Zimmerreise mit W wie: Was’n das???

Da hängt was an der Küchenwand. Was altmodisches.
Was’n das?

Es ist eine W wie Waage!

Und die hab ich mir von Muddern gesichert, als die was neumodischeres angeschafft hat. Ich mag’s ja „ohne“, ist eh umweltfreundlicher. Diese Waage ist also weitgereist: im Rheinland mehrfach umgezogen, und dann zu mir nach Norddeutschland. Dummerweise war ich nicht in der Lage, sie richtig aufzuhängen, so daß ich nun immer ruckeln und zubbeln muß, damit sie die 0 zeigt. Naja, Kleinkram, nobody’s perfect, erst recht keine Waage, die schon bestimmt zwei Dutzend Jährchen auf dem Buckel hat….

Gerade merkt der Herr F. an, daß die zwei Dutzend Jährchen wohl ziemlich untertrieben sind, denn das Waagendesign weist eher auf ein 60er-Baujahr, und ich meine diese Waage ja auch aus der (mindestens) Jugend in Erinnerung zu haben.

Mama!? Kannst Du was dazu sagen?😃

Zimmerreisen mit V und W

Endlich gibts mal eine echte ZimmerREISE hier! Nach R wie Roskilde

Ja, nach Roskilde, in Dänemark.

Wir starten unsere Reise an der Magnettafel im Arbeitszimmer, denn hier ist meine kleine Roskildefestival-Erinnerungsecke. Aufkleber, Eintritts-Bänder und eine Postkarte der charakteristischen großen Bühne mit den zwei Zipfeln sind hier zu sehen.

Wie oft ich dort war? Ich weiß es nicht mehr. Aber bis er gestorben ist, war ich immer mit Folgä da. Danach hab ichs noch zweimal ohne ihn versucht – aber ohne Folgä war Roskilde nicht Roskilde. Jedenfalls nicht für mich.

Wir hatten unsere ganz besondere Art, gemeinsam dort zu sein: Wir trafen uns, waren aber auch viel alleine unterwegs, um uns dort umzuschauen, um jeweils die Konzerte zu sehen, die der oder die andere nicht ansehen mochte, und ich auch, um dem traditionellen Samstagsbesäufnis aus dem Weg zu gehen – denn einmal pro Festival musste der Folgä sich betrinken, und ich HASSE betrunkene Menschen. Selbst meine besten Freunde kann und will ich nicht betrunken ertragen müssen.

Wenn wir uns dann trafen, dann berichteten wir, was wir erlebt hatten, wir saßen herum und fühlten uns wohl, wir guckten, hörten, erlebten, staunten – und tanzten. Viel.

Folgä tanzt

Roskilde,das war ein Jahreshöhepunkt.

Und ein Streitpunkt.

Das ging schon los mit der Fahrt. Folgä bestand darauf, im Auto zu rauchen. Er pennte in seinem uralten, undichten Bundeswehrzelt. Ich also auch. Aber nur einmal 😉 Danach fuhren wir mit meinem Auto, in dem ich schlief – und stritten, weil er stündlich (!) aus Prinzip meinte, Rauchpausen machen zu müssen, weil in meinem Auto – wie Folgä fand, völlig überflüssigerweise, er könne ja rauspusten – nicht geraucht wurde. Danach fuhren wir mit zwei Autos…..und so lief’s dann, für uns beide genau richtig: zusammen genug und getrennt genug.

Reload: eine Collage aus diesem Blog von 2017, Roskilde-Bilder von 1994

Wenn wir zurück kamen, dann gings, so dreckig und miefend, wie man nach fünf Tagen Festival ohne Dusche ist, jedes Mal zuallererst zu de ole Lüüd, einen Kaffee trinken. Denn de ole Lüüd, das sind Folgäs Eltern, und die freuten sich immer über Besuch! (Bild unten links, im Hod bi de ole Lüüd)

1996 waren wir zum letzten Mal zusammen in Roskilde, der Folgä und ich. Und jetzt schreibe ich dies hier auf, mit einem Lächeln im Gesicht und einem Stechen im Magen ….

puzzleblume sammelt Zimmerreisen

Zimmerreise. Mit M wie Main-Post

Ein stinknormales Messer. Nicht besonders hübsch, eher klobig sogar und ziemlich stumpf. Aber mit einer Gravur: MAIN-POST. Diese Gravur ist der Grund dafür, daß dieses Messer bei uns immer noch in der Besteckschublade liegt, obwohl es weder hübsch noch handlich ist. Denn jedes mal, wenn ich es sehe, schickt es mich auf eine Reise zurück nach Unterfranken, wo ich lange Zeit gelebt habe. Genauer gesagt von 1986 bis 1989, was so lang ja garnicht ist. Aber manche Zeiten im Leben sind einfach in der Erinnerung länger alks andere, und weil ich in diesen wenigen Jahren viel gemacht habe und es die erste Zeit „weg von zuhause“ war, scheint sie mir sehr lang:

Erst ging es nach Marktbreit, wo ich die Ausbildung als Gemüsegärtnerin begann. Dann zog ich bereits vor der Zwischenprüfung um nach Würzburg, beendete mit der Zwischenprüfung die Ausbildung, machte ein Vorpraktikum in der Blindeninstitutsstiftung in Würzburg, zog um nach Münnerstadt in der Vorrhön, machte dort meine Erzieherinnenausbildung und mehrere Praktika, zog auch dort noch einmal um – das ist viel für drei Jahre.

Die Main-Post nun ist die grösste Tageszeitung Würzburgs. Irgendwann lag dieses Messer in meinen Umzugskartons – ich weiß bis heute nicht, warum. Mir gehört es definitiv nicht, ich war nie bei der Main-Post und kann es deshalb nicht aus der Kantine geklaut haben. Auch arbeitete Niemand aus meinem Bekanntenkreis bei der Main-Post; aber in drei Jahren mit drei verschiedenen WGs und vielen Partys sammelt sich hier und da allerhand an.

Ich jedenfalls freue mich, daß dieses Messer ausgerechnet bei mir gelandet ist. Der kleine Vergangenheitsflash ist nett.

Eine Zimmerreise mit M 😊

Kühe im Keller

2005? Oder 2006? Später nicht.

Eines Tages gehe ich in den Keller. Ich will Wäsche waschen, und so laufe ich stracks zur Maschine. Und stutze:

Oben auf der Waschmaschine sitzen zwei Kühe!

Huch!?

Ein zweiter Blick – nein, ich spinne nicht, es ist eindeutig! Eine schwarzbunte und eine reinweiße Kuh sitzen auf meiner Waschmaschine! Sogar Hörner haben sie.

Was ist passiert?

Wie kommen zwei Kühe in meinen Keller, und warum sitzen sie ausgerechnet auf der Waschmaschine????

Ehrlich gestanden: ich weiß es bis heute nicht!

Damals bin ich davon ausgegangen, daß die Mieter, die noch oben in der Wohnung im 1. Stock wohnten und die Waschmaschine mit nutzten, die Kühe dort vergessen hatten. Sie waren ja eh nicht sehr tierfreundlich, obwohl beide in Tier-Berufen tätig waren und Tiere hatten. Aber Wochen vergingen, die Mieter wuschen weiter Wäsche – die Kühe saßen weiter auf der Waschmaschine. Und dort saßen sie auch noch, als die Mieter ausgezogen waren.

Erst da wagte ich, die Kühe mit zu mir in die Wohnung zu nehmen. Ich hatte sie längst ins Herz geschlossen, und so ein Keller ist einfach kein guter Ort für zwei kleine Kühe!

Ihr neuer Platz im Flur bei den Teelichtern scheint beiden gut zu gefallen, sie sehen zufrieden und munter aus – auf dem Ofen war es ihnen zu warm, hier ists besser, und sie kriegen ALLES mit.

 

Passt gut zu den Zimmerreisen, Runde 5 mit J und K


Aussortiert:

Tag 82: abgeschnittene Restkabel

Tag 83: Rest eines De-Zi-Fix-Rolle, schon brüchig

Tag 84, 13.5. Kamm, rot, Plastik. Eigentlich schon eine eigene Zimmerreise wert, deshalb hab ich den auch noch so lang behalten (und weil er rein theoretisch noch funktional war, obwohl ich rein praktisch seit Jahrzehnten nur noch bürste) Denn dieser Kamm stammt noch aus Teeniezeiten, und immer, wenn ich ihn sah, hatte ich die (nicht guten) alten Zeiten vor Augen, in denen die coolen Mädchen so einen Kamm so in der Blusem- oder Hosentasche stecken hatten, daß der Griff, meist herzförmig, oben herauslugte. (Die Jungs hatten an derselben Stelle einen Tabakbeutel….gaaaaanz unauffällig….) Und gerade weil das für mich – als absolut uncooles Mädel – eine richtig üble Zeit war, war es auch mit Ü-50 immer noch nett, beim Anblick des Kammes jedesmal innerlich leicht grinsen zu müssen. Eine Bestätigung, daß das endgültig vorbei ist, denn es ist – nach langer Zeit und endlich und inzwischen seit langer Zeit – ein grinsen ohne schmerzhaftes pieken im Bauch. Jetzt hab ich den Kamm aus dem Hexenschrank geholt, und gleich kam mir ein Zinken entgegen, dann noch einer – und er ist ohne Wehmut endlich im Müll gelandet.

Zimmerreise. Mit A wie Angelschnur. Oder Abschied.

Mein Blick schweift durchs Arbeitszimmer. Ich habe Kopfweh, draußen ist es fies weißgrau und kalt, der

ganz oben ganz links….

Kater sitzt auf der Arbeitsplatte neben mir – ich muß noch ein wenig am Computer bleiben, denn wenn ich jetzt weggehe, findet das sensible Katz‘ wieder keine Ruhe, und wenn das sensible Katz‘ morgens keine Ruhe findet, wird es unleidlich, und wenn das sensible Katz unleidlich wird, gibt das einen nervigen Tag mit fauchen, knurren und irgendwann auch unleidlichen Menschen. Es ist Samstag, ich will einen entspannten Tag – also sitze ich im Arbeitszimmer herum, damit der Kater schlafen kann *augenroll*

Als ich da so sitze und gucke, fällt mein Blick auf eine fast aufgebrauchte Rolle Angelschnur ganz oben im Büroregälchen.

Angelschnur im Büroregälchen? ….. Zeitreise ……

1997. Mein bester Freund Volker ist vor einigen Monaten gestorben, ich bin noch unter Schock (sage ich aus heutiger Sicht) und inzwischen krankgeschrieben, weil nichts mehr ging, so ohne ihn. Unsere WG-Zeiten hier im Haus liegen zwar schon länger hinter uns, aber immer wieder gibt es einen Schlag mit dem Vorschlaghammer, wenn ich hier eine Schublade öffne oder dort in ein selten genutztes Schrankfach blicke. So auch, als ich im Keller etwas suche und eine Schachtel öffne: Angelhaken, Angelschnur – ein vergessenes Überbleibsel von Volker…… Ich tu, was ich mit solchen Fünden zu dieser Zeit immer tue: nachdem ich den Vorschlaghammerschlag verkraftet und ein paar Minütchen geweint habe, bringe ich sie in die inzwischen eingerichtete „Folgä-Schublade“

2017. Mein Kommodenschrank muß dringend umstrukturiert werden, es braucht Platz für dies und das. Ich ziehe wieder einmal die Schublade links ganz oben auf. Ein Pieks im Bauch- da sind sie, die Sachen vom Volker, immer noch in der Folgä-Schublade: seine blaue Mütze, ein“Scheckheft“ der Flensburger Bücherei, ein uraltes, rostbröckelndes Hufeisen, ein Döschen mit Angelhaken, die Angelschnur… ich stehe lange da und fühle in mich hinein. Ja, ich täusche mich nicht – nur ein Pieks, eine leise Melancholie …. diese Schublade kann für andere Dinge genutzt werden. Die Angelhaken bekommt ein Freund, aber die Schnur behalte ich, die kann ich benutzen, um Bilder aufzuhängen, zum Beispiel. Und so findet sie ihren neuen Platz im Büroregälchen. So ganz verabschieden kann ich mich aber nach wie vor nicht. Das Scheckheft und ein, zwei andere Dinge bleiben dort, in die Schublade kommen noch andere „Zeitdokumente“ wie eine Liste mit Telefoneinheiten für die Abrechnung am Monatesende.

2021. Viel ist nicht mehr über. Die Mütze war ab und an im Garten in Gebrauch, aber eigentlich ist sie mir zu groß – also kam sie in den Sozialladen. Und auch die Angelschnur ist fast schon leer….. kleine Abschiede. Aber immer noch bröckelt das Hufeisen vor sich hin (ist es so feucht bei uns im Schlafzimmer????), und beim Anblick der Telefonliste muß ich lächeln – meine Güte, bin ich wirklich so alt???? Viel älter sogar, eigentlich, denn ich kenne noch die Zeiten, wo wir Minuten plus „F“ für Ferngespräch oder „O“ für Ortsgespräch aufgeschrieben haben, um das dann am Ende kompliziert auszurechnen, weil es noch keinen Einheitenzähler gab….

Der Kater hat sich zusammengerollt. Auch von ihm verabschiede ich mich jetzt. Er kann nun alleine schlafen. Der Tag wartet, versehen mit einer kleinen Traurigkeit, die mit der Erinnerung an alte WG-Zeiten schon fast verflogen ist


Fast 40 Zimmerreisen mit A, B, C: klick

Zimmerreise, das nächste B *g*

Diesmal können wir wirklich verreisen. Und zwar nach Kopenhagen, Dänemark!

Der „Autoren-ABC-„Teil meiner Bücher

Denn ich habe ein Buch aus meinem Regal gezogen….

aber ich muß etwas ausholen: mit meiner Leserei, das ist so eine Sache: ich lese ausgesprochen gerne Bücher, die mir gefallen, ein mehrfach. Also stelle ich nach dem lesen ein Buch, von dem ich mir gut vorstellen kann, daß ich es ein weiteres Mal lesen möchte, in das passende meiner Wintergarten-Regale. Die sind nach Autoren-ABC geordnet.

Da ich über BookCrossing gewöhnlich viel Lesematerial bekomme, kann es gut sein, daß so ein Buch laaaaaange steht. Aber im Moment ist ja das doofe C, da gibt es keine BookCrossing-Treffen, und der zu lesen-Berg schmolz dahin. Ich beschloß, mal wieder eine „Zweitlese“ durchzuführen, und habe mir seit Monaten immer mal wieder zwischendurch eine Handvoll Bücher gegriffen und auf mein Zu-Lesen-Regal gestellt. Und so geschah es, daß ich vorgestern aus diesem Regalbrett einen Krimi griff. Ich blättere also auf, und ich sehe dies

Das mache ich immer mal – bevor ich ein Buch zur Zweitlese ins Regal stelle, notiere ich kurz das Lesedatum und irgendetwas, was zur Lesezeit obenan war – und so katapultierte ich mich im Nullkommanix ins Jahr 2006. Damals hatten die Tanja und ich festgestellt, daß wir beide schon immer mal nach Kopenhagen wollten, und zack – haben wir ein billiges Hotel nahe dem Zentrum gebucht und waren unterwegs. Ich erinnere mich noch genau an unsere Blicke, als wir das Hotel sahen – uralte, kaputte Fenster…. eine Türe, die aussah wie seit mindestens 120 Jahren nicht mehr gestrichen und repariert – ohje! Okay, wir waren nicht im Ritz gelandet… auf den Flurteppichen wäre ich barfuß nicht EINEN Schritt gelaufen; den Kopf hab ich mal lieber ans Fußende des Betts gelegt, denn das stoffbezogene Kopfende hat verdächtig dunkel-fettig geglänzt, und die in Plastik eingeschweißten Frühstücksdonuts waren auch nicht so der Hit *g* – aber der Rest von unseren Kopenhagentagen ist mir in sehr, sehr guter Erinnerung!

momentan gut bestückt: die beiden „zu lesen“-Regalböden

Wir trugen die Unterkunft mit Humor („guckmal, dieses Hotel hatte ich auch im Netz gesehen, gut daß wir das nicht gebucht haben“ – Trauben nicht vertrauenserweckender Muskelprotze vor dem Eingang und dröhnende Discomusik aus dem Club im Erdgeschoß, direkt unterm Hotel, als wir nachts zu unserer Herberge zurückgingen….), beguckten uns Kristiania und das Tivoli, latschten uns bei bestem Wetter die Füße in der Stadt platt und hatten es gut miteinander …

*********

Diese Art des Bücherbeschriftens kann ich nur empfehlen – es geschieht nicht oft, daß ich tatsächlich ORTE eintrage – ich bin ja meist zuhause – aber immer geht das Kopfkino an, ich erinnere mich an Situationen, Zeiten, Lebenslagen, an die ich oft schon lange nicht mehr gedacht habe …. ich mache das bis heute so oft ich daran denke, WENN ich ein Buch zur Zweitlese ins Regal stelle. Manche Bücher lese ich 5, 6, 7x, die bieten dann eine ganz besondere Zeitreise über mehrere Stationen. Aber das gibts nur bei L wie Lieblingsbüchern 😉


Die Zimmerreisen sind eine Idee von puzzleblume und pflanzwas. In den Kommentaren hier sind alle Beiträge der  „A,B oder C“-Staffel verlinkt, und es gibt eine Erklärung der Idee. JedeR darf gern mitmachen.

Fliegt, kleine Federn…

In unserem Bienenzimmer gibt es eine Kiste, in der ist die Vergangenheit. Außer den alten Fotoalben und den Tagebüchern ist dort fast alles verstaut, wovon ich mich aus meiner Kindheit nicht trennen konnte, als die Eltern vor vielen Jahren meinten, ich möge doch nun bitte mal die Sachen durchsehen, die noch im alten Kinderzimmer sind.

„Aus Gründen“ habe ich dort nach der heutzutage politisch unkorrekten Bastdose mit den Murmeln gesucht, ohne jedoch fündig zu werden (sollte ich sie wiederfinden, werde ich Euch zeigen, was an dieser Dose so schlimm ist….) Gefunden habe ich eine andere, unverdächtige aber recht hübsche Dose, an deren Inhalt ich mich spontan nicht erinnerte.

Also hab ich sie geöffnet:

Ricki!
Ricki, Wellensittich und Freund.
Der zutrauliche Ricki, der aus dem Käfig durfte, sobald ich zuhause war.
Ricki, der sogar einige Worte sprach….. der auf meiner Schulter saß, mein Ohr beknabberte, versorgt und betüddelt und schwer betrauert wurde, als er schließlich starb.
Ricki, dem gegenüber ich trotzdem nach wie vor ein schlechtes Gewissen habe: ein Wellensittich. Alleine eingesperrt.
Damals wussten wir’s nicht besser, das ändert aber wenig dran….
Rickis Federn fand ich in der Dose!!

Deren schönste Exemplare ich gesammelt hatte – und von denen ich mich nun, nach mindestens 40 Jahren, dann doch getrennt habe, denn im Gegensatz zum letzten Mal (vor vielleicht zehn Jahren), als ich auf sie gestoßen war, sind mir diesmal beim Anblick der rührenden, kleinen, gestreiften Flaumfederchen nicht mehr die Tränen in die Augen geschossen, mir altem, sentimentalen kaltherzigen Weibsstück.

Ich war schon draußen, um die Federn flattern zu lassen, als ich doch noch den Fotoapparat geholt habe….. ein Gutteil ist letztendlich im Kompost gelandet – so wenig es sind, so sehr sah es beim fliegenlassen schon nach wenigen Federn fast so aus, als habe man ein Daunenbett im Garten geschlachtet…. aber ein paar hab ich noch in die „Holzskulptur“ bei den Bienen gesteckt, zum angucken, solange sie dort bleiben, andere in die Wurmlöchlein im Holunder beim Windfang

 

WAS

Ein Reclamheftchen ist mir in die Finger geraten, seit Jahren stand es im Regal zur Zweitlese bereit, nie nahm ichs in die Hand. Es stammt noch aus Schulzeiten. Zeitweise war ich großer Brecht-Fan, hatte mir auch Bücher von ihm gekauft, nachdem ich über den Deutschkurs auf ihn gestoßen war. Den „guten Menschen“ hatte ich in guter Erinnerung und deshalb trotz des ungeliebten Reclam-Formats bislang nicht aussortiert.
Jetzt bin ich aber mehr über den Stempel oben links gestolpert…

Saurer Regen war damals Top-Thema. Aber hatte ich so einen Stempel? Oder wer hatte den? Ich weiß es nicht mehr. Was ich aber weiß: ganz unmittelbar wurde ich bei seinem Anblick ein wenig ärgerlich, obwohl ich gleichzeitig schmunzeln musste. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich verstand, woher dieser spontane Ärger kam, aber dann:

  1. „tut“ – nicht ich, ANDERE (wer auch immer) sollen
  2. „was“ tun. „Was“. Ja, was denn, bitte? Sprich, Kind! 😉
  3. die unterschwellige Agression im Tonfall: „endlich“ suggeriert: zackzack jetzt aber mal!

Das ist das, was mich auch bei den FFF- Demos so angefaßt hat, anfangs: diese selbstverständliche Arroganz, verbunden mit Agression*

Schon klar, auch mir: es ist alles gar nicht so extrem, weder damals noch heute: ich habe damals auch selbst „was getan“, viele der FFF-Kids tun heute auch „was“, und die FFF sind inzwischen gut organisiert und haben abseits der Parolen auch konkrete Ziele. Und doch scheints mir damals wie heute so, als ob die meisten nur laut schreien. (Nicht nur unter Kids übrigens *g*) Und genau für diese Haltung: laut sein und mit dem Finger auf die Anderen zeigen, ohne sich mit diesem Finger jemals an die eigene Nase zu fassen – dafür steht für mich dieser Stempel. Den würde ich mir heute nicht mehr aufrdrücken (lassen)


* Vielleicht erinnert sich noch Jemand: „Leute, laßt das glotzen sein – reiht Euch in die Demo ein“ *klick*

 

Never-ever????

  • (Ich, heute) Warte mal ab, in 20 Jahren wirst Du eine Sendung, die nach halb zehn anfängt, oft lieber aufnehmen, denn Du würdest sonst eh vor der Glotze einschlafen

Never-ever (sagt mein Damals-Ich und beginnt, sich für die Fahrt nach Flensburg zum tanzen umzuziehen – nach der Spätschicht auffe Tanke – es ist zweiundzwanzig Uhr dreißig)

  • Übrigens, a propos tanzen: in 20 Jahren wird es schon etwa 10 Jahre her sein, daß Du regelmäßig tanzen warst. Weil es einfach nix gibt, wo vernünftige Musik spielt, nirgends! Du wirst es aber auch längst nicht mehr so vermissen wie in der ersten Zeit – weil: WENN Du dann mal tanzen gehst, kannst Du eh nicht richtig loslegen: Der Nacken … die Kondition…. die Gelenke….. 

Okaaaaay!? WIE alt bin ich dann? 54. Vielleicht sollte ich mal langsam anfangen zu sporteln!? Wirst Du nicht!! Vermutlich… aber die Arbeit und der Garten, das sollte ja auch eigentlich langen! Das wird Deine Ausrede bleiben. Es stimmt aber nicht, glaub’s mir! Aber weiter:

  • Du freust Dich, wenn Du mal bis halb neun schlafen kannst. Meist stehst Du nämlich um 7, halb 8 spätestens von ganz allein auf. Kannst eh nicht mehr schlafen … Du wirst Dich manchmal fragen, ob das schon die senile Bettflucht ist 😉

Lächerlich! Ich tu ALLES, um es zu schaffen, um halb zehn aus den Federn zu kommen, aber das ist soooooo schwer! Sogar mit zwei Weckern klappt das oft nur, wenn ich den, der immer lauter wird und richtig nervt, ins Nebenzimmer stelle. Ich nenne das „Bettlähmung“, denn ich bin ja halbwach und schaffe es bloß nicht aufzustehen! Wieso sollte sich das ändern?

  • Im selben Jahr, in dem Du 55 wirst, feierst Du Deinen 5. Hochzeitstag und wirst mit dem betreffenden Mann schon 16 Jahre lang zusammen sein

*kichert* Jaaaaa….klaaaaaar…. *kichert wieder*

  • Der dumme Spruch ist eine besch*** Wahrheit: „wenn Du über 50 bist, Du wachst auf und Dir tut nix weh – dann bist Du tot“

Genauso wahr wie „die Erde ist eine Scheibe“, ja?

  • Einen Tag lang auf dem Sofa liegen und lesen? Frommer Wunsch. Meist jucken nach spätestens zwei Stunden die Augen, die Buchstaben verschwimmen. Außerdem macht der Rücken das lange liegen nicht mit. Du wirst viel mehr TUN als heutzutage, eben weil chillen nicht mehr geht

(Erstmals wirkt mein Damals-Ich besorgt) Das ist hoffentlich Blödsinn, denn ein Leben ohne verlesene Sofatage? Ist sicher möglich, aber uuuuuuhhh, das hört sich ja fürchterlich an!

  • …und all das wirst Du als Normalität empfinden. Du wirst drüber jammern, aber gleichzeitig hast Du die bisher zufriedensten, ausgeglichensten Zeiten Deines Lebens – und bist recht zuversichtlich, daẞ das zukünftig sogar noch besser wird 😃

Okay. Spätestens jetzt ist klar: SCHWACHSINN. Einfach nur SCHWACHSINN! (*rollt mit den Augen und geht*)

Wenn Du wüsstest…. (*drehe mich um und gehe, leise vor mich hin gackernd*)

 

Flohmarkt-Fund

Mein Becher war vor einigen Monaten undicht geworden, und ich musste feststellen, daß es keine Rührfixe mehr gibt 😦 Also secondhand gesucht, aber Rührfixe gab es nur zu Mondpreisen, Becher allein nicht. Passende Becher einfach so auch nicht, ich war einige Male mit dem Kurbeldeckel unterwegs. Immer waren sie zu tief oder nicht tief genug, wenn die Breite passte

Dann war Straßenflohmarkt in Twedt, und – gleich am 2. Stand stand er 🙂 Als ich ihn kaufen wollte (3 Euro!!), hat die Besitzerin tatsächlich noch den Originalkarton geholt. Normalerweise brauch ich keine Kartons, aber DEN hab ich gern mitgenommen…. In der Stadt könnte man den „auf retro“ teuer verschachern *gg*

Jetzt hab ich also einen funkelnagelneuen alten Becher und zwei Kurbelaufsätze sowie den Karton. Mal sehn, wie lange was davon hält 🙂

Aus der Abteilung „Lange her“

heute ein Beitrag zum Thema „Ich höre was, was Du nicht kennst“

Dank des Tivoli-Radios mit Bluetooth, für das ich mir inzwischen auf des Herrn Fairphone eine eigene Hörliste eingerichtet habe, bin ich über ein Zeitphänomen gestolpert:

Wißt Ihr noch, damals in den 80ern? Es gab eine Phase, da war es geradezu modern, Lieder mit einem „Radio-Fake“ zu beginnen. Mit anderen Worten: es wurde musikalisch so getan, als habe Jemand im Radio mit einem Drehknopf einen Sender gesucht und den dabei typischen Mix aus Störgeräuschen und Wort- und Musikfetzen erzeugt. Das wurde dann auf die ein oder andere Art zum Einstieg ins Lied genutzt.

Beispiele: „Wish you were here“, Pink Floyd, aber auch „Am Fenster“ von City.

Naja, heute hörte ich also zufällig so ein Pink Floyd-Stück  in meiner Liste und fragte mich unwillkürlich:
Was denkt Jemand, der 12 oder 13 ist und diese Geräusche hört? Kann der das überhaupt noch als „da dreht wer einen neuen Sender rein“ identifizieren?

Fragt sich

Fjonka, heute mal wieder URALT *g*

 

PS Das Tivoli ist übrigens voll retro: mit DREHKNOPF ohne Sendersuchlauf oder mit festen Sendern belegbare Knöpfe. Hab mich schon mehrfach dabei ertappt, das ganz schön lästig zu finden *g*

 

Schuster

Das gestern hat – was mich freut! –  ein Nachspiel. Hier ist es:

Des Paradiesapfels Opa war Schuster, schrieb sie gestern im Kommentar:

Mein Opa war reisender Schuster. Aber nicht annähernd so prächtig wie auf den Vignetten. Die Leute konnten sich nur Flicken leisten, selten neue Schuhe. Und so hauste der Opa, wenn er denn mal daheim war, mit seiner 5-köpfigen Familie in einem Häuschen in dem Werkstatt, Kochen, Schlafen und Leben in ein und dem selben kleinen Raum statt fand. Mit Abtritt aufm Hof.

Das hat mich daran erinnert, daß ich in allerhand Museen ganz fasziniert war von den Schusterlampen- Die Schuhmacher waren ja eh meist sehr arme Leute, nicht umsonst hatten sie sich diese raffinierten Lampen ausgedacht, bei denen wassergefüllte Glaskugeln die einzige Kerzenflamme/ Petroleumslampenflamme vervielfältigten und so sparsam Helligkeit erzeugten.

24183020888Bild: Museum Burg Ramsdorf, Bildrechte/-herkunft: Archäologie Nockemann, Foto: Guido Nockemann

Aber Schusterlampen gibt es auch noch gaaaanz anders, schrieb Steffi gestern in den Kommentaren:

In Blomberg gab es im 18. Jahrhundert viele Schusterbetriebe, die Ihre Waren in einem Umkreis von etwa 150km auslieferten. Da es auf den Märschen teilweise recht dunkel war und sie meist zu zweit, mit einer Stange mit Schuhen zwischen sich, über Land auf die Märkte gingen, haben sich (zumindest die hiesigen) den “Hemdschlapp” aus der Hose gezogen, quasi als Reflektor, damit sie einen gleichmäßigen Abstand halten konnten, ohne “über Kopps zu kommen”. Dieser Trick wurde und wird “Blomberger Schusterlaterne” genannt. Ob es diese Idee auch woanders gab, ist mir nicht bekannt.

Ich hatte übrigens das Schusterlaternenbild schon herausgesucht, den Beitrag hier schon bis dahin geschrieben, als der Kommentar von Steffi kam – so passend!! Diese Art Schusterlaterne war mir noch kein Begriff gewesen!! 🙂

Aus der Abteilung „Ach ja….“

P1050847Schon zu den Zeiten, als noch sämtliche LKW auf den Straßen dieses Zeichen trugen, hab ich nie verstanden, was das heißt.
Fernschnellgut? (Ein Bürokratenausdruck für „LKW-Beladung“? Oder ein Code unter LKW-Fahrern? Aber wofür steht er?)
Fern, schnell, gut?? (Aber warum, zum Teufel, hat man dann die Kommata weggelassen?)
Und wozu ist das ganze durchgestrichen????? (Um zu betonen, wie überflüssig das ganze Dingen eigentlich ist?)

Naja, egal, darum geht es heute ja nicht. Sondern darum, daß mir bis zur Sichtung dieses Schildes noch nie aufgefallen war, daß ich dieses Zeichen, was auch immer es bedeuten möge, schon seit Jaaaaahren nirgends mehr gesehen habe. .

Nun kann ich bloß hoffen, daß mir eines Tages mal irgendwo ein SNACK’S- Schild auffällt und mir mit leichter Sentimentalität klar wird: oooooh, ich hab schon seit Jaaaaahren keinen Deppenapostrophen mehr gesehen!

Ob dieser fromme Wunsch wohl in Erfüllung geht?

Aus der Abteilung „Stimmt- das gab’s ja auch mal“

heute ein Beitrag zum Thema „Dein Freund und Helfer“:

P1050657Meine Güte, ist das lange her, seit ich zum letzten Mal so einen Polizeiruf gesehen habe! Aber dann, in der Eifel- gleich zweimal kurz hintereinander: zuerst diesen hier, in Betrieb!!!!!!! am Monschauer Rathaus, und den zweiten, wo ich, wenn ich je daran gedacht hätte, daß es mal Polizeirufsäulen gab, eher erwartet hätte, darauf zu stoßen:  im Freilichtmuseum in Kommern. Dort wird grad ein 60er/ 70er-Jahre- Standort aufgebaut *g*. Bisher gibt’s ein Gasthaus (Bitte ein Bit!, Jukebox mit Singles und Holz-Eckbänke. Die „historische WC-Anlage“ allerdings gibt es eigentlich in jedem dritten Landgasthof genau so zur Benutzung – deshalb mussten sie sie auch extra absperren und dranschreiben, daß die Museum ist *gg*) Außerdem steht da ein Fertighaus-Bungalow mit greulichem 60er-Garten (Waschbetonplatten, Rasen, Bodendecker der schlimmsten immergrünen Art und eine nierenförmiger Beton- Insektentodesfalle, Teich genannt, in einer Ecke) – und eben die Notrufsäule.