Die Musik meines Lebens, Teil 1

Der Herr F. ist schon seit längerem im CD-aufstöber-Fieber. Will heißen, er hat ein paar Plattformen entdeckt, auf denen es sich ganz gut nach gebrauchten CDs zu angemessenen Preisen suchen läßt und füllt nun nach und nach seine Sammlung mit all dem, was er vermißt, weil er’s nur auf Platte – also Vinyl – hatte.

Wie schon mehrfach hier erwähnt, ist ja das Musikmedium meines Herzens immer die Kassette gewesen (und sie wird wohl auch nicht ersetzt werden können). Inzwischen aber habe ich keinen tatsächlich sich gut anhörenden Kassettenrekorder mehr. Mein Tapedeck schied dahin, das vom Dachboden eines Freundes klingt dumpf, vernünftige Auto-Anlagen (das heißt solche mit Kassettendeck) sind nicht mehr zu finden – wohl oder übel muß ich also in den sauren Apfel beißen und auf CD umstellen. Das fällt mir viel schwerer als LP-Freaks, aus mehreren Gründen

  1. Jahrzehntelang wars mir schnuppe, wie LP hießen. Ich habe auf meinen Kassetten-Covern Liedtitel und Band notiert, weiter nichts.
  2. Oft genug habe ich auch noch von verschiedenen Platten die Titel zusammengestellt, die ich mochte.
  3. Und da ich häufig die Platten aufgenommen habe, während man gemütlich beisammensaß, und ich dann keine Zeit gefunden habe, Titel zu notieren, hab ich manchmal auch bloß mir eingängige Refrain-Zeilen als Titel notiert. Ich wusste ja, was ich suche und wo ichs finde
  4. Außerdem habe ich natürlich unendlich viele unendlich gute Mix-Tapes

Das führt dazu, daß für Jemanden wie mich vielgeliebte Musik kaum noch hörbar ist, denn ich bin nicht der Typ Mensch, der nun Plattennamen recherchieren würde. Aaaaaaber- inzwischen hat der Herr F. viele seiner CD-Wünsche erfüllt, doch das Fieber ist offenbar nach wie vor nicht gesunken – also hat er mich gefragt, ob ich nicht irgendwelche Platten hätte, die ich gern endlich mal auf CD hätte, der Gute! Habe ich nicht, denn vor Abschaffung des Plattenspielers hatte ich sämtliche LP auf CD gebrannt. Aber Kassetten hatte ich! Allerdings mit oben erwähntem verschärftem Aufstöber-Schwierigkeitsgrad *g*

Nichtsdestotrotz hat der Herr F. sich auf Recherche-Tour begeben und tatsächlich im Laufe der Zeit einige der geliebten Platten als CDs aufgetrieben. Feine Sache, allerdings gibt es Probleme, die wahrscheinlich nur die Generation 40plus überhaupt noch nachvollziehen kann. Denn

  • nun muß ich Titel hören, die ich garnicht mag (oder besser gesagt, die ich vor 25 Jahren nicht mochte, deshalb nicht aufgenommen hatte und jetzt garnicht KENNE *g*)
  • Ich höre Musik in falscher Reihenfolge – ein Problem, das in Zeiten von „Shuffle“-Tasten wahrscheinlich Niemand mehr kennt: man hörte notgedrungen auf Kassette immer dieselbe Folge von Liedern, und so hakt es immer bös‘ im Kopf, wenn plötzlich ganz was anderes nach dem letzten Ton eines Stückes kommt. Und so ist es beim hören mancher Musik unabdingbar, daß Lieder in der richtigen Reihenfolge kommen! Die richtige Reihenfolge aber ist nicht unbedingt identisch mit der Reihenfolge auf CD….
  • Deshalb ist es zB auch unbedingt notwendig, daß nach der Cream-Platte ein paar Stücke „Them& Van Morrison“ kommen, sonst fehlt da was (schließlich wusste ich jahrelang nichtmal, daß da ein Bandwechsel auf der Kassette war) Und was wäre Melanie ohne Eric Clapton nach ihr? Denn so eine 90er-Kassettenseite ist ja mit 45 Minuten oft länger als eine ganze Platte, also hat man passendes aufgefüllt…..
  • Und es gibt sogar ganz unerhörte Sachen, nämlich daß eine Doppel-LP zur Einzel-CD gemacht wurde – mitsamt Verlust von über 10 Titeln – so sagt der Herr F., sei es bei einer Cat Stevens-Aufnahme, die ich mir überspielt hatte. Und ich hatte natürlich gedacht, es läge an mir und meinen Aufnahme-Techniken, daß da viel mehr Stücke drauf waren als ich in irgendwelchen CD-Angeboten gefunden hatte, aber weit gefehlt….

Tja, diese Art Bedürfnisse kann mir nicht mal der Herr F. erfüllen, aber ansonsten ists schon wunderbar, daß ich jetzt, nach sieben Jahren TIGER-bedingter Abstinenz* wieder Musik hören kann. Und dann noch wichtige Musik, die fast weg war!

Damit komme ich zum Ende des ersten Teils des Berichtes über die Musik meines Lebens, der sozusagen eine Einleitung ist. Denn im Zuge dieser komplizierten Musik-Wiederfindungen habe ich festgestellt, was ich zuvor so nicht gewußt hatte: daß es wirklich nur EINE Musik gibt, die ich kenne, seit ich 15 oder 16 bin und die mich seitdem ununterbrochen begleitet hat (im Sinne von: sie wurde kontinuierlich in allen Lebensphasen gehört und sie wurde ebenso kontinuierlich immer gemocht, wenn sich auch die Lieblingstitel innerhalb der LP/ Kassettenseite immer mal geändert hatten)

Gell, das ist mal ein Cliffhanger – ich hoffe, die Spannung ist unerträglich *gg*


*Wer 3-5x wöchentlich 8 Stunden lang zwangsbeschallt wird, der stellt irgendwann fest, daß alles außer Stille nicht aushaltbar ist. Nach wenigen Wochen ohne diese Beschallung finde ich mich vor dem CD-Regal wieder und merke, wie gut es tut, selbstgewählte Musik zu hören 🙂

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

20 Kommentare zu “Die Musik meines Lebens, Teil 1

  1. tourvel sagt:

    Kenne ich so ähnlich 🙂 Ich weiß immer, was als nächstes kommt, ohne das bewusst abgespeichert zu haben. (Das war jetzt Copy and Paste ;))
    Tatsächlich habe ich auch noch diverse Kassetten und darunter auch ein paar Mixtapes. Bei einigen habe ich das gleiche Problem wie du, nämlich dass ich nicht weiß von wem der Song ist und wie er wirklich heißt. Habe schon vor längerer Zeit angefangen Kassetten durch CDs zu ersetzen, was bei Hörspielen auch gut funktioniert, bei den Mixtapes ja leider nicht 😦

    • Fjonka sagt:

      Inzwischen gibts ja für alles eine App, die zu diesem Thema heißt Shazan – gibt ganz wenige Stücke, die wir darüber nicht gefunden haben: einfach anschalten, Stückchen vom Lied vorspielen, suchen lassen – zack. Allerdings löst es nicht das Problem, wie man dann die Mixtapes auf CD kriegt, da müsste man dann ja 20 CDs kaufen, um das wieder auf einer zusammenzustellen….
      Leider gehen mir inzwischen auch die ersten gebrannten CDs kaputt. Eine meiner BC-Mixes ist auf diese Art verloren, weil die sich schon schredderig anhörte, als der Herr F. sie mir aufs mp3 überspielen wollte *seufz*

      • tourvel sagt:

        Stimmt. Ich habe die App zwar schonmal ausprobiert – für etwas koreanisches, dass sie nicht gefunden hat 😦 – aber dann habe ich sie auch schon wieder vergessen.
        Ich spekuliere darauf, dass es die Sachen irgendwo digital zum Herunterladen gibt, dann muss ich keine komplette Platte kaufen.
        Wo wir bei Platte sind: Der Mann hat sich Anfang des Jahres wieder einen Plattenspieler zugelegt und investiert jetzt wieder in Vinyl 🙂

        • Fjonka sagt:

          Dieses Musikrunterladen haben wir noch nicht drauf, zumal wir „googlefrei“ unterwegs sind. Aber ist natürlich ne Möglichkeit😃
          LP hab ich noch.nie gemocht, aber die sind ja wieder sehr beliebt grad….

  2. teff42 sagt:

    ich hatte auch tapes, aber nicht so diese Verbindung dazu. Ich bekam einige von einem guten Freund, mit Sachen drauf, die ich heute nur nochschröcklich finde, aber nicht nur. CD hat den Vor/Nachteil, man kann schnell was überspringen. DAs schafft und niimmt Chancen sich ein Stück zahm zu hören. Ehrlicherweise vermisse ich die Tapes nicht und auch die Reihenfolgen der Stücke sind mir nicht mehr wichtig, ich habe zu meiner schärfsten Itunes Zeit sogar Hörbücher im Shuffelmodus gehört, was die meisten Leute (zu recht) komisch finden.

    Was ich etwas vermisse ist die Spannung ein Lied mitzuschneiden, also nicht zu viel am Anfang zu verlieren und möglichst eben kein Gequatsche am Ende reinzubringen.
    Unser System ein Tape zu überspielen war zwei Casettenrecorder (wir Geschwister hatten jeder einen Recorder, aber keinen mit Doppeldeck) gegenüberzustellen, Play und Record zu drücken und alle Geräusche möglichst zu verbannen. Hat nicht immer geklappt 😉

  3. realkiku sagt:

    Und dann gibt es bei mir die Radio-Mitschnitte! John Peel, Ecki Stieg und Paul E. Pop (Joachim Deicke). Habe ich gerne noch im Auto-Kassetten-Radio abgespielt, aber das neue Auto hat auch nur noch so einen schmalen Schlitz, wo die gar nicht rein passen 😉 Schlimm ist das! Man kann die Kassetten aber wohl auch digitalisieren lassen…(?)

  4. Maenade sagt:

    Ich habe früher auch viel Mixkassetten gebastelt, für besondere Anlässe (Reisen,…), für mich, für andere. Den Verlust von zweien davon bedauere ich gelegentlich heute noch sentimental, der Rest wartet geduldig bei meiner Mutter darauf, dass er endlich hier einziehen darf. Ich habe nämlich ein gutes Kassettendeck! Später, bis heute, hab ich nach gleichem Prinzip auch CDs gebaut, Shuffle geht da gar nicht – und sowieso nur bei Best ofs u.ä.
    Sollte ich jemals den Rechner mit der Anlage zusammenbringen und die nötigen Programme und so, werde ich versuchen, an Deine Kassetten zu denken. 🙂

    • Fjonka sagt:

      Mix-CDs habe ich auch gemacht, aber auch da: ist nicht dasselbe, und abgesehen von den legendären BookCrossing-Mixes habe ich auch selbst gaaaaanz selten welche bekommen und schon garnicht so gern gehört wie die Mix-Tapes. (Auch da Ausnahme: die BC-CDs, die höre ich sehr häufig)

  5. Marianne sagt:

    Hach-du sprichst mir aus der Seele!!! Ich vermisse den Cassette Recorder im Auto seit Jahren! Und ich kann mich nicht von meinen „Superkassetten“ trennen. 😐 Meine CDs höre ich gar nicht so oft.

  6. Bibo59 sagt:

    Ja. kann ich nachvollziehen. Ich hatte auch als Erstes einen Cassettenrecorder, offiziell zum Vokabeln-lernen, und die selbst aufgenommenen Tapes waren etwas ganz besonderes: Mono mit dem Überspielkabel am väterlichen Radio angeklemmt und dann mit dem schnellen Finger… Immer fehlte vorne etwas und hinten plapperte ein ungeduldiger Moderator rein. Dann gab es eine Kompaktanlage, und einen ungeduldigen Freund „Hat die einen Lift?“ der mir eine Nadel so in meine neue Supertramp-Platte rammte, dass eine Lücke im Text blieb. Später auf CD konnte ich mich lange nicht daran gewöhnen, dass Roger Hodgson da einfach weiter gesungen hat. Aber trotzdem ist für mich die richtige Reihenfolge meistens doch die LP oder CD Reihenfolge. Es gab auch mal eine Cassette, von einem Freund überspielt, ohne Titel. Später, als ich dann mit der Nase auf Genesis gestoßen wurde, stellte ich fest, dass ich Genesis schon lange kannte: The Musical Box hieß das Stück. Ich liebe es bis heute. Leider wurden bei meinem letzen Umzug wesentliche Teile meiner Stereo-anlage beschädigt und weil ich damals so was von blank war, konnte ich mir auch nichts neues leisten. CDs kann ich nur mit Kopfhörer hören, oder ich missbrauche meinen Klapprechner als Abspielgerät. Manchmal gibt es auch ganz gute Life-Konzerte auf arte oder Youtube zu sehen/hören. Seit Mai bin ich ja nicht mehr ganz so blank und ich überlege, ob ich in eine Kompaktanlage investiere. Aber immer noch habe ich dieses Gefühl von „Hoffentlich geht nichts wichtiges kaputt“ das mich davon abhält. Kann man wahrscheinlich nur nachvollziehen, wenn man mit sehr wenig Geld auskommen musste.

    • Fjonka sagt:

      Ich hatte anfangs nichtmal ein Überspielkabel. Die Eltern wurden zum schweigen verdonnert, es gab böse Szenen, wenn Jemand nicht dran dachte – aber Ricki, mein Wellensittich, ist auf den ganz alten Kassetten immer im Hintergrund zu hören *g*
      Und klar, immer die Moderatoren, die reinreden – SCHLIMM!!! *ggggg*

    • Bibo59 sagt:

      Kaum schrieb ich dies, kackt mein Computer ab.

  7. wattundmeer sagt:

    Moin. Ich habe keine meiner alten Kasetten mehr und bedaure das mittlerweile. Hast Du schon mal überlegt, die Kassetten zu digitalisieren? Kann man machen lassen (gegen Geld) aber auch selbst versuchen: https://www.kassetten-digitalisieren.de/

    • Fjonka sagt:

      Ich habe sie halt zT auf CD gebrannt, aber die Qualität (der Kassetten) ist nicht so gut und vor allem die der noch vorhandenen Abspielgeräte nicht.
      Digitalisieren würde mir nicht helfen, weil ich sie dann zwar digitalisiert hätte, aber nicht hören könnte *g* Habe nur ganz normale (für mich, also will heißen altmodische nicht-virtuelle, mit Hardware also Vinyl/ Kassette/ CD) bestückbare Abspielgeräte.

      Ich überlege ehrlich gestanden auch, meine Kassetten (zumindest die nicht-Mixtapes ohne schöne selbstgemachte Cover und Titellisten und so…) endgültig auszusortieren. Auf die kleine Möglichkeit hin, daß ich doch nochmal ein Auto-System mit Kassette auftreibe die Dinger weitere Jahre aufuzubewahren – das bringt’s ja auch nicht wirklich… Wieso bedauerst Du.denn, sie nicht mehr zu haben?

      • wattundmeer sagt:

        Weil sie unwiderruflich weg sind und ich bestimmt nur so in Nostalgie schwelgen würde, wenn ich sie noch einmal hören könnte 😉 Viele Erinnerungen verbindet man doch mit der Musik.

      • Bibo59 sagt:

        Dazu müsste ich erstmal ein Auto auftreiben. 😉 Mein letztes Auto hatte einen Cassettenrecorder, der aber hat alle Tapes verschlungen, früher oder später. Da half auch kein Bleistift. Wie sagt die Kölsche: „Wat fott es, es fott.“

Platz für Klönschnack ...

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