Buchtipp

Eben kam ich von einem Besuch bei S., er hatte wiedermal (selbst für mich) schwer verständliche Behördenpost samt Formularerei bekommen. Die haben wir ausgefüllt Das Gespräch danach drehte sich um mehreres, was ihm sehr fehlt:
– eine eigene Wohnung (bisher immer mindestens zu 3., immerhin inzwischen ein Zimmer allein) Nachtrag: sehr plötzlich hat es jetzt funktioniert: sowohl S. als auch Ab. haben eine Wohnung für sich allein bekommen!
– eine Arbeit
– unter Menschen sein (das scheitert, gerade auf dem Dorf, wo man sich daheim oder im Garten unter Freunden trifft, tatsächlich oft. „Unsere“ Iraki haben wenig Kontakte zu Deutschen, und wenn, nur zu Lotsen oder von Amts wegen mit ihnen befaßten Menschen. Sie sind selbst daran allerdings auch nicht ganz unbeteiligt. -Daß ich das denke und warum, auch darüber haben wir übrigens gesprochen. Es ist aber wirklich nicht leicht)
– eigene Entscheidungsfreiheit, was zB Wohnort, umziehen, Arbeit angeht (mit Aufenthaltsgestattung braucht er für sowas seit nun schon über 2 Jahren immer noch die Erlaubnis der Ausländerbehörde/ des Amtes)

Ich komme nach Hause, mache den Ofen an (14°! Wind! Regen!) und lese weiter im aktuellen Buch „Ich komm‘ auf Deutschland zu“
des Syrers Firas Alshater. Ich lese:

„Doch wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, dem wird erstmal ein Großteil der Freiheit genommen. Nicht frei bewegen. Nicht arbeiten. Nicht selber entscheiden. (…) Flüchtlinge können sich nunmal nicht in einem Land integrieren, wenn sie nicht mit Einheimischen zusammensein dürfen. Eine Hand klatscht ja auch nicht allein. Und die Menschen, die hier ankommen, brauchen, was jeder Einheimische auch braucht: Freunde, Arbeit und eine Wohnung“

Tja.

Firas Alshaker ist syrischer Aktivist, war deshalb schon mehrfach inhaftiert und unter Folter, kam mit Arbeitsvisum nach Deutschland, blieb als Asylant und ist inzwischen bekannter Youtuber, unten ein Beispiel eines Clips. Zum Teil ists eher Comedy. Das Buch allerdings gibt sich etwas ernsthafter als die Clips, und ich finde es lesenswert. Weil er gut erzählt, und weil er was zu sagen hat.

Lesen! 🙂 Oder erstmal gucken, bitte sehr (mir gefällt allerdings das Buch besser)

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Lesen!.

2 Kommentare zu “Buchtipp

  1. Ich finde das Video eigentlich ganz gut. Aber das was Du beschreibst kenne ich auch. Bei uns gibt es das Haus der Kulturen. Sie bieten, nicht nur den Geflüchteten, einen Raum für interkulturelle Kommunikation. Wichtig ist, das die Menschen die zu uns kommen auch Kontaktmöglichkeit haben. Alle die immer Jammern „die integrieren sich nicht“ kann ich nur sagen: „wir müssen dann aber auch Kontakt zulassen“ jeder der Jammert: „die sitzen ja nur rum“ kann ich nur sagen „ihnen ist sogar verboten zu arbeiten“…ach ich könnte mich stundelang zu diesem Thema aufregen. Ich wünschte ICH würde mehr tun damit diese Menschen auch wirklich bei uns ankommen können

    • Fjonka sagt:

      Ich finde immer, beide Sorten „Hiesige“ vergessen gern, daß es überall auf der Welt „So’ne und So’ne“ gibt. Die Hilfsbereiten spiekern immer auf die „Musterflüchtlinge“ (da kann ich mich leider auch nicht ausnehmen) , die Meckerer sehen nur Die, bei denen nix klappt (im schlimmsten Falle sehen sie in jedem Flüchtling den potentiellen Kriminellen)
      Beides ist nicht grad doll.
      Ich wünschte auch, ich würde mehr tun, aber stattdessen tu ich weniger. Weil ich mehr nicht packe. Übe immer noch, das schlechte Gewissen deshalb wegzulassen, denn das hilft wirklich KEINEM. Schwierig.

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