In the neighbourhood

Blick aus dem Arbeitszimmer. Die grüne Halle sah man nie, da war ein Knick vor. Weg.

Zwei Grundstücke weiter war jahrzehntelang „Hundewiese“. Die war als Gewerbegebiet ausgewiesen, aber kein Gewerbe wollte hin. Man hörte munkeln, es sei viel zu feucht von unten. Jetzt werden auf dem Grundstück, das vielleicht (wenn überhaupt) 2000qm hat, im Halbkreis um die Zuwegung SECHS Häuser gebaut, eben mal schnell wurde es zum Bauland umgewidmet, und der Bagger schaufelt derzeit an die 2m tiefe Baugruben aus, die mit Sand verfüllt werden. Die Gemeinde war froh, das Land los zu sein, sagt man. UPDATE vom gestrigen Abendspaziergang: man sagte uns: die Tiefe ist, weil beim ausheben Moorboden hervorgekommen ist – und der muß vollständig weg, sonst sackts später.
Bin froh, daß das Nachbarhaus rechts vieles abpuffern wird, sowohl was derzeitige Bodenvibrationen als auch was Baustellen- und später Sechsjungefamilienlärm angeht. Doch wahrscheinlich wird man mindestens vom 1. Stock/hinterstes Eckhaus zur eigentlichnichtmehrunsere-Wiese einen guten Einblick haben. Aber vielleicht kommen ja genau da gar keine Fenster hin…..
Derzeit fahren LKW mit Hängern im Viertelstundentakt, es paßt ganz schön viel Sand in so tiefe Gruben.
Abends gegen zwischen neun und halb elf, je nachdem, gehen wir täglich zum baustellenwatching. El Mauski kommt meist mit. Ihm gefallen die planierten Sandebenen, er wälzt sich ausgiebig darauf und beschnüffelt danach jeden neuen Erdhügel und angelieferte Materialien genau. Wir gehen dann weiter durchs „Neubaugebiet“ (die jüngsten Häuser dort entstanden im Jahr 2004, als ich einzog) eine Schleife zurück. El Mauski flitzt munter mit. Ein wenig Sorge auch, schließlich fahren Autos…. aber wir sagen uns, daß er alleine ja auch dort unterwegs ist, und es macht ihm und uns viel Freude, gemeinsam spazieren zu gehen.

 

Am Oreganofeld in unserem Garten heute gleichzeitig vier Tagpfauenaugen, ein Admiral und unzählige Hummeln und Bienen. Gut besucht sind auch Lavendel und Storchschnabel in einem ansonsten gruslig neugestalteten Neubaugebietsgarten (Pflaster, Schotter, ständig heruntergezogene Rolladen, Hackschnitzelfelder mit besagten Insektenlieblingen und Gräsern, Rasenmäherroboter) Einziges Lob an konventionelle Gartenplaner, die da drin waren: sie pflanzen oft mehrere gleiche Stauden hübsch versetzt – so daß der Anflug für die Viecher lohnt. Einige Häuser weiter versucht eine Hummel vergeblich, einen Durchgang in einer Wand aus Thuja zu finden. Keine Chance, solche Hecken klemmen potentiell vernetzte Biotope wirksam voneinander ab.

Nie bin ich so viel in der Nachbarschaft rumgelaufen wie in den letzten Wochen, mindestens ein Morgen- und ein Abendgang sind zur Schmerzbekämpfung täglich unabdingbar, meist gibt es tags weitere ein, zwei Rundgänge. Und manchmal auch mitten in der Nacht einen. Seit die Mittelchen hochdosiert sind aber nicht mehr.

Die Kuhkoppel wird kleiner. An der Straße gibt es zwei Stellen, an denen die Kühe bis zum Bürgersteig gucken gehn können. Eine dieser Stellen soll mit zwei weiteren Häusern bebaut werden, heißt es. Ich hoffe auf die neben dem Dorfplatz, die andere ist schöner, so wie sie ist. Ein Apfelbaum steht dort und am Rand eine Kastanie. Wäre schade, wenn dort gebaut würde.

Direkt nebenan, links, ist derweil ein junger Hund aus Ungarn eingezogen. Das Grundstück ist jetzt eingezäunt. Während wir „El-sssa, kommmm“ und „Mauski!?“ rufen, schallt es von drüben „Oskar, hiiiiiiieeeer“

Nachts um halb drei ist das Dorf ähnlich hell wie um halb zehn, obwohl die Straßenlaternen aus sind: beleuchtete Hausnummern, in die Erde gesteckte Solarlampen, Gartenlichter, sogar Außenlichterketten um Fenster leuchten die menschenleere Nacht aus. Auch zu Zeiten massenhaften Insektensterbens sorgt die Dorfbevölkerung dafür, daß möglichst wenige Nachtfalter überleben können.

Rauswärts soll ein richtiges Neubaugebiet entstehen, 8 Bauplätze auf dem Acker am Straßenrand (auf der anderen Straßenseite sind ältere Einzelhäuser). Ich versteh garnicht, was hier plötzlich los ist: Das letzte Baugebiet mit um die 10 Plätzen hat ebensoviele Jahre gebraucht, bis es voll war, in diesem Jahr erst stand bei den letzten beiden Plätzen ein „Verkauft“-Schild

Manchmal nehme ich einen Podcast mit durch die Nachbarschaft. Habe „Zeitzeichen“ von NDR Info und „Hintergrund“ vom DLF abonniert. Die Autos sind aber laut, der Wind auch. Meist höre ich die deshalb lieber, wenn grad wieder „hinlegen“ dran ist.

Weiter die Straße runter gehen einige Bäume ein, Nadelbäume und auch ein Weißdorn. Weitere wurden bereits letztes Jahr runtergenommen. Trockenschäden, schätze ich.

 

Als ich einmal grad rein will, Rückenlage ist angesagt, mir schwindelt schon wieder, werde ich angesprochen: ob sie sich Saat vom Fingerhut in der Auffahrt abnehmen darf fragt eine der täglichen Hundespaziergängerinnen. Klar darf sie 🙂

Am Eck zur Durchgangsstraße ist wie jedes Jahr ein „Blumen-selber-pflücken“-Feld. In diesem Jahr war ich schon mehrfach gucken, was da so blüht. Bisher: Ringel- und Kornblumen, Malven, Sonnenblumen, erste Schmuckkörbchen und Dahlien. Und ein Stück „Insektenmischung“ der nicht nachhaltigen Art (einjährige Acker“unkräuter“, Phacelia…) Viele Hummeln und Honigbienen freuen sich drüber.

 

 

 

 

 

17 Kommentare zu “In the neighbourhood

  1. ladypark sagt:

    Für euch blöd so ein Neubaugebiet, ich drücke die Daumen, dass das Maisfeld verschont bleibt und ihr eure Uneinsehbarkeit behalten könnt. Sechs Häuser auf 2000 qm, das ist schon krass.

    Andererseits dachte ich kürzlich, wie es hier aussah, bevor wir gebaut haben: Ein Maisacker, jahrelange Monokultur. Und jetzt gibt es hier trotz einiger Schottergärten und viel Rasen und wenig insektenfreundlicher Bepflanzung wahrscheinlich doch mehr Futter und Nistmöglichkeit für Insekten, Vögel und Kleintiere als zuvor.

    Zumindest in unserem Garten beobachte ich zahlreiche Tiere, auch Frösche, Igel, Maulwürfe, Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und Vögel. Ich glaube auf dem Maisacker wäre deutlich weniger Vielfalt zu beobachten.

    Insofern haben menschengemachte Gärten nicht nur Nachteile, zumindest wenn die Alternative ein Maisacker ist.

    • Fjonka sagt:

      Und doch ziehe ich persönlich selbst den ungeliebten konventionellen Maisacker einem Neubaugebiet als Nachbarn vor.

      • ladypark sagt:

        Das verstehe ich absolut. 🙂

        Wollte nur mal die andere Seite der Wohnbebauung beleuchten. Euer Haus war ja auch irgendwann mal ein Neubau. Letztlich kommt es darauf an, was man aus seinem Grundstück macht. Ökologisch wertvoller wäre es sicherlich, wenn alle Menschen auf engem Raum vielstöckig übereinander leben würden und das Land drumherum naturnah weitgehend sich selbst überlassen bliebe. 😉

        • Fjonka sagt:

          Ja. Insofern ists sogar ganz gut, wenn im Dorf verdichtet wird. Stichwort „Landfraß“ … hab grad einen interessanten Podcast zum Thema gehört. Ackerland hat sich in D in den letzten Jahren im Preis verdreifacht (!), Spekulation und so – und täglich verschwinden ca 1200 Fußballfelder an Fläche unter Bebauung, wenn ichs recht erinnere. Furchtbar!

  2. Bibo59 sagt:

    Sollte Eure Gemeinde jetzt auf die Corona-Trendwende hoffen? Nachdem die letzten Jahre alle in die angesagten Szenestädte geströmt sind und im Lockdown bemerkt haben, dass es da so toll auch nicht ist?
    Vielleicht bekommt ihr ja wieder einen Bahnhof, bei so viel Zuwachs.

  3. Steffi sagt:

    Überall wird gebaut. Liegt wohl an niedrigzinsen und eurozukunftsängsten. Das mobile Vermögen in immobilien Vermögen umswitchen, da weiss man was man hat… Denk ich jetzt mal freihändig so… Ich hoffe es wird nicht so schlimm, beim Grafen ists ähnlich, nur dass da zusätzlich der altersschwache Kran quietscht und das gern auch nach 20 uhr. Gut, dass bei uns derzeit kein Baugebiete ausgewiesen ist..

  4. puzzleblume sagt:

    Dann muss ich wohl wenigstens hinsichtlich der Bebauung zu unserer Feldseite hin froh sein, dass bei ca. 1 km Entfernung zum gegenüberliegenden Dorfrand ein kleiner Windpark errichtet werden soll, mit sechs der grössten Windräder, die es bisher noch nirgendwo sonst anzugucken wird, fast so hoch wie der Heinrich-Hertz-Turm alias „Hamburger Fernsehturm“ mit etwas mehr als 279 m: 246 Metern jedes einzelne – und das sechsmal. „Kein Haus werde mehr als 8 Stunden im Jahr und mehr als 20 Minuten am Tag im Schlagschatten liegen“ verspricht der Geschäftsführer der Windanlagenbau-Firma. Schlagschattenfinsternis ist aber nur ein Teil des Ganzen, da will garantiert niemand mehr bei uns im Dorf ein Grundstück kaufen und bebauen.

    • Fjonka sagt:

      Ohja, sei froh und ich wünsche Dir, daß Du nicht zu viel davon hörst und siehst. Mir mißfällt ja (auch) bei Windkraft diese Gigantomanie – lieber ein paar mehr kleine als wenige riesige, meiner Meinung nach. Aber das ist ja ein allgemeines Problem

      • puzzleblume sagt:

        Ich werde sie immer sehen, wenn es soweit ist. In weniger als 1,5 km Entfernung vom nächstgelegenen Standpunkt bei einer allgemeinen Bebauungshöhe von nicht mehr als 2 Etagen bin ich sehr gespannt darauf, wie weit Schatten im Winter reichen. Wenn die Sonne mittags nur in einem Winkel von 14° daherkommt betragen die Mittagsschatten lt. Berechung etwa 1100 m, danach werden die Schatten noch länger.
        Dabei sind wir am äussersten dem nächsten Windrad gegenüberliegenden Dorfrand noch am geringsten beeinträchtigt.

  5. Das habe ich auch schon erleben müssen. Wir waren gerade in einem kleinen Ort, in ein Haus gezogen. Die Straße war ein schmaler Sandweg, es passte nur ein Auto drauf. Gegenüber war ein mehrere tausend Quadratmeter große Grundstück, mit alten, schönen Bäumen und irgendwo ganz weit hinten stand ein kleines Haus. Drei Monate lang konnten wir im Garten auf der Bank sitzen und dem Sonnenuntergang zuschauen. Eines Morgens wurden wir in Herrgottsfrühe vom Lärm der Motorsägen aus dem Schlaf gerissen. Ich schaute aus dem Fenster, die alten Bäume wurden gefällt! Nach monatelangem, Lärm, Dreck und Staub, standen was weiß ich wie viele Doppelhäuser auf dem Grundstück. Eins genau gegenüber. Wir schauten uns gegenseitig in die Fenster. Die Sandstraße wurde asphaltiert und im Garten saßen wir jetzt wie auf dem Präsentierteller. Ich wollte nur noch weg…
    Hoffentlich wird es bei Dir nicht so schlimm.
    LG Susanne

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