Endlich!

Achtung, viel Lesestoff!!! 😉

VORGESCHICHTE:

Seit 1994 wohne ich hier, und in den ersten Jahren war alles gut. Irgendwann aber begann mein Haus, Risse zu zeigen. Immer in der Außenwand zum Garten hin, dünne Dinger erst, die sich aber stetig mehrten und vergrößerten. Auch der dicke Riß im Wintergarten kam trotz Fundamenterneuerung wieder, und viele neue dazu.

Mich hat das beunruhigt, und weil es das tat, hab ich im Laufe der Jahre immer wieder Rat herangeholt. Ein Baugutachter war dabei, der Unbedenklichkeit bescheinigt hat und dessen Vermutung „Moorlinse im Untergrund“ lautete („aber da was zu machen wäre mit Kanonen auf Spatzen schießen, ist alles nicht so schlimm“). Ob’s nicht an Wasser liegen könne, fragte ich. Nö….

Jahre später, die Risse waren mehr und größer, wollte ichs genauer wissen: Einen hatte ich da, der mit Lebensmittelfarbe kenntlich gemachtes Wasser in unterschiedliche Abläufe und Schächte gedrückt hat. Denn ich wollte wissen, ob evtl Wasser aus den Fallrohren nicht, wie es soll, hinten in der Au landet, sondern durch evtl kaputte Verrohrungen unterm Haus, wo es Unterspülungen verursachen könnte. Schließlich führen die Rohre der gesamten Hofseite in einen Schacht, von dem Niemand so recht wusste, wohin er führt…. Aber das Wasser kam ordnungsgemäß in der Au an, das wars also auch nicht.

Unterschiedliche Handwerker, die aus unterschiedlichen Gründen da waren, wurden befragt, darunter auch einige, die sich Bauschadensanierung aufs Revers geschrieben haben. Immer wurde mir beschieden, ein altes Haus setze sich nunmal, das sein normal, und ich solle mir mal nicht ins Hemd machen.

Der Bauschadensachverständige, der am 8.8. hier war, war denn auch nicht wegen der Risse da, sondern weil sich beim Keller inzwischen herausgestellt hatte, daß das Wasser, das manchmal dort aus dem Bodenablauf hochdrückt, garnicht aus dem Bodenablauf (dem Rohr) kommt: bevor das Loch vom letzten September geschlossen werden konnte, wars „zum Glück“ im Januar nochmal ordentlich naß gewesen – und es zeigte sich: wenn man das Wasser ausschöpft, fließt es nicht aus dem Rohr nach, sondern seitlich aus dem Erdreich daneben! Damit war klar: einfach den Boden wieder dicht zu machen reicht nicht aus. Zwei Firmen waren da gewesen – und haben sich danach einfach nicht mehr gemeldet. Dann hatte ich ein wenig aufgegeben- und dann kam der Jägerfreund mit der Idee um die Ecke, seinen Neffen mal drauf anzusetzen. Der ist der besagte Bauschadenssachverständige, fürderhin „der Neffe“ genannt. Ich rief ihn an, wir machten aus, daß er sich meldet – dann kam Corona, und jetzt endlich gab es besagten Termin.

UND?

Und:

  • die Feuchtigkeitsmessung auf der Kellerbodenplatte ergab: unterm Keller ists zu naß. Da ist also definitiv Wasser, das da nicht hingehört, auch viele Tage nach dem letzten Regen.
  • Das ansehen des Lochs samt Kamera im Rohr sagt: unter dem Betonboden liegen Ziegel, die in den gewachsenen Boden verlegt sind. Der Betonboden ist also wahrscheinlich erst später eingegossen worden, denn um 1920 war das normale Kellerbauverfahren: Findlingsfundament, Verrohrung im Boden, Ziegel drauf verlegt, damit Feuchte verdunsten kann. Die Kamera zeigte unglasierte Tonrohre (normal zu der Zeit, glaserte kamen erst in den 30ern auf), die sehr angegriffen sind und Abplatzungen zeigen. Heißt: auch aus den Rohren kommt Wasser in den Boden.
  • Daraus folgt, daß auch die oberflächenwasserabführenden Rohre aus unglasiertem Ton, also porös sind (vom Schacht aus in die Au jedenfalls. Von den Fallrohren bis zum Schacht sind sie ja „neu“, d.h. von 1995/96)
  • Außerdem kommt sehr viel Oberflächenwasser einfach von Hof/ Einfahrt gen Haus. Das versickert zwar, ich sehe außer bei Starkregen nie „Bäche“, aber im Untergrund ist bei uns in Angeln „bindiger Boden“. Will heißen: in einiger Tiefe sind Lehm- und Tonschichten. Das Wasser versickert also, wird dann vom Lehm aufgehalten und werweißwohin geleitet, jedenfalls nicht einfach so runter ins Grundwasser. Und da unser UND des Nachbarn Grundstück sich leicht gen Haus neigen, ist es sehr wahrscheinlich, daß das Wasser auf seinen Wegen auch unterm Haus durch kommt – und dort laaaaaangsam, aber sicher kleine Sedimentteile mit sich nimmt. Heißt: Der Boden verändert sich – das Haus setzt sich – Risse entstehen.

An diesem Punkt ist interessant, daß erst jetzt wir dem Manne auch die Risse gezeigt und die ganze Geschichte oben erzählt haben. Von meiner „Wasser-Sorge“ wusste er also nichts, auch nichts von den massiven Riß-Problemen, denn bislang waren wir nur im Keller und auf der rißfreien Hofseite gewesen. DANN hat er sich die angeguckt – und gesagt „ja, das Rißbild ist ja auch ganz typisch“.

Na, danke, Herr Moorlinsentheoretiker …. Moorlinsen, sagt der Neffe nämlich, machen einerseits ganz andere Rißbilder – und das tun sie andererseits nur etwa bis 20, 30 Jahre nach Bau. Dann hat sich das gesetzt und kommt zum Stillstand.

Ja, und was folgt jetzt aus all dem?

nein, das braucht Ihr NICHT in groß, das bleibt genauso unleserlich und gekritzelt *gg*… aber es gibt eine mehrseitige „Kurzstellungnahme“, die aussagekräftig ist

Wenn wir nicht wollen, daß das weitergeht mit der Nässe und den Rissen, dann empfiehlt der Neffe folgendes:

Es wird bis 30cm unter Kellerbodenniveau ein Graben gezogen, in den ganz unten eine Auffangrinne und Ableitung fürs einsickernde Wasser kommt. Drüber Sand und Rohre fürs Fallrohrwasser. Der Kellerbodenablauf wird rückgebaut, der Kellerschachtablauf (der übrigens ein normaler Duschablauf ist, garnicht für außen gebaut) bis zum Eingang des Mieters erneuert und mit Rücklaufklappen versehen (die verhindern, daß bei Starkregen, wenn nicht alles Wasser abtransportiert wird, das ganze zurückfließt und den Kellerschacht flutet). Der Schacht, in den die Fallrohr- und Drainageleitungen münden, wird aufgegraben und nachgesehen, in welcher Höhe der Ablauf sitzt. Evtl muß eine Pumpe rein. In die (kaputten Ton-)röhren gen Au wird ein Einzollschlauch eingeschoben, der den neuen Ablauf bildet und dafür sorgt, daß kein Wasser auf dem Weg zur Au verloren geht. Dann können sowohl der Kellerboden trocknen als auch der Boden eine neue Struktur bekommen (wenn das alles auftrocknet, wird sich ja auch nochmal was ändern), was 3-4 Jahre dauert, danach kann man dann auch die Risse zumachen – sie sollten dann nicht mehr neu zu arbeiten beginnen.

Okay.

Das wird Geld kosten, aber im Moment bin ich einfach nur froh. Inzwischen haben wir die versprochene schriftliche Zusammenfassung samt Skizze und die Kontaktdaten eines Bauunternehmens. Das immer wieder für den Neffen arbeitet und von dem 1. er weiß: die können das und das 2. weiß: er hat ein Auge drauf, sie Interesse an seinen Aufträgen (die oft groß sind) und deshalb das auch vernünftig machen wird. Wir können es ja schlecht kontrollieren….

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Haus & Hof.

14 Kommentare zu “Endlich!

  1. Bibo59 sagt:

    Klingt nach einer größeren Baustelle, aber mit Feuchtigkeit im Untergrund ist nicht zu spaßen.
    Und das Duschrohr gehört eigentlich an den Kanalanschluss, oder?

  2. pflanzwas sagt:

    Alter Schwede, daß wurde ja auch Zeit mit dem Befund. Mann Mann Mann, da kann man mal wieder sehen, wie viele Leute keine Ahnung haben. Wie gut, daß ihr jetzt diesen Neffen da hattet. Das ist natürlich ne Hausnummer, aber gut, daß ihr jetzt wißt, woran ihr seid und Besserung in Sicht ist! Toitoitoi!

  3. Felis sagt:

    Das ist genau der Punkt – dieses Gefühl handlungsfähig zu bleiben/zu werden. Machtlosigkeit hält der Mensch ganz schlecht aus. 🙂
    Ich wünsche euch gutes Gelingen bei dem Mammutunternehmen!

  4. ladypark sagt:

    Ein Handwerker, der was von seinem Beruf versteht und dem man vertrauen kann, ist Gold wert. Insgesamt ein ganz schön großer Brocken, aber immerhin eine gute Perspektive.
    Drücke die Daumen, dass sich die Kosten einigermaßen im Rahmen halten.

    Bis später. 🙂

  5. Beithe sagt:

    uff, das klingt nach Arbeit und Kosten. Aber jedenfalls gibt es einen Plan.

  6. Auch wenn die grundsätzlichen „Neuigkeiten“ schlecht bis katastrophal sind, hilft es mir immer, wenn es einen PLAN gibt. Wenn man was tun kann und wenn es Aussicht auf Besserung gibt.
    Es ist ein riesiges Projekt, aber Ihr scheint den richtigen Partner, dem Ihr vertraut, an Eurer Seite zu haben und so bin ich positiv gespannt wie es weitergeht.

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