Brrrrrrrrr – exit

(Diese Kolumne hat Tonio Keller geschrieben und es mir netterweise erlaubt, sie hier zu veröffentlichen. Ich fand sie so witzig und treffend, daß ich ihn darum gebeten hatte. Danke, Tonio!)

Jeder sich selbst

Der italienische Schriftsteller Leonardo Sciascia hat einmal beschrieben, wie er als Lehrer im Sizilien der 1950er Jahre in einer verwilderten Schulklasse das Amt des Klassensprechers einführen wollte, um sie zur Demokratie zu erziehen. Beim ersten Wahldurchgang stellte er fest, dass jeder sich selbst gewählt hatte. Das blieb noch ein paar Mal so, bis den Schülern allmählich dämmerte, dass es so wohl nicht geht.

Ähnliches können wir derzeit im britischen Parlament beobachten, der ältesten noch bestehenden Demokratie der Welt. Da werden gerade immer wieder aufs Neue verschiedene Vorschläge zum Brexit zur Abstimmung gebracht. Auch hierbei sollte es rein rechnerisch klar sein, dass schon bei mehr als zwei Anträgen mit genügend großer Unterstützung nie einer von diesen die Mehrheit bekommt, wenn jeder immer alle außer dem eigenen ablehnt – erst recht bei acht oder zwölf Anträgen, wie sie in London derzeit vorgelegt werden.

Wie ging übrigens die sizilianische Geschichte aus? Nach zähem Ringen gelang es einem, durch Versprechungen und Drohungen genügend Anhänger um sich zu scharen. Kaum gewählt, sah er es als seine Hauptaufgabe an, die anderen zu drangsalieren. Dies nur der Vollständigkeit halber, mit den Briten hat das natürlich nichts zu tun.

 

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freitags für die Zukunft

Nicht „auf der Straße“, sondern in einem Naturgarten – schon lange VOR Beginn der Schülerdemos gesehen. Ist durchaus kompatibel (der Garten mit den Demos) 🙂

Heute „streiken“ sie wieder, die jungen Leute. Immer freitags, immer „für die Zukunft“

Inzwischen habe ich verstanden, für was sie auf die Straße gehen – das hat eine ganze Weile gedauert, weil ich zu Beginn nur Allgemeinplätze auf den Schildern las, nur Wortblasen in den kurzen Interviews hörte. Oder „gegen“s, nicht „für“s. (Gegen den Kohleabbau, gegen ein „weiter so“ ) Außer „für das Klima“ – najaaaaaa …. ein ganz winziges bißchen konkreter dürfte das schon sein – Atomkraftwerke sind auch klimafreundlich. Also, nur zum Beispiel mal. *gg*

Inzwischen aber haben sie ein wenig konkretisiert, worum es ihnen geht, und ich finde toll, was sie auf die Füße stellen, jede Woche wieder – und in welchen Mengen (mehr als 1,5 Millionen letztens), in wie vielen Ländern (120, laut „Time“)!

Schade finde ich nach wie vor, daß sie das in der Schulzeit machen. Anfangs konnte ich die Gründe einigermaßen nachvollziehen und glaube tatsächlich, daß sie das auch richtig eingeschätzt haben: ohne die „Schulschwänzdebatte“ hätte man sie einfach totgeschwiegen. Inzwischen denke ich, dies Argument zählt nicht mehr – und sie könnten viel mehr Leute mobilisieren, wenn sie ihre Demos auf den späteren Nachmittag legen würden. Kann doch nicht schaden, arbeitende Menschen mit einzubeziehen!?

Trotzdem kann ich die Selbstgefälligkeit, mit der die Herren und Damen, die normalerweise in der Öffentlichkeit vornan stehen, das Geschehen kommentieren, nur erbärmlich finden: Streik dürfe man das nicht nennen, weil das Wort den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen bezeichne, so wortklauben die einen. Die anderen sprechen den Jugendlichen das Recht auf Protest ab „weil sie nicht alle globalen Zusammenhänge verstehen können“. Und die nächsten hängen sich am Schulschwänz-Thema auf und lassen das, worum es geht, links liegen.

Daß die SchülerInnen und StudentInnen sich durch sowas nicht entmutigen lassen, finde ich gut. Ich hoffe, sie beweisen langen Atem, auch wenn sie nicht mehr jede Woche die große Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben und auch, wenn es wieder mal seeeeeeeehr lange dauert, bis sich was ändert. Und ich hoffe, sie machen mehr als demonstrieren: ich hoffe, sie alle ändern bei sich selbst daheim im kleinen, was sie ändern können. Lassen sich nicht vom Mutti-Taxi überall hin chauffieren, sondern setzen sich aufs Rad. Nehmen sich auf die Demo eine Trinkflasche mit, statt sich zum aufwärmen in der Bäckerei Kaffee im ToGo-Becher zu kaufen. Gucken sich mal den Fellbüschel an ihrem Mantelkragen an und kaufen das nächste Mal keine 100%-Polyacryl mit Echtfellkragen. Nur mal so als Beispiel.

So viel dazu, wie ich ganz persönlich diese „jungen Demos“ sehe – wer ein paar mehr Fakten möchte und ein gut fundiertes Plädoyer für mehr Respekt für sie und ihre Anliegen lesen mag (das mich zu diesen Zeilen veranlaßt hat), der klicke hier

 

 

Hilfreich!

Habe von Ladypark den Link zu einem Artikel geschickt bekommen, der mir mit meiner Frage danach, was wohl all die Anti -Flüchtlings/ -Merkel/ -wasauchimmer-Demonstranten umtreibt, weitergeholfen hat.

Ist nicht allzu lang, lesen lohnt:

*klick*

Erschreckend, in mehr als einer Hinsicht:

  • Jemand beschimpft Leute, rudert aber dann zurück, wenn er feststellt, daß es LEUTE – also, ECHTE Leute – sind?
  • Social media – ich bin dort nicht vertreten, aber in irgendwelchen Filterblasen sicherlich auch, allein dadurch, daß ich lese, was ich lese (zB Printmedien, und da bestimmte, statt FB und Co) sehe, was ich sehe (zB Tagesthemen statt RTL-news) und höre, was ich höre (zB DLF statt RSH) Daß es SO heftig sein kann, war mir allerdings nicht klar und IST erschreckend,
  • denn: bin ich weniger naiv als beliebige andere Nachrichtenkonsumenten, was das Faktum angeht, daß ich erstmal Nachrichten als echt ansehe, die ich lese/ sehe? Nein.
  • Ich wüßte übrigens auch garnicht, wie ich Nachrichten auf ihren Echtheitsgehalt überprüfen könnte. (Wie geht eine Rückwärts-Bildsuche??? Nur als Beispiel)

Allerdings ist der Artikel auch erfreulich – dahingehend, daß dieser Mensch Konsequenzen gezogen hat. Wobei dann ja gleich das nächste Erschreckende auf dem Fuße folgt: daß seine „Freunde“ ihn so anfeinden, als er sie aufmerksam machen will, daß er den Rückzug antritt. Was ich verständlich, aber schade finde. Wer könnte besser als so Jemand als Multiplikator wirken??

Wobei der Artikel mir allerdings nicht hilft: bei der Antwort auf die Frage „Und jetzt???“ Jeden Hetzer persönlich aufzusuchen ist ja wohl keine realistische Option. Was aber ist eine?

(Der verlinkte Artikel ist ein Kapitel eines neuen Buches. Dessen Rezension hab ich gleich mal gelesen, aber der Schwerpunkt des Buches scheint anders zu liegen. Schade! Falls es doch jemand besorgt, bin ich aber an einer Ausleihe interessiert, vielleicht ist ja nur die Rezension unvollständig)


Nachtrag. Gestern nicht Tagesthemen, aber heute-journal gesehen. Die Umfragen des Politbarometers liessen mich hoffen, daß die ganze Berichterstattung eben doch das Problem nochmal größer erscheinen läßt als es ist – und daß mein Empfinden, daß in meiner realen Umgebung eigentlich nix zu merken ist vom Rechtsruck, nicht der Filterblase, sondern der Realität entspricht:
77% der Befragten sehen rechtsextremes Gedankengut in der AfD weit verbreitet. Und, andere Frage, ergänzend-erhellende Antwort: für 79 Prozent der Befragten stellt der Rechtsextremismus eine große Gefahr für unsere Demokratie dar. (Bleibt nur eine Frage offen: wie viele davon sind FROH, daß die Demokratie in Gefahr geraten könnte?? Fällt mir gerade jetzt erst beim schreiben ein – vorher hatte ich einfach mal als gesetzt gesehen, daß die 79% allesamt ERSCHRECKT sind von dem Gedanken, aber das muß ja garnicht sein….)

Das Ding ist….

… daß ich inzwischen schon viele Zeitungs- und Blogartikel zum Thema gelesen habe, Interviews und Radiobeiträge gehört – und doch noch immer nicht verstanden habe, was all die Anti -Flüchtlings/ -Merkel/ -wasauchimmer-Demonstranten umtreibt. (Also jetzt mal die, denen ich erstmal keinen Radikalismus unterstelle. Von den anderen will ich hier mal nicht schreiben, was die wollen und daß sie sich derzeit grinsend die Hände reiben, das ist klar)

Ja, es sind einige hunderttausend Flüchtlinge gekommen.
Ja, es gab kurzfristig „ungeordnete Zustände“.
Ja, auch unter den Gekommenen sind Kriminelle, Ar***lö****, Spinner, Fanatiker, sogar einzelne Terroristen.

Und jetzt?

Wären letztere nicht als Flüchtlinge gekommen, wären sie unter anderer Flagge eingereist. Sind sie ja zum größten Teil auch, übrigens. Kriminelle gibt es nunmal in allen Völkern, ebenso wie Ar***lö****, Spinner, Fanatiker (was man ja leider bei besagten Demos auch immer wieder beobachten kann). Und sogar Terroristen, ich sag mal nur NSU.

Die Allermeisten leben ganz normal vor sich hin, manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Die Allermeisten aller Nationalitäten.

Inzwischen kommen kaum noch Flüchtlinge nach (daß der Preis ist, daß sie in „ihren Ländern“ umkommen, auf dem Meer ertrinken oder unter menschenunwürdigen Umständen in anderen Ländern in Lagern leben, what shall’s? Hier ist Ruhe….), alles hat seine Ordnung, auch wenn nach wie vor an den hohen Bergen von Asylanträgen herumgearbeitet wird – also, wo um Himmels willen liegt das Problem??????

Ich verstehe es einfach nicht!


Nachtrag:

Aber immer noch sind es doch NUR UM DIE 20%, die die Rechten unterstützen!!!
80% tun das nicht!!!!!!

Und offenbar (grün ist die Farbe der Hoffnung) beginnen die 80% jetzt auch mal, sich zu rühren. In Blogs oder auf Demos oder per Twitter oder…. aber immerhin, sie rühren sich. Es wird Zeit!

 

 

Nix klappt…

Bin einer Online-Betrugsfirma aufgesessen, habe per Vorkasse bestellt, gleich eine Bestätigung und Kontodaten bekommen, bezahlt, dann nie wieder was gehört – keine Antwort auf Mails und ständig besetzte Telefonnummer. Länger gehofft und gewartet, aber, wie mein Vater immer zitiert: „Hoffen und harren hält manchen zum Narren“….

Ist nicht viel Geld, denn viel Geld würde ich nicht per Vorkasse geben, aber so stehen lassen will ich das nicht.

Nach Wochen im Netz ein wenig gesucht, eine Seite namens „shopauskunft“ gefunden, dort waren schon viele Doofe, denen es genauso gegangen ist mit dieser Firma, offenbar läuft das seit etwa einem Jahr so bei denen.

Also Anzeige. Vor 14 Tagen Anruf bei der örtlichen Zentraldorf-Polizei: man sei immer donnerstags von 8-12 dort, einfach alles mitbringen und Anzeige erstatten.

Also heute, endlich mal Zeit, um 9 hin. Keiner da. Angerufen – keiner geht ran. Ja, kann das wahr sein??

Zentrale in FL angerufen (Nr. stand an der Tür) – dort war man – ich sag mal etwas irritiert. Der Mann dort hat selbst zu kontaktieren versucht, rief mich dann schnell zurück, nachdem er ebensowenig Erfolg damit gehabt hatte wie ich. „Dann müssen die halt bei Ihnen vorbeikommen, nach 13 Uhr wäre das!“ Tja, leiderleider…. da arbeite ich schon. Ich könne dann nur noch wann anders oder woanders meine Anzeige erstatten, oder ich könne die Onlinewache nutzen. Sei recht einfach. Ich bedanke mich, der ist ja selbst genervt und kann nix dafür, und er hat sich sehr nett bemüht.

Von der Onlinewache komme ich jetzt grad. Internetbetrug war auswählbar, und nach Eingabe meiner ganzen persönlichen Daten – bietet man mir ausschließlich an, eine Plattform anzugeben, eine Artikelnummer und später dann auch den Nickname des Verkäufers – alles nicht zutreffend für mich, weil ich ja bei einer richtigen Firma bestellt habe, aber anscheinend gibt es für die Polizei Internetbetrug nur auf e***, Am**** und Co.

Leckt mich doch alle, ich fahr halt nächste Woche nochmal los, oder in zwei Wochen oder drei…. wenn ich halt mal wieder donnerstags morgens Zeit finde – und rufe vorher an, ob auch wirklich wer da ist ….

Lesen! ;-)

Wieder einmal hat sich Jemand die Mühe gemacht, einen wirklich guten Artikel zu schreiben. Ich warne: es ist ein langer, und er enthält auch noch interessante Links (@teff: zB neue Nahrung für den Nestlé-Boykott *g*) Es braucht also etwas Zeit, ihn zu lesen. Der für mich interessantere Teil ist die zweite Hälfte, in der es um den Anteil geht, den JedeR an dem hat, was gerade aktuell passiert. Und in dem Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Der Beitrag heißt, bitte schön:

Das sind die Grenzen

Einen offenen Brief

an den neuen Herrn Innenminister betreffend seine Aussagen über die NGO, die auf Lebensrettungsmission unterwegs sind, habe ich heute zugeschickt bekommen. Einen offenen Brief, der manches klar und deutlich sagt, was ich in dieser Deutlichkeit noch nirgends gehört oder gelesen habe. Leider auch nicht von Seiten der Opposition oder der sich, soweit ich das mitkriege, inhaltlich wegduckenden Koalitionspartnerin SPD.

Ein Auszug:

Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Menschen gefoltert und versklavt und vergewaltigt werden – ganz bildlich in Libyen. Stellen Sie sich vor, wie diese Menschen in ihrer Verzweiflung alles tun, um Libyen entkommen zu können. Stellen Sie sich vor, dass der einzige Weg ein Schlauchboot ist und dass man für diesen lebensgefährlichen Weg dann noch viel Geld bei kriminellen und gewalttätigen Schlepperbanden bezahlen muss.

Stellen Sie sich vor, dass dort Männer, Frauen und Kinder – die nie schwimmen gelernt haben – auf überfüllten Booten ins Wasser fallen – ohne Schwimmweste. Stellen Sie sich den Kampf gegen das Wasser vor, das langsam aber sicher ihre Lungen füllt, bis sie ertrinken. Stellen Sie sich vor, dass Sie fordern, dass diesen Menschen nicht geholfen wird.

Und wenn Sie bereit sind, sich das vorzustellen und nun sagen: “Aber ohne die Nichtregierungsorganisationen gäbe es das ja nicht”, dann müssen wir Ihnen sagen: Sie liegen falsch. Nicht weil wir eine andere Meinung haben, sondern weil die meisten Menschen in den letzten Jahren gar nicht von NGOs gerettet wurden und weil wir wissen, dass die Menschen auch höhere Risiken eingehen. Wir haben uns als NGOs gegründet, nachdem tausende ertrunken sind – nicht davor.

Quelle und gesamter Brief: Mission Lifeline

Es ist so unsagbar peinlich, was die CSU da momentan aufführt – ja, aufführt – ich kann das nur als Theaterstück sehen, aber leider wird dieses Theater auf den Rücken von Menschen gespielt. Und unsere sich christlich nennenden „Volksparteien“ sind bereit, dies hinzunehmen.

Ich warte schon seit bummelig anderthalb Jahren darauf, daß sich CDU und CSU endlich trennen. In den letzten Tagen sieht es leider so aus, als ob das auch diesmal nichts wird. WARUM bloß halten Merkel und Co so an diesen Kasperles fest, die immer unmenschlicher, immer dreister, immer zynischer versuchen, ihre Machtwünsche durchzusetzen, und die den Populisten hinterherzulaufen versuchen, obwohl das nicht glücken KANN. Ich verstehe es einfach nicht!

Just my 2 cents….

Nochmal nachgelegt. Aber anders.

Allgemeines Unbehagen, im Allgäu offenbar schon länger ein Thema ….

Zu einem ganz anderen Thema nämlich:

Als ich letztlich über DIE MENSCHEN schrieb, über das, was sie wollen könnten oder MAN meint daß sie wollen würden und darüber, wie ignoriert ich mich dabei mit meinem Wollen fühle, da kam ein Kommentar eines mir unbekannten Menschen hereingeflattert, der sich zum echten Zeitfresser entwickeln sollte (der Kommentar, nicht der Mensch *g*). Der Kommentar wies mich auf einen Text zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen hin, den ich großartig fand. (Ihr, die Ihr Verfechter des BGE seid, laßt Euch bitte nicht vom Titel abhalten zu lesen – das ganze ist sehr viel differenzierter als der vermuten läßt!!) Darüber kam ich auf den dort verlinkten Ergänzungstext, der sich mit dem Feedback zum Text befaßt, dann wollte ich wissen: wer schreibt denn da und warum, und dann – waren Stunden vergangen…..

Ich habe nun ganz am Anfang dieses Blogs, Ende 2016,  zu lesen begonnen und bedauere sehr, daß ich zu spät dran bin, um sozusagen in Echtzeit mitzuverfolgen, was sich da getan hat – denn ich musste feststellen, daß auch die Kommentare sehr interessant und bereichernd für mich sind.

Womit startet dieser Blog? Mit einem Text über die Ursache seines Entstehens, genannt „Das große Unbehagen“ ….  und damit beißt sich die Katze sozusagen in den Schwanz, denn ein ähnlich gelagertes allgemeines Unbehagen, auf einen Punkt kristallisiert, der mich halt grad besonders genervt hatte, hat ja auch mich zu meinem Text veranlaßt.

Ich werde mich langsam aber sicher da durchackern. Vielleicht finde ich ja ein paar Antworten – auf jeden Fall aber Anregung, Ideen, Nachdenkenswertes. Und jetzt wißt auch Ihr Bescheid und könnt klicken oder nicht *g* – wer weiß?


Und jetzt noch was zum lachen, in dieser Minute beim durchforsten meiner Newsfeeds entdeckt bei Onkel Maike

Ich jedenfalls hab mich gut gehögt!!! 🙂

„Die Menschen wollen …“

  • nicht über Personal reden, sondern über ….
  • jetzt Antworten von uns hören zu…..
  • daß wir die Themen aufgreifen, die sie interessieren, und das sind…..
  • daß wir uns wichtigen Themen zuwenden wie……

höre ich in den letzten Wochen aus den Nachrichtensendungen tönen. Wer das sagt, das sind unsere PolitikerInnen, die ein neues Lieblings-Dummsprech gefunden haben, nämlich das von „den Menschen„, von denen sie allesamt behaupten genau zu wissen, was die wollen.

Sie wissen es aber nicht! Denn es gibt nicht „die Menschen“ – es gibt sehr unterschiedliche, und die wollen ganz unterschiedliches. Meineeine zum Beispiel möchte eine Menge Dinge, von denen keine Rede (mehr) ist. Ich möchte zB

  • eine Agrarwende hin zum ökologischen, und zwar sofort
  • die Erhöhung des Mindestlohnes, vielleicht sogar das bedingungslose Grundeinkommen – das weiß ich immer noch nicht so genau *g*
  • eine Bürgerversicherung, mindestens, lieber aber eine Änderung des ganzen Gesundheitsystems
  • das Ende der Braunkohle
  • Familiennachzug auch für subsidiär geschützte Flüchtlinge, und zwar sofort (man könnte ja, wenn man zu viel Angst vor zu vielen Flüchtlingen hat, bestimmen, daß das eine Bestandsschutzregelung für alle die ist, die schon hier sind – aber nicht gilt für Diejenigen, die meinetwegen erst ab Sommer hier ankommen. Die wissen dann, auf was sie sich einlassen. Die jetzt schon hier bzw auf dem Weg sind, sind ja unter der Prämisse der Nachzugsmöglichkeit gestartet!!! Ich finde das zutiefst unmenschlich, ihnen jetzt zu sagen „och, Du bist 2 Jahre hier und wartest, daß es endlich losgeht – jetzt erzählen wir Dir mal, daß alles anders ist und Du Deine Kinder nicht wiedersehen wirst“)
  • Umstellung der „Energiewende“ auf umweltverträgliche Maßnahmen (zB ein Ende des Vollwärmeschutzes und der Biogasanlagen, die Ackerfrüchte vergasen)
  • und ganz sicher keine Groko, lieber eine Minderheitsregierung

Ich weiß mich mit diesen Wünschen nicht alleine. „Die Menschen“ gibt es nicht, aber all die, die meine Wünsche teilen, werden derzeit einfach ignoriert. Es wird stattdessen behauptet, man wisse, was „die Menschen“ wollen, nämlich das, was man als Groko gerade so zusammengekungelt hat …. ich fühle mich bei diesem ständigen „die Menschen“ für dumm verkauft, genauso wie wenn das Immergleiche Weiterso als „Erneuerung“ tituliert wird.

Das übrigens ist das, was wirklich „die Menschen“ zu bewegen scheint, egal wohin man horcht: nämlich, daß sie so dumm nicht sind und sich gegen diese Ignoranz zur Wehr setzen. Leiderleider scheint das immer mehr Denen in die Hände zu spielen, die „die Menschen“ auf noch viel schlimmere Weise für dumm verkaufen als unsere Weitersos, den Populisten. Mich gruselt!

Ich hoffe sehr auf die Basis-Abstimmung in der SPD, auch wenn es verdammt unsicher ist, was geschähe, wenn jetzt, wo es eigentlich meinem Gefühl nach eher „zu spät“ ist, die Groko noch verhindert wird.

Warten wir’s ab.

——

P.S. Kennt Ihr das auch, das sich ein Wort umso absurder anhört und anfühlt, je öfter man’s sagt oder schreibt? Mir geht das grad so – hab mich sogar kurz gefragt, ob man „die Menschen“ tatsächlich so schreibt *gg*

 

Über die Integrationsleistung von Arbeit

Wünsche M., Iraker und seit ca drei Jahren in Deutschland, per Telegram* ein gutes neues Jahr und frage, ob er inzwischen Arbeit hat. Hat er, schreibt er, in einer Autolackiererei in der Stadt.

Und, frage ich, ist die Arbeit gut, sind die Kollegen und der Chef nett?

Die Arbeit ist okay, antwortet er. Aber Chef und Kollegen sprechen nur polnisch.


* sowas wie WhatsApp ohne Datensammelei

Mannmannmann

Familienzusammenführungen weiter aussetzen – was die CSU, die christlich soziale Union, da erreicht hat, für die doch die Familie als Keimzelle der Gesellschaft oberste Priorität hat – offenbar nur dann, wenn es die deutsche Familie ist – das kann nur begrüßen, wer erstens niemals nachdenkt (wie, bitteschön, soll sich Jemand hier einfügen, der jahrelang unter der Trennung von seiner Familie leidet – der es wahrscheinlich auch noch existenziell schlecht geht, während er hier gezwungenermaßen tatenlos wartet und immer weiter vertröstet wird) und wer zweitens niemanden auch nur ansatzweise kennt, der betroffen ist.

Ihr braucht einen SEHR langen Löffel, Ihr „Christen“!

Ich allerdings kenne Jemanden, der betroffen ist*, der vorgestern abend mit Tränen in den Augen vor mir saß und zu mir sagte „Was ist Dein Rat?“

Ich konnte ihm nur einen geben: warte zumindest mit irgendwelchen Entscheidungen noch ab, bis die Koalitionsverhandlungen durch sind. Immerhin gibt es da noch die Grünen, die mitverhandeln. Was CDU und CSU da ausgekungelt haben ist unmenschlich, aber es ist noch nicht „durch“. Und dann berate Dich mit Deinem Anwalt: Immerhin hast Du subsidiären Schutz bekommen, vielleicht gilt bestandsschutzmäßig was Dir, wie Du sagtest, schriftlich zugesichert ist: daß Du Deine Familie 2018, nach dann über DREI Jahren, nachholen darfst.


*Seine Frau und seine zwei Kinder hat M. seit über zwei Jahren nicht gesehen. Sie sind inzwischen in der Türkei. Er überlegt, ob er, wenn er denn Arbeit hat, vielleicht alle paar Wochen einmal dorthin zu Besuch fahren kann


Mich macht das zynisch-unmenschliche dieser Möchtegernchristen wütend, ebenso wie mich meine eigene Hilflosigkeit wütend macht.

Dampf

Lange schon bin ich immer wieder vorbeigefahren an diesem Schild in Flensburg. Lange schon dachte ich mir „das mußt Du unbedingt mal fotografieren!“ Nun gab es gleich zwei gute Gründe: erstens, profan: ich war in der Nähe, und das auch noch zu Fuß. Und zweitens: ein anderes Schild in Rieseby, bei dem ich das auch seit Jahren gedacht hatte, ist – weg!

Dies hier allerdings war noch da, und mir gefallen sowohl die altmodischen Buchstaben als auch der ebenso altmodische Aufbau des Schildes. Tja, und dann gibt es auch noch den tagesaktuellen Bezug:

Ich hätte gern gejubelt: Ja, genau, die bleiben draußen!!! Aber nuja….. es ist Dampf im Kessel der Unzufriedenen, und dieser Dampf mußte wohl abgelassen werden 😦 Hoffen wir mal, daß es diesen Rechten genauso geht wie denen zuvor: daß sie sich selbst so zerlegen, daß sich das bis zum nächsten Mal erledigt.

Auch noch unentschlossen?

Sonntag wird gewählt, und mir fällt’s schwer wie nie, denn eigentlich finde ich die mir wichtigen Themen von allen zur Wahl stehenden parteien nicht entschieden genug vertreten. Wahrscheinlich ist der Umweltgedanke nicht mehr modern genug, und auch meine Auffassungen von „richtig“ bei den sozialen Themen finde ich zwar in Wahlprogrammen wieder, nicht aber habe ich das Gefühl, daß irgendeine der Parteien sich wirklich gerademacht dafür. Die Prioritäten liegen bei Allen bei anderen Themen oder Schwerpunkten, die mich kaltlassen.

Den Wahl-O-Maten nutze ich seit Jahren, aber eher aus Info-Gründen, denn er schlägt mir jedesmal dieselbe leider aus anderen Gründen für mich nicht wählbare Partei vor. Tatsächlich überlege ich diesmal, ob ich nicht doch mal auf ihn hören soll, aber eigentlich geht das nicht….
Beruhigend allerdings ist für mich jedesmal wieder, wie weit abgeschlagen bei mir sämtliche „Extremparteien“, egal in welche Richtung, sind.
Noch eine Zusatzinfo: bei der letzten S-H-Wahl hatte die AFD, so las ich, schlauerweise Antworten vorgegeben, die zT mit ihrem Wahlprogramm nicht übereinstimmten – um beim Wahl-O-Maten bei Gemäßigteren besser abzuschneiden! Ich hoffe, daß das nur eine Ente war (allerdings hatte ich mich bei diesem Wahl-O-Maten-Durchgang gewundert, daß sie diesmal nicht gar so abgeschlagen in meinem Ergebnis gewesen waren, insofern könnte was dran sein) Sollte es so sein, hoffe ich, man hat beim Wahl-O-Maten draus gelernt…..
aber der sollte ja eh nicht die einzige Entscheidungsfindungshilfe sein….

Beim verrückten Huhn fand ich nun in den Kommentaren noch eine andere Entscheidungshilfe:

Beim Wal wird gezeigt, wie die Parteien, die in der letzten Wahlperiode im Bundestag waren, bei realen Abstimmungen gestimmt haben – verglichen mit den eigenen Entscheidungen (die man natürlich erst eintippen muß) Es kann natürlich nur mit den Parteien verglichen werden, die auch abstimmen konnten, also mit Linker, Grünen, CDU und SPD. Schade eigentlich….. denn das ganze ist ziemlich spannend, muß ich sagen – und da lande ich dann doch wieder bei meiner „Stammpartei“.

Achach……

Egal. Ist ja legal.

Vielleicht liege ich ja total falsch, aber ich dachte immer, wenn man Politiker (PARTEIpolitiker) wird, dann tut man das aus Überzeugung, nicht wegen Geld oder Pöstchen oder Macht oder…. natürlich können sich Überzeugungen ändern, und dann kann man ja auch aus der einen Partei aus- und in die andere eintreten. Alles okay.

Aber wenn man für eine Partei in eine Regierung gewählt wurde, und dann erfährt man, daß man für die nächste Wahl nicht gelistet wird – und man bespricht sich daraufhin mit einer anderen Partei. Und dann wechselt man die Partei, und weil die Regierungsmehrheit der Partei, der man vorher angehörte, sehr dünn ist, stellt das alle Mehrheiten auf den Kopf und es muß neu gewählt werden – liege ich dann total falsch, wenn ich finde: das ist aber sowas von daneben, wenn es auch legal ist!?
Meiner Ansicht nach hätte diese Dame, die das in Niedersachsen gestern genau so gemacht hat, ihr Mandat zugunsten eines Parteimitgliedes ihrer alten Partei niederlegen müssen. Aber das will sie nicht tun.
Die Dame hat selbst als Grund für ihr Verhalten angegeben, daß es nix mit Überzeugungen zu tun hat, sondern mit dem sonst verlorenen Posten. Da liegt der Gedanke nahe, daß ihr vielleicht ja doch – was die Beteiligten abstreiten – ein Pöstchen in der neuen Partei zugesichert worden war, denn sonst würde ihr der Wechsel ja nix nutzen, was ihre Versorgungssicherheit angeht. Aber vielleicht liege ich ja auch da total falsch ….

Im Grunde ists mir ja ziemlich latte, wer in Niedersachsen regiert, aber dieses Verhalten finde ich einfach unerhört! Oder übersehe ich da was? Sagt’s mir!

😦

(Ich bekam einen) Denkanstoß

(…)Auch in anderen Artikeln wurde erwähnt, dass der Anteil der Leute mit rechten oder migrantenfeindlichen Einstellungen in den neuen Bundesländern höher ist, aber hier wurde eindeutig differenzierter berichtet.
Dabei könnte man deren Lebenserfahrungen auch nutzen, um vielleicht den Flüchtlingen, die jetzt hier ankommen, besser helfen zu können, finde ich. Die ehemaligen DDR-Bürger wissen nämlich genau, wie das ist, wenn man in ein völlig fremdes Gesellschaftssystem kommt und auf einmal alles, bis in den Alltag hinein, anders ist und die bisher gemachten Erfahrungen überhaupt nichts mehr nützen. Sie kennen das Gefühl, den einst in unerreichbarer Ferne liegenden „Goldenen Westen“ zu erreichen und nun zu sehen, dass der gar nicht so golden ist. Sie wissen, wie es ist, in einem Land zu stehen und nicht zu wissen, wie es weiter geht, was nun kommt, keine Arbeit und kein Geld zu haben und sich aus dieser Situation mit Zukunftsangst und dem Gefühl, Menschen zweiter Klasse zu sein, nicht aus eigener Kraft befreien zu können. Und sie wissen, was aus solchen Gefühlen entstehen kann! Sie haben gelernt, mehr oder weniger gut mit der Frustration und Enttäuschung klar zu kommen und sich von 0 etwas aufzubauen. Ich finde, man sollte diese Erfahrungen nutzen, aber damit man das kann, darf man nicht weiterhin einfach über die Ängste und Sorgen der Menschen hier hinwegschauen, sondern muss ihnen auf einer Höhe begegnen, ihnen wirklich zuhören und sie so mit ins Boot holen.

(aus einem Journal-entry für ein BookCrossing-Buch)

(Jetzt folgen spontan geschriebene Überlegungen nach dem lesen dieses Journal-entrys)

Schwupps, kamen bei mir Fragen über Fragen hoch:
Warum ist denn dann die Fremdenfeindlichkeit im Osten so markant stärker als im Westen? Und warum gibt es so wenig Empathie Leuten gegenüber, denen es doch ähnlich geht, und die man vielleicht gerade aufgrund ähnlicher Erfahrungen gut unterstützen könnte (den Flüchtlingen)?
Ich habe mich das schon oft gefragt, und ich komme zu keiner Antwort.

  • Ist es wirklich die andere Kultur, das andere Aussehen (also das „keine Deutschen“-Thema)?
  • Oder ist es Angst davor, etwas weggenommen zu kriegen?
  • Neid? (Es gehen ja immer wieder so Gerüchte um, daß „die alles kriegen und wir nichts“ und so, aber das wäre ja hier im Westen dasselbe, eigentlich)

Ich versteh’s einfach nicht 😦
Dann taucht beim schreiben grad noch eine andere Frage bei mir auf: ich bin noch nie auf die Idee gekommen, daß es ja wirklich schlau sein könnte, die „Ossi- Erfahrungen“ zu nutzen, um als Gesellschaft nicht dieselben Fehler immer wieder zu machen. Ich als Ur-Wessi habe diese Erfahrungen aus dem Zitat damals überhaupt nicht wahrgenommen – und ehrlich gesagt bis jetzt nicht – , sondern war von all den enthusiasmierten Menschen beider Seiten völlig genervt: ich konnte den Enthusiasmus nicht teilen und habe eigentlich überhaupt nicht eingesehen, warum ich froh sein soll, daß ein fremdes Land plötzlich zu Deutschland gehören soll (ich bin aufgewachsen damit, daß die DDR ein anderes Land ist wie Spanien, Italien oder die Schweiz, nichts anderes) Ja, und dann sollte ich nicht nur über Jahre Geld geben (Solidaritätszuschlag), sondern mich auch noch fortwährend  freuen *g* Irgendwie ging es den Leuten aus der DDR nicht schlecht genug, um mein Mitgefühl zu bekommen – und dann forderten sie auch noch. Will sagen, ich bin eigentlich genau so Eine, die wahrscheinlich als der überhebliche Arrogant-Klischee-Wessi wahrgenommen wurde, tatsächlich aber auch den selbstmitleidigen, aber dreisten Klischee-Ossi vor sich sah….. ohje!

Ich hoffe, jetzt nicht selbst die Antwort gegeben zu haben auf meine Fragen – daß dieses gegenseitige totale Unverständnis dazu geführt hat, daß sich „eine Dynamik des geschlagenen Kindes“ entwickelt hat – das mißhandelte (Ossi-)Kind, benimmt sich jetzt, erwachsen geworden, den neuen (Flüchtlings-)Kindern gegenüber genauso, wie man es einmal behandelt hat 😦 – und das meine ich jetzt wirklich überhaupt nicht ironisch, ich überlege im schreiben, sozusagen.

Puh.