Knicktag

Ich hatte ihn ja schon angekündigt – und hier ist er: der Bericht vom „Knicktag“: 🙂

Der NABU hatte angekündigt, man werde über Knicks, ihre Geschichte, ihren Aufbau und die Pflege informiert und könne auch selbst lernen, wie das gehe mit der Knickpflege. Okay, hörte sich interessant an – angemeldet!

Das allererste ist einmal, daß ich lernen mußte: das, was wir hier als Knick kennen (und damit auch das, was Ihr im letzten Beitrag von mir vorgestellt bekommen habt)- das ist eigentlich gar keiner!

Ein echter Knick ist eine Art lebender Zaun auf einem Wall. Die 10-15 Jahre alten Äste/ Schößlinge werden zT mit Beil oder Hippe bis auf 25% Rest eingekerbt. Dieser Rest wird „geknickt“, also zur Seite gelegt (wobei er eigentlich gerade nicht knicken sollte, sondern einen heilen Bogen bilden, damit das Kambium, die nährstoffführende, lebende Schicht des Holzes, auf dem unbeschädigten Rest-Ast heil bleibt) Die Äste werden ein wenig verflochten und bleiben so. Besonders, wenn, wie es häufig immer noch „übrig“ und zu sehen ist, Dornenbüsche wie Schlehe oder Weißdorn gepflanzt wurden, kann ein solcher dichter Zaun auch Kühe und Ochsen dazu bringen, auf ihrer Weide zu bleiben – dauerhaft, also auch gleich nach dem knicken (wenn es ein älterer Knick ist). Und das war früher, vor der Erfindung des Stacheldrahts, der wichtigste Sinn der Knicks: einen lebendigen Weidezaun zu bilden

So könnte so ein Knick direkt nach dem legen aussehen, ein ganz anderes Bild als das, was wir normalerweise kennen:

Knick nach Knickpflege. Das Bild ist von Jürgen Golz, dem Seminarleiter. Er hat mir netterweise erlaubt, es hier zu zeigen 🙂 Er hat sich die alten Techniken übrigens in England beibringen lassen, weil es hier nur noch wenige alte Leute gibt, die sich erinnern, daß man zu ihren Kinderzeiten mal davon erzählt hat….

 

Knick nach Knickpflege, gewohntes Bild (Wikipedia, Reinhard Kraasch)

Inzwischen sind diese Techniken allerdings tatsächlich „verlorenes Wissen“, zumindest in Deutschland. Das, was ich „wusste“ und Euch im oben verlinkten Artikel vorstellte, ist sogar gesetzlicher Stand in der Knickpflegeverordnung, und wenn man einen Knick traditionell aufbauen und pflegen möchte, muß man sich erstmal an die untere Naturschutzbehörde wenden und um Erlaubnis bitten – denn wenn man, wie in der Verordnung vrogeschrieben, den Knick bodennah geschnitten hat ist es nicht erlaubt, Totholz dazulassen oder zwischendrin aufzubringen – und das geknickte Holz wirkt natürlich erstmal so, als hätte da Jemand Totholz gestapelt. Weshalb Jürgen Golz tatsächlich schon einmal bei der Naturschutzbehörde von einem Landwirt angezeigt wurde. – Da ist Gesprächsbedarf, natürlich!

Die Tiere freuen sich über einen „gelegten“ Knick: hier können sie weiter Schutz finden, anders als auf den kahlen Flächen, die im 1. Jahr nach dem „bodennahen absägen“ entstehen, das derzeit konform zur Knickpflegeverordnung praktiziert wird. Und bereits im Frühjahr darauf schießen Triebe aus den noch lebenden horizontalen Ästen, und es entsteht etwas, das unseren Augen wieder vertrauter ist.

Aber wie geht das nun, so eine Art Knick hinzukriegen?

Erstmal muß man sich das „Vorher“ betrachten. Will man die Äste nach rechts oder links legen? Wie viel Platz hat man? Wo stehen Überhälter – die großen Bäume, die alle 20-30m stehenbleiben sollten? Dann den Knick bearbeitbar machen.

„vorher“. Brombeeren und Co sind schon beseitigt, man sieht die ca vor 10 Jahren zum letzten Mal auf den Stock gesetzten Stubben und die Austriebe

Hier liegen schon mehrere. Rechts noch nicht versäubert, hinten und vorn eine fertige Lasche mit versäubertem Reststück. Man sieht: nicht ABgeknickt, aber es ist nur noch ein dünnes Holz über, das seitlich abgelegt wird.

So sieht das aus, wenn man das kann (ein weiteres Danke, auch das Bild ist von Jürgen, den man dort arbeiten sieht) sauberes arbeiten, „eben mal“ reinhauen und legen … dies ist aber kein Knick, sondern eher eine Flechthecke. Es fehlt der Wall.

Und so sieht das aus, wenn blutige Anfänger am Werk sind. *g* Wir „hobeln“ statt einmal zu hauen. Entweder der Ast ist immer noch zu dick, oder er bricht: zu doll gebogen, zu dünn der Rest … das macht irgendwann die Erfahrung, normalerweise soll man mit einem Hieb die 75% reinhauen und dann nur noch senkrecht runter die Lasche entstehen lassen ……

Nicht fertig, aber Übung beendet 😉 man muß sich „fertig“ so vorstellen, daß keine Äste mehr hochstehen, dafür aber viel mehr liegen, und das „auf Strecke“ . Wie im allerersten Bild halt …

Der Busch versorgt durch das übrige, lebende Kambium den gelegten Ast problemlos weiter, der schon im nächsten Frühjahr austreibt – dadurch wird das ganze viel dichter und bleibt sofort ein lebendiger Lebensraum.

Hier kann man erkennen, daß die Natur auch knicken kann 😉 aus dem dicken Windbruch wachsen, wie später beim Knick aus den gelegten Ästen, viele neue Triebe hoch. Ein Knick ist das nicht, dafür ist die Lasche viel zu hoch und natürlich macht man das nicht mit dicken Bäumen. Aber das Prinzip funktioniert sogar noch bei einem so dicken Stamm

Bei dem, was man heutzutage macht (alle 10-15 Jahre wird, was hochgewachsen war, bodennah abgeschnitten, zwischendurch nur in der Breite eingekürzt – siehe*), braucht der Knick einige Jahre, bis er wieder seine Funktionen erfüllen kann. Die sind heutzutage:

  1. Lebensraum, Nahrungsquelle, Brutgebiet für viele Tiere (interessant: bei Fledermausschützern gibt es Geräte, die die Flüge der Fledermäuse aufzeichnen. Und da sieht man dann genau, wie die Knicks verlaufen – weil die Fledermäuse bei ihren Flügen deren Verläufen folgen. In der Nähe der Knicks gibt es nämlich Insekten zu fangen – auf dem offenen Feld nicht!)
  2. Lebensraum für Pflanzen
  3. Erosionsschutz (man denke an die Sandstürme der letzten Jahre!!)
  4. halten von Feuchtigkeit (sehr wichtig in immer trockeneren Zeiten)
  5. und, sehr wichtig: Vernetzung von Lebensräumen! Ohne Knicks kommen die Tiere im landwirtschaftlich industriell genutzten Land nicht von Biotop zu Biotop, Bestände können sich nicht austauschen, Pflanzen- und Tierarten nicht verbreiten

Logisch, daß all das einige Jahre nicht mehr passiert, wenn sämtliches Holz bodennah abgeschnitten wird. Bei der traditionellen Art dagegen bleibt der Knick funktionell, und bereits im Frühjahr nach dem knicken gibt es auch wieder Blattmasse. Beim Erosionsschutz ist es sogar noch doppelt besser so wie’s früher war, denn selbst wenn der heutige „Knick“ hoch wächst, so ist er doch spätestens nach sechs, sieben Jahren wieder am Boden recht licht.


*Knickpflege aktuell: dieser Link ist interessant, weil sich, wie ich gestern erfuhr, der Knickpflegeerlaß zu 2014, meinem verlinkten Bericht, geändert hat: das mit der schrägen Neigung gilt nicht mehr, man darf/ soll zwischendurch, wenn der Knick zu breit wird, gerade hoch schneiden – aber erst ab einem Meter neben dem Knickfuß. Das schließt so dünne Heckchen wie im 2014er-Bericht gezeigt weiter aus. Sie gibt es aber trotzdem nach wie vor. Es soll aber ab 2020 endlich stärker kontrolliert und geahndet werden, immerhin.


So. Nun, liebe Leute „spread the words“ 😉 Es wäre doch toll, wenn unser gesetzlich geschütztes Knick-Netz nicht nur endlich wieder gesetzeskonform bewirtschaftet würde, sondern auch historisch und ökologisch richtiger!

 

 

14 Kommentare zu “Knicktag

    • Fjonka sagt:

      Ja, siwas hat sogar einen Namen! Es nennt sich „Knickharfe“, man sieht ja, wieso.
      Gelegte Äste, die weiterleben und nach oben neue Triebe senden. Die offenbar dann nicht weiter geknickt wurden…. toll!
      (Vielleicht sollte ich doch endlich mal eins seiner vielgerühmten Bücher lesen!?)

      • Maenade sagt:

        Ich habe die ersten paar Thursday-Next-Bücher gelesen, vor allem der erste hat mir gut gefallen, danach haben sie nachgelassen, finde ich. Ich habe neulich gerade gedacht, ich sollte die auch nochmal anfangen. 🙂

        • Fjonka sagt:

          Oh. Ich habe falsch verknüpft! Baum plus komischer Name = „Tiere essen“ etc, also J. Foer oder so, nicht J. Fforde… die Thursday Next- Bände kenn ich, und ich habs ähnluch empfunden wie Du 😃

  1. pflanzwas sagt:

    Danke für den ausführlichen und interessanten Bericht! Ich wußte nicht, daß Knicks so angelegt werden. Für mich waren das bewachsene Wälle. Hüstel. Kann man mal wieder sehen. Und daß die Knicks dann irgendwann wieder so runtergebrochen werden müssen, liegt daran, daß sie zu hoch und zu dünn werden? Wenn ich die Schlehen- und Brombeerbüsche hier hinterm Haus sehe, sind die sowas von undruchdringlich. Sind ja keine Knicks, aber da denke ich, muß man nie mehr was machen. Wenigstens bei den Schlehen. Echt interessant und schade, daß das Wissen so verschwunden ist. Gerade was den Windschutz angeht, sind sie doch super, diese Knicks. Es lebe der Knick 🙂

    • Fjonka sagt:

      😃 Ja, es lebe der Knick!
      Was die Schlehen- Brombeerdickichte angeht: die sind dicht. Für uns. Aber selbst ein Reh findet da eine Stelle, wo es durchgeht, ein Ochse lacht darüber nur… und darum ging es ja ursprünglich: einhegen, auch Ochsen.
      Ökologisch ist Deine Hecke sicher auch sehr wertvoll. Der Knick hat den Vorteil, mehr Artenvielfalt zuzulassen, wegen des Walls und der Fußzone.
      Und ja, ungelegt wird aus einem Knick eine Baumreihe. Zu dunkel für viele Arten wegen des Laubdachs, und weil die Gehölze nach oben streben licht (waldartig)
      Ich freu mich, daß Du das interessant findest, obwohl Du nicht in der Knickgegend wohnst 😃
      In der Eifel gibt es als Windschutz sehr kunstvoll total dicht gehaltene https://fjonka.wordpress.com/2013/08/18/die-eifel-teil-zwei-hecken/, vielleicht gibts ja bei Euch auch irgendsoetwas lanfschaftsprägendes typisches!?

      • pflanzwas sagt:

        Hm, ich hätte gedacht, daß der Knick im norddeutschen Raum weit verbreitet war, aber ich verwechsle sicher immer noch bewachsene, baumbestandene Wälle, die die Felder umgeben, mit Knicks! Irgendwie kriege ich das noch nicht sortiert. Ich finde das grundsätzlich sehr interessant. Ist es doch ein idealer Windschutz und guter Lebensraum. Nach deinem Link guck ich gleich mal!

        • Fjonka sagt:

          Ja, neee, das kennzeichnet durchaus einen Knick: ein baumbewachsener Wall. Knicks in dem Sinne wie wir’s gelernt haben gibbet ja eben nicht mehr – aber ich dachte, Du befindest Dich ganz im Süden der Republik!?

          • pflanzwas sagt:

            Hihi, nö. Ich bin jetzt in Hannover, aber komme grob gesagt aus Richtung Oldenburg in Oldbg. Deshalb war ich auch kurz irritiert als du meintest, ich käme nicht aus einer Knicklandschaft 😉

            • Fjonka sagt:

              Ach!
              Seltsam, wie komme ich auf Ba-Wü? Da hatte ich Dich innerlich verortet!
              So isses, wenn man nur im Netz Bekanntschaften pflegt….

              • pflanzwas sagt:

                So geht mir das mit einer anderen Bloggerin, von der ich immer denke, sie wohnt im Norden, dabei ist das Gegenteil der Fall 🙂 Ja, manchmal wirft man das durcheinander. Wobei ich ein kleines Weilchen dort gelebt habe in Bawü. Kann mich aber nicht erinnern, daß das mal Thema war.

  2. Bibo59 sagt:

    Ich kannte diese Art wirklich nur aus England, dort zur allgemeinen Verwirrung Hedge genannt.
    Von den Norddeutschen Knicks wusste ich nur, dass der Dänische König Christian Knicks und Wohlde angeordnet hat um die Versorgung der Bevölkerung mit Holz zu verbessern.

    • Fjonka sagt:

      Tatsächlich hat der Jürgen das knicken auch in GB gelernt, weil er hier Niemanden mehr auftreiben konnte, der’s ihm hätte zeigen können. Man kann SCHLIESSEN, daß es so gemacht worden sein muß – daraus, daß es in Reihen angepflanzte Dornbüsche gibt, daraus, daß ein Ochse auf andere Art nicht daran gehindert hätte werden können, seine Koppel zu verlassen, daraus, was für Werkzeug es gab, aus dem, was alte Leute noch aus ihrer Kindheit berichten konnten undundund. Aber man kann nicht 100% sicher sagen, welche Technik GENAU früher hier in Angeln genutzt wurde. In England gibt es wohl von Gegend zu Gegend sehr unterschiedliche Arten, ihre Hedges zu pflegen, aber an vielen Orten mußten sie zB nur Schafe einhegen, das fällt dann schonmal weg für hier – und letztlich bleibt diese Art als die wahrscheinlichste übrig. Indizienbeweise….

      • Bibo59 sagt:

        Ja, interessant. Es gab ja die Ochsentriften nach Hamburg und irgendwie müssen sie die ja eingezäunt haben, vor der Erfindung des Stacheldrahts. Aber ich kannte von SH nur, die haben immer die Steine vom Acker an den Rand geworfen, und da ist dann allerhand Zeug drauf gewachsen. Eigentlich blöd, denn SH ist ja Weideland und von der Weide müsste man eigentlich keine Steine wegräumen.

Platz für Klönschnack ...

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