Vier Tage mit Carl-Gustav

Ende August hatten wir Besuch. Viel Besuch. Erst kamen Jean-Li und Dirk aus Halle, dann teff mit dem Grafen und Nina aus Oerlinghausen und Umgebung, und dann kam auch noch Carl-Gustav.

Carl-Gustav haben wir zum ersten Mal gesehen am Tag bevor der Besuch aus Halle ankam. Da saß er gemütlich ganz hinten im Garten und hat sich die Sonne auf den Buckel brennen lassen, eine schillernde Gestalt in kupferglänzendem Anzug.

Am nächsten Tag waren dann die Hallenser schon da. Wir hatten uns eine Apfelsaftschorle gemixt und saßen so um den Tisch herum, als Carl-Gustav zu uns stieß. Er spricht nicht viel, deshalb habe ich erst nicht verstanden, was er wollte, aber als er dann suchend um die Gläser herumstrich, ja sogar auffordend dranstieß, da hab ich dann doch verstanden und ihm auch einen Schluck Apfelschorle angeboten – und was soll ich sagen? Er war begeistert! Große Mengen hat er weggesoffen, war seine Portion leer, suchte er nach mehr. Dirk aus Halle hat Fotos von ihm gemacht, die ich netterweise hier posten darf:

Stundenlang hat er uns an mehreren Tagen schweigend und trinkend Gesellschaft geleistet, und so kam es, daß wir schließlich im Internet nachgeschaut haben, mit wem wir es denn wohl zu tun haben könnten, und so fanden wir seinen Sippennamen:

Moschusbock

und dann zackzack, er muß es telepathisch übermittelt haben, war auch der ganze Name da:

Gestatten – Von Bock. Carl-Gustav Moschus von Bock

Ein sympathischer Suffkopp (leiderleider hat ihn Niemand beim trinken geknipst), der einmal, als der nachschub zu lange ausgeblieben war, sogar in des Herrn Glas gelandet war und zum Glück noch rechtzeitig von mir gerettet werden konnte. Das hat aber seiner Lust auf Apfelschorle keinerlei Abbruch getan.

Carl-Gustav wird, glaubt man dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel, inzwischen wohl nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ich hoffe sehr, daß er rechtzeitig für Nachwuchs gesorgt hat. Totholz und Weiden stehen in unserem Garten für die Kids zur Verfügung….

 

Die ausgewachsenen Moschusböcke (Imagines) ernähren sich von Pollen und ausfließenden Säften von Bäumen. Daher sind die Tiere unter anderem in Wäldern, insbesondere in totholzreichen Hartholz- und Weichholzauen, Gärten oder Parks auf Blüten anzutreffen. Dabei bevorzugen sie aufgrund ihrer Größe Blütendolden, wie etwa die vom Schwarzen Holunder. Die Imagines leben nur wenige Wochen im Sommer. Man findet die Käfer von Juni bis August.
Die Larven des Moschusbocks benötigen für ihre Entwicklung zum ausgewachsenen Käfer zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit ernähren sie sich xylobiont bevorzugt vom Holz von Weiden. Aber auch andere Weichhölzer wie Pappeln oder Erlen werden befallen. Besonders häufig erfolgt die Eiablage auf älteren, bereits anbrüchigen Bäumen. Ein ideales Habitat stellen Kopfweiden für diese Käferart dar. Aber auch Auwälder und Erlenbrüche sind ideale „Kinderstuben“ für den Moschusbock.
Aufgrund des Rückganges von Erwerbszweigen wie der Korbflechterei ist die Pflege und Bewirtschaftung der Kopfweiden stark zurückgegangen. Durch Entwässerung und intensive forstwirtschaftliche Nutzung verbleiben auch immer weniger Auwälder und Erlenbrüche, in denen sich die Larven entwickeln können. Diese Faktoren haben zu einem merklichen Rückgang des Bestandes geführt. Dem Moschusbock wurde daher gemäß BNatSchG und BArtSchV der Schutzstatus „besonders geschützt“ eingeräumt.

Wikipedia

 

Advertisements

Marderhunde

Am Feiertag wurde hinterm Grundstück der Mais gemäht. Dabei waren mehrere Jäger samt Hunden, die rings um das Feld standen und warteten. Ich bin rausgegangen, weil einer davon direkt am Knick stand, und habe gefragt: Marderhunde waren das Ziel, nicht, wie ich erst vermutet hatte, Wildschweine.

Anfangs war der junge Mann recht verhalten. Erst als ich mit einem Kaffee wiederkam, haben wir uns etwas unterhalten, und es wurde klar, warum: Selten sei es, daß man einen Kaffee angeboten bekomme, häufig würde man eher angefeindet. Gestern seien sie an einer Stelle gewesen, da waren sie richtig angebrüllt worden, es sei nichtmal möglich gewesen, ins Gespräch zu kommen.

Wir aber sprachen nun, und ich habe Interessantes erfahren:

  • Marderhunde (hier eigentlich nicht heimisch, sondern aus Pelzfarmen in der damaligen UDSSR entwichen, von wo sie sich bis hierher vorgearbeitet haben) werden mehr und mehr zum Problem: Sie fressen, was sie erwischen können, machen Vogelgelege platt, fangen Vögel und Kleinsäuger und räumen sogar Fuchsbauten aus. So massiv, daß befürchtet wird, daß in 20 Jahren der Fuchs hier nicht mehr vorhanden sein wird. Im Winter 2014 hatten sie hier im Revier noch eine einstellige Zahl erjagt, 2015 waren’s schon 12, im letzten Jahr über 40 – und erjagt wird ja nur ein Bruchteil der vorhandenen Population…
  • Wildschweine sind ja seit einigen Jahren schon auch in dieser Gegend „hinter’m Kanal“ angekommen und vermehren sich, Mais sei dank (Nahrung und wunderbares Versteck) wie die Karnickel. Man könne wenig machen, obwohl es dringend nötig sei, weil sie viel kaputtmachen und auch in den Dörfern unterwegs seien
  • Er persönlich finde auch, daß nicht alles richtig und gut laufe in der Jägerschaft, aber daß man so pauschal angefeindet werde inzwischen, das sei schon schwierig. Wenn man strittige Dinge nicht mal mehr diskutieren könne, dann laufe was falsch (da waren wir uns übrigens einig)

Ich persönlich denke, daß vieles falsch läuft bei den Jägern, ich weiß aber nicht, ob es dieselben Dinge sind, die der Herr Jäger nicht richtig findet: Rehe und Damwild zB werden mE viel zu wenig gejagt! Es gibt ja keine natürlichen Feinde mehr für sie, und in der jetzigen Dichte richten sie im Wald (und natürlich auch in meinem Garten *g*) viel zu viel Schaden an. Waldbesitzer müssen beispielsweise Waldstücke einzäunen, in denen sie sich eine natürliche Waldverjüngung wünschen, weil Rehe und Co die Winz-Bäumchen und den anderen Unterwuchs geradezu ausrotten. Da könnten die Jäger mehr für den Naturschutz tun statt an ihre Pfründe (leichtes schießen, Trophäen) zu denken. In unserer hiesigen Kulturlandschaft wäre es fatal, der (eh nicht mehr vorhandenen) Natur ihren Lauf zu lassen. Ohne Jäger würden auch zB dank Marderhunden und Waschbären noch viel schneller unsere Vögel große Probleme bekommen als es durch Insektensterben und industrielle Landwirtschaft eh schon der Fall ist. Insofern finde ichs zwar nicht toll, wenn Tiere geschossen werden, sehe aber die Notwendigkeit.

In unserem Maisfeld war übrigens kein Marderhund versteckt. Auch keine Wildscheinrotte.


Nur damit das klar ist: Meine Ansichten sind angelesenes Halbwissen und möchten hier bitte auch so verstanden sein. Ich habe mich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt, sondern „nur“ gelesen, was mir zufällig in die Finger kam (davon allerdings im Laufe der Jahre so einiges, so daß es auch nicht „Bauchgefühl“ allein ist, was ich schreibe)

Streckfuß

Am Sonntag haben wir zum allerletzten Mal die Bienenbeuten geöffnet und dabei etwas ganz besonderes gefunden:

In unserem Schmetterlingsbuch war diese Raupe nicht zu finden, aber im Internet sind wir fündig geworden: es ist die Raupe eines Falters mit dem schönen Namen „Streckfuß“. Warum er so heißt kann sehen, wer sich die Seite anschaut

Er kommt wohl häufig vor, wir aber hatten so eine Raupe noch nie gesehen. Ich wollte heute noch ein besseres Bild machen, aber leider – das Tier war offenbar umgezogen, nichts zu sehen unterm Deckel. Schade!

Offener Brief

Hallo, ihr doofen Rehe!

Diesmal haben wir vorgebeugt! Unsere schönen Efeubüsche fresst Ihr nicht ein drittes Mal runter*!

Es ist genug für Euch im Garten. Ihr könnt Zweige entrinden (wohlgemerkt: ABBE Zweige, es liegen mehrere Stapel bereit und wir wissen, daß Ihr die mögt!), Ihr könnt Gras äsen, es stehen Stauden da (die BLÄTTER sind für Euch, nicht aber die zeitigen Knospen im Frühjahr!!), und auch immergrüne Büsche gibt es, von denen Ihr Blätter abbeißen dürft, weil die schon groß genug sind, im Gegenatz zu den Efeus.

Ach ja, und dies ist für Dich, Du Rehbock, Du Obermacho: wage es nicht, unser Gebüsch, die Walnuß und den Trompetenbaum weiter zu entrinden – es gibt Erlen, Holundersträucher, Weiden, an denen Du gern das juckende Gehörn fegen darfst.

Also, Ihr ollen Rehe – im Gegensatz zu anderen Leuten hier ziehen wir keine anderthalb Meter hohen Zäune ums Grundstück. Wir sind kompromißbereit, also seid Ihr es auch, bitteschön! –

Mit nicht nur leicht genervten Grüßen

Fjonka und der Herr F.

 

 

*(Jedenfalls nicht ohne größere Mühen *räusper*)

 

 

Weißes C

Ende September, einer der paar schönen Tage war es, da hat der Herr F. ihn entdeckt – den vorerst für uns noch namenlosen Schmetterling, der beim flüchtigen hinschauen aussah wie ein alter, zerfledderter kleiner Fuchs…. aber weit gefehlt!

Erstmal hat der Herr F. Fotos gemacht, und dann das Schmetterlingsbuch geholt – und was fanden wir? Eindeutig hat dieses Tierchen den höchst seltsamen Namen

Weißes C

Das weiße C ist häufig, steht da. Aber wir haben bei uns im Garten definitiv noch nie eines gesehen und uns drüber gefreut.

P.S. es gibt lääääängst noch nicht genug Ideen für den geplanten Adventskalender, vielleicht, wenn Ihr Euch anstrengt, kriegen wir ja zumindest einen halben zusammen!?

 

Emsig

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch Andere sind fleißg tätig, und so gibt’s im Insektenhotel in disem jahr viele belegte Zimmer 🙂

Keine Ahnung, wie die Mieter heißen. Aber ich freue mich über sie.

Am Insektenhotel

Höchst seltsame Insekten flogen Ende Juni zu Dutzenden das Insektenhotel an, zT sichtlich beladen mit Lehmklümpchen.
Das geht die ganze Zeit so, ein Tummelum, man sitzt aber auch herum, erholt sich minutenlang.
Immer.
Außer, wenn ich das fotografieren möchte. Nach ewig langer Warterei sowie mehreren Fotos ohne Insekt (weil es zwischen „klick“ meines Fingers und Reaktion beim und Auslöser, Fluch über moderne Knipsen, schon wieder weg war) habe ich dieses wunderbare Beweisfoto hingekriegt *g*

Dann habe ich versucht, herauszufinden, wer das ist. Schließlich sogar sämtliche Prinzipien über den Haufen geschmissen und die Google-Bildersuche bemüht, mit dem sensationellen Ergebnis, daß es ziemlich wahrscheinlich dies ist:

Animal

Okayyyyyy, das hätte ich selbst auch vermutet, schlaue Suchmaschine, Du!

Also mühsam weiter über Bestimmungsseiten (nein, ich habe NICHT gesehen, wie viele Flügelpaare die Viecher haben. Und ob die eher kegel- oder walzenförmig sind, die Flügel, kann ich auch nicht erkennen!) und Auflistungen. Getippt hatte ich ja auf „irgendeine Schlupfwespe“, also habe ich Grab- und Schlupfwespen durchgeguckt – am ähnlichsten scheint mir jetzt optisch eine, über die ich dabei gestolpert bin, diese hier. Aber die lebt parasitisch, was fraglich ist, weil ich die Viecher ja mehrfach mit besagten Lehmklümpchen fliegen sah. Was ich aber leider nicht geschafft habe zu knipsen. Die besten „Tier am Bau“-Bilder sind diese beiden…..

Vielleicht kann ja EineR von Euch weiterhelfen, interessieren würde mich das schon! Insgesamt kommt unser Insektenhotel trotz meist schattiger Lage mit nur wenigen Sonnenstunden täglich ganz gut an, besonders die Bambusstengel sind gut besetzt (aber ich weiß ja inzwischen auch, daß man kein Stirnholz nehmen soll, sondern seitlich Löcher in Hartholz bohren soll, wenn man will, daß Insekten einziehen) Einige Lehm-Löcher werden auch genutzt, aber nicht sehr viele.

 

 

Großes, dickes Baby…

23. Juni

Im letzten Jahr hatten Herr und Frau Buntspecht zwei Küken, die sie regelmäßig mit zum Futterplatz brachten. Irgendwann waren sie dann wohl der Ansicht, sich genug geplagt zu haben – und fortan sahen wir wieder nur Herrn und Frau Specht. Bis vor etwa 14 Tagen. Diesmal gab es nur ein dickes Küken, und noch etwas ist anders: seit einigen Tagen ist Baby Specht allein unterwegs – und bedient sich munter am Futter. Muddern und Vaddern sind auch da, aber einmal konnte ich beobachten, wie Muddern Baby davonjagte, um sich selbst an den Nüssen zu versorgen.

Man darf gespannt sein, wie das weitergeht – leider werden wir bald nicht mehr erkennen können, ob die Erwachsenen, die man sieht, Muddern und Vaddern sind oder das erwachsen gewordene Baby…

Jetzt sieht mans noch prima:

  • Mudder: schwarzer Scheitel
  • Vadder: roter Fleck am Hinterkopf
  • Baby: roter Scheitel (und grau, was bei den Erwachsenen weiß ist. Und DICK! *gg*)

Noch was: die Kringelchen fangen schon jetzt an regnerischen, warmen  Tagen wie dem heutigen an mit „wir lungern und bilden dabei einen Bienenbart“ – sobald der erste Sonnenstrahl herauskommt löst sich das ganze zwar in emsiger Geschäftigkeit auf, trotzdem: wohin soll DAS noch führen *gg* ????

Ein Igel lebt

Samstags, nache Arbeit, ich gemütlich auf dem Sofa, der Herr F. guckt nochmal raus – und kommt zu mir: „Guck mal, ich hab hinten einen Igel gefunden, der sieht irgendwie komisch aus“, sagt er und hält mir sein Fairphone vor die Nase.

was man hier sieht ist nur ein kleiner Teil der weißen Blasen 😦

Ach Du Sch***, was ist DAS denn???? Ich zoome rein, und wir sind uns einig: was auch immer das ist, das ist nicht gut! Tierarzt!!! Ach neee, Samstag abend….. „Wir fahren nach Satrup, da sind doch die mit der Igelhilfe, weißt Du noch?“ „Nö. Igelhilfe?“ „Da waren wir doch mal zum Tag der offenen Gärten! Wenn ichs sehe, weiß ich, welches Haus das ist. Hoffentlich ist Jemand da!“

Gesagt, getan. Kiste und Zeitungen und Handschuhe geholt, rausgegangen – der Igel ist noch da, und jetzt sehe ichs auch in echt. Eklig!!!! Erst als wir schon im Auto sind, sage ich „Du, das könnten Zecken sein, aber so viele? Und weiß???“ „Stimmt eigentlich“, sagt der Herr F., aber wir sind uns einig: auch wenns bloß Zecken sind, in dieser Masse ist das nicht normal!

In Satrup angekommen, erkenne ich tatsächlich das Haus relativ sicher wieder, und da da auch Jemand draußen zugange ist, gehen wir erstmal ohne Igel fragen. Und sind gleich richtig. Igel also geholt, und tatsächlich: das sind Zecken, Dutzende. Auch an Rücken und Bauch hat er welche, und die beiden Igelhelfer machen sich gleich mit Pinzette und Handschuhen ans Werk.
Nein, das ist wirklich nicht normal, alles voll mit diesen widerlichen Viechern, und da krabbeln auch noch kleine, nicht vollgefressene überall!!! Bäh!!
Das bedeutet: unser Igel hat schon ein schwaches Immunsystem. Er ist auch eingefallen und schlapp, aber hat noch Kraft, sich zusammenzuziehen, immerhin. An der Größe der Pfoten sieht die Igelfrau: das ist schon ein älteres Tier, nicht von diesem oder letztem Jahr. Dafür ist er wirklich sehr klein und dünn……Nachdem die meisten Zecken erstmal weg sind, bekommt er einen Platz im Außengehege sowie Futter und Wasser. „Wenns so einem Igel sehr schlecht geht, dann ist es nicht sicher, ob er das überlebt. Am wichtigsten ist jetzt erstmal, daß er frißt und trinkt“

Wir lassen unsere Nummer und einen Spendenbetrag dort („das haben wir auch nicht oft, daß das Jemand anbietet!“- Schade eigentlich) und verabreden, daß wir voneinander hören und unseren Igel, wenn er denn parasitenfrei und ein wenig gepäppelt ist, wieder zu uns holen und im Garten freilassen. Mit einem guten Gefühl fahren wir nach Hause. Ob er’s schafft, ist nicht klar – aber ohne diese Aktion hätte er’s ganz sicher nicht geschafft. Insofern – alles richtig gemacht.

Auf dem Rückweg kribbelt und juckt es überall… aber das sind keine kleinen, krabbelnden Zecken, das ist der Insekten-Effekt: jedes ganz normale kribbeln fühlt sich jetzt an wie eine krabbelnde Jungzecke…. iiiiiigitt!


Sonntags eine Woche drauf dann war es so weit: nachdem ich Mitte der Woche nochmal dort gewesen war, um nachzufragen (Es ist ein Mädchen! In den ersten Tagen musste sie sogar zum fressen geweckt werden, so kaputt war sie, aber jetzt hatte sie schon auf 650g zugenommen und war ein wenig agiler, und am Wochenende können wir dann mal anrufen, dann ist sie vielleicht so weit, daß sie wieder heim kann) hieß es jetzt: grünes Licht zur Heimholung 😉

Genervtes Mädchen *gg*

Also los, ein Häuschen bekam das Mädel mit, und dann:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Um halb neun wurde es klamm, wir sind reingegangen, und nuja – das Igelmädchen lag immer noch in seinem Karton. Nachtaktiv halt….

Am nächsten Morgen war sie dann verschwunden – maach et joot, Kleene, die Igelfrau meinte, es ist jetzt Paarungszeit, vielleicht findest Du ja noch Jemanden und kannst ein paar Igelkinder aufziehen. Aber nicht wieder ins Zeckennest legen!!!


* Wer nie ‚die Nas* am Igel hatt‘
weiß nicht wie Stacheln pieken.

Ich schätze, der weise, alte Dicke hatte schonmal – er hat SEHR ausgiebig geschnuppert, aber sich dann ohne den Karton näher zu untersuchen verzogen *g* Aber, Ihr seht: die Welt interessiert ihn noch! 🙂

Wieder da

Seit einer Woche etwa sehe ich sie wieder. Sie sitzt des öfteren im Mirabellenbaum, wie in den Jahren zuvor auch – die kleine Klappergrasmücke. Aber ob sie auch wieder über der Haustüre brütet? Das Nest ist noch zu sehen, und auch die Ranken des wilden Weines sind noch da. Nicht aber die schützenden Blätter: weil immer dicker werdende Stämme des wilden Weins den Pfosten des Törchens zum Staudengarten so weggedrückt hatten, daß das Törchen nicht mehr zu schließen war, hatte ich im Herbst diese Stämme (Ranken kann man das schon nicht mehr nennen, waren faustdick) abgesägt und entfernt. Und damit auch den ganzen wilden Wein, der über der Haustür längs um den Vorbau rum und schon bis zum hinteren Anbaufenster gerankt war. So richtig traurig bin ich nicht drüber, wuchs er doch ausschließlich ganz oben längs und ich musste deshalb immer wieder Dachrinnen etc befreien…. Aber an die kleine Klappergrasmücke hatte ich auch da schon etwas besorgt gedacht, und daran, ob sie wohl auch ohne den Schutz der Blätter wiederkäme.

Na, sie ist da – und nistet irgendwo dort, das zeigt ihre Flugrichtung. Eben habe ich mal nachgeguckt:

Familie Klagra war schon immer bescheiden, dieses winzige bißchen Irgendwas reicht als Wohnung aus.

Wenn Ihr genau hinguckt, seht Ihr’s: über der Hausnummer kommt ein weißer Putzstreifen, und darüber im dunklen rot, genau über dem „Nr.“, ist das Nestchen. Und: als ich rausgegangen bin, um zu schauen, ist ein Vögelchen erschreckt weggeflogen! Heißt: die fehlenden Blätter schrecken sie nicht, Familie Klagra ist wieder eingezogen. Wetterschutz gibt’s durch den Dachvorsprung, aber vorher war es sicher besser. Nuja, ich hoffe, der Erfolg gibt den genügsamen Untermietern recht 🙂

Aktion mit Amsel – die Ergebnisse

Das waren jetzt ereignisreiche und spannende Tage. Bzw ein Abend und ein Tag – denn abends haben wir die Netze aufgestellt und schon ein paar Vögel gefangen, und dann, am Karfreitag, ging es von frühmorgens bis 16 Uhr rund…. Aber was hat es denn nun zu sehen gegeben? Ich war ja vor allem scharf auf Vögel, die ich sonst nicht wahrnehme – als alles jenseits der alten Bekannten. Den beiden Experten war jeder Vogel recht, hier geht’s ja um die Wissenschaft – beringt wird nicht (nur) zum Spaß:

Jeder gemeldete Wiederfund eines beringten Vogels trägt dazu bei, die Ursachen der Zu- und Abnahme von Vogelarten zu verstehen. Durch Wiederfunde können wichtige Rastplätze und Winterquartiere identifiziert und somit Grundlagen für ein integriertes System von Schutzgebieten für unsere Zugvögel geschaffen werden.

(Vogelwarte Helgoland) hier gibt’s noch detailliertere Infos über den Sinn des beringens

Deshalb wäre es auch wirklich klasse, wenn jeder aufgefundene beringte Vogel gemeldet würde! Im Ring steht, wo – bei unseren Vögeln/ Ringen ist es hier Und übrigens: Niemand schimpft dort, wenn der gemeldete Vogel ein Katzen-Opfer war – man freut sich über JEDE Meldung, wurde mir versichert!!! 🙂

Und jetzt zeige ich Euch also endlich, was hier im Garten so alles los ist. Erstmal die „alten Bekannten“: (Bild anklicken, Namen lesen)

*Brutfleck: nicht ausgezupft, sondern ausgefallen sind die Bauchfedern, damit die Kohlmeise es leichter hat, die Wärme ihres Bauches an ihre Eier abzugeben. Verrückt: man sieht die riesenhafte nackte Fläche nicht! Dafür muß man erst die Federn auseinanderblasen!

Hier die (mir) Neuen:

 

Insgesamt haben wir  54 Vögel gefangen, Das sind viel mehr als die von den beiden Erfahrenen erwarteten 20-30, trotz des schlechten Wetters. Kann ich stolz sein auf meinen Garten? Neeee: „Das liegt sicher zum guten Teil an der Futterstelle“, sagt der Herr I. Nuja….

Hier die genaue Liste:

  1. Hausspatz: 14
  2. Kohlmeise: 9
  3. Blaumeise: 7 (7 VERSCHIEDENE – die mit der Ring-Endnummer 56 ist echt döschig, die war bestimmt 4x im Netz….)
  4. Feldspatz: 6
  5. Amsel: 5
  6. Buchfink: 4
  7. Heckenbraunelle: 3
  8. Zilpzalp: 2
  9. Singdrossel: 1
  10. Rotkehlchen: 1
  11. Mönchsgrasmücke: 1
  12. Buntspecht: 1 (FRAU Specht konnte sich 2x befreien und war dann aus Schaden klug geworden…)

Der schwerste war eine Amsel mit 93,2 Gramm, der leichteste ein Zilpzalp – das kleine Federbäuschlein wog gerade mal 6,9 Gramm!

Der Herr I. meinte, hätten wir nicht so schlechtes Wetter gehabt, wären mehr Arten ins Netz gegangen. Die einzige Zug-Art ist die Singdrossel, alle anderen sind Stand-Arten, will heißen, solche, die hier im Garten oder in der Nähe wohnen. Bei besserem Wetter wäre noch die ein oder andere Zug-Art zu finden gewesen …

gesehen, aber nicht erwischt haben wir in der Zeit noch:

  • Grünfinken
  • Stockenten
  • Stare
  • eine Elster
  • Ringeltauben
  • einen Storch!!! Echt jetzt, der zog gleich über uns weg gen Kuhkoppel 🙂
  • Und genau jetzt, während ich hier schreibe, soll mich der Teufel holen, wenn ich nicht in der Mirabelle erstmals in diesem Jahr auch wieder die Klappergrasmücke, die immer im wilden Wein über der Tür ihr Nest baut, gesehen habe….

Zum guten Schluß ein Wort zum Streßfaktor: ja, die Vögel haben Angst. Der Herr I., Biologe und seit Jahrzehnten im Vogelschutz tätig, hat es so erklärt:
Vögel sind von ihrer ganzen Lebensweise darauf ausgelegt, sehr schnell in Streß zu kommen – aber auch sehr schnell wieder zu entspannen:

„Ein Schatten über mir? ADRENALIN! Ein Raubvogel! – Puh, nur eine Wolke. – Da, eine Bewegung im Augenwinkel! ADRENALIN! Eine Katze!? – Puh, nur ein Kaninchen!“.

So geht es den ganzen Tag. Und so konnten wir dann auch sehen: Gleich nach dem freilassen aus der Hand hatte so mancher Spatz, so manche Meise nichts anderes vor – als stracks wieder zu genau der Futterstelle zu fliegen, bei der eben das Netz zur Falle wurde – aber nun obendrüber, und ab, fressen… Wenn eine echte oder vermeintliche Gefahr vorbei ist, wird halt unmittelbar entspannt – alles ist gut.

Wir jedenfalls fanden die Aktion großartig. Wie klein, wie leicht so ein Vogel ist! Wie unterschiedlich sich bei den Arten das Federkleid anfühlt, wie viel zarter die Zeichnung des Gefieders als man von weitem sieht! Wie viele Vögel bei uns sichere Nahrung finden (heute morgen geguckt beim Frühstück: an der Futterstelle jede Menge Vögel – nur einer davon mit Ring….), wie viele Arten da leben, auch solche, die ich noch nie gesehen habe! Und das jetzt waren ja bloß die Vögel …. *g* Mein Garten? Ha! Von wegen! – Allerdings habe ich es in der Hand, ob all die anderen sich dort wohlfühlen! Ein bißchen Gebüsch für Die, die sich gern verstecken, ein paar Bäume, uneinsichtige Ecken mit Laub zum futterfinden, eine Wasserstelle, eine freie Fläche für Diejenigen, die gern sehen, ob sich eine Gefahr nähert – und überall ist Leben, auch wenn ich gar nichts davon mitkriege.

🙂

 

Aktion mit Amsel – Und? Was macht man da so??

Zuallererst wartet man. Darauf, daß Vögel sich in den Netzen fangen. Dummerweise (für Spätaufsteher wie mich) tun sie das am allerhäufigsten morgens „ab Sehhelligkeit“, um diese Jahreszeit also etwa ab halb sechs….


Die tapfere Amsel und der ebenso tapfere Herr I. hatten denn auch schon fleißig gefangen, als ich mich um sieben Uhr rum aus dem Bett quälte (natürlich waren die Netze über Nacht eingeklappt, man will ja nicht, daß Jemand stundenlang da rumhängt) Was hier hängt,

das ist Vorrat 😉 Zeitweise flogen (gleich morgens halt) so viele Vögel in die Netze, daß da fünf oder sechs Überraschungstüten hingen, jeweils mit einem Vogel drin. Als ich runterkam, entspannte sich die Lage insofern, als ich „den Schreibjob“ übernehmen konnte, so daß die BunteAmsel weitere Vögel aus den Netzen befreien konnte.

Was pro Vogel getan wird:

Beringen (hier: ein Herr Amsel), Ringnummer notieren, Vogelart und Geschlecht. Bei manchen Arten, zB Meisen, kann der Experte auch erkennen, ob es ein vorjähriger oder ein noch älterer Vogel ist (unterschiedliche Farben an bestimmten Feder-Stellen am Flügel)

Flügellänge messen und notieren (eine Kohlmeise)

Teilfederlänge messen (3. Schwingenfeder) und notieren

Vogel einglasen 😉 und Gewicht notieren

….und dann vielleicht noch ein Foto für die Laien (morgen…..*g*), und ab nach draußen…..

Aktion mit Amsel – Vorbereitung

Wie man sieht ist das Wetter nicht optimal für-

ja, für was?

Für eine Vogel-Beringungsaktion im Garten, zu der sich die Amsel und der Herr I. zu meiner Freude bereitgefunden haben, mit sämtlichem Equipment im Gepäck – wie eben Fangnetzen….

Morgen mehr – die Netze haben wir gestern abend gestellt, aber wir sind noch mittenmang…. *wink* (bzw *flatter*)