Imkerlatein – still umweiseln, Landbiene (und ein Kater-Update)

Es ist zwar schon wieder eeeeewig her, daß ich gefragt wurde, was für Bienen wir denn haben, trotzdem – jetzt kommt die Antwort. Besser spät als nie! 😉

Wir haben die „norddeutsche Landbiene“ – da wir keine Königinnen zukaufen und auch nicht künstlich befruchten (was m.E. eine üble Tierquälerei ist) weiseln unsere Völker immer mal still um, wenn sie nicht abschwärmen und sich dabei eine neue Königin zulegen (es schwärmt ja immer die alte mit ab) Still umweiseln bedeutet: wenn die Königin alt wird oder unfit, dann legen Biens eine neue Weiselzelle* an und ziehen sich eine frische, junge Königin selbst ran. Die paart sich dann „wild“ mit im Umkreis fliegenden Drohnen*, und das Ergebnis ist genetische Vielfalt.
Das Ergebnis WÄRE auch eine Auslese auf für hiesige Gegebenheiten passende Bienen – bloß sind ja die allermeisten Imker „voll auf Carnica“ oder Buckfast (das sind Bienenrassen, die auf bestimmte Eigenarten wie zB guten Honigertrag, Friedfertigkeit oder/ und wenig Schwarmbereitschaft hin gezüchtet wurden), und so stammen inzwischen viel zu viele Bienen aus einem viel zu kleinen Genpool. Dazu kommt, daß immer mehr ImkerInnen auch noch Königinnen von Werweißwo kaufen, selbst aus weit entfernten Ländern wie Spanien oder Polen oÄ. Weil die im Netz oft günstiger angeboten und heftiger angepriesen werden als hiesige. Die kommen dann per Paketpost mit ein paar Arbeiterinnen angereist und bringen zwar wieder mehr genetische Vielfalt, aber auch Krankheiten und weniger Angepaßtheit an hiesige klimatische Verhältnisse mit
Trotzdem ist es wohl noch immer so, daß hiesige Bienen härter im nehmen sind, was das Wetter angeht: vor wenigen Jahren gab es einen Versuch: ein hiesiger Imker stellte mehrere seiner Völker auf einen BaWü-Standplatz direkt neben dortige. Ergebnis: hiesige Völker flogen bei kühleren Temperaturen, also morgens früher und abends länger, wenn die südländischen Verwandten noch dachte „uh, ist das unfreundlich, ich warte auf bessere Zeiten“ – das Leben ist hart an der Küste!! 🙂


* – Fachworte wurden schon in anderen Imkerlatein-Beiträgen erklärt


Unser Kater: gestern vormittag hatten wir uns schon entschlossen, heute die TÄ anzurufen, mit der Bitte um kommen mit einschläfer-Option. Zu ruhig war uns der Dicke – kein „mrrrr“ mehr, wenn er EineN von uns sah; wohl ging er raus, dort lag er bei 12° aber ohne sich groß für irgendwas zu interessieren (Ohren!!) nur rum. Wollte man sich ihm zuwenden, wandte er sich demonstrativ ab.
Gefressen hat er seit über einer Woche nur noch halb so viel wie nötig wäre, anderes als sein Urin-Futter weigert er sich seit Tagen anzurühren, auch das Päppelfutter bleibt unbeachtet.

Nachmittags dann fraß er, saß mit gespitzten Ohren im Garten, kam gar auf den Schoß und schnurrte dort eine Stunde lang vor sich hin, köpfelte und reckte den Kopf: „HIER KRAULEN, BITTE!!“

Gestern, abends dann, konnten wir seit langem stolz feststellen: unser Kater hat eine volle Tagesration gefressen (nach wie vor nur „nach Vorlage“ im liegen, aber er hat!) Es lebt eine kleine Hoffnung auf, weil er auch sonst munterer wirkt. 🙂

Wir werden sehen, was der heutige Tag bringt. Aber heute arbeiten wir beide: wenig Zeit zum beobachten oder ihm alle Stunde eine kleine Trockenfutterportion zu verabreichen (die einzige Art, zumindest die halbe Tagesration in den Katz zu kriegen. Legen wir ihm nichts vor, frißt er 2-3x am Tag ein paar Bröckchen, wenn überhaupt)

8 Kommentare zu “Imkerlatein – still umweiseln, Landbiene (und ein Kater-Update)

  1. Bibo59 sagt:

    Wie wirken sich denn die „Fremdbeschäler“ auf die einheimische Landbevölkerung aus? Wenn sich die Königin mit irgendeinem Kerl abgibt, kann das ja auch einer der weniger angepassten sein.

    • Fjonka sagt:

      Ja, genau. Die Evolution wird, wie immer, wenn gezüchtet wird, an ihrem Geschäft gehindert.
      Es ist ja bereits so, daß die ursprünglich hier beheimatete dunkle Biene nahezu ausgerottet ist, weil die Carnicadrohnen flächendeckend unterwegs sind. Dunkle Bienen kann nicht erhalten wer auf Selbstverpaarung setzt.
      Unsere Bienen haben ganz sicher inzwischen auch Gene “ von weit weg“ mit drin, und so wird Anpassung an regionale Verhältnisse immer mehr unterlaufen.

      • Bibo59 sagt:

        Merkst Du das auch an der Farbe, am Verhalten oder am Varroenbefall?

        • Fjonka sagt:

          An der Farbe merkt man zumindest gleich, wo viel Buckfast-Einschlag sitzt (deutlich heller/ rötlicher, kontrastreicher) Der Rest ist nicht unmittelbar zu merken – wäre toll, wenn das so wäre, dann könnte man sehr schnell was gegen die Varroa tun. Aber sowas braucht auch bei Biens Generationen und gezielte Zuchtauslese (mit anderen Schwerpunkten als bisher)

  2. Richard sagt:

    Schön, dass sich eure Bienen noch vermehren dürfen, wie es ihnen gefällt. Das Kärntner Imkereigesetz schreibt die Carnica mehr oder weniger zwangsweise vor. Carnica-Stöcke muss man nur melden, für die anderen braucht man auch noch eine Genehmigung. Wie sich die Bienen bei solch eingeschränkter Sortenwahl genetisch an veränderte Umweltbedingungen anpassen sollen, ist mir schleierhaft.

    • Fjonka sagt:

      Echt!? Das wusste ich nicht, und ich finde es übel.
      Gerade in Zeiten der Varroa wäre es wichtig, daß die Vielfalt erhalten bleibt, gibt es doch immer wieder Bienen, die auffallend weniger unter ihr leiden! Und noch ist nicht geklärt, ob es an genetischen Merkmalen liegt (zB daran, ob sich diese Bienen besser gegenseitig pflegen, was auf Kosten der Honigleistung geht, weil es Zeit braucht und deshalb über lange Jahre und noch immer kein Zuchtschwerpunkt war) oder an ihren Lebensbedingungen, wofür auch manches spricht.

    • Nebelkranich sagt:

      Naja, die Carnica ist ja auch die Kärntner Biene. Die ist dort einheimisch. Kann man also verstehen, dass sie dort geschützt werden soll. Weil deren Zucht auf Honigertrag und Sanftmut so zielstrebig und auch erfolgreich durchgeführt wurde, kam sie überall sonst auf der Welt bei den Imkern gut an. Im 3. Reich wurde die Carnica im ganzen „Reich“ bewußt als „überlegene Rasse“ eingeführt und hat dadurch die vorher in Deutschland heimische Dunkle Biene bis zum Aussterben verdrängt.

      • Richard sagt:

        Ich glaube, bezüglich der Herkunft ist man sich da nicht einig. Die Carnica heißt auch Krainer Biene, was darauf hin deuten würde, dass sie von weiter aus dem Süden stammt.
        Falsch ist wahrscheinlich beides. Die Carnica ist eine Zuchtform, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Wirklich weite Verbreitung im deutschsprachigen Raum fand sie laut Wikipedia erst nach dem zweiten Weltkrieg.
        Der springende Punkt ist aber, dass die Diskussion anlässlich des Kärntner Imkereigesetzes nur darum geht, ob man auch Buckfastbienen halten darf. Das präferieren nämlich die Erwerbsimker, während die Hobbyimker auf die Carnica schwören.
        Die Wahrheit liegt dann irgendwo dazwischen. Wirklich reinrassige Carnica-Züchter gibt es nämlich nur wenige. Letztes Jahr habe ich einen Schwarm im Nachbargarten landen sehen. Die Kinder haben einen Onkel verständigt, und der hat ihn sich geholt. Naturschwärme sind also für den Hobbyimker kein Problem, und dass der die nachher reinrassig umweiselt, kann ich mir nicht vorstellen. Solange die Königin nicht abgeschieden und kontrolliert auf Hochzeitsflug geht, sind sicher mehr Vermischungen in Kärnten unterwegs, als die Imker zugeben. Und das ist ja dann auch wieder tröstlich, finde ich.

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