Mein Buch des Jahres

Mein persönliches Buch des Jahres ist eines, das ich als Überraschung geschickt bekam:

„Das Geräusch einer Schnecke beim essen“.

Ich mochte den Titel, den ich zuvor schon einige Male gelesen hatte, und hatte tatsächlich deshalb schon überlegt, das Buch zu kaufen – aber wer weiß schon, was hinter einem schönen Titel steckt?

Dahinter steckt in diesem Fall ein recht dünnes Buch, das in lakonischem Ton eine Geschichte vom „sich abfinden müssen“ mit „was draus machen“ und ganz viel „lernen“ für den/ die LeserIn verbindet. Und die Geschichte ist halb-autobiographisch (heißt: ziemlich so gewesen, aber – dies ist ein Roman – nicht genauso):
Frau Bailey hat sich einen heftigen Virus eingefangen, der sie immer wieder für Wochen, gar Monate ans Bett fesselt. In dieser Situation schenkt eine Freundin ihr einen Topf mit Veilchen, an dem sie eine winzige Gehäuseschnecke entdeckt. Diese Schnecke wird zur Gefährtin der nächsten Monate. Und der Prozeß des kennenlernens ist so schön beschrieben und dabei mit so viel Wissen und auch Liebe zur Natur ergänzt, daß ich völlig fasziniert vom Buch war und bin.

Im echten Leben ist Frau Bailey Gärtnerin und Journalistin. Beides merkt man: sie kann einfach gut schreiben, und sie hat einen echten Bezug zur Natur. Mit den Schnecken hat sie sich aber laut Buch-Info erst während ihrer Bekanntschaft mit „ihrer“ Schnecke in ihrer Krankheitszeit befasst.

Für mich trifft der Bezug zur Natur, den Frau Bailey im Laufe des Buches schildert, sehr genau das Gefühl:

Du kannst nur mögen, was Du kennst.

Bernsteinschnecke. Feuchte liebend und im Frühjahr (als es noch feucht war *g*) zuhauf in Teichnähe zu finden.

Hier betrifft das eine Schnecke, die Frau Bailey dazu führt, von Schnecken ganz allgemein fasziniert zu sein, weil sie diese eine gut kennenlernt. Mir geht es so mit meiner Umgebung, die ich ja in diesem Jahr auch viel intensiver kennengelernt habe, indem ich versuchte, ihre BewohnerInnen zu identifizieren. In diesem Prozeß ist mir aber auch viel klarer geworden als zuvor:

Was Du nicht kennst, das kannst Du nicht vermissen.

Und schon ist der Bogen geschlagen zur Naturschutzarbeit, zu dem, was ich bei Stand-Betreuungen und auch im Gespräch mit KundInnen oder Bekannten immer wieder merke: daß der direkte Bezug zur Natur um uns herum doch sehr verlorengegangen ist, daß Viele nicht mal die allerhäufigsten Vögel auseinanderhalten können (geschweige denn anderes Getier) und nichts über Zusammenhänge wissen. Auch Frau Bailey merkt erst beim beobachten ihrer Topf-Schnecke nach geraumer Zeit, daß so ein Töpfchen mit nur einer Pflanze drin als Lebensraum und Futterspender nicht genug ist für ihr Schnecklein. Aber als sie es merkt, da tut sie was….. und ich hoffe, daß das den Menschen genauso gehen wird, die Frau Baileys Buch lesen oder auf irgendeinem anderen Weg einen persönlichen Bezug zu dem, was um sie herum geschieht, bekommen.

Hoffen und harren hält manchen zum Narren„, würde jetzt wieder einmal mein Vater sagen. Aber ich glaube fest dran, daß die meisten Menschen nicht Roundup spritzen, ihre Gärten schottern oder große Bäume fällen um der Natur zu schaden, sondern schlicht, weil sie den Zusammenhang nicht präsent haben zwischen ihrem eigenen Wunsch nach Ordnung und Arbeitserleichterung und dem Natursterben ringsum.

Okay.

Los, Frau Bailey, erklimmen Sie, langsam, aber hartnäckig die Bestsellerlisten – so wie Ihr Schnecklein das Veilchen 🙂 Das Zeug dazu hat Ihr Buch! Und es kann bei mir ausgeliehen werden, in BookCrosserkreisen ist es bereits unterwegs.

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Türchen 9.12.: Horizonte

Als Maenade mir den Begriff „Horizonte“ vorgab, sind mir erstmal hübsche Fotos eingefallen. Erst einige Wochen später kam ich drauf, daß dieses Wort ja eigentlich eine Steilvorlage bietet, gibt es doch so viele schöne Redensarten damit…. daß aber letztlich das daraus geworden ist, was Ihr nun gleich lest – das habe ich noch nicht gewußt, als ich mit schreiben anfing…. sorry, Maenade, wenn Du Dir ganz was anderes vorgestellt oder gewünscht hattest – ich hoffe, Du kannst diesem Beitrag trotzdem etwas abgewinnen 😉

Vorab mal eine Begriffsbestimmung

Der Begriff Horizont entstammt der griechischen Astronomie und bezeichnet ursprünglich den Gesichtskreis, der den Blick begrenzt. Seit der Antike ist Horizont ein spezifisch philosophischer Begriff, wobei die konkrete Bedeutung auf einen geistigen Gesichtskreis hin abstrahiert wird.

Aus „Redensarten-Index.de

Es zeichnet sich am Horizont ab, daß die Weltordnung sich im Umbruch befindet, die mir vertraut ist, seit ich geboren wurde. USA, Rußland, China, Nordkorea, die arabische Welt, Afrika – alle verändern sie ihre Positionen oder versuchen es zumindest, denn ihnen allen behagt ihre derzeitige Situation nicht mehr. Und wir hier im reichen, behaglichen Deutschland – wir (zumindest meine Generation und alle, die nach mir kommen, zumindest im Westen) wir sind es einfach nicht gewöhnt, daß wir mit den Folgen der Geschehnisse weiter weg so direkt konfrontiert werden.

Da dräuen dunkle Wolken am Horizont, und mir persönlich macht Angst, was da passiert.

Ich bin nicht die Einzige – Viele haben Angst. Allerdings nicht alle vor denselben Dingen.
Mich persönlich ängstigt der geistige Horizont des Herrn Trump sehr – und auch der des Kim Jong Un. Die beiden haben ja eher einen etwas beschränkten Horizont und benehmen sich wie die Kindergartenkinder.

Allerdings bin ich weltpolitisch alles andere als bewandert. Ich weiß oft nicht einmal genau, wo die Länder liegen, die im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, geschweige denn, wie ihre historische/ politische Lage ist. Erst recht weiß ich nicht, warum diese Lage so ist, wie sie ist und wie sie so geworden ist, wie sie nunmal derzeit ist. Das alles geht über meinen Horizont, und was man nicht versteht, ist immer nochmal beängstigender als das, was man ein wenig einordnen kann. Finde ich. Also war es hilfreich, daß ich meinen Horizont erweitern konnte, als ich ein sehr interessantes, dabei aber – bis auf einige Fremdworte – nicht schwer zu lesendes Buch entdeckte, weil es im Radio vorgestellt wurde: Guten Morgen, Abendland von einem Herrn Ulrich. Absichtlich habe ich mich nicht vorab informiert, wer denn dieser Herr Ulrich genau ist (im Radiobeitrag wurde nur gesagt, er sei Journalist der ZEIT), um vorurteilsfrei lesen zu können. Deshalb will ich zu ihm nichts weiter schreiben, man findet ihn aber auf Wikipedia (inzwischen hab ich nachgelesen)

Das Buch jedenfalls behandelt die oben angesprochenen Themen, es ordnet ein, erklärt, und obwohl es in Teilen ein recht düsteres Bild zeichnet, läßt es doch auch Licht am Horizont sehen: die jetzige Lage bietet auch Chancen auf eine andere, aber fairere und gleichberechtigtere Welt – wenn, ja wenn es gelingt, klug mit all dem umzugehen, was da kippelt, bröckelt, wackelt und erodiert, manchmal auch explodiert.

Sollte ich Jemanden dazu angeregt haben, das Buch zu lesen, wäre ich SEHR interessiert an Rückmeldungen/ Diskussionen etc. Ich hätte gern mehr darüber gesprochen. Der Herr F. wird’s irgendwann lesen, ich habe immer wieder Teile vorgelesen, und ihn (der beim Thema „Rest der Welt“ eine breitere Wissensgrundlage mitbringt als ich) interessiert’s auch. Aber das wird ja dauern….

 

Buchtipp

Eben kam ich von einem Besuch bei S., er hatte wiedermal (selbst für mich) schwer verständliche Behördenpost samt Formularerei bekommen. Die haben wir ausgefüllt Das Gespräch danach drehte sich um mehreres, was ihm sehr fehlt:
– eine eigene Wohnung (bisher immer mindestens zu 3., immerhin inzwischen ein Zimmer allein) Nachtrag: sehr plötzlich hat es jetzt funktioniert: sowohl S. als auch Ab. haben eine Wohnung für sich allein bekommen!
– eine Arbeit
– unter Menschen sein (das scheitert, gerade auf dem Dorf, wo man sich daheim oder im Garten unter Freunden trifft, tatsächlich oft. „Unsere“ Iraki haben wenig Kontakte zu Deutschen, und wenn, nur zu Lotsen oder von Amts wegen mit ihnen befaßten Menschen. Sie sind selbst daran allerdings auch nicht ganz unbeteiligt. -Daß ich das denke und warum, auch darüber haben wir übrigens gesprochen. Es ist aber wirklich nicht leicht)
– eigene Entscheidungsfreiheit, was zB Wohnort, umziehen, Arbeit angeht (mit Aufenthaltsgestattung braucht er für sowas seit nun schon über 2 Jahren immer noch die Erlaubnis der Ausländerbehörde/ des Amtes)

Ich komme nach Hause, mache den Ofen an (14°! Wind! Regen!) und lese weiter im aktuellen Buch „Ich komm‘ auf Deutschland zu“
des Syrers Firas Alshater. Ich lese:

„Doch wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, dem wird erstmal ein Großteil der Freiheit genommen. Nicht frei bewegen. Nicht arbeiten. Nicht selber entscheiden. (…) Flüchtlinge können sich nunmal nicht in einem Land integrieren, wenn sie nicht mit Einheimischen zusammensein dürfen. Eine Hand klatscht ja auch nicht allein. Und die Menschen, die hier ankommen, brauchen, was jeder Einheimische auch braucht: Freunde, Arbeit und eine Wohnung“

Tja.

Firas Alshaker ist syrischer Aktivist, war deshalb schon mehrfach inhaftiert und unter Folter, kam mit Arbeitsvisum nach Deutschland, blieb als Asylant und ist inzwischen bekannter Youtuber, unten ein Beispiel eines Clips. Zum Teil ists eher Comedy. Das Buch allerdings gibt sich etwas ernsthafter als die Clips, und ich finde es lesenswert. Weil er gut erzählt, und weil er was zu sagen hat.

Lesen! 🙂 Oder erstmal gucken, bitte sehr (mir gefällt allerdings das Buch besser)

 

Alte Freunde

In solchen Zeiten wie jetzt – zum Glück sind sie so häufig nicht – kann ich mich auf ein paar alte Freunde immer verlassen, und so habe ich in den letzten Tagen Siegfried und Tristan Farnon zu mir eingeladen, Miss Pumphrey und ihr Schwein sowie Helen und Mrs Hall. Und wie immer haben sie mir zuverlässig geholfen.
Ich konnte lächeln und schniefen und mich an der Landschaft der Dales freuen, und vor allem: ich konnte darüber zeitweise mein eigenes Elend (das, wie ich weiß, inwendig  zu verorten ist, denn die äußerlichen Streßfaktoren sind für ein solches Elend einfach nicht ausreichend. Das Wissen ändert bloß leider nichts am Elend…) beiseite schieben, was sehr hilfreich ist.

Fall Jemand weder Tristan Farnon noch Ms Pumphrey kennt – sie sind stets verfügbar, denn sie sind Protagonisten in meinen liebsten „Trostbüchern“, den Tierarzt-Büchern von James Herriot. Zusätzlich sind diese Bücher auch noch sehr fein verfilmt, es gibt da eine ganze Serie, und viele Folgen sind auf dem Festplattenrekorder gespeichert. Sie kommen zwar an die Bücher nicht ran, weil der inhaltliche Teil ziemlich verstümmelt wurde, dafür aber sind die Darsteller wunderbar gewählt, ebenso wie Orte und Landschaft etc. Ich habe auch ferngesehen, wenn ich vonne Arbeit wieder daheim war…….

Viel zu schnell hatte ich die Bücher wiedermal durchgelesen, sicherlich zum mindestens 7. Mal. Danach ein weiteres „Trostbuch“, eins von Barbara Dobrick – da hilft die Art, wie sie schreibt, aber an die Herriot-Bücher kommt die Wirkung nicht ran. Und jetzt überlege ich, ob ich Mma Ramotswe oder besser Daddy Langbein zu mir bitten soll*….. bald muß es allerdings wirklich mal besser werden mit mir und dem IMMER (und nein, ich schildere jetzt mal nicht, was in den letzten zwei Tagen noch wieder dazugekommen ist. Aber es ist dazugekommen, satt sogar), sonst ist alles ausgereizt, was das Bücherregal anzubieten hat.
Aber heute Nacht kommt der Herr F. zurück, ab morgen haben wir Urlaub und das Wetter soll sich bessern. Und dann kommt auch schon bald der Frühling! Wettermäßig einerseits, aber zweitens hatten wir den – menschlichen – alten Freund, der zu Besuch kommt, so genannt, als wir ihn noch nicht kannten. Weil er immer über die Tanzfläche hüpfte wie der Frühling über die Wiesen.

Ja, ich bin zuversichtlich. Es wird besser jetzt, es muß einfach!


*Ich habe mich für Peter Gethers entschieden: „Die Katze, die nach Paris reiste“. Auch nett, aber an James Herriot kommt auch das nicht ran!

 

 

Erfolg

Heute habe ich nicht nur Einiges an Holz weggespalten, ich habe es auch hingekriegt, ein aufkommendes Katastrophendenken nach einiger Zeit in den Griff zu bekommen

Kennt Ihr Katastrophendenken?
Beispiel: Der Kopf piekt. Nach einer Viertelstunde hast Du Migräne, nach einer halben einen Tumor samt dazugehöriger Panik. Also, ich neige in anderen Lebensfeldern zum Katastrophendenken, nicht bei gesundheitlichen Themen. Aber es dürfte klar sein, was ich meine. Und ich habe also hingekriegt, daß ich jetzt, mehrere Stunden später, nicht mehr an diesem Gedanken herumlaboriere, sondern wieder entspannt mein Buch lesen kann. SEHR fein!
A propos fein: das Buch ist auch extrem fein. Ich hatte einen Bericht darüber gelesen, es mir daraufhin secondhand bestellt, und es scheint zu halten, was es verspricht: Geschichte spannend, lebensnah und gut geschrieben mir nahezubringen.

Es handelt von einer alten Amsterdamer Familie, die seit Rembrandts Zeiten von Geert Mak begleitet wird, einer gut betuchten Bürgerfamilie. Der Stammvater (naja, die Familie ist älter, nachgewiesen seit dem 11. Jhdt in der Normandie. Aber dies Buch handelt halt hauptsächlich von der Geschichte „seit Amsterdam“) hat als Tuch- und Farbenhändler die Dynastie gegründet, und nun rollt bereits der 12. Jan Six (so heißt seither der älteste Sohn) im Haus im Buggy herum. Und der 11. ist befreundet mit dem Buch-Autor und hat diesen gefragt, ob er nicht mal die Archive sichten und eine Familiengeschichte schreiben wolle. Die liegt jetzt vor, geschrieben von Geeert Mak, der offenbar Bestseller-Autor ist (und von dem ich noch nichts gehört hatte), und der wirklich wunderbar schreiben kann. Zum Glück scheinen auch die Übersetzer ihr Handwerk zu verstehen, und so lese ich gerade voller Begeisterung von Brauthandschuhen, die man auf einem Rembrandt-Gemälde ansehen kann – die aber Jan Six, der 11. auch mal eben aus einer Schublade zieht. Von dem Leben in einem Haus, in dem man sich mit Servietten den Mund wischt, die auch die Urgroßeltern schon am Mund hatten, von brennenden Weihnachtsbäumen und Frauen, die für ihren Glauben auf dem Scheiterhaufen brannten – und ich bin erst beim 2. Kapitel….


Ich bin nach einigen Wochen im späten 18. Jahrhundert angekommen *g* – das Buch hatte Längen: der allererste Jan und seine Lebensumstände wurden mir irgendwann zu ausführlich beschrieben. Also habe ich eine Pause eingelegt, aber jetzt ist es wieder hochinteressant.

Nun bin ich durch. Es ist seltsam, plötzlich über Sixe zu lesen, die im 2. Weltkrieg kooperieren oder Widerstand leisten, über Investmentgesellschaften, über eine 1989 gestorbene Tante, die doch „gerade eben“ vor einigen Seiten noch, so völlig altertümlich gelebt hatte. Spannend auch der Epilog, der aus Sicht des Autors das Buch noch einmal in einen Gesamtzusammenhang setzt- ich als geschichtlich recht unbeleckte Dame hätte dies auch gut als Vorwort brauchen können 😉

(Geert Mak: Die vielen Leben des Jan Six)

 

Wiedermal zehn ….

  1. Was machen die da? aus der Reihe „der Name ist Programm“…. mich erinnert es auch ein bißchen an die Sendung mit der Maus – da hat man auch immer ganz viel über verschiedene Berufe gelernt und in Fabriken reingucken können und sowas. Und ein klitzekleines bißchen erinnert auch der Schreibstil der Beiträge daran. (Ich finde die Sendung mit der Maus übrigens toll!) Könnt Ihr Euch meine Überraschung vorstellen, als ich beim schmökern dort über eine mir bekannte (und hier ab und an auch per Kommentar auftauchende) Dame „stolperte“, die bzw deren Beruf dort ausführlich porträtiert wurde? Dolles Ding, das! *g*
  2. Glaserweblog gleich der erste Beitrag nach dem abonnieren von „Nr 1“ führte mich zu diesem Blog. Nun sollte man meinen, es sei nicht so fürchterlich interessant, aus dem Berufsleben eines Glasermeisters erzählt zu bekommen – weit gefehlt, hier gehts um Kunden, Praktikanten, das Arbeitsleben… und das ist sogar sehr interessant!
  3. Auf Wortkulturen bin ich über meinen Kleinvieh-thread beim BookCrossing-Forum aufmerksam geworden. Ich muß sagen: toll! Es geht um ein umweltgerechteres, aber auch sonst gerechteres Leben, und es gibt sehr interessantes zu entdecken. Zum Beispiel den Artikel über Gesundheit, auf den Ihr, dem Link folgend, kommt, weil das Blog so aufgebaut ist, daß man vom Hauptlink aus nur aufs „about“ kommt. Man muß sich also leider durch die Kategorien klicken und kann nicht einfach chronologisch lesen…
  4. Eine Deutsche in Japan. Ganz normales Alltagsleben, und doch sooooo anders – man lese nur mal diesen Artikel über Toiletten……
  5. …und eine Frau Mitte 80, die bloggt, was ich an sich schon so ungewöhnlich finde, daß ich da eine Zeit lang mitlesen möchte.
  6. Sehr spannend finde ich dieses Blog einiger BewohnerInnen des ökologischen Gemeinschaftsdorfes Siebenlinden. Wo mir das Dorf an sich, allem, was ich bisher davon gehört oder gelesen habe nach zu schließen viel zu esoterisch angehaucht ist, hat das Blog Gedanken über gemeinschaftliches wohnen zum Inhalt – und ist, finde ich, sehr angenehm geschrieben – ohne Sendungsbewußtsein, aber sehr persönlich. Und da ich mich eh für gemeinschaftliches wohnen sehr interessiere, ja, es mir prinzipiell (wenn denn die Gemeinschaft paßt) gut für mich vorstellen könnte, ist es spannend, aus Innensicht darüber zu lesen.
  7. „Was wurde aus…“, fragt man sich doch des öfteren mal, wenn ein einst in den Medien präsentes Thema nach einigen Monaten so überhaupt garnicht mehr vorkommt. Manche dieser themen greift die Rubrik dieses Namens von spiegel-online wieder auf. Interessant.
  8. Alice Pantermüller ist Autorin und Norddeutsche. In welcher Funktion dieser beiden Vollzeitbeschäftigungen sie nun ihr Blog schreibt, das sei dahingestellt. Jedenfalls schreibt sie in unregelmäßigen Abständen, und sie schreibt amüsant über Schreiberlings-Nöte und -freuden, aber auch über den ganz normalen Alltagswahnsinn.
  9. Evangeline Neve lebt seit Jahren in Nepal. Dort hilft sie Mädchen und Frauen, und derzeit auch anderen Nepalesen und Nicht-Nepalesen. Denn ihre Liben und ihr Haus haben die Erdbeben ohne Schäden überstanden, also organisiert sie jetzt Zelte, Decken, Essen für Diejenigen, bei denen das anders ist. Da sie auch BookCrosserin ist und mehrere Crossies aus Deutschland, die in den letzten jahren in Nepal urlaubten, sie kennengelernt haben, wurde im Forum gesammelt – und über diese Aktion kam ich auf Evangelines Blog. Sie schreibt verständlicherweise zur Zeit her selten, aber mitzulesen lohnt.
  10. Graugans. Texte, die mich berühren. Nicht alle, aber einige. Ihr könnt ja mal testen, ob es Euch auch so geht.

Die zwei Würstchen

ILesebuchm Zuge meiner aussortier-Aktionen bin ich über ein Flurregal „gestolpert“, in dem lauter Hefte und Bücher untergebracht waren, die ich nochmal durchschauen will – seit Jahren. Und hier standen auch meine Lesebücher aus den Schuljahren zwei bis vier. Das erste davon lese ich gerade – und bin sehr erstaunt: obwohl ich mich nicht erinnern kann, dieses Lesebuch für das 2. Schuljahr seit dem zweiten Schuljahr noch einmal wieder aufgeschlagen zu haben, kann ich mich bisher an jede einzelne Geschichte, an jedes Gedicht noch gut erinnern. Und zusammen mit den Erinnerungen zB an das, was als nächstes geschehen wird, kommen auch Gefühle wieder hoch.

Gestern beispielsweise las ich die Geschichte von den zwei Würsten, die sich, als es ihnen in der Pfanne zu heiß wird, auf den Weg machen. Die erste wird gleich draußen auf der Straße vom ersten Auto überfahren und bleibt geplatzt am Straßenrand liegen. Die zweite sieht ein, daß sie in der weiten Welt überfordert ist und bittet einen Passanten um Hilfe- einen Spitz. Der hilft auch erst tatsächlich und nimmt die Wurst mit – aber sie kommt nicht hinterher und bittet ihn, langsamer zu laufen. Das will er nicht, hebt sie aber auf den Rücken. Dort kann sie sich nicht lange halten, fällt herunter, dem Spitz vor die Schnauze, und mit einem ungeduldigen „Na, wer sich so ungeschickt anstellt, hat es nicht anders verdient“ frisst der Spitz die Wurst auf.

Was für eine fürchterliche Geschichte (unterschrieben mit „Volksgut„). Warum nimmt man sowas in ein Lesebuch für kleine Zweitklässler auf? Die Moral der Geschichte kann doch wohl, wenn es überhaupt eine gibt, nur lauten: „Du kannst Dich anstrengen, was aus Deinem Leben zu machen, Du kannst Andere um Hilfe bitten – es ist eh egal, Du hast keine Chance!“

So bewusst habe ich das damals natürlich nicht wahrgenommen, aber daß ich, sobald ich gelesen hatte, daß die Würste aus der Pfanne springen, ein flaues Gefühl im Magen bekam und immer noch wusste, daß jetzt etwas schlimmes geschieht – das spricht doch wohl Bände!

Puh 😦

Insgesamt assoziiere ich allerdings zumindest mit diesem ersten Lesebuch Gutes. Das Titelbild anschauen – dann merke ichs schon, daß ich mich auf die Lesestunden gefreut haben muß. Und ich weiß ja auch von Muddern, daß ich schon lesen konnte, als ich in die Schule kam, und gelesen habe, was ging – Schilder, Plakate, Bilderbücher- egal! Im Lesebuch gibt es dann auch nicht nur grausliges, das hab ich beim schnellen durchblättern gesehen, sondern auch Geschichen vom Zwieselchen (das Buch habe ich übrigens auch ganz gehabt und noch immer im Regal stehen), Auszüge aus dem kleinen Gespenst (Ihr wißt ja, daß ich das mag….) und von den „Der kleine….“ Geschichten von Gina Ruck-Pauquet, die ich als Kind sehr geliebt habe und immer noch mag.

Na, ich bin gespannt, was mich noch erwartet – und ob die zwei anderen Lesebücher auch so voller Erinnerungen stecken – spontan würde ich meinen: nein. Denn die Titelbilder kenne ich zwar, aber sie wecken keinerlei Gefühle oder Erinnerungen.

Abwarten.


Wenige Tage, nachdem ich dies geschrieben hatte, kam im BookCrossing-Forum eine sehr interessante und zum Thema passende Frage auf:

Habt Ihr auch Bücher in Eurer Kindheit gehabt, von denen Ihr heute meint, Ihr hättet sie besser nicht gelesen?

Dazu fiel Vielen Vieles ein, auch mir kamen Erinnerungen – an Märchen zum Beispiel, aber auch an „Alice im Wunderland“. Andere fanden „Die Wolke“ ganz schlimm, oder „Krambambuli“ … wen’s interessiert: hier klicken


Aussortiert: mehrere Bücher, die in demselben Regal wie das Lesebuch standen, die ich aber eh nicht mehr lesen werde (habe ich seit ca 17 Jahren keine Lust auf „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“ verspürt, wird diese Lust wohl auch nicht mehr aufkommen. Und wenn doch, kann ich sie mir neu kaufen. So.)

Ausgedehnt oder schrumpfelig?

Ich lese gerade „Das große Los“ von Meike Winnemuth und fand darin ein Zitat:

Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus proportional zum eigenen Mut

Anais Nin

Das finde ich sehr, sehr wahr und stelle fest, daß mein Leben sich zwar verglichen mit den verzagten letzten beiden Jahren wieder deutlich ausgedehnt hat, aber sich immer noch um einiges zu schrumpfig anfühlt.

Frau Winnemuth ist mit der bei Jauch gewonnenen halben Million ein Jahr lang in zwölf Städten gewesen (pro Monat in einer großen Stadt gewohnt hat sie) und berichtet weniger von den Städten selbst als davon, was die so mit ihr gemacht haben. Und geht das ganze auf eine sehr schöne, entdeckerische Art und Weise an. Guckt, wohin sie der Tag führt. Offen sein, sich überraschen lassen. Antennen auf Empfang gestellt.

Sehr lesenswert, allerdings nur, wenn das eigene Leben gerade nicht zu schrumpfig ist. Schon so kommen mir ab und an die Tränen. Und dabei bin ich durchaus „on my way“, wieder: Kleinvieh, Besuch von Couchsurfern, der in diesem Jahr ganz neue, andere Zugang zum Garten, der MBSR-Kurs (ich mache zwar nicht die Übungen weiter, leider, habe aber doch einen kleinen, angenehmen „Dreher“ in manchen Dingen erlebt und beibehalten können) – doch, ich habe das Gefühl, gerade wieder Dehnübungen zu machen mit meinem Leben. Kleine, erste. Mal sehn, wohin es geht…. (und nicht daß mich Jemand falsch versteht: ich habe nicht die allerwinzigkleinsten Ambitionen auf grössere Reisen – das ist es nicht….)


Aussortiert: ein angebrochenes Fläschchen Klarlack für Plaka. Keine Ahnung, wofür ich das je gebraucht habe. Sicher ist: ich besitze keine Plakafarben (mehr) und bräuchte ich je wieder Klarlack, würde ich eher welchen aus dem Baumarkt als solchen für Bastelbedarf benutzen wollen. Ab in den Sondermüll.

Fruchtleder

Es ist eine ganze Weile her, da habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen. Elke von „Günstig gärtnern“ hat einige Gartenbuch-Leseexemplare, die sie von verschiedenen Verlagen bekommen hatte, als Preise ausgeschrieben für alle, die ihr Fotos von eigenen Upcycling-Gartenideen schicken würden.

Und ich habe tatsächlich gewonnen 🙂

Das hier hatte ich eingeschickt

..und das ist draus geworden (ruhig hinklicken, da sind noch mehr nette Upcyclingideen- mir persönlich gefällt ja das Futterhausdach aus altem Plastiktopf am besten)

Gewonnen habe ich das Buch „Wo die Seele aufblüht“ – und jetzt hab ich’s durch. Es ist eine jahreszeitlich geordnete Sammlung von kleinen Geschichten aus dem (Schreber-Großstadt-)Garten. Deshalb habe ich sie mir im WC aufs Fensterbrett gelegt und vom allerersten Vorfrühling bis jetzt immer wieder gelesen. In einem durch ging nicht, dafür war’s mir ein wenig zu enthusiastisch-schwärmerisch 😉 Aber in kleineren Häppchen war gerade das wirklich schön. Die Frau braucht kein MBSR, die Übungen die wir da gemacht haben*, macht sie von ganz allein in ihrem Garten- ein ganzes Kapitel übers ausbuddeln, zubereiten und essen von drei Roten Beten (hej, PurpurBete, das könnte Dir gefallen!!), eins über den Himmel, übers hören, über Farben…. das nenne ich „den Moment genießen“; manchmal wurde ich ganz neidisch über ein solches Naturtalent…. am besten haben mir aber zwei Rezepte gefallen:

  1. wie sie die Herstellung von Moosbrei ausprobiert (nicht zum essen, sondern um einen häßlichen Beton-Pfeiler bewachsen zu lassen. DAs ist nämlich gar nicht soooo einfach, es muß schon das richtige Moos für den richtigen Standort sein, damit das klappt. Dieses Moos (eine Handvoll) im Mixer mit 2 Tassen Joghurt, 1/2 TL Zucker und evtl etwas Wasser mischen und aufstreichen- Moosgrafitti, wenn’s anwächst! Toll.
  2. das Fruchtleder-Rezept! Das werde ich unbedingt im Herbst ausprobieren müssen! Äpfel schnippeln, Ingwer, Koriander, Zimt, Holundersaft, etwas Zucker dazu und ein paar Stunden köcheln (ha! Bis dahin haben wir ja unseren neuen Ofen, wenn ich das da drauf stelle, kann es simmern, daß es eine Lust haben wird ;-)) Dann nochmal pürieren, die Masse auf Backbleche streichen und die oben auf die (ha!) Lüftungsgitter oder (nochmal ha!) Fliesen stellen. Und warten. Zitat: „Es hat die Konsistenz weichen Leders, die Leuchtkraft farbiger Kirchenfenster und schmweckt ungefährwie der geschmorte Saft, der sich bei der Bratapfelherstellung am Topfrand absetzt und fest wird: eine Symphonie aus Sonne, Äpfeln, Feuer und Zeit“

Hört sich gut an, gell? Ich werde berichten… und in der Zwischenzeit kann, wer mag, gern das Buch ausleihen und sich von der Begeisterung der Frau Bewernitz für die kleinen, schönen Dinge anstecken lassen….


 

*MBSR: MindBasedStressReduction. Auch Achtsamkeitstraining genannt. So einen Kurs hab ich grad hinter mir, war gar nicht schlecht- wenn ich jetzt weitermachen würde, so für mich, würde das allerhand bringen. Aber ich wieder….. vielleicht erzähl ich später mal genaueres dazu, derzeit wiedermal: keine Zeit, das wäre nicht eben mal so fix hingeschrieben.

Spread the words….

In letzter Zeit bin ich über so viele interessante und informative Artikel über so viele unterschiedliche Themen geradezu gefallen, daß ich nun doch auch einmal ein kleines „spread the words“ anbieten möchte. Es geht um unterschiedlichste Dinge, aber auf die eine oder andere Art immer um ein Thema- nämlich: wie ist das Leben (meins und das hier in unserer Gesellschaft), und wie will ich es haben. Und was kann ich tun, um möglichst nahe an letzteres heranzukommen? Ein Themenkomplex riesigen Ausmaßes ;-), der mich aber mehr und mehr beschäftigt.

Zu guter Letzt noch zwei Links, mit denen es so richtig schön leicht ist, beim konsumieren ein gutes Gewissen zu haben 😉

  • buch7.de : Bücher zum Normalpreis kaufen- und diese Firma spendet 75% ihres Gewinnes
  • Bildungsspender: in ganz normalen online-Läden einkaufen, aber über diese Seite dorthin klicken. Der „Bildungsspender“ bekommt dafür von den Läden etwas Geld- und spendet diese Vergütungen zu über 90%. Allerdings muß man für solche Einkäufe den Werbeblocker abschalten, da die sonst nicht registriert werden. Ein blöder Nachteil.

Außerdem – a propos konsumieren – gibt es für alles ressourcenparende Alternativen. Ich finde: die Frau hat Mut, damit auf diese Weise an die Öffentlichkeit zu gehen!

Schriften

Es hängt von der Zeit ab: Welche man sieht, welche man benutzt, sogar, welche man mag. Jedenfalls in meinem Fall- noch in den 80ern fand ich sowas hier schier unerträglich:

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Heutzutage freue ich mich, wenn ich’s sehe- zu selten sind die 50er-Jahre-Schriften geworden. Übrigens geht mir das mit vielem 50er- Zeugs so, auch mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen – nur Frisuren und Kleidung gefallen mir nach wie vor nicht.  Aber bei fast allen 70er-Sachen bin ich über jedes verschwindende Relikt glücklich…. deshalb wohl hab ich auch keine 70er-Schrift als Beispiel in meinen Fotos. Ob sich das mit der Zeit auch noch ändern wird?

Na, aber es gibt auch Klassiker:

P1040782

Ist wohltuend für die Augen, war wohltuend und wird es wohl immer sein! Ob das allerdings, wie beim goldenen Schnitt, allgemeingültig ist- keine Ahnung! Kleine Umfrage hier: empfindet Ihr diese Schrift auch als ruhig und angenehm??

Als ich Bewerbungen geschrieben habe, mußte ich mir sagen lassen, daß die von mir gewählte Schrift „Times new roman“ altmodisch sei mit ihren Serifen (das sind die kleinen Häkchen, die hier unten an den „n“ oder „i“ sind und die Schrift leichter lesbar machen. Auch oben bei der „Otte’schen Stiftung“ gibt’s Serifen zu bewundern). Ich solle lieber beispielsweise „Arial“ nehmen, serifenlos, so wie in der Überschrift. Ok, ist heutzutage ja schnell gemacht- markiert, umgestellt- aber ich habe eine ganze Weile mit mir gerungen und dann doch wieder die altmodische Variante eingestellt- ich hatte beim betrachten meines Bewerbungstextes in der neuen Schrift kein gutes Gefühl, irgendwie schienen mir die Worte nicht mehr zu mir zu passen.

So, das war die Schrift zum Pfingstsonntag!  Hier ist’s trüblig-neb (der Link verweist auf einen Blog-Klassiker meines Blogs, den ich immer wieder mal gern samt Kommentaren lese, um mich aufzuheitern- Ergänzungen stets erwünscht…) ich fühle mich ob eines wirklich netten Festes gestern heute wie gerädert, obwohl wir „schon“ um Mitternacht daheim waren (jaja, alt und nix mehr gewöhnt, ich weiß!) und es wird für uns ein faules Pfingsten ohne größere Termine – liebe Leute, macht Euch schöne Feiertage!

Die Birnen von Ribbeck

Heute habe ich seit langem mal wieder dagestanden mit breitestem grinsen der Welt  im Gesicht und Tränen in den Augen.
Grund: ein Buch, den Namen seht Ihr oben im Titel
Aber nicht wegen des Inhaltes, nein! Sondern wegen der Geschichte, die dieses Exemplar zu mir geführt hat. Und die beginnt im Jahre 2005:

Damals besuchte ich ein BookCrosser-Treffen in Kiel, und da stand im Regal ein dünnes, kleines Buch, in dem ich mich schon während des Treffens etwas festgelesen hatte, und das ich dann mit nach Hause nahm. Es war ein Exemplar von „Die Birnen von Ribbeck“, geschrieben von Friedrich Christian Delius. Gefallen hat mir das damals ganz gut. Überwältigt war ich nicht, aber beeindruckt, daß man ein ganzes Buch in nur einem einzigen Satz schreiben kann, ohne daß das unlesbar wird.
Dieses Buch habe ich dann auch in meine Bookbox „deutsche Sprache“ gesteckt. Da passte es gut rein.

Was ich damals noch nicht wusste, ist, daß dieses Buch mich wirklich nachhaltig beeindruckt hatte. Immer wieder habe ich an es gedacht- ob ich eine Birne gegessen habe, oder ob es hier oder da in einem Gespräch um „Sprache in Büchern“ ging- immer dachte ich an die „Birnen“ und immer wieder habe ich auch gedacht- och, eigentlich würde ich das wirklich gern noch einmal lesen.
Es war aber nie so vordringlich, daß ich mich drum gekümmert hätte.

Nun war in den letzten Wochen im BC-Forum ein thread namens „Sprachstil-talk“ , und auch in diesem thread habe ich mich wieder an das Buch erinnert und geschrieben:

Ich habe eine Allergie gegen

fehlende Groß-/Kleinschreibung. Halte ich selbst bei Blogs nur ganz schwer aus (da muß mich der Blog schon extrem interessieren, damit ich weiterlese). In Büchern: gar nicht. Kommt so-fort weg. *g*
Sonst habe ich auch oft Stil-Probleme, kann die aber nie so recht orten oder auf den Punkt bringen.
Ich hatte mal ein ganzes Buch, das nur aus einem einzigen Satz bestand, und der Autor hat es geschafft, das lesbar und interessant zu halten. Das war immerhin so beeindruckend, daß ich heute noch oft dran denke.
Das würd ich inzwischen- eben weil ich so oft dran denken muß- gern nochmal lesen….
Ja, und nun?
Nun lag eben grade  in meinem Briefkasten ein Päckle- angekündigt durch eine Adreß-Anfrage von lady-liberty wegen einer Überraschung. Ich hatte nicht die geringste Ahnung- eine Überraschung finde ich aber immer gut, und nun war sie also da. Ich öffne das Päckle, und- ein Exemplar von den „Birnen“!!!!!!
Da war diese Frau auf dem riesigen, mehrtägigen BookCrossertreffen in Leipzig, sieht da, im Gewimmel von Menschen und Büchern auf dem Büchertisch das Buch liegen- und denkt an mich und diesen Beitrag im Forum!!!!!!!  Steckt das Buch ein- und schickt es mir zu!!!! Ist das zu glauben????
Eigentlich nicht. Aber genauso ist es passiert.
Danke, Du Liebe! YMMD!!!!

twejuntwennich …

… kleine Gespräche gibt es in dem Buch „Verstehen Sie das, Herr Schmidt?“, in dem ich in letzter Zeit mit wachsender Freude immer mal gelesen habe. Ich gehöre nicht zum Fanclub des Helmut Schmidt (denn dieser Herr Schmidt antwortet auf Fragen eines Zeit-Redakteurs), obwohl ich Loki und Smoky wunderbar finde 😉 und auch durchaus bewundern kann, daß Jemand in diesem Alter noch so viel erinnert, so analysieren kann und so viel zu sagen hat. Trotzdem finde ich diese „Ich rauche, wann und wo ich will, denn ich bin Helmut Schmidt“- Attitüde unmöglich, ebenso wie einige Ansichten und die Überheblichkeit, mit der er diese manchmal vertritt. Und doch war dieses Buch wirklich eine Freude, allein auch schon deshalb, weil man, während man liest, die knarzende Hamburger Stimme gleich mithören kann, so charakteristisch ist des Mannes Ausdrucksweise. Und die mochte ich schon immer.

Aber ich habe auch einige Denkanstöße bekommen- besonders in einem Falle hat sich fast schon ein kleiner Schalter in meinem Hirn gedreht. Und da mir das so oft nun auch wieder nicht passiert, möchte ich gern davon berichten.

Es ist das Gespräch „Über Spekulanten, die Staatsverschuldung und eine Rettung Griechenlands“ Was wird geschehen, wenn Griechenland nicht gerettet werden kann, oder vielleicht auch, wenn es die Sparauflagen nicht erfüllt und deshalb fallengelassen wird. Herr Schmidt sagt als Ende einer Antwort:

„Sicher ist jedenfalls, daß die Griechen, egal, wie es jetzt weitergeht, vor einer Reihe bitterer Jahre stehen.

Daraufhin der Fragesteller- und während ich das lese, erkenne ich mich, die das auch schon öfter mal gedacht und gesagt hat, wieder:

Kann man da nicht sagen: Selber schuld?

Und jetzt Schmidt:

Wissen Sie, ich will das einmal mit der deutschen Situation nach dem Ende des 2. Weltkrieges vergleichen. Natürlich hätten die Amerikaner oder Franzosen damals sagen können: die Deutschen haben selber Schuld, laß sie doch verkommen in ihrem Elend! Das haben sie aber nicht getan. Stattdessen haben die Amerikaner den Marshallplan erfunden (…) Im Verhältnis zur damaligen Lage Deutschlands und zur Hilfsbereitschaft dieser Länder, die wenige Jahre zuvor noch unsere Kriegsfeinde gewesen waren, ist das gegenwärtige griechische Problem ein geringfügiges- und der Teufel soll die europäischen Regierungschefs holen, wenn sie es nicht fertigbrächten, Griechenland zu retten!

Tja.

In demselben Gespräch spricht Schmidt sich auch (er sagt, wie seit Jahrzehnten) für eine rigorose Regulierung der Finanzmärkte aus, und in einem anderen meint er, daß jeder Politiker, der keinen Beruf hat, in den er zurückkehren kann, falls es nicht klappt mit der Politik, viel zu abhängig ist und daß es sowas gar nicht geben dürfte. Undundund. Ich hatte das Buch eigentlich als Geschenk gekauft- aber ich denke, das möchte ich lieber behalten und ab und an mal wieder reingucken… muß ich wohl ein Zweitexemplar anschaffen….  Bücher, die mich zum denken bringen- das gibt es nicht so oft!

Qualitätssiegel: fünf bookdarts.

Luc hatte mir schon vor längerer Zeit von einem Buch berichtet, sehr angetan davon war er gewesen. Ich hatte es mir in Gedanken als „vielleicht mal nehmen, wenn BC mir’s über den Weg spült“ notiert. Und dann war Xirxe hier gewesen und hatte es mir dagelassen, auch sie schwer begeistert. „Ok“, sagte mein innerer Schmierzettel,“das steht eh auf mir, lies‘ das mal!“. Und so stand das Buch dann auf meinem „Zu lesen“-Regal. Und stand. Und stand. Und ich weiß auch, wieso es da so lange stand:

Trotz zweier Empfehlungen hatte ich die Handlung des Buches im Kopf, so wie Luc, Xirxe und der Klappentext sie mir vorgestellt hatten. Und diese Handlung ist:

Ein Mann, der Lehrer Raimund Gregorius, verläßt nach der zufälligen und kurzen morgendlichen Begegnung mit einer portugiesischen Frau ganz plötzlich den Unterricht sowie sein sehr eingefahrenes Leben und nimmt den Nachtzug nach Lissabon auf  der Suche nach den Spuren eines Autors, aber auch nach sich selbst.

Das stimmt. So ist die Handlung, und sehr viel mehr davon hat das Buch auch nicht anzubieten. Aber mich hat diese Handlung nicht besonders gereizt. Und so stand es also, das Buch. Und stand.

Irgendwann endlich habe ich es aber doch mal zur Hand genommen- und da hat es dann gefunkt zwischen mir und dem dicken Schinken! Denn die 2 haben recht: das ist wirklich ein ganz besonderes und schönes Buch, was ich da zwischen den Fingern hatte!

Und deshalb schließe ich mich jetzt den Empfehlungen an. Der „Nachtzug nach Lissabon“ (denn so heißt das Buch) war das erste Buch seit vielen Jahren, in dem am Ende 5 Bookdarts steckten, die Stellen markieren, die ich noch einmal lesen und bedenken wollte. Und als ganzes hat es mich oft zum nachdenken und überlegen gebracht.

Es gibt auch Kritik- gegen Ende hat mich ziemlich genervt, wie der portugiesische Autor, Amadeo de Prado, schon fast zum superman stilisiert wird. Ist es glaubhaft, daß wirklich jeder Mensch, der ihn mal traf, ihn sowas von beeindruckend fand, daß die Begegnung das ganze Leben beeinflusst? Das war mir doch ein bißchen arg und hat auf Dauer auch gestört, auch wenn Pascal Mercier, der Autor des „Nachtzug“ dann noch die Kurve kriegt 😉 Ich möchte da mal Xirxe zitieren, – sie kann so viel besser als ich über Bücher schreiben, und sie hat mit dem, was sie schreibt, einfach recht!!

(…) ist der Schwerpunkt dieser Reise nach Lissabon eine Suche. Die Suche nach dem, was den wahren, echten Menschen ausmacht.
Klingt, als ob sich um einen weiteren der zahllosen Lebensratgeber handelt: Wer bin ich? Was will ich? Erkenne dich selbst! Das Ganze verpackt in eine unterhaltsame Rahmenhandlung, die Gregorius auf der Suche nach einem portugiesischen Autor (Prado) nach Lissabon führt. Doch weit gefehlt. Statt der üblichen mittlerweile alltäglichen Ratschläge wie ‚Gönnen Sie sich eine Auszeit und entdecken Sie, was SIE wollen!‘, legt der Autor Schicht für Schicht all die Einflüsse offen, die das eigene Ich einzwängen, bedrängen, leiten…. Doch ist das was dann bleibt, das eigene ICH?
Durch das Lesen der Schriften des verstorbenen Prados und der Erforschung dessen Lebens erfolgt Gregorius‘ zunehmende Erkenntnis seines eigenen Ich. Prado war besessen von dieser Frage, wer er selber war und Gregorius beginnt verstärkt sich ebenso diesen Fragen zu stellen wie ganz zwangsläufig auch die Leserinnen und Leser.
Doch dies ist nur ein Thema (wenn auch das hauptsächliche) um das dieses Buch kreist. Es geht um Gott, um den Tod, das Miteinander der Menschen… Ein ungemein reichhaltiges, inhaltsschweres Werk das sich dennoch nicht allzu schwer liest. Doch es ist keine Unterhaltungslektüre die nur zu konsumieren ist. Um’s eigene Gedanken machen wird man kaum herum kommen 🙂

Das folgende Zitat ist aus dem „Buch im Buch“, dem Buch, auf dessen Spuren Gregorius wandelt. Über das ganze Buch sind immer wieder lange Zitate in Schrägschrift eingestreut, hier ist also eines, das mich angesprochen hat:

Tja.

——

Auszug aus: Pascal Mercier- Nachtzug nach Lissabon – btb 2006 – S. 163

Berliner Verhältnisse

Mario hatte wahrlich keinen Grund, über ein unerfülltes Leben zu klagen. Daß er trotzdem in eine Krise geriet, hatte nicht mit unbeantworteten Sinnfragen oder einem plötzlichen Ausbruch von beruflichem Ehrgeiz zu tun, sondern mit einem Phänomen, das man wohl als biologisch bezeichnen muß, mit einer nebensächlichen, aber ziemlich unangenehmen Kehrseite des Älterwerdens. Egal, wie laut man nämlich in den Man-ist-so-alt-wie-man-sich-fühlt-Chor mit einstimmt – Fakt bleibt: Ab dem 30. Lebensjahr wird man lärmempfindlicher. Deutsche jedenfalls. Man wird hellhörig, sehnt sich nach Augenblicken der Stille und erträgt das ständige Hintergrundgedudel nicht mehr

Tja. Stimmt. Ich hatte das ja vor einigen Monaten hier im Blog auch schonmal erwähnt. Für oben erwähnten Mario beginnt mit diesem Bedürfnis nach Stille allerdings eine ziemlich abenteuerliche Zeit, denn er will den illegalen Rumänen in seiner WG ihr ausstehendes Schwarzarbeitergeld besorgen, damit sie endlich eine eigenen Wohnung beziehen und er Ruhe hat. Und dann verliebt er sich auch noch…. Das kann ja lustig werden, dachte ich.

Leider hält das Buch mE nicht, was es anfangs mit obigem Zitat und Ähnlichem verspricht. Es gleitet ab in Klamauk, Phrasen und Klischees. Schade!
Nach etwa einem Drittel kam mir das so seltsam und angestrengt vor, daß ich mir – was ich sehr selten tue-  die Buch- und Autorenbeschreibung vorn drin durchgelesen habe. Da wurde mir dann klar, wieso: dort steht, das Buch sei „inspiriert von einem Film-Drehbuch“ geschrieben. Okaaaayyyyy…..

„Berliner Verhältnisse“, Raul Zelik