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Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor gut. Obwohl der Fachkräftebedarf ständig steigt, hat Deutschland dennoch einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Nach einer DIW-Studie sind inzwischen – unter Berücksichtigung der Teilzeit- und Nebenjobs – bundesweit mehr als 9 Millionen Menschen davon betroffen. Der Bruttolohn von 10,80 Euro ist die nach internationalen Standards in Deutschland geltende Grenze für Niedriglohn.

Zweierlei finde ich an diesem Zitat aus dem Akopol-Blog interessant:

  1. Daß ich offenbar ganz knapp nur am Niedriglohn vorbeischramme – und dabei im Vergleich mit Anderen auf ähnlichen Arbeitsplätzen einen normalen bis höheren Stundenlohn habe
  2. Daß sich der Mangel an Arbeitskräften so nachhaltig nicht aufs Lohnniveau auswirkt.

Inzwischen ist es selbst hier auf dem Land angekommen: unsere Eisdiele zB hat wg. Personalmangel mitten in der Saison mittwochs Ruhetag, fast jeder Handwerkerbus trägt einen „Wir suchen Verstärkung“- Aufdruck, in jedem Laden, den ich kenne, werden VerkäuferInnen gesucht. Es betrifft inzwischen nicht mehr nur FacharbeiterInnen, auch Ungelernte wie ich haben sehr gute Chancen (wie man hier lesen konnte), wenn sie versuchen, die Arbeitsstelle zu wechseln.

Nun kann man natürlich schon fragen, ob höhere Löhne denn auch wirklich helfen würden, wenn es nunmal nicht genug Menschen für die Arbeit gibt. Aber gibt es wirklich nicht genug Menschen für die Arbeit? Oder hapert es daran, daß zu Viele einfach keine Lust haben, sich beim arbeiten die Hände schmutzig zu machen? („Berater“, „Manager“ und „Coaches“ etc gibt es ja zuhauf, genau wie Studierende, die eigentlich nicht wirklich wissen, was sie denn wohl nachher mit ihrem Studium anfangen können) Und andererseits: kommt die o.g. Eisdiele billiger weg, wenn sie einen Tag schließt statt besser zu bezahlen (Nicht, daß ich wüsste, was die bezahlt!!)?

Ein Gedanke ist ja auch, daß bessere Arbeitsbedingungen nicht nur in Euro und Cent zu messen sind. Man betrachte sich die KrankenpflegerInnen, bei denen es nach wie vor Dreierwechselschichten Früh/ Spät/ Nacht gibt. Dazu würde man mich auch mit dem besten Gehalt nicht bringen, solange es IRGENDEINE Alternative gibt.

Na, sicher ist jedenfalls: Höhere Löhne sind gerade im Niedriglohnsektor dringend nötig, unabhängig davon, ob sie mehr Leute zur Arbeit locken könnten. Beispiel: eine Exkollegin, die, soweit ich weiß, ebenso knapp UNTER der oben genannten Niedriglohngrenze liegt wie ich inzwischen drüber liege, ist alleinstehend. Sie hat eine kleine Mietwohnung, und arbeitet Vollzeit. Das Geld ist so knapp, daß jede größere Reparatur/ Anschaffung auf Pump bezahlt werden muß. (Es passiert ja mal, daß eine Waschmaschine kaputtgeht oÄ) Ganz zu schweigen von der (Un-)Möglichkeit, in die Betriebsrente einzuzahlen. Sie steuert als zeitlebens in Vollzeit Arbeitende (sie arbeitet, seit sie 16 ist) also auch noch stracks Richtung Altersarmut. Und das liegt NICHT daran, daß sie in anderen Bereichen so prassen würde, soweit ich das beurteilen kann.

Wie kann dann Jemand vernünftig leben, der nicht nur „Oberkante Niedriglohn“, sondern „gesetzlichen Mindestlohn“ hat!? Eben gar nicht, jedenfalls nicht alleinstehend mit einer Vollzeitarbeit. (Btw.: Ich finde gut, daß es inzwischen überhaupt einen Mindestlohn gibt!)

Wie auch immer: warum der Mangel an arbeitenden Menschen nicht dazu führt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, das verstehe ich einfach nicht. In diesem Sektor klappt der Angebot/ Nachfrage-Mechanismus einfach nicht (mehr), aber wieso?

Fragen über Fragen….

 

 

30 Kommentare zu “!?

  1. Fjonka sagt:

    *lol* da gibt es dann sicher irgendeine verschwurbelte Definition davon, was „bezahlbar“ sei – x% vom monatlichen Lohne eines Durchschnittsverdieners oder so 😉 Wobei „Durchschnittsverdiener“ in D so definiert ist, daß es zB in UNSEREM Bekanntenkreis nur sehr wenige davon gibt – die meisten verdienen DEUTLICH weniger. Durchschnittsverdienst in D 2018 laut DRV
    37.873 Euro
    Brutto. Das sind also ca 3155 Euro monatlich, über 2000 netto sogar für Jemand mit Steuerklasse 1, der das meiste abgeben muß.
    Aber zu den Mieten: das war, finde ich, EINER der großen Fehler, daß der Sozialwohnungsbau so gut wie eingestellt wurde. Und privatisiert, auch in diesem Bereich. Das müsste schleunigst wieder geändert werden, und selbst dann würde es ja sehr lange dauern, bis das Wirkung zeigen könnte.

    • Bibo59 sagt:

      Dazu muss ich mal was sagen: Der Soziale Wohnungsbau wurde ja nicht von Städten und Gemeinden finanziert und betrieben, sondern nur z.B. mit günstigen Krediten gefördert und von privaten Investoren und die wurden dann so gegängelt, dass sie langfristig draufgezahlt haben. Nach Ende der Preisbindung kommen sie der Kappungsgrenze sei Dank, nie auf einen Mietzins, der dem Mietenspiegel entspricht. Wirklich abgeschafft wurde diese Praxis nie https://www.stadt-koeln.de/service/produkte/00705/index.html
      Sozialen Wohnungsbau gibt es also noch, jedenfalls hier in Köln, nur leider sitzen die Leute, die als arme Studenten eingezogen sind, als Gutverdiener fett und bräsig in ihren billigen Wohnungen. In Köln sind schätzungsweise 40% der Sozialwohnungen fehlbelegt. Da kannst Du gar nicht gegen anbauen.
      Dazu kommt: Ältere Sozialwohnungen sind zu groß. Einer Person stehen 50 qm zu, zwei Personen in der Bedarfsgemeinschaft 65 qm. Zieht ein Partner aus, fliegt der andere aus der Wohnung. Ich finde übrigens 50qm für eine Person angemesssen, 60qm für zwei auch. Aber nach meiner Erfahrung suchen die meisten auf dem freien Markt was größeres, in der Innenstadt, im Szeneviertel, mit Balkon…
      Wenn ich sehe, wieviel Platz verschwendet wird, allein dadurch dass die Leute immer größere Wohnungen belegen.

      • Fjonka sagt:

        Es gab staatliche Wohnungsbaugesellschaften, die sind, soweit ich weiß, nach dem Neue Heimat-Skandal alle zerschlagen worden.
        QM: Mag groß genug sein; allerdings finde ich durchaus verständlich, daß man, wenn mans bezahlen kann, größer wohnen will. Auf miener Häuser-Gucktour mache ich allerdings die Erfahrung, daß es fast keine unter 100qm GIBT. An die alten, kleineren, wurde fast ausnahmslos angebaut, 110qm und mehr haben etwa 95% der Häuser im Angebot. Wir würden, je nach Schnitt, 80-90qm für zwei Leute gut finden.
        Hier machen allerdings Fälle die Runde, wo besagte Rausschnmisse dazu führen, daß der Neu-Single nun zwar auf weniger qm, dafür aber mehr bezuschusst wird, weil die neue, kleinere Whg um etliches teurer ist als die größere, alte…..

        • Bibo59 sagt:

          Ich finde ja, je mehr Wohnung Du hast, um so mehr musst Du putzen. Und der Schnitt macht’s.
          Ein kleineres hätte ich hier gehabt. Un wesentlich mehr Wohnfläche als meine Wohnung, dafür kleinere Räume und die dreifache (mindestens) Putzfläche.
          Die meisten Nachbarn gehen aber inzwischen bei den langen Grundstücken hier in die Hinterbebauung.
          Auf dem Fertighaus-Sektor gibt es allerdings einige Single-Häuser. Nicht so groß, dafür praktischer geschnitten.

        • Bibo59 sagt:

          Und ja, im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass das Amt kleinere Wohnungen höher bezuschusst und die dann leer gewordenen größeren in der Nachvermietung an den Mietspiegel angepasst werden, also teurer.

  2. Bibo59 sagt:

    Ich hatte neulich eine Diskussion zum Thema „bezahlbarer Wohnraum“. In München ist der Wohnraum so teuer, mimimi. Ja, dann geht man eben nicht nach München. In kleineren Städten werden auch Fachkräfte gesucht und du bekommst dreimal so viel Wohnung für’s Geld. Und in München werden die Arbeitgeber entweder mehr bezahlen müssen oder Wohnungen stellen.
    Und heute früh hörte ich im Radio, dass die Bahn wieder Werkswohnungen stellen will.
    Übrigens Busfahrer, Bahnfahrer und Lokführer werden anscheinend flächendeckend gesucht.

    • Fjonka sagt:

      Nicht JedeR kann so frei wählen, in welcher Stadt er oder sie wohnen will.
      In München WIRD übrigens tatsächlich mehr bezahlt (zumindest wars beim Herrn F. so, das hat gut ein Drittel ausgemacht netto), aber eben inzwischen nicht GENUG mehr, um das aufzufangen, was da mietmäßig passiert.
      Das Grundproblem besteht aber halt auch in kleineren Städten mit wenig Miete und sogar auf dem Dorf- weil die Löhne halt wirklich sehr niedrig sind.

    • Jeder Wohnraum ist bezahlbar.
      Der Begriff „Bezahlbarer Wohnraum“ sagt erstmal grundsätzlich NICHTS darüber von WEM er bezahlbar ist.

      Will man Wohnraum für Geringverdiener haben benötigt man SOZIALEN Wohnungsbau.

      • Bibo59 sagt:

        Da hast Du Recht. Ein großer Teil in Köln etwa 40% des sozialen Wohnungsbaus ist auch einfach fehlbelegt. Die Leute ziehen ja nicht aus, wenn sie irgendwann mehr verdienen. Wenn dann noch Leute auf die Idee kommen ihre Wohnungen lieber über Airbnb zu verticken, weil das mehr bringt als normale Mieter…

        • Bei Air’n’B wachen die Städte ja zum Glück langsam auf, in Köln und Berlin sind bereits die ersten Bußgelder ergangen.
          Auch Flensburg schränkt das immer mehr ein, hier ist nur blöd das wir einen Hotelmangel im 1 bis 2 Sterne-Bereich haben und ein Überangebot im 4 Sterne + Bereich (Und sie wollen uns jetzt noch ein weiteres 4*-Hotel in den Bahnhofswald setzten incl. Parkhaus…..)

          • Bibo59 sagt:

            In Köln haben sie es aber auch schwer übertrieben und ein Studentenwohnheim illegal an AirBNB vertickt. Das ist richtig, wenn da ein paar Bußgelder eingehen.
            Airbnb ist ok, wenn ich die ehemaligen Kinderzimmer im Privathaus vermiete, sonst nicht.
            Blöd mit dem 4* Hotel. Könnt ihr nicht mit Berufung auf den Klimawandel das Projekt stoppen?

            • In der Mai-Sitzung des Rates wurde das Hotel gestoppt, Hr. Rüstmaier (CDU) hat das für die Juni-Sitzung nochmal auf die Tagesordnung gesetzt und klar gesagt das er das so lange wiederholen wird wie er im Amt ist oder bis es durch ist.
              In der selben Sitzung wurde der Klimanotstand im übrigen abgelehnt….

              • Fjonka sagt:

                Puh! Manchmal bin ich ganz froh, daß ich so einiges nicht mitkriege 😦
                Was Air BnB angeht, dachte ich bisher, in FL seien normale FeWo das größere Problem!? Auf dem Land definitiv, da werden immer mehr Häuser zu Ferienhäusern; das treibt die Preise.

                • Air B’n’B (und die anderen) und FeWo werden von der Verwaltung nicht differenziert 😉
                  Es geht schlicht im Kurzzeitvermietungen via I-Net oder offline die nicht über die Tourismusagentur vermittelt wird bzw. nicht als Geschäft offiziell angemeldet ist.
                  Stichwort: Steuern und Vermittlungsentgelt 😉

  3. Ich denke auch, die Steuern und Abgaben für Alleinstehende mit St.-Kl. 1 sind zu hoch. Besser wäre jedenfalls, die Freigrenze(neben dem Std.-Lohn) zu heben und bei den Menschen mit Spitzengehalt mehr zu nehmen, es betrifft auch Alleinerziehende.
    Alle Steuergeschenke wie Baukindergeld, Abwrackprämie oder Zuschuß zum E- Auto helfen nur Menschen, die bereits etwas haben. Und die Menschen unter dieser Grenze werden wir uns als Land irgendwann nicht mehr leisten können, da auch die Versorgung alter Menschen viel Geld kostet, mehr als man mit Mindestlohn je zahlen kann(nicht mal Durchschnittslohn- Rente reicht fürs Heim).

    • Fjonka sagt:

      Ja, Steuergerechtigkeit ist auch ein Thema, aber bei unseren derzeitigen Regierenden wird es nie was werden mit der Unterstützung Derer, die wenig haben:-( Lieber den Spitzensteuersatz weiter senken und an Wohlhabende Steuergeschenke verteilen….
      Ich sehs ja auch bei meiner Einkommenssteuer (die ich wg. d. Mieters machen muß) Würde ich mwhr verdienen, bekäme ich mehr zurück, aber weil ich wenig verdiene zahle ich wenig Stwuer und muß anteilig viel mehr Kosten selbst tragen, weil man ja nicht mehr zurückkriegen kann als man eingezahlt hat

      • Bibo59 sagt:

        Bei mir war das anders. Da gab es tatsächlich so Situationen, wenn ich einen Tag mehr im Monat gearbeitet habe, hatte ich am Ende weniger Geld auf dem Konto, weil mehr Steuer abgezogen wurde.

        • Fjonka sagt:

          Das schließt sich ja nicht aus – weil Du dann dieses mehr gezahlte wieder zurückbekommst, wenn Du genügend absetzbares hast.
          Ich habe aber immer mehr, das ich absetzen könnte als ich bezahlt habe.
          Wenn also zwei Leute genausoviel absetzbares haben, bekommt Der, der mehr verdient auch mehr zurück – weil er vorher mehr Steuern abgezogen bekommen hat.

  4. wattundmeer sagt:

    Ich verstehe es schon lange nicht, warum Betrieb Ruhetage einlegen oder sogar ganz zu machen statt ordentlich Lohn zu zahlen. Aber vielleich ist es wirklich nicht so einfach? Ich war noch nie Arbeitgeber…

    • Fjonka sagt:

      Ich auch nicht. Aber letztlich sprach on einer Doku Jd. davon, daß in größeren Betrieben mehrere Tausend Euro Prämien gezahlt werden, wenn man einen neuen Angestellten wirbt. Sowas geht, bessere Arbeitsumstände/ Gehälter aber nicht?????

      • Bibo59 sagt:

        Und ich habe gerade in einem Interview mit einem Headhunter (also keine Niedriglöhne) gelesen, dass die jungen Leute nicht mehr bereit sind umzuziehen oder höchstens nach München, Berlin…
        Wenn ich bedenke, wo ich überall hingezogen bin…
        Das deckt sich auch mit den ständigen Berichten über „Wohnungsnot“

        • Fjonka sagt:

          Neee, Bibo, die betrifft inzwischen auch Kleinstädte, sogar Zentraldörfer. Günstig wohnen kannste inzwischen nur noch „total ab vomn Schuß“, zB in unserem Kaff. Aber da gibt es halt keine Arbeit. Und keine Infrastruktur.
          Und für viele Höherqualifizierte, gerade im bommenden IT- und Dienstleistungsbereich (der ja prinzipiell auch im Kaff ansässig sein könnte) gibt es ja tatsächlich nur in den Großstädten Arbeit, da müssten dann die Arbeitgeber auch mal umdenken.
          Die r*w* zB hat sich nur mit knirschenden Zähnen überhaupt für Kiel als IT-Standort entscheiden können, eigentlich wollten sie nach HH oder in dessen Speckgürtel – noch kleinere Städte als Kiel? Undenkbar, das ist ja nicht hip genug!

          • Bibo59 sagt:

            Günstig ist ja relativ. Du wirst wohl in Flensburg oder Kiel kaum so viel abdrücken müssen, wie in München. Hamburg war immer teurer als Köln. Jedenfalls hat meine Mieteinnahme für die vergleichbare Wohnung hier nie die Miete dort gedeckt.

  5. Stefanie sagt:

    Ja, hochinteressant. Vielleicht hat es für Alleinstehende (in klassischen Frauenjobs) nie wirklich funktioniert? Vielleicht klappte es bloß, weil sehr viele Frauen nur „etwas dazu verdienen“ mussten?

    • Fjonka sagt:

      Ich würde meine Arbeit nicht als „klassische Frauenarbeit“ bezeichnen. Aber egal, es gilt ja ganz genauso nur mal beispielsweise für Lagerarbeiter oder die oft erwähnten Paketboten. Also durchaus nicht nur für Frauenjobs

Platz für Klönschnack ...

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