Selektive Wahrnehmung

Es ist immer wieder putzig: kaum befaßt sich frau mit einem bestimmten Thema, schon knallt ihr von allen Seiten dazu passendes ins Gesichtsfeld:

  • Hat es je so viele unterschiedliche Fensterarten gegeben wie damals, als ich die Tropneholzdinger, die dazu noch undicht waren, ersetzen wollte?
  • Nie gab es so viele Sorten Dachziegel wie ganz plötzlich zu der Zeit, als mein Dach neu eingedeckt werden sollte
  • Oder die Bienen – seit wir die Bienen haben, sehe ich unsere ganze Landschaft mit völlig anderen Augen. Vorher fand ich Schleswig-Holstein wegen seiner Landschaft so schön: die Wiesen, die Knicks dazwischen….. jetzt sehe ich, wie wenig „Wiese“ unsere Wiesen hier sind. Wie langweilig  die Gärten. Wie wenig Wald es gibt. Aber ich weiß jetzt auch, was ich nie wußte: wann blühen die Weiden? Ach, das gelbe da sind Kornelkirschen!? Und so sehen sie also aus, die Felsenbirnen. Und ich freue mich an dem Neuen, das ich entdecke.

Lange Rede, kurzer Sinn: meine Tierliste *gg* Kaum habe ich sie veröffentlicht, schon sind überall neue Tiere zu finden. Allein schon die Vogelfutterstelle – letztlich der Bergfink – und dann saß ich natürlich immer wieder am Fenster, um vielleicht doch noch ein vernünftiges Foto machen zu können (nein, es hat nicht geklappt!) und sah einen ganz seltsamen Spatzen. Einen, der so komisch mit dem Schwanz zuckte. Der ganz anders hüpfte als die anderen – und Moment mal, ist das braun des Rückens nicht anders? Rotbraun, nicht so graubraun wie bei Spatzens?

Und tatsächlich, Fotos gemacht

und nein, das ist gar kein Spatz! (Ich brauche dringend einen besseren Fotoapparat…..“in echt“ sieht man deutlich die rotbraune Ober- im Gegensatz zur grauen Unterseite. Aber man erkennt immerhin den spitzeren, längeren Schnabel) Vielmehr wagt sich die scheue Heckenbraunelle tatsächlich ausgiebig und garnicht scheu an den Futterplatz und pickt gemeinsam mit Buch- und Grünfinken, der Spatzenhorde, Amseln und werweißwasnoch am Boden herum, wobei sie viel häufiger Blätter wendet – auf der Suche nach Insekten – als die Spatzen!

Wenn mans erstmal weiß, kann man sie eigentlich überhaupt nicht verwechseln……

In der Liste ist sie zwar schon, dank der Fangaktion im letzten Frühjahr. Aber sie so in Aktion beobachten zu können – das ist dann doch gleich wieder ganz was anderes 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

9 Kommentare zu “Selektive Wahrnehmung

  1. satayspiess sagt:

    Wir hatten letztes WE auf Lühesand auch eine Heckenbraunelle. Ich meinte zwar, sie vom Gesang her sicher erkannt zu haben. Aber ich dachte die sitzen immer versteckt in einer Hecke oder Gebüsch (der Name, das schon von Bibo erwähnte Buch …). Die saß aber nun oben auf der Baumspitze wie sonst eher ’ne Singdrossel und schmetterte lauthals in die Gegend. Aber nun, vielleicht gibt es auch bei den Heckenbraunellen Individualisten. 🙂

    Ich bin übrigens dem Link zum Vogelfang gefolgt. Sehr interessant. Das mit dem Brutfleck wusste ich noch gar nicht. Machen das nur die Meisen?

    • Fjonka sagt:

      Ich bin auch überrascht, wie wenig scheu die sind: wenn die Spatzenhorde auffliegt, gucken die Braunellen mal – und bleiben meist sitzen. Auf der offenen Fläche des Futterplatzes, wo es doch immer heißt, die leben versteckt im Gehälz und huschen mal so eben irgenwo schnell längs…. nicht unsere *g*
      So wie ich verstanden habe, was unsere Vogelexperten erzählten, gibt es das mit dem Brutfleck nicht nur bei Meisen.

      • satayspiess sagt:

        Ich hab‘ jetzt mal meine Helgolandbilder vom letzten Herbst hergenommen. Da habe ich nämlich beim Besuch des Fanggartens eine der Karten fotografiert, die da rumgegeben wurden. Da ich nicht weiß, wie ich das Foto hier posten kann, schicke ich es dir gleich per Mail. Zu dem Foto wurde gesagt, dass der Vogel links gut im Futter steht für den Weiterflug, der rechts aber nicht. Brutfleck und Fettpolster sind wohl verschiedene Dinge?

        • Fjonka sagt:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Brutfleck da steht erstmal deutlich: haben ganz viele Vögel. Aber eben nur zur Brutzeit, nicht zur Zugzeit – insofern vermute ich mal, daß auf den Fotos, um das zeigen zu können, „nachgeholfen“ wurde. WISSEN tu ichs allerdings nicht.

          • satayspiess sagt:

            So! Die Expertin schreibt:
            „ich (…) und kann den Anhang nicht öffnen.
            Aber ich kann dir sicher sagen, dass man beim beringen das Gefieder
            wegpustet um die Konditionen Fett und Muskel anzugucken. Beim brutfleck
            ist die kahle Stelle sichtbar ohne zu pusten und größer.
            Der brutfleck ist auch meistens schrumpelig, manchmal sieht man ein
            bisschen Blut von ausgezuppelten Federn.“

            Nu wissen wir’s! 🙂

    • Bibo59 sagt:

      Hier sitzen die Heckenbraunellen auch offen auf dem Kabel rum. Von wegen versteckt. Wahrscheinlich werden sie öfter für Spatzen gehalten, oder einfach übersehen.

  2. Bibo59 sagt:

    Leider führt selektive Wahrnehmung meistens nicht wie bei dir zur Ausweitung des Gesichtsfeldes, sondern zur Einschränkung.
    Da ist der Autofahrer, für den alle Ampeln auf rot stehen und alle radfahrer einfach rüber fahren.
    Oder der Veganist, für den das größte Problem überhaupt der Fleischkonsum anderer Menschen ist, und der geflissentlich die wichtige ökologische Funktion der Rindviecher auf Holnis und der Schafe in der Heide negiert, so oft man sie ihm auch erklären mag. Für den Avocado und Bananen viel besser sind als Rindfleisch und ausgeräumte Landschaften quasi gar nicht vorhanden. Plastikmüll? Welcher Plastikmüll?
    Auf Holnis habe ich im Herzen des Tals gelesen http://www.bookcrossing.com/journal/6530572/ und nachgeschaut, wie so eine Heckenbraunelle eigentlich aussieht. Seitdem sehe ich sie überall. In meinem Garten mindestens ein Paar, aber leider auch als Todfund, denn sie klatschen gerne mal gegen Glasscheiben. Ich traue mich schon gar nicht mehr die Fenster zu putzen.

    • Fjonka sagt:

      Ich würde es bei mir als „zeitweilige Gesichtsfeldeinschränkung“ bezeichnen. Bis halt der Fokus wieder woanders liegt *g* Klar, das kann immer positiv und negativ ausgehen. Auch ich kenne durchaus auch die andere Seite, wenn ich plötzlich überall nur noch totgespritzte Flächen sehe oder schreiende Kinder höre oder…. aber ich versuche ja inzwischen, bei sowas konstruktiv zu sein und aktiv in andere Richtungen zu gucken (oder zu hören)
      Wenn man erstmal stark auf eine Sache fixiert ist, dann wird es schwierig, auch mit dem nachvollziehen von Argumenten anderer Leute …

Platz für Klönschnack ...

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