freitags für die Zukunft

Nicht „auf der Straße“, sondern in einem Naturgarten – schon lange VOR Beginn der Schülerdemos gesehen. Ist durchaus kompatibel (der Garten mit den Demos) 🙂

Heute „streiken“ sie wieder, die jungen Leute. Immer freitags, immer „für die Zukunft“

Inzwischen habe ich verstanden, für was sie auf die Straße gehen – das hat eine ganze Weile gedauert, weil ich zu Beginn nur Allgemeinplätze auf den Schildern las, nur Wortblasen in den kurzen Interviews hörte. Oder „gegen“s, nicht „für“s. (Gegen den Kohleabbau, gegen ein „weiter so“ ) Außer „für das Klima“ – najaaaaaa …. ein ganz winziges bißchen konkreter dürfte das schon sein – Atomkraftwerke sind auch klimafreundlich. Also, nur zum Beispiel mal. *gg*

Inzwischen aber haben sie ein wenig konkretisiert, worum es ihnen geht, und ich finde toll, was sie auf die Füße stellen, jede Woche wieder – und in welchen Mengen (mehr als 1,5 Millionen letztens), in wie vielen Ländern (120, laut „Time“)!

Schade finde ich nach wie vor, daß sie das in der Schulzeit machen. Anfangs konnte ich die Gründe einigermaßen nachvollziehen und glaube tatsächlich, daß sie das auch richtig eingeschätzt haben: ohne die „Schulschwänzdebatte“ hätte man sie einfach totgeschwiegen. Inzwischen denke ich, dies Argument zählt nicht mehr – und sie könnten viel mehr Leute mobilisieren, wenn sie ihre Demos auf den späteren Nachmittag legen würden. Kann doch nicht schaden, arbeitende Menschen mit einzubeziehen!?

Trotzdem kann ich die Selbstgefälligkeit, mit der die Herren und Damen, die normalerweise in der Öffentlichkeit vornan stehen, das Geschehen kommentieren, nur erbärmlich finden: Streik dürfe man das nicht nennen, weil das Wort den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen bezeichne, so wortklauben die einen. Die anderen sprechen den Jugendlichen das Recht auf Protest ab „weil sie nicht alle globalen Zusammenhänge verstehen können“. Und die nächsten hängen sich am Schulschwänz-Thema auf und lassen das, worum es geht, links liegen.

Daß die SchülerInnen und StudentInnen sich durch sowas nicht entmutigen lassen, finde ich gut. Ich hoffe, sie beweisen langen Atem, auch wenn sie nicht mehr jede Woche die große Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben und auch, wenn es wieder mal seeeeeeeehr lange dauert, bis sich was ändert. Und ich hoffe, sie machen mehr als demonstrieren: ich hoffe, sie alle ändern bei sich selbst daheim im kleinen, was sie ändern können. Lassen sich nicht vom Mutti-Taxi überall hin chauffieren, sondern setzen sich aufs Rad. Nehmen sich auf die Demo eine Trinkflasche mit, statt sich zum aufwärmen in der Bäckerei Kaffee im ToGo-Becher zu kaufen. Gucken sich mal den Fellbüschel an ihrem Mantelkragen an und kaufen das nächste Mal keine 100%-Polyacryl mit Echtfellkragen. Nur mal so als Beispiel.

So viel dazu, wie ich ganz persönlich diese „jungen Demos“ sehe – wer ein paar mehr Fakten möchte und ein gut fundiertes Plädoyer für mehr Respekt für sie und ihre Anliegen lesen mag (das mich zu diesen Zeilen veranlaßt hat), der klicke hier

 

 

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19 Kommentare zu “freitags für die Zukunft

  1. zauberweib sagt:

    Eben weil sie „nicht die globalen Zusammenhänge sehen“ haben sie den Durchblick: Weil sie sehen, was WIRKLICH wichtig ist: Unser Planet. Und eben nicht die Abhängigkeiten in Wirtschaft und Geld und Macht und Profit und Gier und … naja…
    Das mit dem Schuleschwänzen…. wer von uns Erwachsenen traut sich denn den zivilen Ungehorsam und schwänzt die Arbeit, um für eine Zukunft zu demonstrieren? Vielleicht würde sich dann schneller was bewegen in der Politik….

    • Fjonka sagt:

      Naja, wirklich mit irgendwelchen Sanktionen rechnen brauchen sie ja nicht – sooooooo mutig finde ich das schuleschwänzen unter Applaus von den meisten Seiten nicht ;-|
      aber was die mangelnde (sichtbare!!) Aktivität von unserer (Erwachsenen-)seite angeht, da hast Du völlig recht, und ich fühle mich da sehr angesprochen. Bin ja auch eine Derer, die lieber im Garten als auf der Straße ist.

      • ladypark sagt:

        Doch, Konsequenzen sprüren meine Kinder durchaus. Sie bekommen zwar „nur“ Einträge für unentschuldigtes Fehlen, das ist in der Tat nicht schlimm. Aber sie sind in ihren Klassen absolut in der Minderheit, nur je ein bis zwei andere Mitschüler/innen gehen mit auf die Demos, der Rest sitzt brav in der Klasse und folgt dem regulären Unterricht. Sie verpassen also Stoff, den sie nicht unbedingt allein nacharbeiten können.

        Außerdem gibt es auch Anfeindungen von Mitschüler/innen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Es braucht schon eniges an Rückgrat, mitten im Unterricht zu sagen „Ich gehe jetzt demonstrieren“, während ein Teil der Klasse behauptet, sie wollten doch nur schwänzen, was definitiv bei meinen Kindern nicht der Fall ist.

        Und wenn freitags Klassenarbeiten geschrieben werden, gibt es eine sechs, auch nicht so toll.

        • Fjonka sagt:

          Wie unterschiedlich das doch ist – wenn man die Nachrichten guckt und keine Kinder hat, sieht es so aus, als ob Schulen geschlossen demonstrieren gehen. Daß es bei Euch so entscheidend anders ist war mir nicht klar.
          Habe gerade eben unwirsch Anne Will zum Thema geguckt. Unwirsch, weil ich die Frau sowas von schlecht moderierend finde, daß ich nur höchst selten über 5 Minuten aushalte. Diesmal habe ich wegen des Interviews mit Frl. Thunberg länger durchgehalten und war tatsächlich beeindruckt von des Mädchens Ernsthaftigkeit – und peinlich berührt von Frau Wills „och guckmal, wie süß, die Kleine ist aber auch idealistisch“-Blick. Allerdings hat der Herr F. gesagt, daß er das grundlegend anders interpretiert hat, obwohl er die Frau Will auch unfähig findet. Jedenfalls – da sagte die Aktivistin, die sie da hatten (Studentin), daß bei Freitags-Prüfungen die Prüflinge halt mal die Demo ausfallen lassen – das würde ich Deinen Mädels auch raten, wenn sie länger durchhalten wollen. Daß Mitschüler blöde Spacken sind – das ist leider normal, da werden sie durchmüssen 😉

          • ladypark sagt:

            Verglichen mit der Gesamtschülerzahl ist die Zahl der Demonstrierenden erschreckend gering. Das kommt in den Medien tatsächlich nicht rüber. Die letzte Demo in SL zählte vielleicht 150 Schülerinnen und Schüler. Dort gibt es aber drei Gymnasien (je ca. 1000 SuS), drei Gemeinschaftsschulen und ein riesiges Berufsbildungszentrum (ca. 3000 SuS). Da erfordert es schon Zivilcourage, dem Unterricht fern zu bleiben und Anfeindungen standzuhalten.

            • Fjonka sagt:

              Was ich am allerwenigsten verstehe ist der Teil mit den Anfeindungen – aber ist wohl so, immer dann, wenn man was anders macht als die Masse. Toll, daß Deine Mädels das aushalten!

              • ladypark sagt:

                Aushalten ja, aber bei J. flossen auch schon Tränen, nachdem Hakenkreuze und durchgestrichene Regenbogenflaggen in die Klassengruppe gepostet wurden. 😦

                Die Jugend fängt endlich wieder an, sich zu bewegen, aber genauso gibt es die andere Seite, die rechten A….

                • Fjonka sagt:

                  Hakenkreuze? Da wäre ja fann die Schule gefordert, das ist strafbar!
                  Leider waren die Idioten nie ausgestorben. Wir hatten solche Auseinandersetzungen am Gym. leider auch.

                  • @Fjonka Wenn die Klassengruppe eine inoffizielle WhatsApp-Gruppe ist, hat die Schule (leider) nahezu keine Handhabe….
                    Wäre aber dann ein Fall für NetzDG 😉

                    @Ladypark: Sag deinen Sprösslingen unbekannterweise mal Danke für ihr Engagement.

                    • Fjonka sagt:

                      …ich dachte immer, die Schule ist bei solchen Gruppen involviert, aber da weiß ich dann wohl zu wenig bescheid.

                    • ladypark sagt:

                      Werde ich ausrichten. 🙂

                    • ladypark sagt:

                      Ja, in der Tat, diese WhatsApp Gruppen sind rein privat. Trotzdem hat J. die Mittelstufenleiterin und den Schulsozialarbeiter über die Vorfälle informiert. Machen können die dagegen wenig, aber immerhin wissen sie nun darum.

  2. ladypark sagt:

    Meine zwei Töchter gehen auch freitags auf die Demos. Langsfristig kann das nicht dauernd so sein. Die eine Tochter hat z.B. freitags je zwei Doppelstunden Physik und Chemie, sie würde ja nie den Anschluss finden, wenn sie dauernd freitags fehlt. Allerdings finden in unserer Stadt nicht jeden Freitag Demos statt.

    Insofern würde ich inzwischen Nachmittagsveranstaltungen auch befürworten. Aber die Schüler*innen haben mit ihren Aktionen viel Aufmeksamkeit erzielt, auch wenn sich die Diskussionen über das Schule“schwänzen“ immer wieder vom eigentlichen Thema entfernten. Doch genau diese Debatt hat in den Medien zu einer großen Aufmerksamkeit geführt.

    In unserer Familie hat sich in diesem Zusammenhang zumindest eins geändert: Wir essen fast kein Fleisch mehr und wenn, dann ausschließlich Biofleisch. Wir sind alle froh, dass wir das nun so machen.

    Außerdem versuchen wir Verpackungsmüll zu vermeiden, das allerdings ist deutlich schwieriger als der Verzicht auf Fleisch.

    Insofern haben die Demos bei uns im Kleinen schon etwas bewirkt.

  3. hauptstadtpflanze sagt:

    Oh, herzlichen Dank! Ich freue mich sehr über die Verlinkung und vor allem darüber, dass mein Beitrag Dich inspiriert hat, das Thema aufzugreifen. Vielleicht magst Du Dich damit bei #bloggersforfuture und der Blogparade von livelifegreen.de einreihen?
    Viele Grüße, Svenja

  4. Richard sagt:

    Vor ein paar Jahren gab es an der Universität Wien einen Studenten-Streik mit Audimax-Besetzung. Damals hat sich ein Jus-Professor vorne hingestellt und den Studierenden erklärt, dass Sie gar nicht streiken können. Um streiken zu können, muss man nämlich arbeiten und Studenten arbeiten ja nicht.
    Ich finde gut und legitim, wenn die Jungen für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Egal ob während oder nach der Schulzeit. Und ich würde sehr befürworten, wenn das erst der Anfang wäre. Ich sehe in Wien überall rundum im Eiltempo neue Gebäude aus der Wiese wachsen. Und das passiert nicht, weil wir so viele neue Wohnungen brauchen, sondern weil man mit Bautätigkeit Geld verdienen kann. Diese Projekte wären deutlich teurer, wenn auf der Wiese Demonstranten sitzen würden.

    • Fjonka sagt:

      Natürlich stimmt das, die Wortbedeutung von „streiken“ ist eine andere – und doch: weiß nicht JedeR, was gemeint ist? Und außerdem ists schon ein Unterschied, ob eine einzelne 15jährige Schülerin das Wort falsch nutzt oder Studenten. Egal – ich bin ja selbst eine Wortklauberin, aber wenn Wortklauberei dazu genutzt wird, das Anliegen zu marginalisieren, finde ich das schäbig.
      Und ja, wenn das erst der Anfang wäre… *träum* ….

      • Richard sagt:

        Also, ich habe den Professor schon sehr zynisch gefunden, weil eine Gesellschaft ohne Studenten halt auch nicht funktioniert, insofern haben sie die gleiche Macht wie Arbeiter in einem Betrieb. Deren Streik funktioniert ja auch nur, wenn sich möglichst viele beteiligen.
        Und da wird sich auch zeigen, wie nachhaltig die Schülerproteste sind. Wenn die Breitenwirkung anhält, können sie etwas bewegen. Vielleicht ist es kein klassischer Streik, aber eine Bestreikung des bestehenden Systems kommt aufs Gleiche.

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