Nochmal „Fridays for future“

Bin grad im Rheinland (natürlich mit Zug) und war vorhin per Straßenbahn in Bonn unterwegs. Die kam aber nicht, und warum? Weil die Fridays for future-Demo lief, genau an mir an der Haltestelle vorbei.

Ich hatte wirklich Mühe, die Tränen bei mir zu behalten – eine Mischung aus Beeindrucktsein (VIELE Menschen, die meisten jung, alle unterwegs für etwas, das mir sehr wichtig ist; selbstgebaute Schilder mit liebevollen Eisbär-Zeichnungen etc …) und meinem Gruppendynamik- Problem (Slogans skandierende Massen, Laute Menschen – UAAAAH, Fluchtreflex, auch wenn die Anliegen, wie in diesem Fall, ganz die meinen sind)

Als ich aus Hunderten Kehlen, gerichtet an uns, die wir an der Haltestelle standen, hörte: „Leute, laßt das glotzen sein- reiht Euch in die Demo ein“ und „Wir sind hier, wir sind laut, weil IHR uns die Zukunft klaut“ wurde ich allerdings bockig. Nur weil ich nicht mitmarschiere, egal wofür, werde ich (als pauschales Teil des „Ihr“) so fies angegangen! Wo ich sehr wahrscheinlich doch mehr für deren Ziele tu als viele der Marschierer! Ganz schlechte Taktik, Leute, die potentielle MitstreiterInnen sind, agressiv anzugehen! (Ja, ich empfinde „glotzen“ als agressiv, ebenso wie die Unterstellung, daß ICH Diejenige bin, die Jemandem die Zukunft kaputtmacht)

Ganz schön spannend, was so eine Demo mit einer alten Frau nebedran so tun kann 😉

17 Kommentare zu “Nochmal „Fridays for future“

  1. Bibo59 sagt:

    Ich gehe mal davon aus, dass die genauso viel Angst vor „Klimawandel“ haben, wie wir damals vor atomarer Verseuchung.
    Allerdings ist Klimawandel – egal ob natürlich oder Menschenwerk – nicht etwas, was von heute auf morgen kommt. Ein Dürrejahr ist noch kein Klimawandel, sondern nur Wetter. Mensch und Natur können und müssen darauf reagieren.
    Eine atomare Katastrophe kann sehr plötzlich eintreten mit vielen Toten, Krebskranken, behinderten Kindern und langfristiger Verseuchung .
    Insofern verstehe ich nicht, wieso Greta & Co. die „klimafreundlichen“ Kernkraftwerke „übergangsweise“ zur Rettung des Weltklimas in Erwägung ziehen. Vielleicht sollte mal jemand den Kindern erklären, dass es bei 100 Jahre strahlendem Müll keinen Übergang gibt.
    https://www.blick.ch/news/ausland/nicht-so-gemeint-vater-thunberg-meldet-sich-bei-blick-greta-krebst-von-atom-aussage-zurueck-id15228068.html

    • Fjonka sagt:

      Naja, im Link liest sich das schon etwas anders. Ich stelle es mir schwer vor, als 16jährige jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen. Da ist es kurz schiefgegangen….

  2. Drachenkater sagt:

    Ja, die Sprüche SIND pauschalisiert und dies dient dazu möglichst viele Leute zum (um)denken anzuhalten.
    Und ja, es geht inzwischen bei den FfF-Demos darum möglichst auch die Erwachsenen mit ins Boot zu holen.
    Wenn du das nächste Mal in solch einer Situation bist, denk dir einfach: Mich können sie nicht meinen, die meinen bestimmt die Personen neben mir 😉

    Was das mit dem Fluchtreflex angeht, seufz, kenne ich nur zu gut. Wollte letzten Freitag auch flüchten, bin aber dann doch noch beim Rainbow Walk mitgelaufen, einer Bekannten sei dank.
    Den: Es fühlte sich gut und richtig an, auch wenn ich im hinteren Drittel war.

  3. ladypark sagt:

    Hier gerade eben vier 15jährige am Mittagstisch. Meine beiden Mädels waren auf der Demo, die beiden anderen hatten schulische Verpflichtungen, die Vorrang hatten.

    Es gab da kein „IHR“ und „WIR“, sondern einen regen Austausch über das Thema Klimaschutz.

    Schade, dass du dich angegriffen gefühlt hast. Ich denke, bei Demos werden die Inhalte auf knappe Aussagen verkürzt, lange Reden könnte man ja nicht gemeinsam rufen. Und dann kommt vielleicht der eine oder andere Spruch nicht so rüber, wie er gemeint ist, für Differenzierung bleibt wenig Platz.

    Hier gab es übrigens vor der Demo bei Instagram einen Sprüchewettbewerb für die Demo, das fand ich klasse.

    • ladypark sagt:

      Was ich vergaß: Die Demo endete bei deinem ehemaligen Arbeitgeber, wo die Demonstrierenden kostenlos mit belegten Brötchen und Getränken versorgt wurden. Das hätte ich denen gar nicht zugetraut. 😉

      • Fjonka sagt:

        Toll 🙂
        Doch, das bringe ich gut zusammen, sie sind politisch engagiert und durchaus auch bereit, sich da zu zeigen, das fand ich immer gut!

  4. Als ich Deinen Bericht gerade so las, dachte ich „Ja ich war heute auch mit dem Bus in der Stadt…normalerweise nehme ich das Rad….warum habe ich denn den Bus genommen….oh je…ich wollte ja auf dem Rückweg das Auto abholen, Batterie war kaputt….aber da ich es nicht vermisse…habe ich das total verpennt.

    Das andere Thema, ja ich finde auch richtig und wichtig was dort angeprangert wird und gerade letzte Woche dachte ich, bei irgendwas was ich im Fernsehen sah, das es manchmal abkippt in „wenn IHR nicht mitmacht, seid IHR die bösen. Es gibt nicht nur einen Weg gegen, Verschwendung und Klimakatastrophe vorzugehen. Auch fürchte ich dass die jungen Leute auch ein wenig missbraucht werden. Viele springen auf den „Zug“ auf.

    • Fjonka sagt:

      Dusselchen 😉
      Dann kannste Dein Auto ja dauerparken, bei der Werkstatt *gg*

      Daß die mißbraucht werden scheint mir bisher kein Problem – die lassen sich wirklich nicht die Butter vom Brot nehmen, sind super drauf, was Wissen und Argumentation angeht (jedenfalls die SprecherInnen , die ich bisher in Talkshows und Interviews gesehen habe) und lassen sixh auch vom „weißen alten Mann“ nicht einschüchtern.

  5. Bibo59 sagt:

    Ja, ich empfinde das genau so. Zumal ich in meiner Jugend für fast dieselben Ziele auf die Straße gegangen bin. Tatsächlich war damals meine Platzangst noch nicht so ausgeprägt, aber imer schön am Rand der Demo. Und wenn man mal vergleicht haben wir wirklich viele Ziele für den Umweltschutz tatsächlich erreicht. Ob die sich vorstellen können, dass der Rhein ein totes, stinkendes Gewässer war? Auf der anderen Seite ist auch viel wieder kaputt gemacht worden. 2Go und so gab es damals noch nicht.

    • Fjonka sagt:

      Stimmt, viel ist erreicht – und viel blödes wieder dazugekommen.
      Und was jetzt geschieht ist ja leider auch global, deshalb ists schon gut, daß man heute so vernetzt ist und sich veil beser weltweit organisieren kann als vor 30 Jahren.

      • Bibo59 sagt:

        Damals war es auch schon global, aber die weltweite Vernetzung war einfach technisch noch nicht möglich. Leider führt die einfache Vernetzung auch dazu, dass sich Fake-News ebenso schnell ausbreiten wie Fakten und irgendwelche dubiose Splittergrüppchen mit genug Zeit so tun können als wären sie die Mehrheit. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

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