Unterwegs – eine Sommer-Exkursion

14. Juli 2018

So hübsch behütet kann der alte Stamm noch lange als Futter- und Nistort für Vögel und Insekten dienen

Dunkle Wolken liegen über Schwansen, als wir am Straßenrand parken, um endlich mal wieder bekannte und (uns noch) unbekannte Naturgarten-Liebhaber zu treffen. Wir sind vom Naturgarten e.V. eingeladen, den Garten von Ilse gezeigt zu bekommen, und gemeinsam Insekten-Nisthilfen aus Tonröhren und Lehm zu bauen. Danach soll es noch in einen Schmetterlingsgarten einige Kilometer weiter gehen. Wir sind gespannt.

Der erste Eindruck: hier bei Ilse ist es richtig schön kuschelig! An allen Wänden wachsen Klimmpflanzen, überall sind Wege, Nischen, Sitzplätze, und eine uralte, hohle Eiche beschirmt das Gelände. Je mehr man schaut, desto mehr kann man entdecken: Nisthilfen überall, für Vögel und für Insekten. Totholzzäune. Steine. Durchgänge. Wir sind beeindruckt.

Nach einer kurzen Begrüßung werden wir – fast dreißig Leute sind gekommen – in zwei Gruppen aufgeteilt. Ilse erklärt die Vorbereitung für unsere Nisthilfenbastelei, denn damit kann Gruppe eins schonmal anfangen, während Gruppe zwei den Garten gezeigt bekommt. Es stellt sich schnell heraus: was wir da bewundert haben, war erst ein Anfang! Es gibt auch noch einen großen Sonnengarten hinterm Haus, und hier blühen Karde, Steinklee, Oregano, Teufelsabbiß und jede Menge anderer Pflanzen ungeachtet der wochenlangen Trockenheit prächtig, Wildbienen und Hummeln sind in Hundertschaften unterwegs.

Die alte Eiche beschattet das Garten-WC

Und dann ist da ja auch noch der Senkgarten, angelegt in der ehemaligen Klärgrube, deren eine Hälfte noch Teich ist- und an diesem Teich dann der tiefe, windgeschützte Sitzplatz, umgeben von Findlingen und natürlich wild wuchernden Pflanzen – aber zurück in den Hof, nun wird gearbeitet. Das Rezept für die Lehmröhrennisthilfen hab ich Euch hier im Blog ja letztlich schon verraten, also überspringen wir hier mal den Bericht über die arbeitsame Zeit 😉

Nun setzen wir uns ans verdiente Essen, jedeR hat etwas fürs Buffet mitgebracht, und so können wir ordentlich schlemmen und dabei jede Menge spannende Gespräche führen.

Sehr schnell ist schon Zeit, weiterzufahren, es erwartet uns ja noch der Schmetterlingsgarten auf dem Biohof Schoolbek. Und der ist auf eine ganz andere Art beeindruckend! Hier wurde Mutterboden abgetragen, Kies-Schotter-Sand kam hin, es wurden kleine Hügel und eine Senke mit Steintreppen und Teich drin angelegt. Die ganze Bepflanzung ist darauf ausgerichtet, daß Schmetterlinge hier nicht nur für sich selbst Nektar, sondern auch für ihre Nachkommen Futterpflanzen finden können, wie uns Marx Harder erklärt.

warme Senke mit Teich, dahinter die sonnige, magere Wiese

Aber auch Kreuzottern, jede Menge Käfer, Wildbienen, Wanzen undundund leben hier. Und pünktlich kommt auch die Sonne hervor, denn ohne Sonne ist das ja schwierig mit dem beobachten von Schmetterlingen. 😉 Überall sieht man jetzt Menschen sitzen oder knien, die Niströhren im Boden studieren, versuchen, Pflanzen zu bestimmen oder sich erklären lassen, was einen Hauhechel-Bläuling von einem Faulbaum-Bläuling unterscheidet. Mark Harder erkennt sie sogar bei zusammengeklappten Flügeln…..

Als Bonbon obenauf gibt es dann noch eine kurze Wanderung (vorbei an kornduftendem Roggenfeld mit Kamille, Ochsenzunge und Kornblume – weil biologisch bewirtschaftet) zu einer ganz besonderen Fläche: wir erklimmen eine leichte Kuppe und stehen plötzlich im Paradies: eine Dauerweide, seit 30 Jahren ökologisch bewirtschaftet, auf leichtem Sandboden ist per se der Traum jedes Naturgärtners – hier bietet sie auch noch den Blick auf See-, Au- und Waldflächen.

Die Lerchen singen (wirklich, mehrere!!!!), die Sandglockenblumen blühen, der Himmel zeigt sich himmelblau mit Schäfchenwolken – wenn wir uns hier umsehen, dann wissen wir wieder ganz genau, warum wir uns weiterhin für mehr Natur stark machen wollen….

Ich möchte mich noch gerne einem eindringlichen Appell Frau v. Redeckers anschließen: Politisch wählen können wir nur alle paar Jahre mal, und ob unsere Wahlen so viel ändern, das sei noch dahingestellt. Aber wir können täglich wählen, ob wir Bioware einkaufen und dadurch solche Flächen wie diese oder den blühenden Roggenacker fördern wollen oder ob wir mit unseren Einkäufen die konventionelle Landwirtschaft unterstützen – wir haben es (mit) in der Hand, wie unsere Landschaft aussieht!


Fast genauso ist dieser Artikel übrigens just in der neuen „Natur & Garten“ erschienen. Ich wollte dem nicht vorgreifen, daher erst jetzt hier. Und auch mein Beitrag über die selektive Wahrnehmung wurde, umgearbeitet und mit neuen Fotos versehen, auf mehreren Seiten abgedruckt. Das ist schon toll, so gedruckt wirkt das nochmal anders, und ich bin durchaus ein wenig stolz … 🙂

 

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

10 Kommentare zu “Unterwegs – eine Sommer-Exkursion

  1. UrfinBC sagt:

    Da kannst Du auch stolz sein!
    Und ich bin nun so neugierig geworden… aber wo bekomme ich das aktuelle Heft?
    (Auf der Webseite des Vereins fand ich nur das Jahres-Abo oder gleich den Beitritt.)

  2. Stefanie sagt:

    Mensch, Fjonka, über den Zusammenhang von Bioprodukten und schönerer Landschaft habe ich noch nie nachgedacht. Das kommt mir jetzt ganz seltsam vor. Guter Impuls von Frau v. Redeckers!

    • Fjonka sagt:

      Es freut mich, genau das jetzt weitergegeben zu haben – dem Herrn F. war zB (vor schon geraumer Zeit) plötzlich „bio“ wichtiger als „regional“ geworden, als ihm klar wurde: daß er durch „regional, aber konventionell“ all das fördert, was er NICHT will: unendliche Maisäcker, Wiesen ohne Blüten, Insektensterben… und ich finde jeden einzelnen Menschen, bei dem sich da der Schalter umlegt, so , so wichtig!

      Frau v. Redecker fand ich sehr beeindruckend, und ich finde es richtig schön, daß ihre Botschaft nun noch einmal angekommen ist 🙂

  3. ladypark sagt:

    Oh toll, da kannst du wirklich stolz sein. 🙂

  4. Bibo59 sagt:

    Das mit dem täglich wählen ist so wahr! Muss ich mir unbedingt merken.
    Und ja, auf den Abdruck kannst Du auch stolz sein!

  5. wattundmeer sagt:

    Kannst Du, liebe Fjonka!

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