Sommers

Im Sommer schreit der Garten ununterbrochen

TU WAS!!!!

Ich tu ja, lieber Garten, ich tu ja!
Will heißen: ich zupfe einhändig; ich mähe die ebenen Flächen, wenn der Herr F. mir den Rasenmäher anmacht; ich schnipple mir der kleinen Einhand-Zange …. Das darf ich auch, in Maßen – ich soll sogar, der Arm soll in Bewegung bleiben. Manchmal allerdings merke ich die Grenzen erst nachher. Wenn sie schon überschritten sind. Au.

Der Herr F. tut auch, mehr denn je. Aber er muß ja „nebenher“ auch noch arbeiten und ganz allein die Bienen und den vielen Honig passen, und außerdem ist er sehr gut im auswählen, worauf er grad Lust hat. Und so wartet manches, das ich als sehr dringlich empfinde, seit Wochen (zum Beispiel das mähen der Knickböschung), anderes wird täglich getan, bringt aber nicht allzuviel Effekt, sag ich mal so (Bärlauchsamensammeln zum Beispiel)

Der Garten sagt dann

Ich kann auch anders!

Und das stimmt.
Was er nämlich kann ist: explodieren.
Jetzt, nach (und während) Regen und Sturm ist aus unserem wunderschönen Frühsommergarten einer geworden, in dem man die Wege manchmal kaum benutzen kann.
Von den Seiten drängeln: Schneebeere. Giersch, der noch nicht gemäht ist. Fingerhüte, Stockrosen, Margeriten und Glockenblumen, die halb umgeweht sind.
Von oben hängen tief: Weide, Linde, Holunder, Geißblatt, regenschwer.

Auch in den Beeten legen sich die höheren naß auf die niedrigeren Pflanzen, die schon samenden, die eigentlich längst abgeschnitten gehörten auf die niedrigen, kleinen, die gern blühen wollen würden, bekämen sie denn etwas Luft. Und Diejenigen, die die Alleinherrschaft anstreben hindere ich nur unzureichend daran, ihren Weg zu machen.

Spannend ist dabei: Im Prinzip ist das jedes Jahr so. Jedes Jahr um diese Zeit weiß ich garnicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Jedes Jahr denke ich „Mensch, sieht das alles zerfleddert aus! Vor zwei Wochen wars doch noch so schön!!“ Jedes Jahr kommt der Vogelschutz in Konflikt mit dem Gefühl, daß man jetzt aber doch mal die Hecke vom Bürgersteig wegschneiden sollte.
Und jedes Jahr wieder kommt das alles völlig überraschend: nach der wunderbaren und entspannten Frühlings- und Frühsommerzeit, in der frau noch überlegte, was sie denn evtl in diesem Jahr mal neues anlegen und tun könnte (okay, letzteres nicht in diesem Jahr) kommt der Sommer, der Garten explodiert und frau reagiert nur noch.

Natürlich ist es dies Jahr etwas extremer, und ich bin sehr gespannt, ob sich mein Ausfall bös‘ rächen wird (durch Giersch mitten in den Beeten zum Beispiel, durch Brombeerranken im Garten statt nur im Knick, durch das endgültige verschwinden der unter Pflanzenmassen begrabenen Kleinstauden, oder durch die Rückkehr der Sigone in schon befreit geglaubte Zonen), oder ob der Garten nachsichtig lächeln und sich mit der wilden Natur einigen wird, daß es ganz so schlimm ja nun nicht kommen muß.
Und vielleicht, gaaaaanz vielleicht schicken die zwei uns ja sogar ein paar Pflanzen und Tiere, die nie gekommen wären, hätte ich gewirbelt, gezupft und geschnitten wie sonst auch.

Wer weiß?

 

24 Kommentare zu “Sommers

  1. wardawas sagt:

    Wie im richtigen Leben: die Drängler und die Mauerblümchen…Andererseits „gibt es nichts Eiliges, was durch geringfügiges Abwarten nicht noch eiliger werden würde“…Da fliegen aber dann auch Käfer ein und fühlen sich wohl, Raupen verlustieren sich, Katzen finden Verstecke…

  2. pflanzwas sagt:

    Die Österreicher sagen doch gerne „das geht sich aus“ – also das erledigt sich von selbst oder man wartet 2 Wochen und dann hat es sich vielleicht auch erledigt. Einfach mal entspannt zurücklehnen und sehen, was passiert 🙂 Hauptsache die Türen gehen noch auf 😉

  3. puzzleblume sagt:

    Beim Lesen kommt mir der üppigfeuchte Gartenduft in die Nase geschlichen. BIs auf die überbordende Üppigkeit kann ich diesen plötzlich wirkenden Wechsel von freudiger Bewunderung zum eindeutigen Handlungsbedarf gut nachvollziehen. Manches ist auf einen Schlag „erledigt“ und schreit danach, Hand anzulegen.

  4. ladypark sagt:

    „Und so wartet manches, das ich als sehr dringlich empfinde, seit Wochen…“
    Das kommt mir irgendwie bekannt vor. 😉

    Der Unterschied zu deiner Situation: Ich brauchte noch nie kranke Schulter & Co., um mich in Phasen ausufernden Pflanzenwachstums überfordert zu fühlen.

  5. Bibo59 sagt:

    Ja, kaum guckt man mal nicht hin, schon ist alles zugewuchert. Gerade jetzt, wo es regnet. Auf der Fläche, die verkauft werden soll und die eben noch ganz kahl da lag, wuchert der Holunder.
    Und wie jedes Jahr streben die Brombeeren die Weltherrschaft an.

    • Fjonka sagt:

      Deshalb hocke ich jetzt alle paar Woxchen mal im Knick im Kahlschlag. Damit sie da garnicht erst so dolle hochkommen, denn von dort wäre es ein Katzensprung zu uns in den Garten!

      • Bibo59 sagt:

        Meine waren schon im Garten, als ich hier ankam. Da hilft nur noch ausgraben. Und von der Seite streben Ausläufer herein, die momentan gefühlt zwei Meter pro Tag wachsen und dann auf meiner Seite versuchen Wurzeln zu schlagen. In der Brutzeit darf man auch nicht mit der Heckenschere ran, sondern nur die langen Triebe beschneiden und buddeln. Wenn sie wenigstens leckere Früchte hätten, aber nee, die sind klein und hart und taugen nur als Vogelfutter.

  6. Myriade sagt:

    Das kann ja auch sehr spannend werden, wenn man der Natur mehr Möglichkeiten gibt

  7. Anna sagt:

    Du hast mir aus der Seele geschrieben! 🙂

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