Vier Tage mit Carl-Gustav

Ende August hatten wir Besuch. Viel Besuch. Erst kamen Jean-Li und Dirk aus Halle, dann teff mit dem Grafen und Nina aus Oerlinghausen und Umgebung, und dann kam auch noch Carl-Gustav.

Carl-Gustav haben wir zum ersten Mal gesehen am Tag bevor der Besuch aus Halle ankam. Da saß er gemütlich ganz hinten im Garten und hat sich die Sonne auf den Buckel brennen lassen, eine schillernde Gestalt in kupferglänzendem Anzug.

Am nächsten Tag waren dann die Hallenser schon da. Wir hatten uns eine Apfelsaftschorle gemixt und saßen so um den Tisch herum, als Carl-Gustav zu uns stieß. Er spricht nicht viel, deshalb habe ich erst nicht verstanden, was er wollte, aber als er dann suchend um die Gläser herumstrich, ja sogar auffordend dranstieß, da hab ich dann doch verstanden und ihm auch einen Schluck Apfelschorle angeboten – und was soll ich sagen? Er war begeistert! Große Mengen hat er weggesoffen, war seine Portion leer, suchte er nach mehr. Dirk aus Halle hat Fotos von ihm gemacht, die ich netterweise hier posten darf:

Stundenlang hat er uns an mehreren Tagen schweigend und trinkend Gesellschaft geleistet, und so kam es, daß wir schließlich im Internet nachgeschaut haben, mit wem wir es denn wohl zu tun haben könnten, und so fanden wir seinen Sippennamen:

Moschusbock

und dann zackzack, er muß es telepathisch übermittelt haben, war auch der ganze Name da:

Gestatten – Von Bock. Carl-Gustav Moschus von Bock

Ein sympathischer Suffkopp (leiderleider hat ihn Niemand beim trinken geknipst), der einmal, als der nachschub zu lange ausgeblieben war, sogar in des Herrn Glas gelandet war und zum Glück noch rechtzeitig von mir gerettet werden konnte. Das hat aber seiner Lust auf Apfelschorle keinerlei Abbruch getan.

Carl-Gustav wird, glaubt man dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel, inzwischen wohl nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ich hoffe sehr, daß er rechtzeitig für Nachwuchs gesorgt hat. Totholz und Weiden stehen in unserem Garten für die Kids zur Verfügung….

 

Die ausgewachsenen Moschusböcke (Imagines) ernähren sich von Pollen und ausfließenden Säften von Bäumen. Daher sind die Tiere unter anderem in Wäldern, insbesondere in totholzreichen Hartholz- und Weichholzauen, Gärten oder Parks auf Blüten anzutreffen. Dabei bevorzugen sie aufgrund ihrer Größe Blütendolden, wie etwa die vom Schwarzen Holunder. Die Imagines leben nur wenige Wochen im Sommer. Man findet die Käfer von Juni bis August.
Die Larven des Moschusbocks benötigen für ihre Entwicklung zum ausgewachsenen Käfer zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit ernähren sie sich xylobiont bevorzugt vom Holz von Weiden. Aber auch andere Weichhölzer wie Pappeln oder Erlen werden befallen. Besonders häufig erfolgt die Eiablage auf älteren, bereits anbrüchigen Bäumen. Ein ideales Habitat stellen Kopfweiden für diese Käferart dar. Aber auch Auwälder und Erlenbrüche sind ideale „Kinderstuben“ für den Moschusbock.
Aufgrund des Rückganges von Erwerbszweigen wie der Korbflechterei ist die Pflege und Bewirtschaftung der Kopfweiden stark zurückgegangen. Durch Entwässerung und intensive forstwirtschaftliche Nutzung verbleiben auch immer weniger Auwälder und Erlenbrüche, in denen sich die Larven entwickeln können. Diese Faktoren haben zu einem merklichen Rückgang des Bestandes geführt. Dem Moschusbock wurde daher gemäß BNatSchG und BArtSchV der Schutzstatus „besonders geschützt“ eingeräumt.

Wikipedia

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

8 Kommentare zu “Vier Tage mit Carl-Gustav

  1. gluecksburg sagt:

    Schöne Geschichte und schöne Fotos! Viele Grüße!

  2. satayspiess sagt:

    Was für ein schönes Tier!! 🙂
    Aber was ist das da für ein interessantes Gestrick am Baum?

  3. teff42 sagt:

    stattlicher Kerl…

  4. Bibo59 sagt:

    Schön, der Herr von Bock. Naja, Apfelschorle ist ja auch ausgelaufener Pflanzensaft.

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