Fans und Patrioten

Das Wetter ist so schlecht derzeit, daß abends fast nichts anderes übrigbleibt als sich Fußballspiele anzusehen.

Während des Geschibbels fällt mir wiedermal auf, daß ich es eigentlich nie hinkriege, ein ganzes Spiel lang für dieselbe Mannschaft zu sein. Meist wechselt meine Solidarität mehrfach:

spielt eine Mannschaft gut, wünsche ich ihr, daß sie belohnt wird. Hat sie dann mehrere Tore geschossen, setzt mein Mitgefühl mit den Gegnern ein. Ich fiebere für sie mit, damit sie nicht so bestürzt wirken.

Dann fangen die Loser an zu foulen. Oder die Fans pfeifen und buhen jedesmal, wenn die Anderen am Ball sind. Oder….es gibt viele Möglichkeiten, jedenfalls: ich reagiere mit Entzug des Mitgefühls. So kann das in 90 Minuten einige Male hin- und herwechseln, und eigentlich ist mir auch nicht wirklich verständlich, wie andere Leute es machen, immer für eine Seite zu sein, einfach nur, weil sie beschlossen haben, daß diese Seite „Wir“ sei.

Kennt Ihr das, oder seid Ihr „fest im Wir“?

Wie auch immer – Polen gegen Kolumbien ist einfach langweilig anzuschauen…. *g* und gerade gabs das 2:0 und ich schätze, demnächst muß ich Polen wünschen, daß sie zumindest noch EIN Tor hinkriegen….

P.S. der Herr F. kichert grade beim lesen und meint, er fürchte, ich sei da relativ alleine mit…. *g*

P.P.S. 3:0 Die freuen sich so niedlich, und die Polen sind eher patzig als traurig. Ich glaube, mehr als ein Tor brauchen die nicht zu kriegen, aber eines wäre schon okay, ne?

P.P.P.S. aufgrund der Kommentare: bei mir ist das auch so wie oben geschildert, wenn die deutsche Mannschaft spielt. Der gegenüber habe ich genausowenig „Wir“ wie bei allen anderen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

27 Kommentare zu “Fans und Patrioten

  1. Maenade sagt:

    Mir geht es meistens wie Dir. Aber nachdem neulich im Radio ein Politikwissenschaftler überzeugend dargelegt hat, warum ein schlechtes Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM vermutlich für einen Aufschwung der AfD sorgen würde, ein gutes Abschneiden hingegen die Regierung (bzw. die 87%-Meinung) stärken, habe ich spontan auch für die deutsche Nationalmannschaft die Daumen gedrückt. – Mal abgesehen davon, dass ich bei der Spielkonstellation wohl auch sonst für die deutsche Mannschaft gewesen wäre: Die haben besser gespielt und immer wieder Pech gehabt. Sonst auch hier: Vorher überlege ich mir oft, für wen ich wohl bin, dann können die Sympathien aber durchaus auch wechseln, je nach Glück, Pech, Spielverhalten, … Du bist nicht allein! 😉

    • Fjonka sagt:

      Waaaaaas!?
      Erzähl mal, weißt Du noch die Zusammenhänge, die dieser Politikwissenschaftler da festgetellt hatte?? Puh!
      Heute werde ich übrigens tatsächlich noch einen Public-Viewing-Versuch starten. Und zwar, weil ich meine neuen Gleitsichtgläser abholen kann, was aber 2-4 Stunden ohne Brille bedeutet – ideal für eine Großbildleinwand im Sonnenschein *g*

      • Maenade sagt:

        Ich kriege das nicht mehr zusammen, aber ich hatte das vorher schon mal grundsätzlicher gehört (also ohne AfD), dass positive Ergebnisse gut für amtierende Regierungen sind. Eine erste Internetsuche hat gerade nichts gefunden. Wenn mir was über den Weg läuft, melde ich mich! 🙂
        Viel Spaß beim Gucken! Ich habe tatsächlich in der Zeit ein paar andere Termine, komme aber sicher am ein oder anderen öffentlich aufgestellten Fernseher vorbei. Da hier im Zweifelsfall bei jedem Deutschland-Tor geböllert wird, bekommt man die Tore eh‘ mit (nur hinterm Haus gab’s Feuerwerk bei der roten Karte für Boateng).

  2. ladypark sagt:

    Für mich ist das einzig Wahre der Vereinsfußball und da gibt es NATÜRLICH ein WIR! Einmal Borusse, immer Borusse, egal wie traurig die anderen gucken. 😉 Ich fiebere jede Woche in der Bundesliga mit und verfolge täglich Vereins- und Fußballnachrichten. Da entwickelt sich über viele Jahre (bei mir schon 30!) ein WIR-Gefühl und eine emotionale Verbundenheit.

    Die Nationalmannschaft ist ein zusammengewürfelter Haufen, der sich nur ab und zu trifft und in immer wieder wechselnden Besetzungen trainiert. Die können nicht so gut sein wie eine eingespielte Vereinsmannschaft. Typisch z.B. Polen: Ein Lewandowski ist da nur ein Schatten seiner selbst, da er eine nicht wirklich eingespielte Mannschaft um sich hat.

    An der WM interessiert mich, die vielen Spieler, die ich aus der Bundesliga und den internationalen Wettbewerben gut kenne, in ihren jeweiligen Nationalmannschaften zu erleben. Und da fiebere ich mit denen, die ich als Spieler gut finde, egal ob deutsch oder von sonstwo. Und klar, in der Nationalmannschaft „kenne“ ich fast alle Spieler aus ihren jeweiligen Mannschaften und bin dann tendenziell für Deutschland.

    Es sein denn, es geht gegen Portugal, dann bin ich für Portugal. 🙂

    • Fjonka sagt:

      Aber wieso ausgerechnet Portugal?
      Ich sehe die grad: lauter Schmierlappen optisch, und spielen todlangweilig.

      • ladypark sagt:

        Wie gesagt: Mich interessieren nicht so sehr die Nationen, sondern vielmehr die fußballerischen Qualitäten einzelner Spieler. Und es ist eben immer wieder faszinierend, einem Fußballer wie Ronaldo zuzuschauen. Solche Könner sind einfach eine Augenweide. Und sein teilweise exzentrisches Gehabe ist einfach Kult. Solche Typen braucht der Fußball.

        Man sollte eben nicht immer alles so bierernst nehmen. Wir amüsieren uns immer über Ronaldos Gehabe, aber der Typ lebt eben Fußball und das zeigt sich letztlich in seiner außergewöhnlichen Kunst und Brillianz.

  3. wattundmeer sagt:

    Genau, wenn die deutsche Mannschaft spielt, bin ich auch für „uns“. Sonst geht’s mir aber schon wie Dir. Die Sympathie kann wechseln. Das hat dann wohl was mit Empathie zu tun. Immer für die Sieger sein finde ich zu einfach.

  4. Also wenn die deutsche Mannschaft spielt, bin ich schon für die Deutschen, ansonsten auch schon mal für die Engländer oder die Niederländer. Die Isländer haben auch meine Sympathie. Nichts desto trotz haben die deutschen verdient gegen Mexiko verloren. Wir schauen im Moment schon die Spiele, aber meistens dann auch mit wechselnden Sympathien.

    • Fjonka sagt:

      Ja, die Isländer… leider spielen sie immer wenn ich arbeite, nicht abends. Beim letzten mal waren die wunderbar anzusehen, mit ihrer Freude und dem Uh-uh, das keine anderen Fans hingekriegt haben! (Machen sie das diesmal auch???)

  5. Bibo59 sagt:

    Ganz ehrlich finde ich es noch spannender, dem Gras meiner Wiese beim Wachsen zuzusehen als ein Fußballspiel im Fernsehen.
    Ich habe ja oft für die Sportredaktion gearbeitet. Sonntags gab es mehr Geld, man musste nicht viel bei denken und die Jungs da waren nett und pflegeleicht. Wenn der Peter sagte: „Ist das nicht ein geiles Tor?“ antwortete ich: „Jaja, geiles Tor.“ Und ich kann bis jetzt kein geiles von einem ungeilen Tor unterscheiden.
    Fußball-Fans, die in besoffenen Horden gröhlend durch die Stadt ziehen machen mir Angst.
    Aber was soll’s Ich habe genug zu lesen im Haus bis der Spuk wieder vorbei ist. Und in der Arte-Mediathek gibt es Konzerte und Dokus.

  6. Na, ganz alleine biste nicht. Jedesmal wenn jemand berichtet WIR hätten diese oder jene Meisterschaft gewonnen muss ich einfach fragen: „Du und wer noch?“ HIer hält sich die WM-Begeisterung übrigens in Grenzen.Während bis zur letzten EM JEDE Gelegenheit von zum nächtelang rumfahren um zu hupen und zu böllern genutzt wurde, wars vor allem gestern vergleichsweise lahm. Und bis gestern war so gut wie gar nix los. Da ich nicht glaube, dass die Fußballfans jeder Nation mittlerweile gelernt haben, ihre Emotionen in einer verträglichen Lautstärke auszudrücken, gehe ich davon aus, dass das Interesse in diesem Jahr nicht so groß ist.
    P.S.: So langweilig kanns mir gar nicht sein, dass ich Fußbal gucke.
    P.P.S.: Dank für die Karte! Das war eine richtig schöne Überaschung! Noch zwei Wochen lernen, dann ist erstmal Ruhe für 2 Monate.

    • Fjonka sagt:

      So? Hier wars ja noch nie groß laut, deshalb weiß ich nicht, wies hier in der Gegend ist.
      Und:
      🙂

    • Bibo59 sagt:

      „So langweilig kanns mir gar nicht sein, dass ich Fußball gucke.“
      Du sprichst mir aus der Seele.

    • Rosenfrau sagt:

      *lach* Mit dieser – oder einer ähnlichen – Frage verscherze ich es mir auch gerne. Die Kollegen haben mich auch aus dem Tip-Spiel ausgeschlossen, weil ich alle Vorrundenspiele der Deutschen richtig getippt hatte; alle – bis auf das gegen Schweden 😀 Ansonsten habe ich „Audio-WM“ – und weiß seit ein paar Tagen, dass ein paar Häuser weiter ein Russe wohnt und die A….löcher über mir Iraner sind. fernsehen bildet sogar, wenn man’s gar nicht anschaltet. Manchmal zumindest 😉

      • Bibo59 sagt:

        Fernsehen bildet, aber nur, wenn man es selber macht. Stimmt total, weil man sich ständig kreativ mit Themen befassen muss, die einem sonst völlig am A… vorbei gehen. Ich kenne jedenfalls die HSV und Bundesliga-Spieler der 90er und frühen 2000er.

  7. RalfH sagt:

    Nö, da habe ich gar kein Problem mit. Ich freue mich für die Kolumbianer und finde, dass sie wesentlich besser als die Polen spielen. Drum haben sie auch gerade zu recht das 3:0 geschossen! Noch unproblematischer ist die Sache wenn Deutschland spielt, da identifiziere ich mich selbstverständlich mit dem deutschen Team! Aber generell ist der Weg vom Fußballfan zum Idioten nicht sehr weit und daher bin ich kein Fussballfan!
    Wie halten es denn Zabi und der Dicke mit der WM?

    • Fjonka sagt:

      Na, wenn „selbstverständlich“, dann bist Du also einer von der“ Wir“ – Fraktion 🙂 soso….

      Dem Herrn ist es prinzipiell, egal wer spielt, wurscht, wer da gewinnt. Er guckt ganz gern mal, Büschen Spannung und so, aber eben ohne Präferenzen.Und der Dicke guckt die ganze Zeit uns an statt dasTV. Weil, WIR
      haben die Futterdosen….

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