Sonntag in Schleswig-Holstein:

„Der Bienenfreund“ Hans Thoma, 1863

Heute im Plan:

  • wählen gehen
  • Bienen durchgucken

Daumen drücken, bitte sehr

  • daß die AFD unter 5% kommt (GANZ unrealistisch ist das nicht, die Prognosen gehen gen 6%. Aber nuja, Prognosen….)
  • daß wir zumindest nur EIN Volk auflösen müssen (die Kringelchen sind zu 98% sicher buckelbrütig) und einige Drohnenbeobachtungen beim Mondvolk nichts böses bedeuten

Tschä, das also habe ich gestern, Samstag, Mittag geschrieben. Und dann bin ich rausgegangen, wo zu meiner großen Verwunderung trotz Bewölkung und nicht gerade warmen Temperaturen knapp über 10° vor allen Völkern die Bienen in Massen unterwegs waren. Aber was für Töne musste ich hören? Es summte viel zu hoch, viel zu laut – und auch beim Mondvolk: DROHNEN! Jemine…. Also haben wir umdisponiert, nachdem der Herr F. auch dazugekommen war, und haben gleich heute geschaut, hoffend, daß wir abends noch Bienenbesitzer sein würden….

Die Bienen sind immer, aber auch immer für Überraschungen gut!
Diesmal für schöne Überraschungen: Mondvolk und Sonnenvolk hatten zwar nicht gerade üppige und lückenlose, aber doch vorhandene Brutnester mit Arbeiterinnen- und Drohnenbrut. Das war prima, denn bei diesen Witterungen ist nicht zu erwarten, daß die Königinnen sehr viel stiften. Trotz Raps- und Obstblüte haben wir Futterwaben dringelassen, denn Biens haben keine Chance, die schönen Trachten genügend zu nutzen, um auch nur ihre Brut zu versorgen, geschweige denn, Honig einzutragen. Außerdem ist es außer zu kalt auch viel zu trocken (jetzt auch bei uns), was durch den dauernden starken Wind noch verstärkt wird. Und wenn es sehr trocken ist, dann honigen die Pflanzen auch nicht gut. Aber uns ist ja alles recht, wenn es den Bienen bloß gut geht, selbst wenn wir gar keinen Honig bekommen ….

Und dann zu den Kringelchen – und: juchhu! Tatsächlich waren größere Flächen inzwischen verdeckelt – und nicht buckelbrütig, die Königin lebt also und kann befruchtete Eier legen 🙂 Alle drei Völker wohlauf!!!

Wir sind uns einig, noch nie im Mai so viele Drohnen gesehen zu haben – aber offenbar meinen die Bienen, daß sie das so haben wollen, jedenfalls liegt es nicht daran, daß die Völker ihre Königinnen verloren haben 🙂

Unsere Pläne, doch noch einen vorweggenommenen Schwarm zu machen, mit dem wir eine der TBH neubesiedeln könnten, sind damit wieder in erreichbare Nähe gerückt. Und Honig gibt’s dann vielleicht ja noch von der Linde….. oder eben nicht…..

Ja, ist es denn die Möglichkeit????

Heute (am 13. April – KEIN Freitag, das ist wichtig für den Fortlauf der Geschichte 😉 ), an der Türe: der Hermes-Bote mit einem Paket. Das könnte jetzt eine gute Nachricht sein. Ein Paket zu bekommen ist immer was schönes, sollte man meinen – aber nuja, diesmal ist das anders. Aber von vorne:

Am 6. April habe ich in Schleswig an der Tanke ein Paket abgegeben.

Am 8. hatte ich eine Karte von Hermes im Kasten, im Carport sei ein Paket. Ich hin – lag da dasselbe Paket, allerdings ohne Adreßaufkleber. Sch***, was‘ das? Okay, kann passieren, ich also am Sonntag – ich musste ja eh zur Arbeit, die schwere Bücherbox wieder zur Tanke geschleppt, versehen mit einer Kopie des Adreßaufklebers. Wieder losschicken, alles gut, dachte ich.

Weit gefehlt: an der Tanke wollte man das Paket nur annehmen, wenn ich – bezahle. No way! Ja, neee, er sei nur Aushilfe, und er wisse auch nicht, wie man jetzt vorgehen könne, ich solle doch morgen wiederkommen, da seien Leute da, die Bescheid wissen.

Ich schon leicht genervt, aber nuja, also schleppe ich tags drauf, ich musste eh zur Arbeit, das schwere Paket zum 3. mal in die Tanke.

Also, nein, so gehe das nicht – ich müsse das mit der Hotline klären, sie könne nur das Paket ganz normal gegen Geld wieder annehmen, die Hotline gebe mir aber bestimmt einen Gutschein, wenn ich dort anriefe.

Ich reichlich genervt, aber letztlich blieb mir ja nix anderes übrig – also bezahlt, das Paket zum 2. Mal auf den Weg gebracht.

Tags drauf die Hotline angerufen, 20 Cent aus dem Festnetz…. Lage erklärt- oh, dann sind Sie ja Privatkundin? Ja, klar – ja, dann sind Sie bei der falschen Nummer, die ist nur für Geschäftskunden. Gute Frau, ich habe bei der Nummer angerufen, die auf dem Schein im Briefkasten war. Ja, aber da kann ich nichts machen, da müssen Sie die andere Nummer anrufen, ich sage sie Ihnen mal….

Die andere Nummer angerufen. SEHR genervt gewesen. Ewig rumdiskutiert, weil die in ihren Daten Chaos hatten, dann einen Gutschein versprochen bekommen. Genervt genug gewesen, um mich an den 40 Cent Telefonkosten aufzuhängen. Erfolglos geblieben.

Gestern einen Schein von Hermes im Kasten gefunden, man habe mich nicht angetroffen und komme morgen nochmal. Ja, wieso legen die das Paket nicht wie sonst ins Carport??? Wobei….ich erwarte gar kein Paket – das WIRD DOCH WOHL NICHT….

Doch. Es ist. Eben hat es geklingelt, der Hermes-Bote, im Arm – mein Paket! Den Adreßaufkleber DURCHGESTRICHEN! Ja, aber guter Mann, da steht doch ganz richtig die Adresse drauf, und die bin nicht ich, ich bin der Absender, wieso haben Sie den Adreßaufkleber durchgestrichen???? Hab ich nicht, sagt er, der war durchgestrichen. Ja, was haben Sie denn dann gescannt, wo meine Adresse stand? Hier, an der Seite! Ja, aber der ist doch garnicht von mir, warten Sie, ich hole mal einen Edding und streiche das durch!

Der Mann sagt, er kümmere sich drum. Man soll ja für die kleinen Dinge dankbar sein, dies war seit Monaten der erste Hermes-Bote, der so gut deutsch spricht, daß ich das überhaupt erklären konnte …

man darf gespannt sein…. heute ist Samstag, der 13…….

Edit Dienstag – noch nix neues, aber es war ja auch Ostern. Feiertage und so. Bei der Sendungsverfolgung behauptet man, es gäbe diese Sendung nicht – sehr beruhigend….

Geschützt: :-(

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben. Veröffentlicht inTagesgeschehen

So war das

Geschätzt 350-400 DemonstrantInnen (Fotos: das wirkt wenig, weil die Fläche sehr groß war, auf die sich das verteilte – eine laaaange Auffahrt zur Mühle und ein breiter Platz davor, außerdem noch längs der Straße. Unheimlich die vielen PolizistInnen, alle martialisch in schwarz mit Schußwesten und Helmen. Dabei war nix (agressives) los, nur Trillerpfeifen und Sprechchöre. Für mein Empfinden war es gut, daß so viele DemonstrantInnen da waren. Ich glaube nicht wirklich daran, daß sich die AfD „schon von selbst erledigt“ (Zitat Nachbar), denn sie ziehen ihr Potential aus der Angst vor Veränderung. Und ich denke, daß sich Vieles in den nächsten Jahren verändern wird, nicht nur zum Guten. Doch hilft das abschotten gegen alles Neue Niemandem weiter, das schüren der Ängste nicht und einfache Lösungen wird es, ganz gegen deren Propaganda, wirksam nicht geben. Deshalb denke ich, daß es nötig ist, etwas zu tun, damit sie nicht tatsächlich zur Volkspartei mutieren können.
Allerdings hätte ich lieber FÜR als GEGEN demonstriert (oder zumindest für UND gegen, aber dies war halt ausschließlich eine GEGENdemo, das wussten wir ja auch vorher) und lieber gegen Pegida als gegen die AfD – aber auch Denen (und denjenigen, die sich dort nicht öffentlich zeigen, aber sympathisieren) möchte ich zeigen, daß sie halt NICHT „das Volk“ repräsentieren, wie sie es immer für sich reklamieren. Das ist auch ein Grund, aus dem ich es für richtig halte, dorthin zu gehen – weil diese Leute dazu neigen, sich umso stärker zu fühlen, je weniger der Wind ihnen ins Gesicht bläst. Und zu proklamieren, daß Alle ihrer Meinung sind, wenn nicht deutlich ist, daß das nicht stimmt. Und weil unsere Politiker viel zu sehr auf die Schreihälse hören – also müssen wir, die wir anderer Meinung sind, auch Laut geben und in der Öffentlichkeit sichtbar sein. Ich weiß ja auch von mir selbst, daß ich erleichtert bin, wenn ich von GegendemonstrantInnen lese oder höre und mitkriege, daß deren Zahl höher war als die der Rechten, die sich versammelten.
Auch in Westerholz war das so: ich schätze etwa 50 BesucherInnen der Veranstaltung. Größtenteils die Sorte „braune Feincordhose und weißes Hemd“ (Mann, die Mehrheit) oder „marineblaues Kostüm, weiße Bluse und Halstüchlein“ (Frau), Ende fünfzig bis Mitte sechzig. Leider habe ich auch einen Laden-Kunden gesehen.

Ich persönlich muß feststellen, daß demonstrieren mir keinen Spaß macht. Ich bin allergisch gegen gleichgeschaltete Menschenmengen, sogar, wenn ich ganz auf deren Wellenlänge liege. Sprechchöre verursachen bei mir Übelkeit, und wenn ich merke, daß es mehr werden, die sich anschließen, rücke ich ganz automatisch weg und distanziere mich innerlich. Ich glaube, daß das immer noch die Folge von einer Art Klein-Trauma meiner Jugendzeit ist: irgendwann hatte ich Originalaufnahmen aus der Nazizeit gesehen – in demselben Film sowohl welche von den lebenden Leichnamen bei den KZ-Befreiungen als auch Bilder von den jubelnden Heil-Hitler-Menschenmassen. Das hat mich damals tagelang nicht losgelassen und nachhaltig beeindruckt – für Massendynamik bin ich offenbar nach wie vor unempfänglich. Allerdings reagiere ich leider schon immer heftig auf wabernde Stimmungen, und da war natürlich vieles, was da waberte …. dementsprechend ging es mir zwischenzeitlich mal richtig schlecht, so daß ich dachte „Das kann ich nicht! Nie wieder!!“. Aber ich habe dann hier und da mal geschnackt, unter anderem auch mit einer Polizistin, und dann ging es auch wieder.

Übrigens: der Herr Habeck war auch da, wie es schien so privat, wie das ein Herr Habeck so kann. Das finde ich richtig gut, denn sonst war bis auf einen Lokal-SPDler (die SPD hatte diese Gegenveranstaltung angemeldet) Niemand von der Polit-Prominenz zu sehen. Und auch Niemand vom NDR, geschweige denn von anderen Sendern. Ich hoffe zumindest auf einen Bericht in der Zeitung….. schließlich würde mich schon interessieren, wie die offiziellen Zahlen lauten und was es sonst zu berichten gab, was ich nicht mitgekriegt habe.


Heute, im Netz gut versteckt, Folgendes: 50-60 AfDlerInnen, 300-400 DemonstrantInnen, 150 PolizistInnen, weil sich die Antifa angekündigt hatte. Waren auch da, ein kleiner „schwarzer Block“ von vielleicht 30 Leuten. Drei Anzeigen, eine davon wegen Körperverletzung (Antifaler -> Polizist) Es muß ganz zu Beginn kleinere Rangeleien um die Räumung der Zufahrt gegeben haben, da waren wir noch nicht da.

Edit: In den Kommentaren wurde noch ein Link zu einem ausführlichen Bericht gepostet, danke dafür: *klick*

Raus aus die Pantoffeln….

Erstmals seit den Friedensdemos der 80er ist für mich heute wieder demonstrieren angesagt: die AfD hat umme Ecke die olle von Storch eingeladen (ja, eingeladen. Rein kommt nur, wer sich vorher eine Einladung per Mail erfragt): Wahlkampfauftakt in Schleswig-Holstein in der schönen Westerholzer Mühle 😦

Am späten Nachmittag gehts los (17 Uhr Treffen, um 18 Uhr Einlaß bei der Mühle). Ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen dort (auf beiden Seiten) sein werden und wie sich das gestalten wird. Vielleicht liest ja noch Jemand mit, der oder die Zeit und Meinung dazu hat.

 

Hier werde ich geholfen!

Oft habe ich so irgendwie-unkonkret-nichtformulierbar-ungute Gefühle bei irgendwelchen Sachen, die so um mich herum vorgehen.
Leider nicht immer, aber immer wieder einmal geschieht es, daß ich ein paar Tage später irgendwo im Netz einen Artikel oder auch „nur“ einen Kommentar lese, der genau dieses ungut-wabernde in klare Worte faßt und mir im besten Fall auch noch begründet, warum sich das für mich so ungut anfühlte. Meist schreibe ich dann einen dankbaren Kommentar *g*

Ein Superbeispiel ist mir jetzt erst untergekommen:  die Sache mit der Präventivhaft für Gefährder. Immer, wenn ich davon hörte, fühlte sich das ungut an, waberte irgendwie als leichtes Schaudern durch den Körper – aber so recht fassen konnte ichs auch nicht. Erst recht nicht formulieren oder gar begründen. Denn wäre es nicht eigentlich gut zu finden, wenn Leute, die im (konkreten) Verdacht stehen, Böses im Schilde zu führen, aus dem Verkehr gezogen werden?
Dann kam ein neusprech-Beitrag in meinen Reader, und jetzt weiß ich, was ich fühle und sogar warum 😉

DARUM ist das ungut! (klick)

Dankeschön an Euch da draußen, die Ihr nachdenkt, klarer seht als ich und Euch die Mühe macht, zu recherchieren!!


Einige Tage später bin ich noch über das neue „Gemeinsame Zentrum zur Unterstützung der Rückkehr“ gestolpert. Hört sich ja auch nicht schlecht an – WENN man schon weniger Fremde hier haben will, dann diejenigen zu unterstützen, die zurückkehren wollen. Aber Pfeifendeckel: in diesem Zentrum sollen Sammelabschiebungen organisiert werden! Da wusste ich zwar gleich, warum ich das ungut finde, das musste mir Niemand erst erklären – aber was soll das, die Leut‘ mit solchen Worthülsen, die sich netter anhören, zu ver**schen??

Freumich!

Manchmal sind so Statistikseiten ja doch zu was nütze:

Ich sehe in den Blogstatistiken unter „Referrer“ (das sind die Seiten, von denen aus Jemand auf meinen Blog geklickt hat) die openpetition-Seite. Denke

???

klicke drauf, komme auf die Petition gegen Abschiebungen nach Afghanistan. Überlege, wie von dort aus Jemand auf meinen Blog gefunden haben sollte. Sehe seitlich eine furchtbar schlecht zu lesende „Woher kamen Unterstützer?“-Cloud. Verrenke mir die Augen, bis ich feststelle: beim drüberfahren erscheinen nicht nur die Links, sondern auch sogar Zahlen, und:

von meinem Link aus haben (bisher) zwei von Euch die Petition unterzeichnet!

Freumich 🙂


Nun schiebt ja Schleswig-Holstein bisher eh nicht nach Afghanistan ab – aber das kann sich schnell ändern, außerdem sind ja längst nicht alle, die hier mitlesen, aus S-H. Ich kenne selbst flüchtig einige AfghanInnen, die fürchterliche Angst haben, doch noch abgeschoben zu werden. Drei waren schon kurzzeitig im Kirchenasyl „gefangen“, einer hat inzwischen eine Arbeit im Ort und hat nun trotzdem den Abschiebebescheid für sich und seine Familie bekommen. Gut, daß er in S-H lebt, und doch – jetzt mit dieser Unsicherheit leben zu müssen! Alle drei Monate wird nun neu entschieden, furchtbar!

„Unsere“ Iraker übrigens haben nach wie vor keine Nachricht vom BAMF. Ab. hat als letzter jetzt auch bald seine Anhörung, dann warten alle vier auf ihre Bescheide.
Mir graust ein wenig: sie sind so zuversichtlich, zumindest erstmal ein Jahr Aufenthalt genehmigt zu bekommen – mir fehlt inzwischen, wo wir so oft von Ablehnungen hören, diese Zuversicht. Und die neueste schlechte Nachricht ist, daß es auch nicht mehr klar ist, danach klagen zu können: obwohl sehr viele Klagen durchkommen, ist die steigende Zahl der abgelehnten Klagen Anlaß, nun immer öfter Prozeßkostenbeihilfe für die Klagen nicht zu genehmigen – wegen fehlender Erfolgsaussichten.

Immer wieder eine Freude,

der neue amerikanische Präsident. Hat er neulich doch, Zitat Sprecherin, einige „alternative Fakten“ zum Thema Besucherzahlen zu seinen, verglichen mit Obamas Amtseinführungsfeierlichkeiten „angeboten“.

Schön! Alternative Fakten anbieten! Wieso bin ich eigentlich noch nie auf diese Idee gekommen? Aber jetzt, bitte sehr: ich habe da einige alternative Fakten anzubieten, die mir sehr, sehr gut gefallen:

  • Chips sind das gesündeste Nahrungsmittel
  • gleich gefolgt von Schokolade
  • Wer vor acht Uhr aufsteht, bekommt faule Zähne. (Deshalb werden übrigens ab morgen sämtliche Öffnungszeiten auf neun Uhr verlegt, egal ob Schule oder Supermarkt)
  • Sport wird überbewertet, das beste ist, man läßt ihn einfach bleiben.
  • Die Erde ist, wie ja Jeder weiß (auch so ein netter, neuer Präsidentenspruch) eine Scheibe
  • und Trump wird ein großartiger Präsident sein

Meine Mutter nannte sowas lügen. Schnee von gestern; Alternative Fakten anbieten hört sich doch viel schöner an! Und vor allem gibt es dem ganzen den Anstrich von Seriosität – Ihr werdet sicher auch festgestellt haben, daß Ihr mir jedes Wort geglaubt habt!?

Und für den Fall, daß das Wetter auch mein Angebot an alternativen Fakten zu schätzen weiß, sage ich ihm mal schnell:

  • In Angeln fällt nie – aber auch wirklich niemals – Schnee!!!!

P.S.: Dieser Beitrag stand schon fertig zum veröffentlichen hier im Blog, als ich dies sah – dankeschön an den holländischen Fernsehsender, der dem Mr Trump die Niederlande so vorstellt, daß er’s wohl verstehen wird 😉 UNBEDINGT angucken!!!!

 

Kanarienvögel

Gestern gelesen: In Mossul, Irak, ist ein Kanarienvogelzüchter vom IS verhaftet worden. Grund: Musik und Gesang sind verboten, wenn sie nicht Gott lobpreisen. Kanarienvögel singen nicht zum Lobe Gottes und sind deshalb haram, unrein. Daraus folgt daß, wer sie züchtet, ein Gottloser sein muß.

***

Vor Monaten erzählt bekommen: Ab möchte, wenn er eine eigene Wohnung hat und weiß, daß er in Deutschland bleiben darf, einen Kanarienvogel haben. In Basra, Irak, seiner Heimatstadt, hatte ein Freund Kanarienvögel. Die singen so schön, findet Ab.

***

Zwei kleine Momente, die sich, durch Erinnerung verbunden, zusammenfügten und eine ganz neue Bedeutung gewannen. Wieder einmal wurde mir vor Augen geführt, wie grundsätzlich verschieden Lebenswelten sein können, und daß NICHTS, aber auch G-A-R-N-I-C-H-T-S selbstverständlich ist.

 

 

Aufgewacht. Wirklich?

An nix besonderes gedacht.
Routine – Bad, Katz…
Gefrühstückt.
Büschen gelesen.
An den Computer. Newsfeed durchgeguckt – und da stand es dann, in einem abonnierten Blog:

Der Liebste weckt mich mit kalten Händen und einem Ton in der Stimme, der wenig Gutes vermuten lässt. „Trump gewinnt die Wahl“, sagt er.

Mir wird schlecht. Denke, da kann nur eine Pointe folgen. Rufe das Blog auf. Keine Pointe. Rufe Nachrichtenseiten auf. Immer noch keine Pointe.

Mir ist schlecht.

Vielleicht wache ich ja gleich auf, aber ich glaube, ich bin wach!?

 

Wer hätte das gedacht?

Ich jedenfalls hätte mir vor zwei Jahren noch nicht vorstellen könne, daß wir durch Lübecks Straßen gehen und „Merkel muß weg“-Aufkleber entfernen.

Wenn man aber weiß, daß da außer dieser Forderung (die ich ja prinzipiell eher unterstütze) ein wirklich diffamierend schlechtes Foto sowie der Satz „Abschieben statt Integration“ zu sehen ist  – dann kann man sich schon eher vorstellen, wie’s dazu kommen konnte…..

Die „FCK AFD“- Aufkleber haben wir übrigens in Ruhe gelassen.

Ergänzung zu gestern

Worüber gestern der Herr F. und ich sprachen:

noch vor anderthalb Jahren gab es, ich weiß nicht, ob Ihr Euch erinnert (;-)) fast nichts anderes in den Medien als der drohende Weltuntergang durch die Griechenlandkrise. Monatelang wurde die EU gesprengt, versank die Welt in einer Rezession. Griechenland geht es nicht besser, aber liest oder hört man davon? Nein, um zu erfahren, was da los ist, muß man sich richtig anstrengen.

Davor ging die Welt unter, Völker waren nah am vergehen, Staaten vor dem Zusammenbruch, weil die Bankenkrise uns durchschüttelte. Die ist näher bei, deshalb gibt es ab und an Nachrichten von der HSH-Nordbank und sowas, aber bisher steht die Welt noch. Und hat sich für Otto Normalverbraucher hier in D auch nicht merklich verändert.

Außerdem dräute natürlich noch die Weltwirtschaftskrise. Wurde sie noch grade so abgewendet, oder ist die Welt schon untergegangen? Ich erinnere mich grad nicht mehr …. ;-|

Gestern dachte ich mir so, ich wünsche mir eine neue Krise, damit die Flüchtlingskrise aus dem Visier der Medien verschwindet und unsere Weltuntergangspropheten sich, bittebitte, einem anderen Szenario widmen können. Ich hätte da ein paar Ideen. Wie wäre es zB mit Chemtrails? (1x Suchmaschine bedienen, die schönsten Verschwörungstheorien finden….) Oder damit, daß böse Mächte unser Bewußtsein kontrollieren wollen (dito – verlinken mag ich die entsprechenden Seiten nicht)? Also, nicht daß ich mich freuen würde, ginge das Geharke damit los, und nicht daß ich ernsthaft glaube, die Medien würden sich auf sowas ebenso einschießen (wer weiß?….) – aber ich finde, sowas sind doch Superthemen für all die, die derzeit auf ähnlichem Niveau die Flüchtlingskrise „diskutieren“…  dann könnte die medial wieder in der Versenkung verschwinden. Das würde helfen, die Aufmerksamkeit für AFD und Co wieder an die Stelle zu rücken, an die sie gehört (Leute, macht Euch klar, daß es bundesweit selbst in diesen mitläuferstarken Zeiten nur um die 15-20% sind, die den Rattenfängern folgen. Viel zu viele, aber nicht so viele, daß sie diese heftige Resonanz, vor allem den vorauseilenden Gehorsam unserer Politik verdienen würden! Und Meck-Pomm ist nicht D, um gleich mal der nächsten Hysterie zuvorzukommen. Nein, die sind NICHT das Volk!) Ich denke, daß weniger Aktionismus (und mehr Aktivität) in der Politik, die dann nicht mehr so getrieben wäre, auch hülfe. Letztlich sagte Jemand vom BAMF in einer Doku, daß ein gut‘ Teil von dessen Langsamkeit bei der Bearbeitung der Asylverfahren daran läge, daß alle paar Wochen neue Vorgaben aus der Politik kämen, die dann wieder erst umgesetzt werden müssen, was Arbeitszeit blockiert, die sinnvoll genutzt werden könnte …. nur mal so als Beispiel ….

Der Herr F. allerdings sieht es eher anders kommen: „laß mal hier in Deutschland einen „richtigen“ Anschlag passieren, dann geht der Spaß hier erst so richtig los“, meint er.

Entspannen per Ausknopf

Es gibt einen Blogbeitrag von hundertsand*, der mich daran erinnert hat, was ich schon länger hier berichten wollte:

daß ich nämlich innerlich ruhiger bin, seit ich deutlich weniger Radio höre.

Warum?

Weil ich die dudelige Einheitsmukke und die künstlich frohgelaunten Moderatoren der Sender, die ich reinkriege, schon lange nicht mehr ertrage, hatte ich mich in den letzten Jahren darauf verlegt, auf allen Autofahrten NDR Info laufen zu lassen. Außerdem lese ich den SPIEGEL, gucke häufig das Schleswig-Holstein-Magazin und danach die Tagesschau sowie mit relativer Regelmäßigkeit das heute-journal. Und musste  im Zuge der Flüchtlingskrise (wieso eigentlich „Krise“? Also, in den Ländern dort- ja, an den Grenzen in Lagern – ja, am Mittelmeer- ja. Aber in Deutschland? Flüchtlingskrise?? HA! Albern ist das!) feststellen, daß vor allem die ständigen Gruselmeldungen im Radio überhaupt nicht mit meiner Wahrnehmung vor Ort übereinzubringen sind. Leicht sensibilisiert stieß ich dann unter einem youtube-Beitrag auf übel hetzende Kommentare, nach denen mir den ganzen Abend lang schlecht und ängstlich zumute war. Und dann gings Schlag auf Schlag: die Erkenntnis reifte, daß es mir einfach nicht gut geht, wenn ich zu viele schlechte Nachrichten an mich heranlasse. Die Hilflosigkeit, die das erzeugt, der permanente Druck, doch etwas tun zu müssen ohne zu wissen, was das sein könnte – das nagt!
Irgendwann habe ich das Radio meistens ausgelassen. Manchmal schalte ich auch dlf an, dort wird immerhin in längeren Beiträgen über Dinge gesprochen. Aber auch da bleibe ich aufmerksam und schalte ab, wenn ich merke, daß für mein Gefühl gerade wieder „Katastrophensprech“ betrieben wird. (Das betrifft ja nicht nur das Thema Flüchtlinge, aber dabei war’s mir besonders aufgefallen)
Das hat geholfen, und das, obwohl ich die anderen Medien im selben Umfang weiternutze. Ich möchte informiert sein und bleiben. Schließlich gibt es durchaus massenhaft Probleme. Und nur weil ich in recht ruhigen Gefilden lebe, verschwinden die ja nicht. Und ich möchte durchaus wissen, was sich „da draußen“ tut.  Aber ich möchte Kraft behalten, um das bißchen zu tun, was ich tun kann und mich nicht kirre machen lassen davon, was alles noch passieren oder hierher schwappen könnte. Und dabei hilft offenbar, mir nicht täglich anderthalb Stunden lang im Auto die Schlagzeilen um die Ohren hauen zu lassen. Im Netz informiere ich mich über aktuelles Tagesgeschehen übrigens so gut wie garnicht, denn da hatte ich immer schon das Gefühl, daß mir das viel zu atemlos und sensationsgierig ist, daß viel zu wenig in Zusammenhänge eingeordnet wird. Und daß ich das ganz furchtbar finde (ich lese ja auch keine Revolverblättchen und gucke keine RTL-Nachrichten, zum Beispiel)

Der andere Aspekt ist, daß diese Schlagzeilen (sowie überhaupt Nachrichten) zu übergroßen Teilen problematisches zum Thema haben. Das verzerrt die Wahrnehmung.
Im SPIEGEL gibt es seit nunmehr über 30 Wochen jede Woche eine Rubrik „Früher war alles schlechter“, die zeigt das sehr schön. Beispiele hier und hier und hier. (Und unSPIEGELige bei den Links bei hundertsand)

Allerdings bin ich bei der Suche nach diesen Beispielen auch auf dies hier gestoßen – ich hoffe mal sehr, daß das eine Ausnahme sowie keine böse Absicht war…. da sieht man mal, wie leicht Nachrichten so hinzudrehen sind, wie man sie haben mag, ganz ohne lügen. Einfach ein wenig mit der Zeitachse spielen, in diesem Fall…. tststs!

Ich weiß nicht, ob’s Euch ähnlich geht – für mich jedenfalls ist meine kleine Welt hier, die ich täglich selbst erlebe, wenn auch wahrlich keine heile so doch eine bessere als die Version von ihr, die mir die Medien ausmalen. Und ich habe die Chance, sie selbst ein bißchen in die meiner Meinung nach richtige Richtung zu schubsen. Durch Meisentassen, eingesparte Bons, Unkraut, Hilfestellung für genau drei Flüchtlinge, Efeu-Wäsche, Bienen, Bio-Fleisch, verweigerte Trinkhalme und anderes Kleinvieh.


* Im Beitrag ist ein Interview verlinkt, das zu lesen lohnt. Abgesehen davon, daß ich den Beitrag selbst auch lesenswert finde, aber sonst hätte ich ihn ja auch nicht hier verlinkt 😉

Zahlen, Daten, Fakten …

Schleswig-Holstein:

  • Im Jahr 2015 sind in Schleswig-Holstein ca. 52.000 Asylsuchende und darüber hinaus ca. 150.000 Transitflüchtlinge angekommen. Der Nettoverbleibsanteil der Asylsuchenden liegt bei gut 35.000.
  • Dem gegenüber stehen mit 3,5% aller im Bund gezählten nur 15.572 Asylerstanträge, die in SH abgegeben werden konnten. Eine Zahlendiskrepanz, die nachvollziehbar macht, wie groß auch bei uns unter Asylsuchenden die Unzufriedenheit ist, über die nach wie vor für Viele bestehenden langen Fristen bis zur Asylantragstellung.*
  • Inzwischen gibt es ca. 14.700 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen. Weiterhin verfolgt das Land den Plan, insgesamt 25.000 Plätze zu schaffen. Belegt waren am 11. Januar 2016 nur gut 7.000.
  • Der über das vergangenen Jahr regelmäßig sehr kurzfristige – manchmal nur tageweise – Verbleib der Flüchtlinge in der Erstaufnahme ist inzwischen Geschichte. Derzeit kann es schon einige Wochen bis zur dezentralen Weiterverteilung für die neu eingereisten Asylsuchenden dauern. Aber immerhin gut 29.500 sind im vergangenen Jahr in die Kommunen, Ämter und Gemeinden weiterverteilt worden. Die dezentrale Unterbringung ist nach Auskunft des Ministeriums für Inneres und Bundesangelegeneheiten in Schleswig-Holstein nach wie vor Programm.*
  • Über zwei Drittel der 2015 in Schleswig-Holstein aufgenommenen Asylsuchenden sind Männer.
  • Die meisten AsylantragstellerInnen kamen übers Jahr aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Albanien, Eritrea, und dem Iran. Inzwischen gehören auch Jemen und Armenien zu den Hauptherkunftsländern. Im Jahresdurchschnitt 12 %, aber in den letzten Monaten nurmehr 0,5%, kamen aus den angeblich sicheren Herkunftsländern. Ein spürbar höherer Anteil an Frauen und Familien ist bis Jahresende zu verzeichnen.
  • 22.095 Personen, also 63 % des Gesamtzugangs hätten eine „sicherer Bleibeperspektive“, 25 % wird eine schlechte unterstellt. Die genannte Quote von 50% als definitorische Größe zur Festlegung der „sicheren Bleibeperspektive“ basiert allerdings nur auf den Asylentscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ohne Berücksichtigung der anders – z.B. durch Rücknahme, Weiterwanderung etc. – erledigten Fälle. Auch bleiben regelmäßig die (in SH 13%) Abgelehnten unberücksichtigt, die vor den Gerichten ihre Anerkennung doch noch durchsetzen können. Wie diese ethnisch selektive Auswahl mit Blick auf die tatsächlichen Bedingungen in den Herkunftsländern der Schutz und Arbeitsmarktintegration Suchenden Bestand haben soll, ist in Teilen selbst dem Auswärtigen Amt unklar. Das Außenministerium hat im November 2015 in seinem Lagebericht Abschiebungen nach Afghanistan u.a. wegen dort aufgrund aktueller und weiter absehbarer Aufstandsgewalt für nicht zumutbar eingeschätzt
  • 322 Personen wurden 2015 aus Schleswig-Holstein abgeschoben.

Quellen: MIB SH, FÖRDErverein FRSH e.V., BMI

Bundesweit war die Entwicklung wie folgt:

  • Mit rund 442.000 Erstanträgen wurden so viele Asylerstanträge in Deutschland gestellt wie noch nie – die Asylerstantragszahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um  155 Prozent.  Rechnet man die Folgeanträge mit ein, liegt die Zahl der Asylanträge 2015 bei knapp 477.000 (+135 Prozent).
  • Abgeschoben wurden im vergangenen Jahr bundesweit 20.888 Personen.
  • Hauptherkunftsland der Asylantragstellenden ist Syrien mit ca. 159.000 Erstanträgen – das ist mehr als ein Drittel aller Asylanträge. Dahinter folgen Albanien und Kosovo mit rund 54.000 bzw. 33.000 Anträgen. Die westlichen Balkanstaaten spielten jedoch gegen Ende des Jahres in der Asylstatistik kaum eine Rolle mehr. Auf Platz vier der Hauptherkunftsländer folgt Afghanistan mit ca. 31.000 Erstanträgen, dahinter der Irak (30.000) und Serbien (17.000). An siebter Stelle stehen Asylanträge von Antragsstellenden unklarer oder ohne Staatsangehörigkeit (12.000), ein Großteil von ihnen dürften staatenlose Palästinenser aus Syrien sein. Auf Platz acht folgt Eritrea (11.000). Damit machen die vier Herkunftsstaaten Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea über 52 Prozent der Asylerstanträge im laufenden Jahr aus.
  • Die Asylantragszahlen 2015 geben jedoch nur bedingt Auskunft über die Zahl der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. Mehrere Hunderttausend Asylsuchende, die 2015 nach Deutschland kamen, hatten aufgrund der chaotischen Zustände beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge keine Möglichkeit, einen Asylantrag zu stellen. Aussagekräftiger sind daher die Zahlen des EASY-Systems, in dem Asylsuchende in Deutschland zunächst registriert werden: Das waren in 2015 knapp 1,1 Millionen Menschen. Doch auch die EASY-Zahlen sind mit großer Vorsicht zu genießen: Unter den ca. 1,1 Mio Registrierten gibt es eine hohe unbekannte Zahl an Doppel- und Fehlregistrierungen. Zudem gab es ein erhebliches Maß an Weiterwanderung, d.h. Deutschland war für viele Flüchtlinge nur Transitland zur Weiterreise in andere EU-Staaten.
  • Zwischen September und November wurden laut Eurostat in Schweden rund 100.000 neue Asylanträge verzeichnet, was einen erheblichen Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten bedeutet. In Finnland wurden über 23.000 neue Asylanträge gezählt, in Norwegen knapp 22.000. Auch in anderen nord- und westeuropäischen Staaten wie Dänemark, Belgien, den Niederlanden oder auch Frankreich waren seit August/September signifikante Anstiege der neuen Asylanträge zu verzeichnen. Es muss davon ausgegangen werden, dass ein großer Teil dieser Asylsuchenden bereits in Deutschland registriert wurde und die tatsächliche Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland im Jahr 2015 tendenziell eher im Bereich der Prognose der Bundesregierung in Höhe von 800.000 liegen dürfte, als über einer Million. Diese These wird gestärkt durch eine Aussage von Ministerpräsident Albig. Demnach hat allein Schleswig-Holstein im letzten Jahr über 60.000 Flüchtlinge nach Skandinavien durchreisen lassen. Schlussendlich wird es noch bis weit in das Jahr 2016 hinein dauern, bis einigermaßen sicher gesagt werden kann, wie viele Asylsuchende 2015 tatsächlich nach Deutschland kamen.
  • Bei Betrachtung der EASY-Zahlen zeigt sich noch deutlicher als bei der Betrachtung der Asylantragszahlen, dass ein Großteil der 2015 eingereisten Schutzsuchenden aus Kriegs- und Krisenregionen stammt. Von knapp 1,1 Millionen in EASY registrierten eingereisten Asylsuchenden kamen rund 704.000, also knapp zwei Drittel, allein aus den drei Staaten Syrien, Irak und Afghanistan. Hinzu kommen hohe Zugangszahlen aus Eritrea und gegen Ende des Jahres auch aus dem Iran (22.500 im letzten Quartal 2015). Im letzten Quartal lag die Quote der Flüchtlinge aus den vier Staaten Syrien, Afghanistan, Irak und Iran (also derjenigen Flüchtlinge, denen eine sehr hohe Bleibeperspektive zugeschrieben wird und die bereits während des laufenden Asylverfahrens an Sprachkursen teilnehmen dürfen) in EASY sogar bei rund 84 Prozent, da Asylsuchende aus den Balkanstaaten unter den Neuankommenden kaum noch eine Rolle spielen. Von den 515.000 in diesem Zeitraum in EASY registrierten Schutzsuchenden kamen 430.000 allein aus den oben genannten Ländern.
  • Der Rückstau bei der Asylantragsbearbeitung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist immens – doch immerhin konnte die Zahl der Asylentscheidungen des Amtes in 2015 gegenüber dem Vorjahr mit einer Steigerung von knapp 120 Prozent mehr als verdoppelt werden. Dies liegt insbesondere daran, dass viele Asylanträge in Schnellverfahren entschieden wurden. Allein 37 Prozent der Entscheidungen betrafen syrische Asylsuchende, die per schriftlicher Anhörung einen Schutzstatus erhielten  (gegen Ende des Jahres lag diese Quote sogar bei ca. 55 Prozent aller Entscheidungen). Zudem wurden die so genannten Dublin-Verfahren für syrische Flüchtlinge zwischenzeitlich „faktisch nicht weiter verfolgt“. Daneben wurden Asylanträge aus Staaten des Westbalkan priorisiert bearbeitet, die mittlerweile alle zu „sicheren Herkunftsländern“ erklärt wurden und somit schnell entschieden wurden. Über 96.000 Entscheidungen betrafen die vier Staaten Albanien, Kosovo, Serbien und Mazedonien. Zusammen mit dem Herkunftsland Syrien wurden somit fast 202.000 Verfahren (rund 71 Prozent aller Asylentscheidungen)  in Schnellverfahren entschieden.
  • Vor allem auf Druck des Innenministeriums wurden Anfang 2016 wieder Einzelfallprüfungen für Asylsuchende aus Syrien, dem Irak und Eritrea eingeführt. Dies dürfte die kurzzeitig immerhin etwas beschleunigte Bearbeitung der Asylanträge empfindlich ausbremsen. Auch dadurch, dass Dublinverfahren für Syrer wiederaufgenommen wurden, ist mit erheblichen bürokratischen Hindernissen und wesentlich längeren Verfahrensdauern zu rechnen. Noch nicht entschieden sind 365.000 Verfahren, ein Zuwachs von 116 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2014. Ein Abbau der anhängigen Verfahren bei derzeitiger Arbeitsgeschwindigkeit des BAMF würde über 15 Monate dauern, ohne dass neue Anträge hinzukämen. Hinzu kommen noch einige Hunderttausend Schutzsuchende, die noch nicht einmal im Asylverfahren sind.
  • Zahlen über die durchschnittliche Asylverfahrensdauer 2015 liegen bis dato noch nicht vor. Doch auch wenn diese Zahlen vorliegen, werden diese weit weniger aussagekräftig sein als in vergangenen Jahren, da bereits viele Monate vergehen können, bevor Asylsuchende überhaupt die Möglichkeit erhalten, einen Asylantrag zu stellen. Viele Flüchtlinge – auch viele, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Deutschland bleiben werden – verlieren wertvolle Jahre im Wartestand, mit damit einhergehend stark beschränkten Integrationschancen.
  • Die Schutzquote lag 2015 bei rund 50 Prozent, d.h. jede/r Zweite erhielt Schutz im Asylverfahren. Bereinigt (ohne formelle Entscheidungen, die inhaltlich nicht geprüft werden) liegt die Quote bei knapp 61 Prozent, d.h. der Großteil der Betroffenen hat bereits aus behördlicher Sicht gute Asylgründe. Abzüglich der Entscheidungen zu Balkanstaaten, deren Schutzquoten bei unter 0,5 Prozent liegen, liegt die bereinigte Schutzquote im Jahr 2015 bei über 90 Prozent.
  • Lässt man Dublin-Verfahren, durch die sich Deutschland für „nicht zuständig“ erklärt, unberücksichtigt, dann haben die drei Herkunftsstaaten  Syrien, Irak und Eritrea eine nahezu hundertprozentige Schutzquote. Die Schutzquote für Afghanistan liegt, rechnet man Dublin-Fälle und andere formelle Erledigungen heraus, bei 78 Prozent. Auch der Iran – mit 22.500 EASY-Zugängen im letzten Quartal 2015 unter den Top5 der Herkunftsländer – hat ebenso eine sehr hohe bereinigte Schutzquote von fast 90 Prozent. Ein Großteil derjenigen, die 2015 in Deutschland Schutz suchten, wird daher dauerhaft im Land bleiben.

Quellen: BAMF/ BMI

Auszüge aus einer Mail des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein e.V., die ich gestern bekam.

*Ergänzend kann ich zu Al., Ab und S. folgendes angeben: Ankunft hier Ende Oktober 2015. Termin zur Asylantragsstellung: 30.3.2016. Wie lange sie vorher in der Erstaufnahme in Neumünster waren, weiß ich nicht- sie haben aber berichtet, daß sie sich dort erst kennengelernt haben. Inzwischen bekommen „neue“ Flüchtlinge gar nicht erst einen Termin zur Antragsstellung mit! Wer jetzt neu ankommt, muß im Amt alle vier Wochen eine neue Aufenthaltsgenehmigung beantragen – für vier Wochen. So lange, bis er irgendwann den Termin zur Antragsstellung bekommt. Wie lange es dann von der Antragsstellung bis zum Bescheid dauert, das ist offenbar sehr unterschiedlich. Bei manchen Asylsuchenden hier waren es wenige Wochen, aber erst letzte Woche haben wir von einer Familie gehört, die nach SIEBEN JAHREN nun einen Antrag auf Bleiberecht gestellt hat. Das darf man wohl auch „schon“ nach fünf Jahren …

Info-Ecke

In Kommentaren wurde ja schonmal der Begriff Daesh ( Da-esh, Daesch)erklärt, den ich persönlich erstmals von S. gehört hatte, dann aber immer öfter auch im TV zB von Obama und anderen Politikern.

Jetzt habe ich einen Zeitungsartikel (SZ) im Netz gefunden, der sehr gut erstens diesen Begriff erklärt (und warum es, das folgt jedenfalls für mich, besser ist, den zu verwenden, als vom IS oder ISIS zu schreiben), und zweitens die Enststehung des Daesh chronologisch beleuchtet. Mir war zB die große Rolle des Irak nicht klar, was ich natürlich besonders im Zusammenhang mit „unseren“ drei Irakern interessant finde.

Hier entlang, bitte

Übrigens: der Begriff selbst scheint wirklich ein Dorn im Auge der Islamisten zu sein:

Im Internet kursieren Listen mit den Geboten, die im selbst ernannten „Islamischen Staat“ herrschen. Treffender gesagt: Es sind Listen mit Verboten.

So heißt es unter Punkt 1: Frauen und Mädchen dürfen keine Jeans und keine Blusen tragen, sondern nur islamisch korrekte Kleidung wie die Burka. Punkt 2 verbietet es zu rauchen. In Punkt 7 droht der IS demjenigen mit Stockschlägen, der die Abkürzung Daesh verwendet.

(Quelle: tagesschau.de)

(Adventskalender)

P.S. fehlerhafte Planung meinerseits — Kaduuns diese Woche wieder am Sonntag 😉