Die Hoffnung und das halbvolle Glas

Gestern, als wattundmeer kommentierte, daß sie mit mir darauf hoffe, daß das bayrische Volksbegehren Wirkung zeige, vielleicht sogar auf Restdeutschland gleich mit – da fiel mir sofort ein:

Hoffen und harren hält manchen zum Narren

Das ist eine Art Automatismus. Ich bin damit aufgewachsen, daß Vaddern diesen Spruch wirklich jedes Mal anbringt, wenn Jemand erwähnt, auf irgendetwas zu hoffen.

Gestern dachte ich dann aber gleich: NÖ!!!! Schließlich ist der Spruch ja in manchen Fällen auch gar nicht passend. Hier zum Beispiel: Ich hoffe, das schon, aber ich harre nicht, sondern tue aktiv mehr und mehr dafür, daß sich meine Hoffnung bewahrheitet. In meinem Garten, im Blog, im Naturgartenverein, mit meiner Arbeit, mit meinem immer ein wenig mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Leben.

Ich dachte mir also: Nö! Ich mag lieber

Die Hoffnung stirbt zuletzt

denn das läßt immerhin die Möglichkeit offen, bis zum vorletzten Moment noch selbst Einfluß nehmen zu können.

Auf alle Fälle sehe ich inzwischen ein, daß es kein „Schönreden“ ist, sondern faktisch genauso wahr, vom halb vollen wie vom halb leeren Glas zu sprechen. Faktisch genauso wahr(!), aber mit freundlicherer Sicht auf die Welt. In diesem Sinne:

Es ist unmöglich, daß ein Mensch in die Sonne schaut, ohne daß sein Angesicht hell wird

(Friedrich von Bodelschwingh)

 

 

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Zum neuen Jahr

Herr, setze dem Überfluß Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.

(…)

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.

Herr, sorge dafür, daß wir in den Himmel kommen.
Aber nicht sofort.

 

Pfarrer Hermann Kappen von St. Lamberti zu Münster, 1883(!)

 

Da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, wiedermal, daß sich im Grunde allzuviel nicht ändert über die Jahrhunderte *seufz*

Euch ein gutes neues Jahr, und daß in diesem Jahr 2019 die uralten Wünsche endlich erfüllt werden. Danach aussehen tut es allerdings nicht. Mauern und Zäune verstärken Grenzen noch, alternative Fakten ersetzen Wahrheiten und unsere Regierenden? Schwurbeln munter weiter vor sich hin von KONsequenzen, DIStanzierung und VERsprechungen (achtet mal drauf, die falsche Erstsilbenbetonung greift im POlitischen Berlin gerade MAssiv um sich) Vielleicht sollte ich öfter mein „wünschen hilft“- T-shirt tragen!?

Abgekartet Nr. 16

Diese Karte hab ich, es ist auch schon wieder ziemlich lange her, von Xirxe geschickt bekommen. Der Text gefällt mir so gut, er trifft mein Gefühl von „schöner Tag“ und erinnert mich an meine Urlaube in Norwegen:
ich wußte, daß es jetzt „richtig“ ist, wenn ich in einem mentalen Zustand war, der mich an jeder Wegkreuzung fühlen ließ: Da fühlt es sich besser an, da fahr ich lang! Meine Wege führten mich nach diesem Prinzip mal an wunderbare Stellen, mal nicht – aber immer fühlte ich mich da richtig, wo ich grade war. Herrlich! 🙂

Vorüberleins

Das den Vorüberleins gewidmete Gedicht haben wir im Allgäu-Urlaub in einem von einer Grundschule gestalteten öffentlichen Garten gefunden.

Jetzt ist die Zeit der Vorüberleins erst einmal wieder vorbei. Uns bleibt, zurückzublicken: viele Vorüberleins begegneten uns, sobald wir einen Fuß nach draußen setzten, jeden Tag aufs neue. Oft haben wir sie garnicht wirklich wahrgenommen – ich habe in diesem Jahr verstärkt meinen Blick auf sie gerichtet und Euch mit meinen Entdeckungen geradezu bombardiert. 😉

Nun gilt es zu hoffen, daß im nächsten Jahr nicht alle Namen schon wieder vergessen sind und die Stehrümchens zu betrachten (und, je nachdem, vielleicht sogar auszudünnen *g*), die in den Wohnungen auf Beachtung warten.

Aus einem hübschen öffentlich besuchbaren Schulgarten im Allgäu

Muß mir demnächst unbedingt mal einen Schnirkelschneckenwitz erzählen lassen! Der einzige Witz überhaupt, den ich mir merken kenne, ist ja der vom Reh:

Wie heißt das Reh mit Vornamen?
Kartoffelpü

Wer hat das gesagt?

Ich weiß nicht immer, wovon ich rede. Aber ich weiß, daß ich recht habe!

Na, wer fällt Euch spontan ein? Niemand?? Dann vielleicht nach lesen des nächsten Zitates!?

Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.

Okay. Alles klar!?
Das muß doch von ….. sein, oder?

Aber jetzt wird es tückisch:

Ich sagte, ich bin der Größte.
Ich sagte nicht, ich bin der Klügste!

Hmmmm……
Wieso ich so frage?

Eben bin ich beim „ich guck mal durch mein eigenes Blog“- klicken in einem Beitrag vom Januar 2013 auf diese Zitate gestoßen und hatte beim ersten drüberfliegen sofort „Ah! Trump!“ im Kopf. Bloß daß der mir damals noch gar kein Begriff gewesen ist.
Und dann las ich Zitat 3 nochmal richtig. Nein, so ein Understatement liegt dem nicht 😉

Laut Dirk Luther stammen diese Zitate denn auch nicht von Donald Trump sondern von Muhammed Ali. Ich hatte sie mir damals beim Schleswig-Holstein-Magazin-gucken rausgeschrieben und hier veröffentlicht.

 

 

 

Ein Sommernachmittag, drei Minuten nachdem der Regen aufgehört hat. Kein Mensch weit und breit. Ein Reh schaut mit nassen Ohren aus dem Wald, erste Schmetterlinge fliegen schon wieder, die Luft schwer, naß, Vögel rufen, K. legt den Arm um mich. Das einsehen: Besser wird es nicht. All die Arbeit, das Geld, die Mühe, diese verfluchte Energie, die man aufbringt, um das alles irgendwie zu schaffen, den Alltag zu überstehen, der Welt zu widerstehen, alles irgendwie zu verstehen, all das mündet hier. Wo eigentlich gar nichts ist. Und dieses gar nichts ist so großartig, dass man es nicht zu spät begreifen sollte. Glaube ich.

Zitat vom Wieselblog.

Gerade eben gelesen. Gedacht: ganz genau so ist es. Danke, daß Sie das ganz genau so formuliert haben!

Die Alten wussten noch, wie’s geht, das mit der Natur ;-)

Des morgens früh, sobald ich mir
Mein Pfeifchen angezündet,
Geh ich hinaus zur Gartentür,
Die in den Garten mündet.

Besonders gern betracht ich dann
Die Rosen, die so niedlich;
Die Blattlaus sitzt und saugt daran
So grün, so still, so friedlich.

Und doch wird sie, so still sie ist,
Der Grausamkeit zur Beute;
Der Schwebefliegen Larve frißt
Sie auf bis auf die Häute.

Schluppwespchen flink und klimperklein,
So sehr die Laus sich sträube,
Sie legen doch ihr Ei hinein
Noch bei lebend’gem Leibe.

Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß
Durch Eier für Vermehrung;
sie kriegt auch Junge hundertweis
Als weitere Bescherung.

Sie nährt sich an dem jungen Schaft
Der Rosen, eh sie welken;
Ameisen kommen, ihr den Saft
Sanft streichelnd abzumelken.

So seh ich in Betriebsamkeit
Das hübsche Ungeziefer
Und rauche während dieser Zeit
Mein Pfeifchen tief und tiefer.

Daß keine Rose ohne Dorn
Bringt mich nicht aus dem Häuschen.
Auch sag ich ohne jeden Zorn:
Kein Röslein ohne Läuschen!

Wilhelm Busch

Das hat er schön gedichtet, gell?

Abgekartet Nr.12

Daran, wie ausgeblichen das „Pfötchen“ ist, sieht man schon, daß diese Karte, die ich vor ichweißnichtwievielen Jahren von der Rosenfrau bekommen habe, laaaange hing. Und zwar im oberen Bad, in einem Rahmen. Nun ist unser Bad oben neu gestrichen worden, was dringend nötig war, und im Zuge dessen hab ich auch zwei Karten ausgewechselt, deren eine noch verschickt werden kann und wird. Die andere, diese, kommt jetzt weg.

Der Vorfrühling beginnt meist Ende Februar oder Anfang März. Er wird angezeigt durch die erste Blüte von Haselnuss, Schneeglöckchen, Schwarz-Erle und Salweide, die Vollblüte des Winter-Jasmins, in den Alpen den Austrieb des Bergahorn.

(Wikipedia)

Bin draußen gewesen.
Es gibt einiges, das erfreulich ist:
– der Wasserstand im Garten ist so abgesunken, daß fast alle Büsche wieder außerhalb des Teiches stehen (wir hier im Norden versinken ja seit Monaten im Wasser, da ist sowas schon ein Grund zur Freude)
– Die ersten Winterlinge spitzen mit gelben Köpfchen aus dem Boden
– die Schneeglöckchen sind fast so weit, ihre schon abgesenkten Büten zu öffnen
– und die Knospen einiger Sträucher und Bäume beginnen, dicker zu werden!
Von erster Blüte von Haselnuß und Salweide kann noch nicht die Rede sein, aber: der Vorfrühling startet langsam!!!

 

Vorfrühling

Da draussen rauscht der Regen,
der Wind braust überm Land;
doch leise webt den Segen
des neuen Lenzes Hand.

Sie lockt aus Strauch und Bäumen
der Knospen grünen Schein,
sie schmückt mit lichten Säumen
der Wälder düstre Reih’n.

Sie webt schon an dem Kleide
der stillen Erdenbraut,
die bald zu aller Freude
dem Frühling wird getraut.

Mag jetzt der Sturm nur tosen,
er knickt die Hoffnung nicht.
Bald winken uns die Rosen
und blüh’n Vergissmeinnicht.

(Emerenz Meier 1874-1928)

Wort zum Sonntag

Da fängt’s so hochtrabend an – und dann Vers zwei: aber sowas von einer Binsenweisheit … ich musste ziemlich grinsen, als ich das im Allgäu las. Aber es hat mich doch auf etwas gebracht, nämlich darauf, daß ich schon lang nicht mehr nach Ursprüngen von Redewendungen gesucht habe. Denn woher kommt wohl „Binsenweisheit“, ich selbst hab dazu keine Idee. Wikipedia schon:

Der Begriff spielt auf die weite Verbreitung der Binsen (Gräser) an sowie auf die einfache, knotenlose Form der Binse. So gab es bereits im Lateinischen die Wendung: nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), wenn jemand an einer simplen Feststellung herumdeuteln wollte.

(Ich bekam einen) Denkanstoß

(…)Auch in anderen Artikeln wurde erwähnt, dass der Anteil der Leute mit rechten oder migrantenfeindlichen Einstellungen in den neuen Bundesländern höher ist, aber hier wurde eindeutig differenzierter berichtet.
Dabei könnte man deren Lebenserfahrungen auch nutzen, um vielleicht den Flüchtlingen, die jetzt hier ankommen, besser helfen zu können, finde ich. Die ehemaligen DDR-Bürger wissen nämlich genau, wie das ist, wenn man in ein völlig fremdes Gesellschaftssystem kommt und auf einmal alles, bis in den Alltag hinein, anders ist und die bisher gemachten Erfahrungen überhaupt nichts mehr nützen. Sie kennen das Gefühl, den einst in unerreichbarer Ferne liegenden „Goldenen Westen“ zu erreichen und nun zu sehen, dass der gar nicht so golden ist. Sie wissen, wie es ist, in einem Land zu stehen und nicht zu wissen, wie es weiter geht, was nun kommt, keine Arbeit und kein Geld zu haben und sich aus dieser Situation mit Zukunftsangst und dem Gefühl, Menschen zweiter Klasse zu sein, nicht aus eigener Kraft befreien zu können. Und sie wissen, was aus solchen Gefühlen entstehen kann! Sie haben gelernt, mehr oder weniger gut mit der Frustration und Enttäuschung klar zu kommen und sich von 0 etwas aufzubauen. Ich finde, man sollte diese Erfahrungen nutzen, aber damit man das kann, darf man nicht weiterhin einfach über die Ängste und Sorgen der Menschen hier hinwegschauen, sondern muss ihnen auf einer Höhe begegnen, ihnen wirklich zuhören und sie so mit ins Boot holen.

(aus einem Journal-entry für ein BookCrossing-Buch)

(Jetzt folgen spontan geschriebene Überlegungen nach dem lesen dieses Journal-entrys)

Schwupps, kamen bei mir Fragen über Fragen hoch:
Warum ist denn dann die Fremdenfeindlichkeit im Osten so markant stärker als im Westen? Und warum gibt es so wenig Empathie Leuten gegenüber, denen es doch ähnlich geht, und die man vielleicht gerade aufgrund ähnlicher Erfahrungen gut unterstützen könnte (den Flüchtlingen)?
Ich habe mich das schon oft gefragt, und ich komme zu keiner Antwort.

  • Ist es wirklich die andere Kultur, das andere Aussehen (also das „keine Deutschen“-Thema)?
  • Oder ist es Angst davor, etwas weggenommen zu kriegen?
  • Neid? (Es gehen ja immer wieder so Gerüchte um, daß „die alles kriegen und wir nichts“ und so, aber das wäre ja hier im Westen dasselbe, eigentlich)

Ich versteh’s einfach nicht 😦
Dann taucht beim schreiben grad noch eine andere Frage bei mir auf: ich bin noch nie auf die Idee gekommen, daß es ja wirklich schlau sein könnte, die „Ossi- Erfahrungen“ zu nutzen, um als Gesellschaft nicht dieselben Fehler immer wieder zu machen. Ich als Ur-Wessi habe diese Erfahrungen aus dem Zitat damals überhaupt nicht wahrgenommen – und ehrlich gesagt bis jetzt nicht – , sondern war von all den enthusiasmierten Menschen beider Seiten völlig genervt: ich konnte den Enthusiasmus nicht teilen und habe eigentlich überhaupt nicht eingesehen, warum ich froh sein soll, daß ein fremdes Land plötzlich zu Deutschland gehören soll (ich bin aufgewachsen damit, daß die DDR ein anderes Land ist wie Spanien, Italien oder die Schweiz, nichts anderes) Ja, und dann sollte ich nicht nur über Jahre Geld geben (Solidaritätszuschlag), sondern mich auch noch fortwährend  freuen *g* Irgendwie ging es den Leuten aus der DDR nicht schlecht genug, um mein Mitgefühl zu bekommen – und dann forderten sie auch noch. Will sagen, ich bin eigentlich genau so Eine, die wahrscheinlich als der überhebliche Arrogant-Klischee-Wessi wahrgenommen wurde, tatsächlich aber auch den selbstmitleidigen, aber dreisten Klischee-Ossi vor sich sah….. ohje!

Ich hoffe, jetzt nicht selbst die Antwort gegeben zu haben auf meine Fragen – daß dieses gegenseitige totale Unverständnis dazu geführt hat, daß sich „eine Dynamik des geschlagenen Kindes“ entwickelt hat – das mißhandelte (Ossi-)Kind, benimmt sich jetzt, erwachsen geworden, den neuen (Flüchtlings-)Kindern gegenüber genauso, wie man es einmal behandelt hat 😦 – und das meine ich jetzt wirklich überhaupt nicht ironisch, ich überlege im schreiben, sozusagen.

Puh.

Heute mal lyriken?

Unser Leben gleicht der Reise
Eines Wandrers in der Nacht;
Jeder hat in seinem Gleise
Etwas, das ihm Kummer macht.

So geht das Beresina-Lied an; ich fand diese Strophe in einem Historienschmöker einem Kapitel vorangesetzt. Mich haben Klang und Rhythmus angesprochen. Und der Inhalt ist auch stimmig …. also hab ich mal gesucht im Netz, weil dort nichts weiter stand – und fand die restlichen Strophen, die zweite geht so:

Aber unerwartet schwindet
Vor uns Nacht und Dunkelheit,
Und der Schwergedrückte findet
Linderung in seinem Leid.

Ein Mutmach-Text also eigentlich, denn in diesem Tenor geht es weiter…

Meine Postkartenwand sagt dazu folgendes:

Das Leben ist kein Ponyschlecken

und Karte zwei, passend zur Strophe zwei:

Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.

Geburtstagsgruß

Er speist vergnügt sein Leibgericht,
und in den Nächten wälzt er nicht
schlaflos sein Haupt, er ruhet warm
in seiner treuen Gattin Arm.

Heinrich Heine

Dies schöne, heitere und zufriedene Lebensgefühl wünsche ich Dir, liebes Geburtstagskind, fürs nächste Lebensjahr (und gern auch alle weiteren)