Kleinvieh

… heute zum Thema „Kerzen“

gerade jetzt im Winter stehen bei uns an allen Ecken Kerzen herum: auf dem Küchentisch, im Fensterbrett, im Bad, im Flur an mehreren Stellen…. nicht alle sind immer angezündet, aber irgendwo erhellt eigentlich immer eine eine dunkle Ecke, und das mag ich auch nicht missen. Aber unsere eigenen Bienenwachskerzen sind zwar schön, aber läääääängst nicht ausreichend für so einen langen Winter, und so habe ich sehr häufig auch gekaufte Kerzen brennen. Stinknormale. Stinknormal, ja. Denn die meisten Kerzen sind aus Paraffin:

Paraffin wird aus den sogenannten Schmierölschnitten der Vakuumdestillation von Erdöl gewonnen. (…) Daneben wird es aus Braunkohle, aus bituminösen Schiefern und Torfkohlen hergestellt. (…) Hauptabnehmer von Paraffin ist weltweit die Kerzenindustrie (Teelichter, Haushalts- und Dekorationskerzen). Es ist preiswerter als Stearin oder Bienenwachs, dem es beigemischt sein kann

(Quelle: Wikipedia)

Schön, aber nicht umweltfreundlich: Paraffinkerze

Das ist nichtmal als „peanuts“ abzuschreiben, denn, so las ich, 2005 (Beispielsjahr) wurden 163.532 Tonnen Kerzen in Deutschland verkauft, davon 93% aus Paraffin! Darüber hatte ich noch nie nachgedacht, aber seit es mir ins Bewußtsein gerückt ist, sehe ich diese Kerzen mit anderen Augen. Denn einerseits verbrennt da ja vieles in meiner direkten Umgebungsluft, das ich da vielleicht nicht so unbedingt haben möchte, und andererseits verschwende ich Rohstoffe, wo es andere Möglichkeiten gibt. Da wäre einerseits Stearin:

Stearin wird zu 100 % aus pflanzlichen, bzw. tierischen, und somit nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und kann – im Gegensatz zum Paraffin aus Erdöl – im Idealfall als CO2-neutral gelten. Das ist jedoch nicht der Fall, wenn zur Gewinnung pflanzlichen Öls oder Fettes zunächst Natur-Vegetation beseitigt wird, wie dies beispielsweise bei der Verwendung von Palmöl sehr häufig der Fall ist. Im Extremfall kann durch die Brandrodung von Torfwald das bis zu Siebenfache der CO2-Emissionen im Vergleich zu Paraffin entstehen.

Als Bio-Kerzen dürfen daher nur Stearinkerzen bezeichnet werden, die aus nachhaltig angebauten Rohstoffen hergestellt werden. Die Produktion nach RSPO-Richtlinien („Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“ unter Beteiligung des WWF) ist neben dem Siegel für kontrolliert biologischen Anbau bislang das einzige existierende so genannte Nachhaltigkeits-Siegel für Palmöl auf dem Markt. Bei vielen Umwelt- und Naturschutzorganisationen ist der RSPO jedoch umstritten, unter anderem, weil Palmölfirmen ihre Zertifizierer selbst auswählen und bezahlen, weil der RSPO keine unabhängigen Prüfungen der Zertifikate beinhaltet und weil die Palmöl-Industrie im RSPO stimmenmäßig dominiert.

Eine angeblich höhere Schadstoffbelastung beim Abbrand von Paraffinkerzen im Vergleich zu Stearinkerzen durch Bildung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Dioxinen und Furanen wurde durch Untersuchungen nicht bestätigt.

(Quelle: Wikipedia)

Recycling: abgebrannter Selfmade-Kerzen-Rest mit Teelicht, selfmade, im Glas bestückt ergibt richtig schönes Licht

Ich weiß nicht recht: aufwendig Ackerfrüchte anbauen, um die Produkte zu verbrennen? Ein wenig so wie der Mais für die Biogasanlagen…. Zweifelhaft für mich. Vielleicht nutzbar, wenn bio angebaut. Aber eigentlich, finde ich, nicht wirklich empfehlenswert. Dann gibt es noch Kerzen aus Sojafett, Sonnenblumenöl etc. Für die gilt genau dasselbe.

Als „echte“ Alternative taugen Kerzen aus recycelten Fetten, zb diese hier, Erhältlich sind sie evtl im Bioladen oder Reformhaus, sicher aber im Netz – sogar ganz ohne das böse Am****, das ich zu vermeiden versuche. Vielleicht hat ja schonmal Jemand sie benutzt und kann hier berichten!?

Bienenwachskerzen scheinen mir das beste zu sein: ein Naturprodukt, und bei der Bienenhaltung eh anfallend. Die Bedenken einiger Hardcore-Tierschützer halte ich schlicht für Blödsinn, denn zumindest bei in Deutschland gehaltenen Bienen kann kein Mensch, der sich das mal anguckt, ernstlich behaupten, die Insekten würden schlecht gehalten oder gar ausgebeutet.

Auch Bienenwachs gibt es in Bio-Qualität oder „normal“.

neu, die 1.: Stabkerze, selfmade

Ich persönlich denke, hier ist sinnvoll, entweder „bio“ oder jedenfalls unbedingt Bienenwachs aus Deutschland zu kaufen. Denn in anderen Ländern sind zT heftige Mittel gegen Varroen und andere Krankheiten erlaubt, die sich im Wachs anreichern.

Am besten für uns als Bienenhalter ist natürlich eigenes Wachs!
Ich habe mir zwei weitere Silikon-Kerzenformen besorgt und war schon sehr gespannt, wie die lange Stabkerze abbrennt – ob der laaaange Docht nicht krumm wird im heißen, flüssigen Wachs der dünnen Form, und die Kerze dann leckt ohne Ende?? Letztlich ging es gut: die Kerze leckt zwar, hört aber immer wieder von allein damit auf. Das ist bei den gekauften dieses Formats auch so und sieht schön aus. Man muß halt was drunterstellen, für uns taugen dazu alte Holz-Frühstücksbrettchen. Das Rest-Wachs schmelzen wir beim nächsten Kerzengießen einfach wieder mit ein.

unsere anderen Kerzenarten 🙂 Neu, die 2.: ganz links, mit dezentem Rillenmuster. Das leuchtet schön durch beim Abbrand.

Die weißlichen Beläge sind übrigens bei Bienenwachskerzen normal. Sie entstehen durch Lagerung. Länger gelagerte Kerzen brennen besser und länger, heißt es. Auf dem Bild sehen die Beläge übrigens doller aus als in echt.
Sollten wir zu wenig Wachs haben, dann kaufe ich halt Bienenwachskerzen nach, wenn mein Vorrat an Paraffinstumpen und -stabkerzen aufgebraucht ist.* Nur schade, daß Bienenwachskerzen, abgesehen von Teelichtern, fast ausschließlich zur Vorweihnachtszeit zu kriegen sind. Und selbst da hatte ich jetzt mehrere Weihnachtsmärkte vergeblich nach Imkern mit einer größeren Auswahl an Kerzen abgesucht, bis wir schließlich fündig wurden – in Flensburg, aber offenbar ausschließlich an Samstagen…..


*Harte Prüfung nur eine Woche nachdem ich diesen Beitrag geschrieben und in die „Warteschlange“ zum veröffentlichen geschoben hatte: vorhin war ich in der Stadt und sah, daß meine langjährigen Lieblingsblockkerzen, die großen vom TIG**, gerade jetzt für einige Tage nur noch zwei statt drei Euro kosten sollten. Erstmals nach zehn Jahren gedankenlosen Nutzens habe ich aufs Etikett drunter geguckt und gesehen, was ich erwartet hatte: „100% Paraffin“ – Eine Weile bin ich noch drumrumgeschlichen. Aber dann habe ich beschlossen, meinen frisch gefaßten Grundsätzen treu zu bleiben und nur noch die Restbestände dieser Kerzen aufzubrauchen. Und jetzt, zwei Stunden später, fühlt sich das richtig gut an 🙂

 

Ab zur Einab!!

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kleinvieh.

10 Kommentare zu “Kleinvieh

  1. ladypark sagt:

    Interessanter Artikel! Ich frage mich nur, wenn ihr als Hobbyimker schon nicht genügend Wachs für den Eigenbedarf zusammenbekommt, wie kommt denn dann das ganze Bienenwachs zustande, das für die kommerzielle Kerzenproduktion benötigt wird? Ich habe den Eindruck aus deinem Text und diejudikas Kommentar, dass gar nicht viel Wachs beim Imkern anfällt.

    • Fjonka sagt:

      Es ist so, daß die meisten Imker weniger Wachs haben als wir, weil sie den Honig schleudern, was die Waben wiederverwendbar macht. Das Wachs, das anfällt, wird meist zum professionellen reinigen gegeben und gegen sauberes ausgetauscht, bzw meist verkauft. Nur das frische saubere Wachs, das beim entdeckeln der Honigwaben anfällt, nutzen viele selbst – zum herstellen frischer Mittelwände. Das sind diese Wachsplatten mit eingeprägtem Wabenmuster, die den Bienen zum ausbauen in den Rähmchen in die Beuten gehängt werden.
      Wenn Nicht- Honig- Waben herausgenommen werden, werden von vielen Imkern diesrs Wachs entsorgt, weil das reinigen ihnen zu aufwändig ist.
      Sicherlich gäbe es tatsächlich zu wenig Wachs, würden jetzt aufgrund meines Kleinvieh- Artikels sämtliche Deutsche auf Bienenwachskerzen umstellen. Dann müsste zwangsläufig “ weniger ist mehr“ gelten.
      Ich schätze allerdings, daß die Wahrscheinlichkeit dafür nicht alkzu groß ist 😉

  2. Steffi sagt:

    Das war wieder sehr aufschlussreich. Ich werde gelegentlich mal nachfragen bzw nachprüfen, was für Kerzen wir in unserer Kulturkneipe verwenden und eventuell können wir da ja was ändern. Insbesondere, da ja Paraffin in mehrfacher Hinsicht (Gesundheit UND Umwelt) nicht gut ist. Bislang habe ich da nie drüber nachgedacht. Bei mir zu Hause nutze ich sehr selten Kerzen. Einerseits denke ich da nicht dran was zu entzünden, andrerseits bin ich etwas feuerbammelig, was in einem alten Fachwerkhaus mit viiiiel trockenem Holz sicherlich kein Nachteil ist.

  3. diejudika sagt:

    Sehr interessant Dein Artikel. Ich verwende Kerzen sparsam.
    Mein Gefährte ist seit einigen Jahren Hobby-Imker. Zusammen mit einer Freundin hat er 14 Völker. Aktuell ist er dabei Mittelwände aus eigenem Wachs zu gießen. Für Kerzen würde das eigene Wachs nicht reichen.
    Den Artikel über Kerzen aus recycelten Fetten werde ich später lesen und mit dem Gefährten diskutieren was er als Agrawissenschaftler davon hält.
    viele Grüße Margot

  4. Amely sagt:

    Hallo Fjonka, auf die Kerzenthematik bin ich auch vor eineinhalb Jahren aufmerksam geworden. Aber in deinem Artikel hab ich nochmal einiges Neues erfahren. Mir schien dann Bienenwachs auch die beste Alternative. Die Kerzen bekommen wir nämlich vom Imker vor Ort, oder im Bioladen. Ich hoffe, dass die auch regionales Wachs nehmen, müsste ich mal nachprüfen.
    Insgesamt bin ich zur Auffassung gelangt, das Kerzenlicht ein Luxus ist, den man dosiert genießen sollte. Als Alternative nehmen wir manchmal eine Solarleuchte. Aber das Kerzenlicht ist schon gemütlicher….
    LG und danke für deinen interessanten Beitrag,
    Amely

    • Fjonka sagt:

      Wahrscheinlich wird es bei uns auch auf „weniger ist mehr“ hinauslaufen. Schade eigentlich, aber andererseits weiß man‘ s dann mehr zu schätzen

Platz für Klönschnack ...

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