Einen Rote-Liste-Falter…

…hat es in unseren Vorgarten verschlagen! Anfang Oktober habe ich ihn unabsichtlich aus seinem Tagesversteck verscheucht, den Malven-Blattspanner (Larentia clavaria)

Ich hatte Glück – er ließ sich von mir verfolgen und wartete brav am neuen Ort, bis ich den Fotoapparat aus dem Haus geholt hatte. Die Art bevorzugt extensiv bewirtschafte Wiesen, Wegränder, Ackerränder und Straßenrändern, auch Gärten und Schuttplätze usw., überall dort wo Malvenarten, die Nahrungspflanzen der Raupen wachsen, ist sie zu finden – aber sie ist selten, gehört zur Kategorie 3 in der roten Liste Deutschlands. Hier ist eine Grafik, die die Einteilung veranschaulicht (Quelle: Wikipedia)

An den wenigen mitteleuropäischen Standorten ist Larentia clavaria durch den immensen Landverbrauch des Menschen (Überbauung, landwirtschaftliche Intensivierung) und übertriebene Mahd ungenutzer Flächen akut bedroht. (pyrgus.de)

Malven wachsen bei uns – wir haben sowohl Stockrosen als auch Moschus- und wilde Malve an unterschiedlichen Stellen im Garten stehen. Die Falter schlüpfen erst ab August, und die Eier überwintern – wer also die Stauden früh abschneidet, der trägt durch die oben erwähnte „übertriebene Mahd“ zum aussterben des Falters bei!

Birkenwanze

Die Birken- oder auch Fleckige Brutwanze (Elasmucha grisea) lebt auf Birken und Erlen – beste Bedingungen in unserem Garten, so daß es mich wundert, daß sie uns vorher noch nicht untergekommen ist. Nun aber meinte sie wohl selbst, es sei an der Zeit, und eine kleine Rampensau hat sich bereiterklärt, auf des Herrn Hand zu landen und so auf sich und ihre Art aufmerksam zu machen:

Diese kleinen Wanzen sind tolle Mütter:

Nach der Begattung legt das Weibchen im Juni 40 bis 50 Eier auf der Unterseite von Blättern ab. Auffällig ist das ausgeprägte Brutpflegeverhalten. Das Weibchen bewacht für zwei bis drei Wochen ununterbrochen die Eier und bleibt dabei auf dem Gelege sitzen. Es nimmt in dieser Zeit keine Nahrung auf und verteidigt die Eier gegen Ameisen, Spinnen, Käfer, andere Wanzenarten und Schlupfwespen durch Flügelschwirren und ein Wehrsekret. Auch nach dem Schlüpfen bleibt das Weibchen noch zwei bis drei Wochen bei seinem Nachwuchs und verteidigt ihn. Das Weibchen geht nach der ersten Häutung mit den Junglarven gemeinsam auf die Nahrungssuche. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei der Brutpflege fast 100 Prozent der Larven überleben, wogegen bei unbewachten Gelegen die Mortalitätsrate über 90 Prozent liegt.

Wikipedia

Eine seltene Sache bei nicht-staatenbildenden Insekten, aber nicht einzigartig: es gibt noch mehr Wanzenarten, die auf ihre Lütten aufpassen, und auch Ohrwürmer zB betreiben ja ausgeprägte Brutpflege.

Die kleine Rampensau haben wir nach der Foto-Session vorsichtig wieder ins Freie entlassen. Dankeschön, daß Du Dich und Deine Art uns vorgestellt hast! 🙂

Hummel-Keilfleckschwebfliege

Dies ist ein Mädchen, und bei dieser Schwebfliegenart haben die weiblichen Tiere KEINEN Keilfleck…. tschä.

Da sieht man mal wieder, daß man halt doch mit den lateinischen Namen oft besser fährt. Ihrer lautet

Eristaris intricaria

Oder man nennt sie „pelzige Mistbiene“ – das paßt insofern besser, als auch die Mädels pelzig sind, wie man sieht, und die Larven sich gern in Jauche entwickeln. Oder jedenfalls in „stehendem, schlammigen Wasser, das reich an zerfallendem organischen Material ist.“

(Zitat anthropodafotos Dort kann man sich auch die Männchen anschauen)

Geißblattgeistchen bestimmen – 2018 und heute

Heute recycle ich mal einen alten Beitrag, weil ich 1. etwas zu ergänzen habe, 2. das alte Foto besser ist als das aktuelle und 3. ich die Geschichte ganz interessant finde: 🙂

2018: Dieses Foto hab ich mal extragroß gelassen, klickt es mal an, dann seht Ihr: hier ist ein Falter mit Fächerflügeln wie aus Federn! Winzigklein (etwa daumennagelbreit) saß er an der Tür zur Küche!

Ich war ratlos, und nach einigem suchen dachte ich „naja, vielleicht ist das ja nichtmal ein Falter!“ und habe kurzerhand eine „bitte um Hilfe“- Mail geschrieben – und nichtmal eine halbe Stunde später diese Antwort vorgefunden:

besten Dank für Ihre Anfrage. Dass Sie den Falter nicht auf unseren Seiten finden konnten, ist kein Wunder: Es ist ein (im landläufigen Sinne so genannter) Kleinschmetterling und wir haben uns seither auf die Großschmetterlinge beschränkt.

Zufällig kenne ich den aber: Es ist ein Federgeistchen der Gattung Alucita, nämlich Alucita hexadactyla. Weitere Abbildungen finden Sie hier: http://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Alucita_Hexadactyla und bei Wikipedia finden Sie einen kleinen Überblick über die Familie Alucitidae: https://de.wikipedia.org/wiki/Federgeistchen_(Familie).

Freundliche Grüße

Herbert Fuchs

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Naturschutzbüro Zollernalb e.V.

Auch von hier aus nochmal: DANKEDANKEDANKE!!!! 🙂


2022: wieder hab ich ein solches Tierchen drin an der Wand gefunden – offenbar mögen sie gern bei uns überwintern. Das bestimmen ist seit 2018 deutlich einfacher geworden, Apps und auch bessere Vorkenntnisse helfen.
Mich interessieren inzwischen mehr Infos als damals, hauptsächlich zu Futterpflanzen und Lebensweise der gefundenen Tiere. Deshalb sei ergänzt:
Das Federgeistchen ist eigentlich eine Federmotte. und wird nur oft mit Federgeistchen in einen Topf geworfen. Hier sind die Unterschiede gut erklärt und auch zu sehen *klick* 
„Meine“ Federmotte heißt auf deutsch Geistblattgeistchen, denn ihre Raupen minieren in Geißblattknospen. Bei uns im Garten sind ja mehrere Geißblattarten zu finden, von drei verschiedenen rankenden bis hin zu einem Strauch im Gebüsch – da sollte Jedes was leckeres finden.

Imageschädigend!!!

Das hier ist ein Zünsler. Sein lateinischer Name lautet Aglossa pinguinalis, und der Herr F. hat ihn im Juli geknipst – er fliegt von Mai bis August

Er hat aber auch einen deutschen Namen, und der ist Fettzünsler. Hört sich fies an, gell? Man denkt sofort an eins von den Viechern, die in schlecht verschlossenen Vorräten wimmeln. Aber nein! Der Fettzünsler ist unschuldig! Das fressen an Butter und Käse, das seinen Raupen tatsächlich unterstellt wurde, weshalb er auch als Vorratsschädling gilt, konnte nie nachgewiesen werden!
Ein typischer Fall von bösartiger Imageschädigung!
Also, wenn mal wieder ein kleiner, grauer Falter, tagsüber aufgescheucht, zu Fuß vor Euch flieht – vor dem zerdrücken gut hinschauen! Nicht Alles, was klein und grau ist nagt an Essen oder den eingelagerten Wollpullis!

Es gibt noch ein Beispiel für Einen, dem sein Name schadet: der Faulbaum. Der ist erstens eigentlich ein verzweigter Strauch, kein Baum und zweitens muß, wer den angeblichen leichten Fäulnisgeruch der Rinde wahrnimmt, schon einen SEHR guten Riecher haben. Daß dieser Strauch so heißt ist sehr schade – denn er mag Schatten, kann auch unter großen Bäumen leben und ist ein echter Tiermagnet. Nicht nur die lange, nektarreiche Blüte (Mai bis September) hilft, sondern von den Blättern leben Raupen und Käfer, und die Früchte werden von vielen Vögeln gern gegessen.

So einen Faulbaum möchte ich daher in diesem jahr auch gern bei uns im Garten ansiedeln. Platz haben wir schon ausgeguckt: ein Hartriegel und eine Forsythie müssen weichen – ersterer nervt mit langen Ausläufern, auch, weil es ihm dort viel zu schattig und trocken ist (andere Exemplare dürfen stehenbleiben, dieser musste weichen), letztere ist zu nix nutze (weder Nektar noch Pollen; Niemand ernährt sich von ihr; da ist ähnlich viel Leben dran wie an einem Kleiderständer!)

Noch ’ne Staublaus

Das hier ist Valenzuela flavidus,
eine weitere Staublaus-Art. Man weiß anscheinend nichtmal genau, wovon Staubläuse leben. WAHRSCHEINLICH von Pilzen und Flechten. Sie überwintern als Ei, aber es gibt mehrere Generationen in einem Jahr.

Tachina magnicornis. Oder vielleicht auch fera.

 

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Dies ist eine Raupenfliege. So weit ists sicher. Die im Titel genannten Arten lassen sich nur schwer unterscheiden. Obsidentify meint, es sei die (seltenere) Tachina magnicornis. Scheint mir anhand der Fotos eine reichlich gewagte Vermutung, wenn man sich anguckt, wie die zu unterscheiden sind *klick*

Raupenfliegen leben von Nektar und Pollen – ihre Larven aber sind Parasitoide. Sie bohren sich in passende Schmetterlingsraupen, wenn eine davon ihren Weg kreuzt (was heißt: die Larve schlüpft aus dem von Muddern an die richtige Nahrungspflanze der Schmetterlingsraupenart, die das Kind mag, gelegte Ei und wartet dort, bis die richtige Raupe angekrochen kommt) Dann entwickelt sich die Larve in der Raupe weiter. Erst im letzten Larvenstadium werden dabei lebenswichtige Organe der Raupe angefressen, so daß diese weiterlebt, solange es für die Larve nützlich ist.

Natur kann fies sein….

El Mauski will auch einen Beitrag leisten

Der Kerle bringt uns die unterschiedlichsten Mäuse – er meint wohl, daß die Tierliste in wichtigen Bereichen unvollständig ist.
Trotzdem sind wir nicht allzu glücklich über seinen Eifer. Wir hätten die Tiere lieber lebend – aber nicht frei in der Stube…🥴 Ich schätze, wir müssen ihm beibringen, sie im Wintergarten in einen Eimer zu schmeißen und dann Bescheid zu geben (schließlich sollen die armen Viecher ja nicht lange hungern müssen)

Das ist eine Waldmaus (Apodemus sylvaticus)

Waldmäuse sind überwiegend nachtaktiv und klettern gut. Die tiefen Erdbaue haben zwei Eingänge und eine Nest- und eine Vorratskammer. Die Nester werden im Winter von mehreren Tieren bewohnt. Waldmäuse sind Allesfresser

Das ist eine Zwergspitzmaus (Sorex minutus)

Die Zwergspitzmaus ist eines der kleinsten landlebenden Säugetiere Europas. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 42 bis 66 mm, die Schwanzlänge 35 bis 46 mm und das Gewicht 2,6 bis 5,9 g. Die Oberseite und die Flanken sind einfarbig braun, die Unterseite ist grau.

Das ist eine Hausspitzmaus. (Crocidura russula) 

Hausspitzmäuse leben fast ausschließlich in Siedlungsgebieten von Menschen. Dieses Tierchen lebte zumindest, war quicklebendig und schwer einzufangen – ElMauski hatte es im Wintergarten freigelassen….

Spitzmäuse sind übrigens eigentlich gar keine Mäuse. Sie gehören nicht zu den Nagetieren sondern zu den Insektenfressern!

Glatter Nimrod

WIE winzig dieses Tierchen ist erkennt man, wenn man weiß, daß der Hintergrund des Bildes – Haut ist! DASS es so winzig ist, erklärt sich dadurch, daß es ein Baby ist. Eine Nymphe einer sehr kleinen Wanze nämlich, und die ist mit bis zu 4,5mm auch nicht grad ein Riese…. die Wanze heißt Deraeocoris lutescens, einer der deutschen Namen lautet – glatter Nimrod.

Sie lebt auf Laubbäumen und saugt dort an Blattläusen, die Eier aber versenkt das Weibchen tief in den Wirtsbaum-Wurzeln.

Ein Bienchen

9. Juli Dieses Tier ist eine Gemeine Löcherbiene (Heriades truncorum)

Löcherbiene an Margerite

Was braucht eine gemeine Löcherbiene, um sich wohlzufühlen? Eigentlich nicht viel:

  • Korbblüter zur Ernährung (Zum Beispiel Margeriten, Sonnenblumen, Schafgarbe, Wegwarte….) An andere Pflanzen gehen sie nämlich nicht.
  • Totholz oder auch hohle Pflanzenstängel zum anlegen ihrer Niströhren. Sie gehen auch in Nisthilfen
  • Bäume für Baumharz zum verschließen der Niströhren

WEil sie relativ anspruchslos sind, sind die gemeinen Löcherbienen häufig zu finden. Sie fallen halt bloß nicht auf, sind ja so klein…. Sie fliegen von Mitte Juni bis Mitte September – ich bin spät dran, das Foto lag lange im Mailfach bereit! Falls Ihr noch suchen wollt in Euren Gärten oder Parks, dann beeilt Euch….

Taghaft

Wiedermal ein hübscher Name, finde ich. Hört sich an wie eine der Wundergestalten aus den Muminbüchern, ein Cousin vom Hamsa Toft oder so… aber weit gefehlt, die Taghafte sind eine ganze Familie von winzigkleinen Insekten, die allesamt von Blattläusen leben, sowohl als Larven als auch als erwachsene Tiere.

Der, der mir hier vor die kamera kam, ist ein gefleckter Taghaft, Micromus variegatus

Das Foto ist leider schlecht, das Tier zu klein für meinen Apparat. Unter obigem Link ist ein tolles Bild….

Schön ist, daß es eine ganze Gruppe dieser Tierchen gibt- die Verwandten mit deutschen Namen heißen ähnlich bezaubernd, nämlich

Staubhafte
und Fanghafte.

Diese Namen lösen bei mir ungewohnte Anfälle von Phantasie aus… ich muß mir unbedingt mal wieder die Mumin-Bücher vorholen! 🙂

Flüchtling??

Noch immer kein Tropfen Regen.

Vor einigen Tagen landete dieses Tier auf meinem Bein:

Ich war ratlos. Ein Käfer? Eine Wanze? Aber irgendwie sah es seltsam aus. Also ab damit zu obsidentify, und dann wurde schnell klar: es ist ein alter Bekannter, den wir bloß SO noch nie sahen: ein Rückenschwimmer ists, eine Wasserwanze, die man sonst nur im Wasser und dort von unten sieht.

Aber offenbar können sie gut und weit fliegen und tun das im Herbst auch öfter, ua um neue Gewässer zu erschließen.

Ich schätze mal, daß es diesem hier zu trocken wurde bei uns, und daß er flüchtete. Hoffentlich findet er ein schönes, nasses Plätzchen…..

Auflösung

Der Herr F. sitzt auf seiner Draußendecke und ruft mich.

„Guck mal – was kann denn DAS sein??“

Da das Tier kleiner ist als hier (etwa 3 cm) seht Ihr mehr als wir sahen… hmmm…. keine Ahnung, aber etwas später:

Das sieht doch anders aus….!? Jetzt kam ich drauf: ein Schmetterling, der wohl grad ausgeschlüpft ist und dabei, seine Flügel zu entfalten. Und tatsächlich, keine 10 Minuten hat es gedauert bis zum letzten Bild!

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Es ist ein Ampfer-Wurzelbohrer (Triodia sylvina), ein Tier, das ich „fertig“ 2018 schonmal gezeigt hatte

Beide Exemplare sind wohl männlich, die Weibchen sind eher braun, heißt es auf den einschlägigen Seiten. Die Larven entwickeln sich zwei Jahre lang beim fressen an Ampfer- oder Malvengewächsen, die Falter fliegen nur 3-4 Monate lang.

Die Kommentatorinnen, die vermuteten, es sei ein Spanner, lagen so schlecht übrigens nicht: die Frostspanner-Weibchen sehen so ähnlich aus, die haben verkümmerte Flügel. Und die des Frühlings-Kreuzflügels – auch eine Spanner-Art haben sogar gar keine!

Neues Totholz – neuer Käfer :-)

Mitte 2020, meine ich, bekamen wir von Freunden Nadelholzstämme. Einige stehen, andere liegen an anderen Stellen, Diversität ist Trumpf. Soweit, so gut. Wir hatten ja schonmal den Ameisenbuntkäfer gefunden, der eigentlich in Nadelwäldern lebt, da war ich ja schon verwundert gewesen – und dann erfreut.

Und jetzt sahen wir, Ende Juli, mehrfach einen prächtigen Käfer, den Rothalsbock, Stictoleptura rubra

Jetzt endlich bin ich dazu gekommen, den mal zu bestimmen. Und siehe da, auch er braucht Nadelholz:

Die Larven des Rothalsbocks ernähren sich xylobiont von totem Nadelholz, bevorzugt von Fichten und Kiefern. Die Weibchen legen ihre Eier an Stubben und totem Rundholz ab. Die Larven entwickeln sich in zwei Jahren im Holz und verpuppen sich nah am Holzrand. Man findet sie in Holz, welches Kontakt zum Erdboden hat, also z. B. Holzpfählen oder -zäunen. Sie können an Holzhäusern großen Schaden anrichten. (Wikipedia)

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Bevor jetzt Alle Panik kriegen, die einen Käfer und einen Holzbau im Garten haben: die Larven brauchen Holz mit Erdkontakt, das feucht ist. Vernünftiger Bautenschutz hilft also 😉

Und wenn sich jemand ob des Namens wundert: das Weibchen ist sehr rot, nicht nur, aber auch am „Hals“ – dies ist ein männliches Tier.