlich.

Denn zum Glück ist man sich über dieses Totschlagkriterium noch nicht ganz einig, vielleicht hat mein Garten also doch noch eine Chance auf seine silberne Plakette. Die Frage ist nämlich: wenn, wie bei mir, man den Garten schon voll mit dieser Pflanze übernommen hat und sie auch nicht eben mal auszupfbar ist (was bei mir so ist, weil die Nessel flächendeckend überall dazwischen ist, auch in Gebüschen etc) – ist es dann nicht zu hart, dem ansonsten bemühten Gartenbesitzer mit dieser einen Sache jede Chance auf die Prämierung zu nehmen?

Ich hab da auch noch die kanadische Goldrute, die ist auch so ein invasiver Neophyt. Aber die ist insofern nicht so ein Problem, als ich sie entfernen kann und werde (stattdessen kommt dann die heimische Goldrute in den Garten, die ist eh angenehmer zu haben, weil sie keine Wurzelausläufer bildet)

Aber was braucht denn so ein Garten eigentlich, um sich als Naturgarten zu qualifizieren? Beispiele seht Ihr in diesen drei Fotos (Anklicken, um zu sehen was jeweils Pluspunkte gab)

 

Kurz zusammengefasst

  • über 50% heimische Pflanzen
  • keine Chemie (egal ob zB Gartenmittelchen, kesseldruckimprägnierte Hölzer oder Kunstdünger) und kein Torf
  • regionale und Recyclingmaterialien für Bauten
  • tierfreundlich muß er sein (insektenfreundliche Beleuchtung – möglichst wenig und wenn „warmweiß“ ist hier ein guter Anhaltspunkt; Ausstiegshilfen aus Kellerschächten, Wasserkübeln etc; Nisthilfen für Insekten und Vögel; kein Mähroboter; Regenwassernutzung;  keine Wasserpumpen; Totholz; Frühblüher; durchgängig Blühendes für Insekten…. )
  • möglichst viele Wände, Wege und Dächer begrünt, Flächen nicht versiegelt
  • hohe Tierartenvielfalt

Wobei dies KANN-Kriterien sind, die (kleiner aufgedröselt, oben das ist ja nur eine grobe Zusammenfassung: es gab zwei engbeschriebene Seiten dazu) mit Punkten jeweils von 0-4 bewertet werden. Die werden dann nachher zusammengezählt – und mein Garten landete dabei dann mit 68 Punkten im Silber-Mittelfeld 🙂

Wir haben dafür um die vier Stunden im Garten verbracht, zT besichtigend, zT sitzend und besprechend – es war hochspannend für mich und sehr schön. Wir haben einige Anregungen bekommen (und geben können). Und ich habe zu meiner Freude festgestellt, daß ich verdammt viel schon selbst gewußt und beherzigt habe in den Jahren mit meinem Garten.
Was auch klar wurde: mein Fokus liegt durchaus darauf, Tieren eine Heimat zu geben – und ich weiß, daß gerade die Larven, Maden, Raupen etc dazu auf heimische Pflanzen angewiesen sind. Trotzdem werde ich einige Neophyten nicht aus meinem Garten werfen. ZB ist die Schneebeere so ein Kandidat, zum Glück nicht invasiv, aber eben nicht heimisch. Sie bietet aber Nektar, wenn’s nicht mehr viel gibt ringsum (jetzt!!), und sie ist in meinem Garten ein wichtiges, weil abgrenzendes und Sichtschutz bietendes Gebüsch.
Was ich aber vermehrt tun werde: bei Neupflanzungen nicht nur auf Insektenfreundlichkeit achten, sondern auch auf Früchte (für Vögel im Winter) und einheimische Arten (für „Baby-“ und seltene Insekten) Und bei „Einbauten“ mehr auf die Materialien achten. ZB wärmeimprägnierte Hölzer kaufen, auch wenn sie etwas teurer sind als kesseldruckimprägnierte, wo es unbehandelte nicht tun. Auch die Sache mit den regionalen Materialien muß ich mir nochmal genauer anschauen. Bisher hatte ich nicht viel gekauft – aber wenn, habe ich mich nie drum gekümmert, woher zB Kies, Hölzer oder die Steine kamen, die ich benutzt habe.

Nachtrag: wenige Tage später wurde entschieden, daß der Umgang mit den invasiven Neophyten zählt (aktives Zurückdrängen), nicht die Anwesenheit, da in fast jedem Garten welce gefunden wurden. Ich hab Silber!!!! 🙂

PS: falls Jemandem aufgefallen ist, daß ich hier dauernd zwischen „wir“ und „ich“ wechsele – das liegt einerseits daran, daß ich den Garten länger betreue als des Herrn und meine gemeinsame Zeit ist (fast doppelt so lang sogar) und andererseits daran, daß wir zwar viel gemeinsam drin machen, aber der Garten trotzdem „meins“ ist, so daß der Herr F. eher hilft, wenn ich allein nicht weiterkomme und ich bestimme, was geschieht (wenn auch bei größeren Dingen in Absprache mit ihm) Wobei des Herrn F. Interesse stetig im wachsen begriffen ist, was ich ziemlich klasse finde 🙂 Jedenfalls solange ich weiter bestimmen darf 😉


*Als Neobiota (Sing. Neobiont; von griechisch néos „neu“ und bíos „Leben“) bezeichnet man Arten und untergeordnete Taxa, die sich ohne oder mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren.[1][2] Neobiotische Pflanzen nennt man Neophyten (Sing. Neophyt), neobiotische Tiere Neozoen (Sing. Neozoon) und neobiotische Pilze Neomyceten (Sing. Neomycet). Diese drei Bezeichnungen sind vor allem im deutschsprachigen Raum gebräuchlich. Im Englischen werden vorwiegend zusammenfassende Bezeichnungen wie alien species (fremde Art) oder, bei verdrängenden Potenzen, invasive species (invasive Art) verwendet, ohne Unterscheidung zwischen Pflanzen, Tieren und Pilzen.

Quelle: Wikipedia

Gehört auch in die EINAB. Will Werbung machen für Naturgärten 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Flora, Garten.

36 Kommentare zu “Mein Garten als Testobjekt

  1. Cathi sagt:

    Hallo zusammen,
    ich bin Mitglied des Arbeitskreises Natugartenprämierung, der das Konzept der Naturgartenprämierung entwickelt hat. Freut mich, dass Ihr die Testprämierung so positiv aufnehmt. Es steckt ganz viel Arbeit und Herzblut von uns darin. Ich habe Euch mal die Links zum Thema invasive Neophyten rausgesucht. Dort könnt Ihr Euch über die Pflanzen und Hintergründe informieren:
    BfN Schwarze Liste http://neobiota.bfn.de/12613.html
    BfN Unionsliste http://neobiota.bfn.de/unionsliste.html
    LG Cathi

    • Fjonka sagt:

      Hallo und willkommen hier!
      Danke für die Links, vielleicht liest ja später nochmal der oder die eine oder andere dies hier nach und freut sich, mich nicht extra fragen zu müssen 🙂
      Ich nehme an, Du warst das, die vorhin hier angerufen hat, als ich noch auffe Arbeit war? Das wäre ja logisch – und ich hatte mich schon gefragt, welche Cathi denn wohl mich würde sprechen wollen

  2. Hallo Fjonka!

    Herzlichen Glückwunsch! Es freut mich sehr, dass Deine Bemühungen um eine Naturgarten so belohnt wurden. Ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas erreicht hat, woran man so lange arbeite!

    Und super, dass Du bei EiNaB wieder mit dabei bist und damit Dein tolles Projekt bekannter machst!

    lg
    Maria

  3. Bibo59 sagt:

    Ich habe neulich, als noch Sommer war, einem Heupferd bei der Eiablage zugesehen. Wieder eine Art mehr gefunden.

  4. Matti sagt:

    Wow! Toller und informativer Blogbeitrag. Mal schauen, wie viel ich dafür für meinen Handtuchgarten übernehmen kann.

  5. Maenade sagt:

    Was für ein schönes Kompliment für viel Arbeit und Engagement! Glückwunsch! (…und auch mich würde die Liste interessieren, auch wenn ich noch? keinen eigenen Garten habe… danke!)

  6. ladypark sagt:

    Toll! Herzlichen Glückwunsch! 🙂

    • Fjonka sagt:

      Was mich daran übrigens auch freut: ich kann nun mit größerer Sicherheit zB Dir weitere Tipps oder Infos geben, weil ich jetzt weiß: doch, ich liege richtig!

  7. teff42 sagt:

    Herzlichen Glückwunsch!
    Eigentlich wundert mich das nicht, dass euer Garten so gut abgeschnitten hat. Gegenüber den Gärten, die ich sonst so kenne ist das der natürlichste und vielfältigste. Und das mit der No-go-Nessel als KO Kriterium halte ich für unrealistisch, denn dann gäbe es nie wirklich einen Naturgarten. Irgendwas ist ja schließlich immer.

    Die schwarze Liste hätte ich übrigens auch gern…

    • Fjonka sagt:

      Gestern Abend eine Mail von Rita: Ihr Feedback war, was die Neophyten angeht, ähnlich wie meines gewesen, und man schrieb ihr, man habe ähnliches schon besprochen, denn in eigentlich jedem besuchten Garten gab es Pflanzen der schwarzen Liste. Also habe man beschlossen, zu bewerten, wie der Gartenbesitzer mit dem Problem umgehe – und damit hab ich meine Plakette!!! 🙂
      Werde ich oben auch noch nachtragen, das.

      Was den Vergleich mit anderen bekannten Gärten angeht – schade eigentlich! Aber man kann ja immer „nach oben“ und „nach unten“ vergleichen, und ich vergleiche durchs lesen der Vereinszeitschrift etc wohl eher „nach oben“ 🙂

      • teff42 sagt:

        Super… Silber…
        und ich finde die Idee mit den Umgang mit diesen neophytischen Zeugs zu bewerten wirklich gut!

        • Fjonka sagt:

          Ja, ich auch 🙂
          Bei der Goldrute bin ich schon bei, alles, was zuende geblüht hat wird ausgerupft (Goldrute ist eine schöne Insektenpflanze, deshalb lasse ich sie erstmal noch zuendeblühen) Da muß ich sicherlich einige Jahre beibleiben, denn die hat ordentlich Ausläufer und Reste bleiben ja immer im Boden… aber das macht ja nüscht.
          Und auch bei der Goldnessel hab ich immerhin einen kleinen Anfang gemacht, bekommt Ihr hier noch zu Gesicht in ein paar Tagen.

  8. Muri sagt:

    Danke für den interessanten Bericht, unser Garten wir immer natürlicher, ergänzt habe ich in den letzten Jahren nur noch Insekten nähr Sträucher aber ich befürchte von einer silbernen Plakette bin ich Meilenweit weg 😦 aber die Liste würde mich auch interessieren.

    • Fjonka sagt:

      Ehrlich, ich hätte das bei mir auch niemals vermutet, und eine bronzene ist ja auch schön *g* Mein Tipp für unseren Garten war: mit Glück bronze. (abgesehen davon finde ich einen solchen Besuch als Feedback und Input einfach toll, es geht ja nicht um einen Wettbewerb!!!
      Die Liste schicke ich Dir, wollte eh noch auf Deine Mail antworten 🙂
      Übrigens: auf der bei Ritas Namen hinterlegten homepage ist auch eine Seite, die noch andere Dinge als ich sie aufgelistet habe über Naturgärten beschreibt.

      • Muri sagt:

        😉 na so sehr um eine Medaille geht es uns wohl allen nicht aber so als Gedanken anschubs ist das was tollen. Gleich erschrocken bin ich bei der ersten Position Acer negundo, den habe ich vor vielen Jahren mal gepflanzt in der Varietät als panaschierte Sorte. Der ist so schön licht…hmm frau ahnt es ja nicht.

  9. Rita Schütt sagt:

    Dein Artikel gefällt mir super. In Bezug auf das Mähen: ist es in einem Naturgarten sinnvoll so wenig wie möglich zu mähen. In Studien z.B. in Tübingen ist rausgekommen, je seltener desto mehr Tiere können dort leben. Wahrscheinlich auch, weil dann mehr Pflanzen überleben, aber ständige Störungen z.B. durch einen Rasenmäher vertreiben eben auch viele Tiere.
    Ich habe meinen Naturgarten schrittchenweise umgestaltet d.h. jedes Jahr ein oder zwei Sträucher ausgewechselt und ein paar Stauden. Bin auch immer noch dabei. Das funktioniert prima. Mit den heimischen Pflanzen zieht dann so viel Leben ein. Das ist die Mühe wert. Die heimischen Stauden sind übrigens sehr viel robuster, wenn sie standortgerecht gepflanzt werden, als viele Exoten aus dem Gartenmarkt.

    • Fjonka sagt:

      Habe heute die Stauden, die ich von Dir bekommen habe, eingepflanzt. Bin gespannt … bisher hatte ich noch nicht so viel Glück mit gekauften Einheimischen: Seifenkraut und Blutweiderich wachsen, wollen aber nicht blühen, trotz mE prima Standorten. Aber veilleicht brauchen sie nur noch etwas Zeit.
      Im Zahnwurz-Töpfchen war unten ein dickes, weißes, vital aussehendes Rhizom (oder sowas ähnliches) drin – jetzt hoffe ich nur, es ist eins vom Zahnwurz *g* Abwarten…

      • Rita sagt:

        Hoffentlich klappt es diesmal mit dem Anwachsen. Das Rhizom ist mit Sicherheit der Zahnwurz.

        Nun ist es auch geklärt. Die Prämierungskriterien werden den Erfahrungen mit den Invasiven Neophyten in den Test-Gärten angepasst. Ist eben noch die Probephase.
        „Wir sind inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die Haltung der GartenbesitzerInnen das entscheidende, also: wird der invasive Neophyt bewusst zurück gedrängt oder wird er bewusst gefördert?“
        Herzlichen Glückwunsch zum Silber!!!

  10. Ania sagt:

    Was spricht denn gegen den Mähroboter? Meine Hoffnung auf frische Froschschenkel hat sich nicht erfüllt. Dolly ist so langsam, dass alle vor ihr flüchten können …

    • Fjonka sagt:

      Gegen den spricht, daß er das Gras so kurz hält, daß nichts ins blühen kommen kann und daß vieles sich auf Dauer auch nicht gegen ständig kurzgehaltenes Gras behaupten kann, will heißen: durch Mähroboter entsteht eine Gras-Monokultur, was nicht im Sinne von Tier-und Pflanzenvielfalt ist, zumal ja nichtmal die Gräser ins blühen kommen können (was auch einigen Insekten hülfe, die an Gräsern ihre Eier ablegen oder von ihnen leben)
      Und da die Grasschnipselchen auf dem Boden liegenbleiben werden stetig Nährstoffe hinzugefügt – auch das ist hinderlich für viele Kräutchen, die sich in „normal gemähten“ Rasen noch halten können.
      Das ist jetzt das, was ich dazu bisher gelesen hatte und evtl unvollständig. Ich habe mich (weil wir ja keinen Roboter haben) darüber mit den Fachfrauen nicht unterhalten. Ich habe der einen Fachfrau den Link zu diesem Beitrag geschickt, und vielleicht liest sie Deine Frage ja und ergänzt oder berichtigt noch 🙂

    • Cathi sagt:

      Huhu Ania
      Mähroboter häckseln Igel. Mehr dazu hier: http://www.br.de/nachrichten/igel-rasenmaeher-roboter-100.html
      LG Cathi

  11. Bibo59 sagt:

    Das ist ja schön zu lesen. Ich befürchte, wenn ich aus meinem Naturgarten einen Naturgarten machen wollte, müsste ich zunächst einen gigantischen Kahlschlag hinlegen. Da steht viel zu viel, auch für meinen Geschmack exotisches Zeug: Thuja, Kirschlorbeer, Rhododendron, Feuerdorn, Forsythie, alles von meiner Mutter pflanzen lassen. Täte ich dies aber, würde ich mich nach rechts und links des Sicht- Lärm und Staubschutzes berauben. Wenn der Bauer sein Feld beackert, dann staubt und lärmt das. Wenn die tauben Nachbarn zur linken feiern, kann man nur noch den Rasen mähen oder flüchten. Immerhin nimmt das Projekt „Blumenwiese“ Gestalt an, es gibt reichlich Holzhaufen und Wildwuchs, viele Frühblüher, aber zu wenige Sommerblühende Stauden. Damit habe ich irgendwie kein Glück.

Platz für Klönschnack ...

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