Amtsschimmel.

De ole Fru möchte, daß ich ihr Geld von ihrem Postsparbuch abhebe. Also geh ich, wie seit Jahren schon, zum Postbankschalter im Dorf1, versehen mit einem Zettel als Vollmacht.

Diesmal aber geht das erstmal nicht. Dürfen sie nicht mehr! Aber da die Dame de ole Fru und mich kennt, drückt sie nochmal ein Auge zu und gibt mir schonmal ein Vollmachtformular in die Hand. Ich gebe das Geld ab und erkläre de ole Fru den Sachverhalt. Sie rollt mit den Augen. Ich sage „na, Du hast ja erstmal Geld, überlegs Dir“

Das war im April.

Anfang Oktober bittet mich de ole Fru wieder, ihr Geld zu holen. Ich sage „Na, das geht aber doch nicht, ich brauche doch jetzt eine Vollmacht. Erinnerst Du Dich?“ De ole Fru rollt mit den Augen. Sie hat recht, aber da uns das nicht weiterbringt, frage ich sie, ob sie das Formular noch hat. Sie hat. Ob wir’s denn nun angehen sollen. Sollen wir. Wir füllen das Formular aus, sie unterschreibt, ich hole mir ihren Perso und meinen und gehe tags drauf zur Post in Dorf2 in meiner Nähe. Das Formular wird angenommen, die Persos werden gescannt – ich warte. De ole Fru auch.

Vier Wochen später.
Ich gehe zur Post in Dorf3, weil ich da grad bin, um nachzufragen, wo denn meine Vollmacht bleibt. Die Frau kann mir keine Auskunft geben, zeigt mir aber eine Telefonnummer.

Ich rufe an. Die Dame am Telefon fragt nach de ole Frus Geburtstdatum, dann nach dem meinen, schweigt einen Moment lang – um mir dann zu sagen, daß sie mir keine Auskunft geben darf, weil ich keine Vollmacht habe. Ich rolle mit den Augen.
Da mich das nicht weiterbringt, mache ich sie darauf aufmerksam, daß ich anrufe, weil ich nach wie vor keine Vollmacht habe. Sie sagt, da müsse aber dann de ole Fru anrufen. Ich erkläre, daß ich ja ebendeshalb eine Vollmacht bekommen soll, weil sie das nicht kann. Schlaganfall, Sprachprobleme, schwere Schwerhörigkeit. Die Dame ist nett. Sie sagt es durch die Blume: „also, wenn es jetzt so wäre, daß es ZWEI Kontoinhaber gäbe, dann könnten wir so eine Vollmacht nicht bearbeiten, wenn nur einer davon unterschrieben hätte. WENN“. Ich verstehe. Auf die Idee, daß de ole Mann auch Kontoinhaber sein könnte, war ich nicht gekommen, denn seit Jahren weiß ich, daß de ole Fru ganz genau unterscheidet zwischen IHREM Geld (auf dem Postsparbuch, von dem de ole Mann nicht einmal wissen darf, wo der Schlüssel zu der Kassette, in dem es liegt, ist) und dem GEMEINSAMEN Geld. Ich gucke ins Buch und sehe: ja, da steht auch de ole Mann drin. Ich rolle mit den Augen.

Auch ’ne T-shirt-Aufschrift von rumpfkluft.de

Da mich das nicht weiterbringt, gehe ich tags drauf zur Post in Dorf4, weil ich da grad bin, und bitte um ein neues Formular. Die Formulare sind grad aus, aber im Laufe des Gespräches werde ich darauf hingewiesen, daß ohne die physische Anwesenheit der Kontoinhaber keine Vollmacht ausgestellt werden kann. Ich weise darauf hin, daß ich 1. wenn die Sache mit der Olemannsunterschrift nicht schiefgelaufen wäre, vor vier Wochen eine Vollmacht bekommen hätte, basierend auf unseren Ausweisen und 2. ich genau DESHALB eine Vollmacht bekommen soll, weil sie nicht mehr physisch anwesend in der Post sein können.
Ich könne sie ja im Auto sitzen lassen, dann gehe sie schnell raus. Nein, gute Frau, ich krieg die auch nicht ins Auto und dorthin! Tja, sie macht sich nochmal schlau. Ich rolle mit den Augen. Aber erst, als ich draußen bin, wer weiß, vielleicht brauche ich den Goodwill dieser Frau nochmal….

Tags drauf ab zu de ole Lüüd, seinen Ausweis geholt, Formular ausgefüllt. Als ich de ole Fru die Lage erkläre, sagt sie „Das hab ich mir schon gedacht! P.s Name steht ja auch mit drauf!“ Verd***, warum hat sie nix gesagt!? Ich rolle mit den Augen, aber nur innerlich, denn das würde mich jetzt auch nicht weiterbringen.
Mit drei Ausweisen und Formular fahre ich dann zur allerersten, nämlich der Postfiliale, in der man die beiden und mich noch kennt. Die ist ja bei de ole Lüüd in der Nähe. Das bringt mich aber auch nicht weiter, denn diese Postfiliale ist inzwischen keine mehr.
Auf dem Heimweg mache ich den Schlenker zur „physischen Filiale“ in Dorf4, weil das halt auf dem Weg liegt. Ich habe Pech – dieselbe Frau. Sie hat sich kundig gemacht: wenn die beiden nicht kommen können, darf der Hausarzt auf dem Formular einen Vermerk machen, daß sie nicht kommen können, mit Stempel und Unterschrift, und er muß auch bestätigen, dabeigewesen zu sein, als sie unterschrieben.
Ich weigere mich, ein drittes Formular, unausgefüllt, mitzunehmen und rolle mit den Augen, diesmal IN der Filiale, aber weiter bringt mich das auch nicht.

Ein weiterer Tag vergeht, dann versuche ichs in Dorf2 nochmal. Dort wird kein Ton über das Fehlen der ole Lüüd verloren, in eben mal 20 Minuten(!) der fertig ausgefüllte Antrag mit Scans der drei Personalausweise vervollständigt und angenommen….. ich bin sehr gespannt, ob nun nach nur vier Wochen (Bearbeitungszeit) meine Vollmacht hier ankommen wird.

Und ja, meine Augen sitzen noch im Kopf, trotz allen rollens….. 😉

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

9 Kommentare zu “Amtsschimmel.

  1. ladypark sagt:

    Herrje…

  2. satayspiess sagt:

    Ja, da hat man Spaß. Beantragung eines neuen Perso, da der alte samt Portemonnaie seit Einlieferung ins Krankenhaus verschwunden ist: „Ja, da muss XX aber persönlich unterschreiben!“ Wie er das machen soll, aktuell bettlägerig und auf seiner Schreibseite gelähmt, hat man uns noch nicht verraten. Wenigstens hat die Krankenkasse keine Zicken gemacht und ohne Umschweife eine neue Versichertenkarte ausgestellt.
    Ich drücke die Daumen, dass die Vollmacht jetzt endlich auf den Weg kommt!

  3. Steffi sagt:

    Ich vermute, dass das wirklich richtige Prozedere noch wieder anders aussähe… Waren das echte Postfiliale, oder gar Postshops, wo ja „An- bzw. Ungelernte“ das tun, was früher eine 3 jährige Ausbildung benötigte, wobei diese (durchaus zu bedauernden) Menschen, ja neben- bzw. hauptsächlich einen Shop betreiben und der Postkram eigentlich nur Nebenschauplatz sein sollte?

    • Fjonka sagt:

      Postshops in Supermärkten.
      Ich weiẞ ja noch von Euren Berichten, wie das läuft, und ich wollte durchaus nicht die Angestellten bashen.
      Ich sehe, WARUM die Hürden größer werden, aber auch, daß manche Lebenssituationen von den schönen Richtlinien einfach nicht abgedeckt werden.
      Darum ging es mir. Anonymer ist gleich komplizierter. In solchen Fällen zumindest.
      (Und die Hotlinefrau, die es doch zumindest wissen müsste, erklärte mir das Perso- Szenario des vorläufig letzten Postshops als korrekt)

  4. Ich finde Postsparbücher ja auch klasse und habe sie seit über 40 Jahren. Aber in solchen fällen ist das Girokonto mit der EC Karte und dem anonymen Automaten der Geld ausspuckt egal wer davor steht schon praktischer

    • Bibo59 sagt:

      Ja, ist es.
      Das mit der physischen Anwesenheit gab es hier aber schon länger. Die wird dann wieder erforderlich, Wenn einer von Beiden stirbt und das Konto (alle Konten) aufgelöst und umgeschrieben werden müssen.

    • Fjonka sagt:

      Ja, das stimmt!
      Späßken am Rande: am Hotlinetelefon war die Beraterin erstmal damit überfragt, wie denn mit einem PostsparBUCH umzugrhen ist („die heißen ja nur so, in Wirklichkeit hst man eine Karte….“ „äh, nein, ich hab hier ein BUCH in der Hand!““ Die gibt es noch??? Oh! Moment, da muß ich mal eine Kollegin fragen, die schon länger dabei ist, was Sie da ankreuzen müssen“)
      😃

  5. mijonisreise sagt:

    🤦🏼‍♀️🙄

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