Oligolektisch

Was für ein Wort!
Und dieses Tierchen hier, das ist genau das.

Oligolektisch.

Das bedeutet, dass es zur Aufnahme von Pollen nur auf eine einzige Pflanzengattung spezialisiert ist. Und in diesem Fall ist das die Gattung „Campanula“. Campanula ist das lateinische Wort für Glockenblume, und so heißt das Tierchen
Glockenblumen-Scherenbiene,
Chelostoma rapunculi

Nur von den Pollen dieser Pflanzen können diese Wildbienen ihre Larven großkriegen. Nur bei ihnen trinken sie Nektar, und in ihren Blütenkelchen schlafen sie sogar. Das tun sie allerdings auch gern in Storchschnabelblüten, wie man im Foto unten sieht. Was nichts daran ändert, daß sie ohne Glockenblumen nicht überleben können.

Man sieht diese Wildbienen und ihre kleineren „Schwestern“, die kurzfransigen Glockenblumenscherenbienen, Chelostoma campanularum, von Mai bis Juli fliegen, überall dort, wo es größere Glockenblumenbestände gibt – wie in unserem Garten 🙂

Das hier ist die „kleinere Schwester“ – bzw, wie man am gebogenen Hinterteil erkennen kann, ein „kleinerer Bruder“, die kurzfransige Glockenblumenscherenbiene. Auch sie: oligolektisch auf Glockenblumen.

Wer jetzt (zu Recht) fasziniert ist, der kann hier nochmal gucken: wesentlich bessere Fotos, auch von den Bienen beim bauen und von ihren Nestverschlüssen.

Glockenblumenscherenbienen haben übrigens Glück:  Glockenblumen mag Jeder – und auch wenn sie in Wiesen – Dünger sei Dank – fast nicht mehr zu sehen sind, so doch als Zierpflanzen.
Immerhin.
Deshalb sind auch die Glockenblumen-Scherenbienen (noch) recht häufig.

Anderen oligolektischen Bienen geht das anders. Wer zB auf Hahnenfuß-Arten spezialisiert ist, die Öle des Gilbweiderich braucht oder nur am Ziest leben kann, der hat es schon schwerer.
Und so kommt er hier wieder, der Appell an mehr Toleranz im Garten:
Wer sich zB klar macht, daß der lästige kriechende Hahnenfuß im Rasen dafür sorgt, daß die Hahnenfuß-Scherenbiene eine Überlebenschance in seiner Gegend hat, der schaut die langen Ausläufer hoffentlich mit anderen Augen an und mäht den Rasen einmal weniger, damit die kleine Wildbiene, die der Glockenblumenscherenbiene übrigens so ähnlich sieht, daß ich zuerst dachte, es wäre eine, ihre Kinder versorgen kann.
Wer gucken möchte: Hier ist eine Aufstellung der oligolektischen Wildbienen mit ihren Überlebenspflanzen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Fauna, Flora.

4 Kommentare zu “Oligolektisch

  1. Maren sagt:

    liebe Monika,
    du willst es nun wirklich wissen! Schön, fas du mich/ uns an deinen Funden und Bestimmungen teilhaben lässt. Da hast du dir dieses Jahr auch eine herkulische Aufgabe vorgenommen! Ich bin selbst -meist- zu faul dazu….
    OLIGOLEKTISCH – hab ich neulich erst gelernt. Schwieriges Wort, das einem wieder entgleitet.. 🤔Eselsbrücke ? „Oh, lieber lecker Tisch“ – oder so ähnlich…🤗

    • Fjonka sagt:

      Freut mich, daß Du jetzt hier mitliest, denn ich tippe mal, daß Du das 1. zu schätzen weisst und 2′ (vor allem bei den Pflanzen?) oft korrigieren oder hilfreiches beitragen kannst

  2. Bibo59 sagt:

    Dieses Jahr stand das ganze Beet voller Hahnenfuß und ich dachte: Warum soll ich den jetzt ausreißen und was anderes pflanzen, das dann auch gelb blüht, oder auch nicht. Da werden sich die kleinen Bienchen gefreut haben.

Platz für Klönschnack ...

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