Der 90.Geburtstag

De ole Fru war in Not.

Seit Wochen fragte JedeR sie „Und was möchtest Du denn nun machen mit Deinem 90. Geburtstag?“ Die Standardantwort war lange „Das ist noch so lange hin….“, aber irgendwann war das einfach nicht mehr wahr!

Und auf dem Lande läuft ein runder Geburtstag normalerweise so ab, daß

  • morgens die „engeren“ Nachbarsfrauen kommen. Sie bleiben über Mittag, es gibt belegte Brote oder „was kleines“ und Kaffee
  • über den Tag Verwandte und FreundInnen auftauchen, im höheren Alter auch PastorIn und BürgermeisterIn. Da sind Kaffee und Kuchen angesagt
  • und abends kommen alle NachbarInnen und bekommen Schnaps und „was kleines“ auf die Hand, man steht meist draußen gesellig rum, aber im Winter kommt man auch rein – also auch da: „was kleines“ …..

Bisher hatten de ole Lüüd, als sie das nicht mehr gestemmt bekamen, Brotplatten bestellt, mit Wurst und Käse belegte Brote also; aber für uns zeichnete sich ab, daß auch das nicht die gute Lösung wäre. De ole Fru ist einfach nicht mehr so belastbar – Lust hat sie darauf eh nie gehabt, seit wir sie kennen – , und auch wenn die Freunde und wir „bedient“ hätten – alles viel und doof.

Aber würde de ole Fru sich dem entziehen können und wollen? Wir brauchten eine Ansage!

Zehn Tage vor dem „Stichtag“ hörten wir zwar ein kategorisches NEIN zum Angebot einer Essensbestellung, aber das wars. Jetzt hatte ich die Faxen dicke. Bin also nochmal hingefahren und habe ihr klargemacht, daß ich nicht bereit bin, das so hinzunehmen. Wir alle wollen wissen, was de ole Fru möchte! Auch die Option „aussitzen und unvorbereitet sein“ lag auf dem Tisch, schien uns aber die allerschlechteste. KeineR von uns konnte sich vorstellen, daß sie damit am Ende hätte zurechtkommen können. Ich also so „Liebe, Du MUSST uns jetzt einfach sagen, was Du willst! Einen Tag vorher können wir nichts mehr regeln!“

De ole Fru rang die Hände, sah todunglücklich aus – und schwieg! Und schwieg!

Also langsam und entschieden von vorne.

Ich habe ihr alle denkbaren Szenarien ausgemalt, von s.o. über „wie sonst“ bis zu „abhauen“ (zum ole Mann oder zu uns oder zu den Freunden, alles würde möglich gemacht werden)

Sie rang weiter die Hände und sah aus, als wolle sie gleich zu weinen beginnen.

„Ich schaffe das doch nicht alleine“ „Sollst Du ja auch nicht, deshalb fragen wir doch, weil wir da sind!“ „Ihr meint das ja alle gut….“ – „Ja, aber gut gemeint ist nicht gut gemacht, und deshalb müssen wir wissen, was DU willst!“ – „Was würdest DU denn machen?“

Nicht dumm, ole Fru, Du weißt es ja genau *g* : „ICH würde sagen: holt mich ab, ich haue ab und mach mir einen gemütlichen Tag mit dem ole Mann bei ihm oder bei uns. Aber ICH bin nicht DU. Du MUSST entscheiden!“

Dann kams, endlich, mit leiser, dünner Stimme: „Wenn Dir das nicht zu viel ist….!?“ – Ist es nicht!

Endlich konnte sie sagen, was sie möchte: De ole Fru kommt zu uns, und zwar schon vormittags. Wir machen eine Suppe und es uns gemütlich, und während sie Mittagsstunde auf dem Sofa macht, hole ich den ole Mann zum Kaffee ab. Den möchte sie nämlich doch gern dabei haben. Und danach gehts für beide zurück nach Hause. Am allerliebsten wäre sie zwar ohne Rummel daheim geblieben, hat aber klar gesehen, daß das nicht im Bereich des möglichen liegt.

Inzwischen hat sich der Plan noch ein winziges Bißchen geändert: die Tochter der Freunde hatte vorher schon gefragt, ob es okay wäre, wenn sie längs käme. Nun holt SIE de ole Fru ab, zu uns, trinkt dann hier mit uns einen Geburtstagskaffee und fährt wieder. Und die Freundin kommt noch zum Kaffee, nachmittags, vorbei. Ansonsten bleibts aber beim Plan, und de ole Fru wird hoffentlich heute einen recht schönen und vor allem ruhigen 90. Geburtstag bei uns verbringen. Herzlichen Glückwunsch!!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sonst so.

10 Kommentare zu “Der 90.Geburtstag

  1. Gerburgis sagt:

    Du bist einfach klasse!

  2. Steffi sagt:

    Habt ihr gut gemacht, finde ich.

  3. mijonisreise sagt:

    Viel Ruhe und Vergnügen dabei 🍀

  4. ladypark sagt:

    Das ist doch ein wunderbares Geschenk von euch an de ole Fru. Richte ihr doch bitte meine allerherzlichsten Glückwünsche aus.
    Vielleicht wäre noch ein kleiner Zettel an der Tür für die doch aufkreuzenden Nachbarn usw. ein guter Hinweis, dass sie getrost wieder abziehen können und auch morgen nicht nochmal kommen sollen.

    • Fjonka sagt:

      Ja, selbst daran haben wir gedacht 🙂
      …und der Nachbar (der, der sich so viel kümmert), war schon vor dem abholen da, und der Pastor (dem wir Bescheid gegeben hatten) gestern *seufz*
      Momentan macht de ole Fru grad Mittagsstunde auf dem Sofa.
      Die Freundestochter kam mitsamt Schwester, später dann auch noch die Freundin, und die holt nun auch de ole Mann ab …. also doch noch BÜSCHEN mehr als geplant (für de ole Fru, für uns weniger, weil die haölbe fahrerei wegfällt – und ich grad in Ruhe die Magnetwand oben weiter streichen kann *g*), aber ich glaube, de ole Fru hat sich ziemlich gefreut, daß die Schwestern extra kamen, und über die Freundin eh. Jetzt war dann aber auch Zeit für eine Pause für sie!

  5. Myriade sagt:

    Super! Das würden wahrscheinlich so einige machen, wenn sie den Mut dazu hätten oder die Möglichkeit

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