Bionade-Biedermeier ….

Ein schöner Begriff – aber als ich ihn letztlich erstmals hörte und dann las, was er bedeutet, fühlte ich mich unangenehm betroffen…. denn

Das politische Schlagwort Bionade-Biedermeier soll demnach ausdrücken, dass Formen des nachhaltigen Konsums „echtes“ gesellschaftliches oder politisches Engagement ersetzen und in erster Instanz das Wohlbefinden der handelnden Personen steigern

(Wikipedia)

U’o’g’nähm, sich in einer solchen Definition wiederzufinden – zumal, wenn man, wie ich, eh ein wenig dazu neigt, sich unwohl damit zu fühlen, dem eigenen Anspruch in dieser Hinsicht nicht gerecht zu werden.

Ich weiß, ich bin einfach mental nicht geeignet, mich anzulegen, Kontroversen auszuhalten und zu stehen, wenn ich angegangen werde. Viel zu dünn ist meine Haut. Trotzdem denke ich immer wieder, ich müsste eigentlich. Und jedes Mal, wenn ich dem „müsste“ nachgebe, finde ich mich über kurz oder lang in einer Situation wieder, in der es mir schlicht schlecht geht. Überfordert, niedergeschlagen, gestreßt. Mit über 50 sollte ich es gelernt haben (und habe es hoffentlich auch gelernt – aber ich habe nach wie vor sowas wie ein schlechtes Gewissen deshalb und bewundere JedeN, die oder der sowas kann und auch tut)

Ich tröste mich damit, daß ich immerhin im Naturgartenverein Flagge zeige – politisch ist das zwar eher in weiterem als in engerem Sinne, aber gesellschaftliches Engagement ist es immerhin. Morgen übrigens stehe ich wiedermal in Gottorf auf dem Landmarkt am Infostand – wer da ist: vom Eingang links, und dann im Gelände links vom Cafè-Pavillon könnt Ihr mich besuchen 🙂

25 Kommentare zu “Bionade-Biedermeier ….

  1. Komma sagt:

    Ja es ist ein Problem. Ich bin engagiert für.., aber nicht für… und nicht für…, denn alles geht eben nicht und DAS MACHT ECHT EIN SCHLECHTES GEWISSEN! Dabei vergesse ich dann gerne was ich alles schon wuppe, auch wenn´s keine große Sache ist, wenigstens tue ich etwas. Dass der Planet ruiniert wird weiß ich seid den 70er-Jahren. Ein Biedermann will ich sowieso nicht sein und vielleicht sollte der Zeigefinger eh eher auf die „Bösen“.

    • Bibo59 sagt:

      … Und außerdem ist es völlig egal was ich tue, denn ich bin sowieso die größte Umweltsau: Ich esse Fleisch. Und dass das vom Weiderind kommt, ist auch egal, denn jeder weiß ja, dass Fleisch essen total böse ist.

      • Fjonka sagt:

        Du immer …. *gg*
        Ich lerne inzwischen, daß nicht nur für Veganer, sondern auch „rein ressourcenmäßig“ fleischessen tatsächlich ein Problem ist, aber in anderen Themenbereichen (Landschaftspflege, Erhalt alter Tierrassen etc) ein wichtiger Faktor „pro“ – Du entscheidest ja eh für Dich, laß Dir doch die Veganer den Buckel runterrutschen, sie entscheiden für sich und gut ist!
        Und bald lese ich Deinen Ring von der Kuh als „Nicht-Klimakiller“ und bin gespannt, was ich da dann wieder lerne

        • Bibo59 sagt:

          „Rein ressourcenmäßig“ Im Sinne von „wir“ essen zu viel/immer mehr Fleisch?
          Ich übersetze das mal mit: Immer mehr Menschen essen Fleisch.
          Kann man auch runterbrechen auf: Immer mehr Menschen essen.
          (brauchen Energie, Wohnraum, Infrastruktur…)
          Tja und irgendwann sind halt die Ressourcen alle, weil die meisten es doch nicht so machen wie Du und ich.

          • Fjonka sagt:

            Ja, denn Fleischproduktion verbraucht nunmal mehr Ressourcen als wenn mensch die Pflanzen ohne Umweg übers Tier ißt.

            • Bibo59 sagt:

              Kommt drauf an. Google mal Almeria. Und wirklich klar wurde mir, dass an der Rechnung was nicht stimmt bei einem Nachtflug (buuuh!) über die Niederlande im Winter und die ganznächtlich beleuchteten Gewächshäuser. Fazit: Jede Massenproduktion ist schädlich.
              Und iss mal Gras ohne Umweg.

              • Fjonka sagt:

                Neinnein, einmal sattwerden ohne tierische Produkte braucht durchasu weniger Ressourcen als einmal sattwerden „mit“. Aber daß Massenproduktion und der „alles muß immer verfügbar sein“ – WAhn auch bei Pflanzenproduktion üble Auswirkungen haben ist klar. Keine Ahnung wie der Vergleich „superduperBiotier von hier“ gegen „konventionelle Gewächshausware aus China im Winter“ aussieht, aber das ist ja auch Äpfel mit Birnen vergleichen.

                • Bibo59 sagt:

                  Manchmal muss man aber auch die Birnen betrachten anstatt immer nur die Äpfel.

                • Bibo59 sagt:

                  Nebenbei: Ich werde leider ohne Tier tatsächlich nicht satt, bzw. habe nach einer Stunde wieder Kohldampf. Erprobt auf Paddeltouren, bei denen Vegetarier die Speisenfolge bestimmten.
                  Und frieren, zittern umkippen ist es mir nicht wert.

                  • Fjonka sagt:

                    Sicherlich nicht, ich kenne das von Kohlehydraten. Nudeln oder Kartoffeln MÜSSEN, sonst werde ich nicht stt, egal welche Mengen ich (fr)esse

                • Bibo59 sagt:

                  Mit fiel noch ein zu Äpfel mit Birnen vergleichen:

                  Äpfel sind gut – Birnen sind schlecht!
                  Wer Äpfel isst, ist gut – Wer außerdem noch Birnen isst, ist schlecht!
                  Wenn wir alle nur noch Äpfel essen würden, wäre der Hunger besiegt und das Klima gerettet.

  2. Steffi sagt:

    ich schöieße mich meine Vorkommentatorinnen an, Du bist engagiert, Du bist (selbst)kritisch, Du bist aber auch pragmatisch und Du ziehst Kreise. Definitiv bei denen, die Deinen Blog lesen, und wer weiß wo sonst nicht alles.
    Und Kleinvieh macht auch ganz schön was aus!
    Also stell Dein Licht nicht unter den Scheffel, wenn ich mir all die Leute angucken, die lautstark trompeten, was sie alles (gutes) tun und dann in ihren z.B. Poxxxe Cxxxxnne steigen, um ihre Kinder in den Kindergarten zu bringen, oder jedes Jahr dreimal in den Urlaub fliegen…

    Unsere Bestrebungen plastikärmer einzukaufen, oder des Grafen Naturgartenambtionen kannst Du gern mit auf Deine Verdienstliste draufschreiben, denn da stehen wir durchaus unter Deinem Einfluss. 🙂

    • Fjonka sagt:

      Oh! Wann kommt Ihr denn mal wieder, damit ich Euch besser beeinflussen kann? 😉
      Nein, im Ernst: Du hattest sowas schonmal geschrieben, und ja, ich bin selbstkritisch, so daß ich sowas gern immer wieder marginalisiere… aber ich freue mich ja doch!!! (Und das mit dem kommen war ernstgemeint, ich hatte in den letzten Tagen mehrfach gedacht, daß ich mal nachfragen will, aber immer keine Zeit gefunden Also: wann???? 🙂 )

  3. Maenade sagt:

    Nur um Dich daran zu erinnern: Du zeigst auch im Internet Flagge! Nicht jeder Mensch hat überall Talente, wenn es nicht Deins ist, in Diskussionen zu gehen, dann lass es (womöglich würdest Du Deine „Gegner“ sonst noch bestärken?! 😉 ). Dafür hast Du definitiv ein Talent dafür, unaufgeregt darzulegen, wie Du Dich bemühst, Dein Leben etwas umweltverträglicher zu gestalten und damit inspirierts Du definitiv. Ich weiß jedenfalls von mir – und behaupte zu wissen, dass ich es von anderen weiß – dass Du mich regelmäßig zum Nachdenken bringst, zum Überdenken meiner eigenen Gewohnheiten. Und damit stößt Du ganz viel an das weit über Dein eigenes Leben hinausgeht. Denn ich erzähle anderen davon, andere ebenso, … Welche Kreise die Steine ziehen, die wir ins Wasser werfen, sehen wir selbst ja meist nicht. 🙂 (Geht mir übrigens genau so. Ich bin auch sehr selbstkritisch und ganz überrascht, wenn mir Menschen erzählen, dass ich sie zu irgendwas inspiriert hätte…)

    • Fjonka sagt:

      Danke.
      Kennst Du auch, daß man solche netten Fremdeinschätzungen immer ganz schnell wieder vergißt? Ist mir fast schon peinlich, muß wie „fishing for compliments“ wirken, denn ähnliches wurde mir schonmal unter einen anderen Blogeintrag geschrieben…. und doch: auch beim wiedrholten Mal tut es gut, sich so wohlwollend beurteilt zu finden!

      • Maenade sagt:

        Klar kenne ich das. Und eben auch das Messen mit zweierlei Maß. Von mir selbst erwarte ich unrealistisch viel mehr als von anderen. Ich erinnere mich auch nur an Peinliches, wenn ich es verursacht habe, und dann ewig. Bei anderen? Nach zwei Tagen vergessen.

  4. Frank sagt:

    Man kann nicht immer alles richtig machen wollen oder gar nichts tun. Die Welt ist nicht nur 0 oder 1. Wenn man immer öfter Vieles richtig macht, muss man überhaupt gar kein schlechtes Gewissen haben. Einzig und allein Nichtstun ist keine Option.

  5. Bibo59 sagt:

    Was soll denn bitte „echtes“ gesellschaftliches oder politisches Engagement sein?
    Schule schwänzen für den Klimawandel?
    Montags spazieren gehen?
    Militanter Veganismus?
    Bäume besetzen im Hambacher Forst, auch jetzt noch, wo gar keine Notwendigkeit mehr besteht und die Tiere gerne mal wieder dort nisten würden?
    In eine Partei eintreten, wenn ja, welche?
    Aktiv im ADFC mitarbeiten, oder im Nabu?
    Nee, also ich finde, den Schuh musst Du Dir echt nicht anziehen.
    Wenn Deine Flüchlingshilfe (was machen die eigentlich?) kein „echtes“ gesellschaftliches oder politisches Engagement war, was dann? Deine Kleinvieh-Artikel? Dein Naturgarten?
    Wenn „echtes“ gesellschaftliches oder politisches Engagement schon an meiner Platzangst in Menschenmengen scheitert, bin ich da auch mit gemeint. Aber ich muss mir den Schuh nicht anziehen und ich mag keine Bionade.
    Das Gesöff übrigens, gehört zu den Lebens-Mitteln, die erstmal gut schmecken und dann, nach ein paar Monaten, schlagartig einen Brechreiz erzeugen. Und damit stehe ich nicht alleine da. Ich kenne einige, die noch eine halbe Kiste Bionade im Keller haben die niemand trinkt.

    • Fjonka sagt:

      Die Flüchtlingshilfe – ja, das war bisher der neuste, letzte Versuch. Ich hätte es wissen können….
      irgendwann wars genug, die Iraker haben das offenbar auch gemeint und sich dann auch nicht mehr gemeldet- letztlich verliefs dann stillschweigend im Sand. Ich hoffe, jetzt schlau genug zu sein, sowas nicht noch einmal zu beginnen.
      Und ich mag Bionade nach wie vor sehr gern, aber die ist ja auch nur ein Symbol (und ein ganz gut gewähltes, finde ich)

  6. satayspiess sagt:

    Liebe Fjonka, stress‘ dich nicht! Du machst sowieso schon 1000x mal mehr als die Allgemeinheit – nämlich sich Gedanken und dein eigenes Tun hinterfragen!!!! Und kehrst damit vor deiner eigenen Haustüre! Wenn das nur 50% der Bevölkerung tun würde, sähe Einiges schon anders aus!

    Ich selbst kehre auch nur vor meiner eigenen Haustür. Selbst zu Demos gehe ich nicht, weil ich Schiss habe (wer schon mal bei einer Demo war, bei der Schüsse fielen, samt anschließender Massenflucht, wird mich evtl. verstehen). Und – passend zum Datum: WÄHLEN GEHEN wäre auch etwas, man/frau niederschwellig tun kann. Denn die, die das wollen, was die Mehrheit NICHT will – die GEHEN wählen.

    So, und nun muss ich mich endlich um meine samstäglichen Pflichten kümmern: ein Geschenk besorgen und den Papierkram erledigen, den ich seit Wochen vor mir her schiebe. Sonnenschein hin oder her ….

    • Fjonka sagt:

      Naja, „mehr als die anderen“ heißt noch nicht „viel“, geschweige denn „genug“. Ich glaube, das bleibt ein Lebensthema von mir, daß ich eigentlich meine, nach außen gehendes Engagement müsste sein, aber zu dünnhäutig bin, meinen eigfenen Ansprüchen gerecht zu werden. Nuja….
      Wählen gehn – tu ich, ohne zu denken, daß ich damit irgendwas bewirken könnte allerdings. Und Demos machen mir auch Bange, hab ich ja schonmal erzählt – auch ohne schlechte Erfahrungen: ich kann Gruppoendynamik schlecht ertragen ;-|

Platz für Klönschnack ...

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