Ich bin Fan!!

Und zwar ganz plötzlich! Erwischt hat mich ein Tierchen mit dem etwas sperrigen Namen

Anthophora plumipes

oder auch Frühlings-Pelzbiene

Das ganze begann vor etwa einer Woche, als ich unglaublich schnelle, sehr abrupt fliegende kleine UFOS über dem Lungenkraut fliegen sah. Erster Gedanke: Wildbiene. Zweiter Gedanke: neeee, geht nicht, die stoppen mitten im Flug und stehen in der Luft – das müssen irgendwelche Fliegen sein. Dritter Gedanke: oder Wollschweber?

In den nächsten Tagen hab ich sie mir immer wieder angeguckt, immer sind sie an denselben Orten zu beobachten, immer wieder auch an genau denselben Blüten. Und dann habe ich eine gleich zweimal erwischt. Beim ausruhen!

Auf dem Foto sah’s dann doch wieder eher wie eine Pelzbiene aus. Hmmmmm, aber mit DEN Bewegungen? Abends nix wie ins Netz, suchen. Und tatsächlich, weil die (nein, DER! Siehe unten) Lütte mir so nett ihr (SEIN!)Beinchen hingehalten hat (linkes Bild), dazu noch das Hinterteil gut sichtbar ebenso wie die helle Gesichtsmaske konnte ich sie (IHN!) recht schnell identifizieren:

Merkmale: 14–15 mm, W. in 2 Farbvarianten: 1. mit graubrauner Behaarung, rostroter Beinbürste und beigen Binden am Abdomen. 2. mit schwarzem Thorax und Abdomen. M. mit auffälligen langen Fransen auf den ersten vier Tarsengliedern des mittleren Beinpaares.

Die Pelzbiene Anthophora plumipes (ehemals A. avervorum) ist vielen Gartenbesitzern incognito gut bekannt: Im März und April sind sie plötzlich da und flitzen von Blüte zu Blüte, vor allem denen des Lungenkrauts (Pulmonaria officinalis), des Blaukissens (Aubrieta) und des Lerchensporns (Corydalis). Ihre offenkundige relative Kälteunempfindlichkeit und vor allem ihr gedrungener pelziger Körper läßt an Hummeln denken, nur ihre Geschwindigkeit läßt Zweifel an der Hummelthese aufkommen. Diese noch recht häufige Pelzbiene ist dem Bienenfreund ein lohnendes Beobachtungsobjekt – nicht zuletzt an ihren Nistplätzen.

Die Männchen dieser gut untersuchten Art durchfliegen dieselbe geschlossene Runde immer nur in einer Richtung – mit oder gegen den Uhrzeigersinn – und behalten sie für Wochen bei. Dabei führt die Flugbahn das Insekt immer wieder zu denselben Blüten, sobald deren Nektarvorräte wieder aufgefüllt sind. (Ähnliche zeitlich genau abgestimmte Patrouillen kennt man von Kolibris.) Der Anflug zu den Blüten geschieht oft abrupt durch unvermitteltes Abweichen von der Flugbahn und Zustoßen auf die Blüte.

Quelle: Wildbienen.de

Das paßt doch alles wie Plumipes auf Lungenkraut 😉 (eine zweite Familie fliegt übrigens vorn im Staudenbeet über dem Lerchensporn) – und ich war Fan, nachdem ich auch noch das anschauliche Portrait gelesen hatte, von dem Ihr eben den Auszug zitiert bekommen habt. Dort gibts noch mehr über die Frühlings-Pelzbiene zu lesen. Selbst beobachten konnte ich übrigens, daß die patrouiliierenden Männchen nicht gut auf Hummeln zu sprechen sind. Zweimal habe ich gesehen, daß einer dicken Erdhummelkönigin nicht erlaubt wurde, an des Machos Lungenkrautblüten zu naschen. Er hat sie angegriffen und dann meterweit (über seine normale Flugrunde hinaus) verfolgt und vertrieben!

Ich habe außerdem gelesen, daß die Weibchen senkrecht in den Boden ihre Niströhre bauen, die sich im Boden dann verzweigt – jede Made bekommt eine eigene Abzweigung mit Proviant. Flexibel sind sie auch – denn lieber bauen sie wohl in senkrechten Lehmwänden (Fachwerk!!) – aber wo gibt’s die noch??

Tolle Tierchen, das! Ich freue mich, sie zahlreich im Garten begrüßen zu dürfen, übrigens auch in der schwarzen Variante. Da hat sich das mühsame ansiedeln des Lerchensporns doch gelohnt!!


Erst dachte ich, das Tierchen, das ich in seiner Niströhre geknipst habe, sei auch eine Plumipes, aber das ist wohl nicht der Fall: die Weibchen der Frühlingspelzbienen haben NICHT das weiße Haarbüschel im Gesicht. Und der Pelz ist wohl auch zu rot.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna.

15 Kommentare zu “Ich bin Fan!!

  1. PurpurBête sagt:

    Vielleicht hatte ich gestern 2 davon in der Wohnung. Hoffentlich bewahrheitet sich nicht, dass die immer dieselbe Runde fliegen 😉 Dann bin ich jetzt ja jeden tag beschäftigt, die einzufangen und nach draußen zu begleiten. Ich hatte gestern jedenfalls mitten in der Stadt zwei mir völlig unbekannte, winzig kleine Bienchen mit Pollenhöschen an den Fenstern.
    Vielleicht waren sie wg. der Chili nach drinnen gekommen, die hat nämlich auf der Fensterbank überwintert, was hervorragend geklappt hat. Grad hatte ich mir wieder einige Marienkäfer nach drinnen geholt, die die Blattlauplage schnell unter Kontrolle gebracht haben.
    Mal was anderes: Braucht eine Chilis?! Ich selbst nehme lieber Curry-Paste, deshalb hab ich ganz viele winzig kleine Chilis übrig. Ich hab sie allerdings bisher nicht gegerntet und so sind viele jetzt in der Südfenstersonne schon ganz ausgeblichen. SCHARF sind sie aber immer noch.

  2. pflanzwas sagt:

    Hey, Glückwunsch! Wie schön ist das denn 🙂 Die Biene, also die mit dem Pelz ;-), habe ich kürzlich hinter dem Haus entdeckt, aber leider konnte ich noch nie solche schicken Erdhäufchen ausfindig machen. Toll!

    • Fjonka sagt:

      Wenn es regnet, verschwinden die Häufchen denn auch. Es bleibt eine sehr unscheinbare, aber stabile Röhre. Unser Bienchen ist dort immer noch immer wieder zu sehen, und das, obwohl wir das Nest ab und an vergessen und prompt drauftreten. Macht nix.
      Nach wie vor haben wir die Mama aber nur in der Röhre gesehen, nie ein-oder ausfliegend.

      • pflanzwas sagt:

        Das ist ja spannend. Man fragt sich doch immer, wie die das hinkriegen und beispielsweise nicht absaufen bei starkem Regen. Das muß ein gutes System sein. Interessant fand ich übrigens auch die Beschreibung zu den anderen Sandbienen, die immer wieder ihre Runde fliegen! Das wußte ich auch noch nicht. Vielleicht müßt ihr eine Webcam am Loch installieren, haha! Wildbienen ausspionieren 😉

        • Fjonka sagt:

          Ja, keine Ahnung!
          Nach wie vor weiß ich nicht, ob beide (die fliegenden und die SAndröhrentierchen) dieselbe Art sind. Die weißen Büschel im Gesicht und die Beschreibung der Brut-Gewohnheiten sprechen dafür, das vielleicht zu starke rot bei Madam dagegen.
          Edit: HA!! Nochmal bei anderen Quellen nachgelesen: nur die Männchen der Frühlingspelzbienen haben das weiße Haarbüschel im Gesicht. Es ist also eine andere Art, die im Boden beim Wintergarten nistet! Habs oben korrigiert.

          • pflanzwas sagt:

            Hihi, daß ist ja toll! Ja, daß Männchen und Weibchen auch noch unterschiedlich aussehen können, macht die Sache nicht leichter (oder dann wieder doch). Bin gespannt, was du rausfindest. Ich habe heute ganz viele Wildbienen in den Schlehen gesichtet. Werde mich die TAge mal an die Bestimmung machen. Da war was los – toll!!

  3. satayspiess sagt:

    *haha*, Freudscher Verleser: Plumpies! 😀

  4. Bibo59 sagt:

    Immer wieder schön, deine kleinen Mitbewohner kennen zu lernen. Hier ist nun auch endlich der Frühling ausgebrochen. Neulich flog ein Aurorafalter an mir vorbei, den ich in meinem Garten auch noch nie gesehen hatte. Dabei greife ich kaum aktiv ein, sondern lasse einfach wachsen.

  5. Gitta sagt:

    Super, danke für die Info. Diese Bienchen habe ich auch bei mir….einen schönen Sonntag, Dir und den Bienchen. LG Gitta

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