Heute gehen Sternfahrten von Landwirten gen Berlin. Man protestiert, daß die Landwirte am Limit sind, daß es so nicht weitergehe. „Recht haben sie“, dachte ich. Bis ich kapierte: die sagen das richtige, aber die Konsequenzen, die sie gezogen haben wollen, sind genau die falschen! Sie sehen ihren Berufsstand durch die Auflagen zum Naturschutz kaputtgemacht, durch Gewässerschutz und Dünger-Kontrollen. Und sie sind, wie immer, wenn man diese Art Proteste mitkriegt, wiedermal aufgewiegelt vom allmächtigen Bauernverband, der sich ganz offenbar nicht mehr als Bauern-, sondern als Agrarindustrielobbyisten versteht. Jetzt juckt es mich in den Fingern, übles zum Thema „Bauernverband“ zu schreiben, aber ich bleibe lieber konstruktiv, dieser Text fordert Euch eh längeres lesen ab 😉

Der Leiter des DNR (Deutscher Naturschutzring) sagt zu den Bauernprotesten Richtiges:

„Die heutigen Proteste zeigen: Die Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Doch weder das Aktionsprogramm Insektenschutz noch die Auflagen zum Schutz unseres Grundwassers haben die Landwirte in diese Krise gebracht, sondern eine Agrarpolitik, die seit Jahrzehnten auf maximale Intensivierung und Exportorientierung setzt.

Die Fortsetzung einer solchen Politik kann daher keine Option sein. Sie treibt Landwirte in einen ruinösen Wettbewerb, in dem die Wertschätzung ihrer Arbeit und für Lebensmittel auf der Strecke geblieben ist. Und sie ist mitverantwortlich für die tiefe Biodiversitäts- und Klimakrise. Ein Fakt, der weder geleugnet noch kleingeredet werden kann.

Wir brauchen daher eine Politik, die das Höfe- und Artensterben aufhält. Das kann nicht gelingen, wenn die berechtigten Interessen von Bauern und Bürgern gegeneinander ausgespielt werden. Ein Neustart in der Agrarpolitik ist überfällig. Die milliardenschweren Agrarsubventionen müssen endlich so eingesetzt werden, dass sie Landwirten und dem Klima-, Umwelt- und Tierschutz zugutekommen.

Wenn es also einen „Reset“ braucht, wie der Bauernverband fordert, dann nicht, um Umweltauflagen weiter zu schleifen, sondern um Landwirte zu unterstützen, diese besser zu erfüllen. (…)“

Dieses Zitat fand ich, als ich über den Naturgartenverein heute einen Aufruf zur Beteiligung an einer europäischen Bürgerinitiative (EBI) zugeleitet bekam. Diese Initiative hat „eine andere Form der Lebensmittelproduktion, ohne Agrochemikalien, gesünder und nachhaltiger für Natur und Mensch“ zum Ziel. damit will man „sicherstellen, dass die unschätzbare Vielfalt an Lebensmitteln und bäuerlichen Traditionen in Europa erhalten bleibt.“ Genaueres kann man hier lesen (es ist bei weitem nicht so vage, wie’s sich in meiner Kurzzusammenfassung anhört!!) *klick* und hier gehts gleich zur Unterschrift *klick*, denn es werden 1 Million Unterschriften gebraucht, um die EU dazu zu bringen, einen Gesetzentwurf vorzulegen.

Solche EBI waren schon früher erfolgreich, Ihr erinnert Euch vielleicht an die gegen die Privatisierung der Trinkwasserinfrastruktur, also lohnt es wirklich, sich zu beteiligen.

Bitte, tut das!

15 Kommentare zu “

  1. Karin sagt:

    Auch der BUND hat zu dieser Abstimmung aufgerufen, und dort habe ich
    mitgemacht. Es haben jetzt schon über 60,000 Leute untershcrieben.

  2. pflanzwas sagt:

    Neben allem richtig gesagten müssen dann auch die Kunden mitziehen und bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, statt dreimal im Jahr in Urlaub zu fahren oder wofür man heute sonst das eingesparte Essensgeld ausgibt. Leider hörte ich am Rande was von Preisverfall beim Biogetreide/mehl, weil die Bauern das nicht loswerden. Kann leider den Beitrag nicht mehr finden. Auf der anderen Seite würde ich mir von den Landwirten Vorschläge wünschen, wie sie diese Probleme angehen wollen. Alles gar nicht so einfach, weil es „den“ Landwirt ohnehin nicht gibt. Es ist halt blöd, daß man es soweit hat kommen lassen und jetzt kommts besonders dicke.

    • wattundmeer sagt:

      Da sagst Du was Wahres: „Es ist halt blöd, daß man es soweit hat kommen lassen und jetzt kommts besonders dicke.“ Das sehe ich genauso! Man darf aber auch den Kunden nicht die ganze Schuld geben. Schon seit Jahren werden wir mit Werbung manipuliert, in der fast immer mit „billig“ geworben wird. Und wenn wir dann zum Schluss billig wollen, dann sind wir Schuld. Das Umdenken muss auch in den Konzernen stattfinden, die unsere Lebensmittel (und alles andere auch) vertreiben.

      • Fjonka sagt:

        Es gibt tolle Produzenten und Händler. Das ist ein geben und nehmen, die müssten von uns Konsumierenden halt mehr unterstützt werden. Und von der Politik
        Die „kann ich mir nicht leisten“ Argumentation hatte ich vorgestern. Da das von einer Familie kam, die erst kürzlich einen 3 TageTrip nachLondon hinter sich gebracht hatte, war es recht leicht, den Unterschied zwischen „sich nicht leisten können“ und „Entscheidungen treffen“ zu benennen…
        Aber daß BILLIG so ist wie jetzt liegt maßgeblich an politischen Entscheidungen!!! Subventionen, Lobbyismus,…..

      • pflanzwas sagt:

        Ich will die Schuld auch gar nicht nur den Kunden zuschieben. Beide Seiten müssen sich verändern. Aber man hört immer dieses Beispiel: 80% würden mehr Geld für Fleisch aus besserer Haltung ausgeben und wieviele sind es dann zum Schluß? Sehr wenige. Auch ich ertappe mich schon dabei, daß ich denke, wieso kostet dieses oder jenes jetzt so viel, einfach, weil man „billig“ gewöhnt ist. Ich wundere mich nur immer wieder, bei Produkten, die ich schon lange kaufe, daß gerade Obst und Gemüse in den letzten 20 Jahren immer günstiger geworden sind. Oder die Milchdiskussion. Da gehts um ein paar Cent mehr für die Bauern. Das sollte doch möglich sein und trotzdem drücken die Diskounter die Preise. Ich kaufe schon länger Biomilch und hoffe, daß die Preise wenigstens hier stimmen. Naja, ein weites Feld. Ich wollte nur sagen, daß beide an einem Strang ziehen müssen.

  3. ladypark sagt:

    Danke für die Links, eben waren es schon über 50.000.

  4. So ähnliche Gedanken kam mir auch, als ich es im Radio heute Morgen hörte. Die Sorge der Landwirte kann ich aber auch verstehen wenn sie fürchten, dass durch die Aufwände die sie haben und gegebenenfalls auch Reduktion im Ertrag, gegenüber den Billigprodukten aus dem Ausland sie nicht wettbewerbsfähig sind. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, damit die Landwirte von ihren Erträgen leben und gleichzeitig auf Chemikalien verzichten können. Es muss auch wieder eine Verzahnung zwischen Landwirtschaft und Viehwirtschaft hergestellt werden. Eine Kreislaufwirtschaft zwischen „Gülle und Getreide“. Dazu müssen aber auch wir Verbraucher umdenken und der Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, die es den Landwirten ermöglicht gegenüber der ausländischen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu bleiben

  5. Bibo59 sagt:

    Hat dies auf Bibos kleine Fluchten rebloggt und kommentierte:
    Ich reblogge das mal eben.

  6. wattundmeer sagt:

    Genau, die geforderten Konsequenzen sind die falschen! Ich habe für Massentierhaltung und den Pestizideinsatz kein Verständnis ( „Nutztier“ sollte man zum Unwort des Jahres wählen) und finde, dass die neuen Verordnungen der Agrarpolitik, gegen die die Bauern protestieren, noch gar nicht weit genug gehen!Wenn dabei rauskommt, das wieder zurückgerudert wird, dann ist nichts gewonnen.Ich hoffe sehr, dass das nicht der Fall sein wird! Habe selbstverständlich sofort gezeichnet. Danke für den Link. Ulrike

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