Der ideale Wohnort

Nein, es geht nicht nochmal um unseren eierlegenden Wollmilchplatz – es geht um den für ein Bienenvolk.

Wenn ein Bienenvolk sich selbst einen Ort zum leben aussuchen könnte, dann würde der so aussehen:

  • Eine Höhle läge mit der Flugöffnung gen Süden
  • hätte ein Volumen von 12-80 Litern (optimal: 40 Liter)
  • das Flugloch hätte etwa 3cm Durchmesser und befände sich etwa 5cm über dem Boden der Höhle.

Dies sind die wirklich wichtigen Kriterien, hat Herr Seeley, von dessen Forschungen ich Euch ja vor kurzem erst berichtet hatte, in langen, schwierigen Experimenten auf einer kleinen Insel herausgefunden, auf der es einerseits keine konkurrierenden Bienen zu seinen künstlichen Schwärmen gab und andererseits ausschließlich von ihm bereitgestellte Nistplätze, die er beliebig variieren konnte. Zusätzlich zu diesen Kriterien würden die Bienen es noch schön finden, wäre ihre Höhle aus Holz und läge sie in über 2,5 Metern Höhe – aber Biens entscheiden sich lieber zB für eine niedrig liegende Höhle, die die richtige Größe und Ausrichtung hat als für eine hochliegende, die zu groß ist.

Wie aber finden die Bienen heraus, wie groß eine Höhle ist?

Ich berichtete ja schon, daß alte, erfahrene Sammlerinnen beginnen, nach potentiellen Nistplätzen zu suchen, sobald sie dadurch, daß der gesammelte Nektar ihnen von den Stockbienen mangels Platz im Nest nicht mehr abgenommen wird, signalisiert bekommen: es wird Zeit, zu schwärmen. Hat so eine Biene eine Höhlung gefunden, dann geht und fliegt sie die Innenmaße ab (gucken kann sie ja nicht, es ist dunkel in so einem Baum *g*). Was ideal ist, das ist laut Seeley genetisch bestimmt und deshalb nicht Geschmackssache der jeweiligen Späherin. Seeley hat das Verhalten in der Höhle beobachten können (und aufgezeichnet), weil er die Kästen, die er anbot, so gebaut hat, daß das möglich war.
Wenn die Biene meint, diese Höhle sei gut geeignet als Nistplatz, dann tanzt sie daheim den Platz, umso länger, je besser sie ihn findet, und animiert damit Andere, auch „gucken zu gehen“. Auch die kommen heim und tanzen umso länger, je besser der Ort ist. Seeley hat zeigen können, daß mehrere Nistplätze miteinander konkurrieren, und daß es mehrere Tage(!) dauern kann, bis eine Einigung gefunden wurde. Diese Einigung findet nicht über einen Konsens statt, sondern über ein Quorum: wenn eine bestimmtes Maß an Zustimmung für einen bestimmten Ort da ist, wird der genommen, nicht erst, wenn Alle überzeugt sind.

Um das herauszufinden, hat Seeley auch fiese Sachen gemacht wie einen guten Kasten, für den es schon recht viel Zustimmung gab, verschlechtert, indem er zB verschiebbare Wände so verändert hat, daß der vorher tolle Kasten plötzlich zu klein war – und siehe da: schnell verschob sich die Zustimmung beim Tanz. Spannend!

Insgesamt kennen allerdings, bevor der Schwarm loszieht, nur etwa 400 Bienen, 3-4% des Schwarms, den Zielort. Die flitzen, auch das hat Seeley nachgewiesen, am oberen Rand des Schwarmes auf geradem Weg hin und her Richtung Zielort und weisen so den anderen den Weg.

Faszinierend, das!
Rein praktisch ist für mich die ideale Größe und Beschaffenheit des Nistplatzes am interessantesten: 40 Liter Volumen, das ist eine Größe von zB 37x37x35 Zentimetern. Unsere Dadant-Beute mißt ca 48x48x28 Zentimeter (der Brutraum), liegt damit also noch im „guten Maß“, ist aber als Idealbeute etwas zu groß. Andererseits verhungern in der Natur deutlich mehr Bienenvölker und sie schwärmen viel schneller als ein Imker das wollen würde. Deshalb die größeren Beutenmaße.

 

Während die Weiselzellen reifen…

Ja, jetzt ist sie wieder da, die Zeit, in der die Bienenvölker beginnen, an Vermehrung zu denken.

Bienen- (und zB auch Ameisen-)völker betrachtet man heutzutage ja als einen Organismus, die einzelnen Bienen sind dabei sowas wie bei uns die einzelnen Zellen. Die Vermehrung ist also nicht über die vielen zehntausend Bienen zu betrachten, die jedes Jahr geboren werden, sondern die Vermehrung der Bienen ist die Teilung der Völker übers schwärmen. Ein hochkomplexer Vorgang! Das beginnt schon damit, daß ein praktisch beliebiger, befruchteter Stift – ein Ei – ausgewählt und nur durch andere Fütterung und anderes Wärmeverhalten aus diesem einen ausgewählten Stift keine Arbeiterin, sondern eine neue Königin wächst

Gerburgis hat mir ein Buch ausgeliehen, das mir jede Menge Interessantes über den Weg zum schwärmen und die Folgen beigebracht hat. Ich habe mir Notizen gemacht und berichte Euch nun sehr verkürzt, was der Autor, Herr Seeley, in jahrelangen Experimenten herausgefunden hat:

Wie entschieden wird, warum jetzt und genau dieser Stift ausgewählt wird, zur Königin zu werden – dazu muß wohl Jemand anders forschen *g*. Herr Seeley startet seine Forschungen, wenn eine Weiselzelle angelegt ist und vor sich hin reift.
Während dies geschieht, beginnen die Bienen, ihre bisherige Königin weniger zu füttern. Sie stiftet dann nicht mehr, und ihr Hinterleib schrumpft – eine wichtige Voraussetzung fürs schwärmen, weil die Königin vorher flugunfähig war und nun wieder wird fliegen können. Sie verliert in dieser Zeit, in der sie auch zunehmend von den Arbeiterinnen geschüttelt und gebissen wird und deshalb unruhiger als sonst auf den Waben herumläuft, bis zu 23% ihres Gewichtes und ist schließlich körperlich fit genug fürs schwärmen.
Mehrere Dutzend ältere, erfahrene Sammlerinnen beginnen nun, potentielle neue Nistplätze auszukundschaften! Das Signal für diese Bienen ist, daß sie ihren gesammelten Nektar nicht mehr an die weiterverarbeitenden Stockbienen loswerden, weil der ganze Stock schon voll mit Brut und Nektar ist.
Wenige Tage bevor die neue Königin schlüpft, entwickeln viele Arbeiterinnen ihre Wachsdrüsen – eine Vorbereitung darauf, daß sie in ihrem neuen Zuhause schnell Waben anlegen müssen. Das Volk wirkt jetzt insgesamt träge (die „Ruhe vor dem Schwarm“).
Direkt vor dem abschwärmen dann stopfen sich die Bienen die Honigblasen voll – sie wiegen danach 50% mehr als sonst, man kann das auch an Bienenstöcken, die auf Stockwaagen stehen, messen – der Stock wird, wenn Biens abgeschwärmt sind, mehrere Kilo leichter sein als zuvor! (Und zwar erheblich mehr Kilos als die reine Bienenmasse, dummerweise haben sowohl der Herr F. als auch ich die Kilozahl vergessen, die wir beim Herrn Tautz-Vortrag gehört hatten, wir meinen, es waren 4-5 Kilo)
Die Bienen, die zuvor auch schon gekundschaftet haben, laufen kurz vor dem schwärmen durch die „träge Masse“ und wärmen die anderen auf, indem sie sich an sie drücken und dabei ihre ausgeklinkten Flugmuskeln vibrieren lassen (durch dasselbe Verhalten heizen Bienen auch im Winter ihre Wintertraube auf „Betriebstemperatur“) Dies scheint anzustecken, es wird immer mehr, bis alle auf „Betriebstemperatur“ sind, dann gibt es ein lautes Flügelschwirren, und los geht’s!

Das liest sich jetzt alles so schön konsistent und einfach – aber Seeley und sein Team mußten eine Heidenarbeit leisten, um all das mit Experimenten, markierten Bienen, Beobachtung, Messungen etc herauszufinden. Allein, Experimente so zu konstruieren, daß ein tragbares Ergebnis dabei herauskommt ist ja schon höllisch schwierig!

Das Buch selbst ist zugegebenermaßen ein wenig zäh zu lesen – mir ist durchaus nachvollziehbar, daß es Herrn Seeley fürchterlich schwerfallen muß, mehrere Jahrzehnte Forscherarbeit in so ein kleines Taschenbuch zu packen, und schließlich will er ja auch nicht nur Ergebnisse präsentieren, sondern auch den Weg zu ihnen hin….. so faszinierend ich finde, wie so ein Volk kleiner, fast hirnloser Insekten sich so komplex organisiert – für mich war es trotzdem ein wenig viel „Weg“, und auch die Namen der DoktorandInnenen und StudentInnen, die dabei waren, gehören sicherlich hinein, haben mir das lesen aber eher erschwert *g* Insofern: so interessant der „Stoff“ ist: Lese-Empfehlung nur für Bienen-FanatikerInnen 😉

Seeley jedenfalls hat sein ganzes Forscherleben der Biene gewidmet, und so hat er zB auch Jahre damit verbracht, Experimente zum idealen Nistplatz (aus Sicht der Biene) und dazu anzustellen, wie Bienen sich für einen der möglichen Plätze entscheiden. Dieser Teil des Buches hat mich am meisten fasziniert, und auch da hab ich mitr Notizen gemacht, um Ergebnisse zusammenfassen zu können. Dazu schreibe ich später nochmal was; Ihr dürft Euch schon vorfreuen (oder, je nachdem, wißt schon, daß Ihr demnächst mal wieder getrost einen Beitrag überspringen könnt *g*)

 

Warum Honig so sauber ist

Der immer wieder hilfreiche und dazu noch hochspannende Infobrief des Fachzentrums Bienen und Imkerei spielt in der neuen Ausgabe den Erklärbär für ein sehr beeindruckendes Phänomen: selbst Honig aus Großstädten ist bemerkenswert frei von Schadstofffrückständen, Feinstäuben und anderen Belastungen.
Warum?
Zitat:

Gasförmige Emissionen lagern sich in der Luft an Stäube an und landen dann, wie andere Feinstäube auch, auf Pflanzenoberflächen wie Blättern, Nadeln und in Spuren auch in Blüten. Sie werden mit dem Pollen eingesammelt und auch mit dem Nektar oder dem Honigtau aufgenommen. Dann setzt allerdings ein erstaunlicher Reinigungsprozess ein, der zu einer dramatischen Reduktion der aufgenommenen Feinstaubpartikel im Sammelgut führt: Am Übergang der Honigblase zum Darm der Biene sitzt der Ventiltrichter. Er dosiert als Einwegeventil einerseits die Menge an Nahrung, die die Biene zum Leben braucht, andererseits versucht er aktiv die mikroskopisch kleinen Partikel aus der Honigblasenfüllung heraus zu filtern und der Verdauung zuzuführen. Feinstäube, Pollenkörner und Sporen werden nach dem Prinzip des Plankton fressenden Blauwals mit feinsten Reusenhaaren aus dem Nektar oder Honigtau herausgefangen. Und das mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit und Effizienz, wie Fütterungsversuche mit Hefesporen zeigen. Innerhalb von 15 Minuten werden 90% der Sporen, die übrigens kleiner als Pollenkörner sind, aus dem Honigblaseninhalt entfernt. Zuhause angekommen, gibt die Biene dann ihr Sammelgut wesentlich sauberer ab als sie es selbst in Blüten oder auf Blättern und Nadeln vorgefunden hat.Auch gegenüber den Spritzmitteln haben Bienen meist effiziente Möglichkeiten, Wirkstoffe im Nektar zu reduzieren. Allerdings hängt der Wirkungsgrad sehr stark vom chemischen Charakter des Wirkstoffs und der ausgebrachten Menge ab. Fettliebende Wirkstoffe lagern sich an den Gewebewänden der Speiseröhre, der Honigblaseninnenwände und des Ventiltrichters an und wandern dann in
das Körpergewebe der Bienen ein. Die Biene entzieht dadurch dem Sammelgut einen beträchtlichen Teil der Wirkstoffe und liefert dadurch, zuhause angekommen, ebenfalls ein vorgereinigtes Sammelgut an die Stockbienen ab. Je wasserlöslicher ein Wirkstoff ist, umso geringer ist der Reinigungseffekt.

Hier kann, wer möchte, den monatlichen Infobrief kostenlos abonnieren.

Für die wilden Bienen

Letztlich hatte ich ja berichtet, daß ich Mitglied beim Naturgarten eV geworden bin. Zusammen mit einem Begrüßungsbrief bekam ich nicht nur das neueste Heft des „Naturgarten“s, der 4x jährlich erscheint, sondern auch noch die Hefte des vergangenen Jahres – und da ist eines dabei, das wirklich ganz ausgezeichnet ist, über Nisthilfen für Wildbienen.

Man bekommt ja derzeit überall Insektenhotels – was ich aber nicht wusste, ist, daß die meisten für die meisten Arten eher ungeeignet sind. Es beginnt schon damit, daß die abgeschnittenen Pflanzenstengel, beispielsweise, nicht glatt abgeschnitten sind – was bedeutet, daß Bienen, die nach einem Brutplatz suchen, diese Stengel nicht annehmen, weil beim reinschlüpfen zu leicht die Flügel verletzt werden. Dasselbe gilt oft auch für Baumscheiben, in denen Löcher sind – Biens nisten natürlicherweise in Löchern im aufrecht stehenden Holz. Löcher darin sind nicht so splittrig wie in Baumscheiben gebohrte – und es reichen da schon ganz winzige Fasern, um die zarten Flügel zu zerstören.
Manche Hotels sind auch ganz schlicht nicht tief genug für die Nistgänge, in denen ja mehrere Brutzellen hintereinander samt Futtervorräten lagern müssen. Und Kiefernzapfen, die in vielen Insektenhotels hinter einem Gitter liegen, werden höchstens mal zum übernachten von einem Ohrkneifer benutzt, nicht aber zum nisten welcher Bienenart auch immer.
Ein tolles Heft, das, wirklich lehr- und hilfreich.

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Aktiv: Specht und allgemeine Verwitterung … Schief: das Bild, nicht Hotel und Stein.

Aber was ich eigentlich berichten wollte, ist, daß es dort auch einen ausführlichen Hinweis auf die Internetseite wildbiene.com gibt. Die hab ich mir daraufhin mal angeguckt. Dort gibt es diese und andere Infos auch – und einen Shop. Und bei dem habe ich mir einen Niststein bestellt. Eigentlich wollte ich damit unser vorhandenes Insektenhotel „renovieren“. Das hat nämlich im letzten Jahr unter Spechtattacken gelitten. Aber dann habe ich festgestellt, daß 1. viele Nisthilfen belegt sind (die Kleinen  schlüpfen ja erst im Frühjahr, und besonders die Bambusstengelstückchen sind beliebt und viele davon ordentlich zugemauert) und 2. der Stein garnicht reinpaßt. Was ich aber auch festgestellt habe ist, daß beim Stein – das steht nicht in der Beschreibung – ein einziges Loch bis durch geht, so daß man ihn an einem Nagel befestigen kann. Und das hab ich heute getan.

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Der Neue

Ich finde es ja immer schön, wenn Dinge nicht nur nützlich, sondern auch schön sind – etwas, das für meinen Geschmack hier definitiv zutrifft. Nun erwarte ich noch sehnlicher den Frühling, um zuschauen zu können, wer sich wann hier einfindet 🙂 Es muß sich noch herausstellen, ob der Platz optimal ist. Nässegeschützt soll er sein und sonnig – vielleicht hängt er für letzteres etwas zu hoch!? Aber die Balken gehen da oben längs – und dann erst wieder auf Brusthöhe; das ist an diesem Platz ungünstig. Den Stein aber nur in einem Brett festzunageln- dafür ist er zu schwer. Mal sehn, was geschieht – 163 Nistgänge sind in so einem Stein, 3-4 Eier legen die Wildbienen in jeden Nistgang… es könnte also ordentlich was passieren!

Übrigens gab es in Deutschland einmal 547 Bienenarten, aber von denen sind schon 1997 52% in die rote Liste aufgenommen worden, und seither sind die Bedingungen in unseren aufgeräumten Landschaften dramatisch schlechter für wilde Bienen geworden.

Zu den Bienenarten gehören ja auch die Hummeln, und von denen haben wir viele Arten hier. Die leben, wie die Honigbienen, in ganzen Völkern. Die Insektenhotels aber sind für Einsiedlerbienen. Bienen also, die allein leben. Das sind die unauffälligeren  – und die meisten Arten. Sie paaren sich, dann stirbt der Drohn, und die Frau Biene legt ihre Eier samt Nahrungsvorräten (Pollen) in mehreren Zellen hintereinander in so einen Nistgang. Manche Arten gehen in Holz, manche in hohle Stengel, manche in Stein. Vorn kommt noch eine leere Zelle vor den Gang, als Schutz vor Räubern, und dann wird zugemauert. Und meist wird dann auch schon gestorben; viele Wildbienen leben nur wenige Wochen lang. Die Eier oder Maden, das ist je nach Art unterschiedlich, überwintern im Nistgang.

Wer genaueres wissen will, der lese bei wildbiene.com nach, dort gibt es ausführliche Artenportraits!

Ich jedenfalls bin schon gespannt, was (bzw wen) ich demnächst werde beobachten können 🙂

Imkerlatein – die Brutwabe

Als wir unsere Pflegevölker zum ersten Mal durchgeguckt haben, kam uns auch ein „Unfall“ des Vorbesitzers in die Finger:
er hatte eine Lücke gelassen, wo eigentlich ein Rähmchen hingehört hätte, mitten zwischen den anderen Rähmchen – und mittig ist das Brutnest! Biens mögen das gar nicht – und haben sich beholfen: in die Lücke haben sie ans Absperrgitter* eine Brutwabe gebaut, die voller Brut gewesen war. Nun waren die allermeisten Bienen geschlüpft, und wir haben die Wabe entnommen. Eine wunderbare „Erklärbär“- Wabe!

Wer genau hinguckt, sieht Pfeile, Kreise, Zahlen. Und ich erkläre jetzt, was Ihr da seht 🙂 Das Foto (und auch das 2. weiter unten) hab ich extra groß gelassen – wer das in einem zweiten Tab öffnet, kann noch besser gucken!
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  1. Ein Spielnäpfchen*. Sowas weist den Imker zur Schwarmzeit im Frühsommer darauf hin, daß Biens schwarmlustig werden. Später im Jahr bauen sie auch noch manchmal sowas – den Anfang einer Weiselzelle* – wenn es ernst wird, würden sie aus diesem Anfang eine Weiselzelle ausziehen und darin eine neue Königin heranziehen
  2. Wenn man das Bild anklickt, kann man es in größer sehen, und dann kann man wunderbar erkennen, wie schön so ein Wabenwerk gebaut ist – genau in der Mitte jeder diesseitigen Zelle treffen die Ränder dreier anderer auf der Rückseite aufeinander. Diese hellen Waben waren noch nicht bebrütet.
  3. Hier sieht man das Absperrgitter und daß die Wabe einfach an dieses Gitter rangebaut sind.
  4. Am Rand der Wabe sind noch verdeckelte* Brutzellen, in denen Bienen sich entwickeln. Die Bienenlarven da drin wurden nach dem Foto eingefroren – ein hoffentlich sanfter Tod. Sie werden im Winter den Vögeln als Futter dienen.
  5. Hier glitzert ein wenig Nektar.
  6. Hier ist zu sehen, was mir immer so richtig leidtut: man wird es nie schaffen, eine solche Wabe herauszuholen und einzufrieren, ohne daß ein oder zwei Bienen währenddessen schlüpfen. Diese Bienen finden aber nicht in ihre Beute zurück, sie müssten ja auch ersteinmal ein wenig Zeit haben, sich zu putzen, gefüttert zu werden etc. Zwei haben wir zur Beute getragen und direkt ans Flugloch gesetzt. Ob sie drin angenommen werden – ich weiß es nicht. Reingekrabbelt sind sie. Übrigens: wer sucht, der sieht auch die 2. Jungbiene schlüpfen….
  7. Normalerweise hat so eine Brutwabe oft einen Pollenkranz (3-4 Reihen von Zellen voller Pollen oberhalb vom Brutnest) und darüber einen Futterkranz (einige Reihen Nektar zur Sofortversorgung). Diese Wabe war so vollständig bebrütet, daß es das nicht zu sehen gibt, aber in diesem Kreis sieht man mehrere Zellen mit Pollen in verschiedenen Farben.

Ein zweites Foto zeigt eine andere Wabe:

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  1. In dieser Wabe war eine Mittelwand* eingelötet, denn der Vorbesitzer läßt nicht im Naturbau* bauen wie wir. Im Kreis sieht man die Mittelwand, unten, und weiter oben, wie die Bienen die vorgeprägten Zellenanfänge mit ihrem Wachs ausgezogen haben, bis sie die richtige Tiefe haben.
  2. Das frische Wachs ist fast weiß. Dieser unbebrütete Wabenteil hat bräunliche Ränder obendrauf, weil die Bienen die Wabenzellen mit Propolis überziehen. Wirkt antibakteriell etc (Link anklicken für mehr Info)
  3. Zellen, aus denen bereits Bienen geschlüpft sind. Da diese Wabe frisch ist, erkennt man in der Vergrößerung sehr gut die Häutchen. Von jeder Generation schlüpfender Bienen bleibt in jeder Zelle ein Häutchen, dadurch werden die Waben immer dunkler.
  4. Vergessen habe ich, daß ich noch zeigen wollte, wie Biens die Drähtchen in den Rähmchen (die die Mittelwand stabilisieren) mit einarbeiten. Man sieht den Draht vorblitzen, wenn man am rechten unteren Ende des dunkleren Kreises der bebrüteten Zellen genau hinschaut. Entdeckt Ihr’s??

* Sternchen an Wörtern weisen darauf hin, daß diese Begriffe in anderen „Imkerlatein“-Folgen bereits erklärt wurden 🙂


Aussortiert: eine hübsche Dose. Die ich aber nicht brauche. Kann als Geschenkverpackung wiederverwendet werden.

Krieg im Garten

Einen Tag, nachdem wir die Bienen durchgeguckt und die zwei schwächsten Völker zusammengelegt haben, herrscht Krieg im Garten.

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Hier wache ich!!!

Das Sonnenvolk hat Ärger mit Wespen, das Mondvolk muß sich gegen fremde Bienen wehren, die zwei zusammengelegten Völker sausen laut in der Beute (draußen sieht es bei denen dagegen relativ friedlich aus), und die Sternchen verjagen alle drei Minuten wieder dieselbe Hornisse…. Nur auf der Liege wirkt alles recht friedlich – ich habe bei diesem „Volk ohne Futter“ (habt Ihr dieselbe üble Assoziation, so im Zusammenhang mit dem Beitragstitel und überhaupt??) morgens mal kurz den Deckel gelupft – fast zwei Drittel des Futters sind schon weggeschlürft!!

Natürlich sind die Wespen auch mal bei den Sternchen, und die Hornisse war auch ab und an mal beim Sonnenvolk zu sehen – aber eben eher weniger. Hmmm. Aber irgendwie ist die Hornisse kleiner als sonst Hornissen sind. Abends dann habe ich mal nachgeschaut, weil auf den Fotos erst so richtig auffiel, daß sie nicht nur kleiner, sondern auch viel dunkler ist als unsere Hornissen sonst. Und prompt habe ich wieder eine neue Bewohnerin unseres Gartens entdeckt: die kleine Hornisse oder Mittlere Wespe  Ich kann jetzt nicht behaupten, daß mich diese neue Bewohnerin wirklich glücklich stimmt 😉 Unsere Bienen mögen sie nicht (zu Recht, sie hat ziemlich agressiv angegriffen), und das macht sie mir nicht gerade sympathisch…. aber nuja, auch eine Kleine-Hornissen-Kolonie noch zu Wespen und echten Hornissen wird unsere Bienen nicht ernsthaft kleinkriegen …. denn …

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Alle Völker wehren sich erbittert gegen die Vereinnahmung von wem auch immer.

Die lästigen Wespen werden eher verjagt als richtig angegriffen, aber bei den fremden Bienen (ob es heimatlose Flugbienen von der Liege sind, die sich verfliegen, weil sie ja nun seit tags zuvor zwischen Sternchen und Mondvolk stehen? Das Flugloch des Mondvolks ist etwa auf der gleichen Höhe…) geht es auf Leben und Tod, und vor der Beute liegen Opfer im Gras. Nach Räuberei sieht es für mich nicht wirklich aus, bisher wirkte das auf mich anders. Aber wer weiß das schon genau…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Grunde ist es genau, wie es sein soll. So ein Volk muss sich ja wehren können, sonst ist es verloren! Viele möchten vom leckeren Honig nur zu gern etwas abhaben. Und gibt man ab, dann verhungert man im Winter. Und doch ist es nicht schön anzusehen, wenn sich fünf, sechs Bienen auf eine andere stürzen und man sich ineinander verbeißt und auch zu stechen versucht.
Wespen und Hornissen haben momentan, soweit ich das sehen konnte, keine Chance. Ich habe nicht eine gesehen, die es in eine Beute geschafft hat, das war in anderen Jahren auch schon anders.
Und dann keilen sich die Wespen auch noch untereinander, gut so *gg*

Ganz zum Schluß wurde dann auch ich noch in die Mangel genommen – eine Wespe war genervt vom fotografiertwerden und flitzte auf mich zu – ein Stich unterm Kinn…. tjä, was tut Frau nicht alles für ihr Blog ;-|


Aussortiert: ein programmierbares Heizungsthermostat. Da es durchaus funktioniert (ich aber tierisch genervt bin, weil alle paar Wochen die Batterien leer sind und man dann jedesmal neu programmieren muß) geht es zum Sozialladen. Nach zwei Jahren!! Die hat es in einem Körbchen auf der Schlafzimmerkommode verbracht, weil ich immer dachte „na, vielleicht nächsten Winter doch…. – denn im Prinzip finde ich das gerade für unser Schlafzimmer absolut sinnvoll. Na, das Äppelken macht zur Zeit  für uns (naja *gg*) einen Praxistest mit einer anderen Marke. Wenn sie da im Frühjahr grünes Licht gibt (dh bei dem Dingen nicht dauernd wechseln/ neu programmieren musste) dann gibts zum übernächsten Winter ein anderes.

Imkerlatein: Drohnenmütterchen, drohnenbrütig, Buckelbrut

Es kann sein, daß unser Schwarm ein Drohnenmütterchen gebildet hat, das die neuen Königinnen abgestochen hat. Als der Herr nämlich am Samstag reinschaute, war alle bisher verdeckelte Brut Drohnenbrut. Aber mehrere Weiselzellen waren ausgeschlüpft.

Was heißt das?

Wenn ein Volk lange ohne Königin ist, kann es sein, daß eine Arbeiterinnenbiene versucht, die Rolle, der Königin zu übernehmen und zu stiften. Da sie aber ja nicht befruchtet wurde, kann sie nur Drohnen produzieren (die ja aus unbefruchteten Eiern schlüpfen), das Volk ist drohnenbrütig. Das läßt das Volk natürlich langfristig sterben. Als wir die frische Brut vom Mondvolk einhängten, waren ja noch keine Stifte da, und Biens haben sofort die Weiselzellen ausgebaut – da müsste das also genau dazwischen, während sich eine neue Königin entwickelte, passiert sein. Nun kann zweierlei geschehen:

  • das „Drohnenmütterchen“ ist so stark und überzeugt, daß es die schlüpfenden Königinnen als Konkurrenz absticht. Schade, denn dann ist dies Volk verloren.
  • Oder eine junge Königin konnte sich durchsetzen und hat das Drohnenmütterchen abgestochen (oder es wird aufgrund der königlichen Pheromone wieder zur normalen Arbeiterin), dann sind – hoffentlich – die frischen Stifte, die der Herr auch gesehen hat, Arbeiterinnen. Das bleibt für uns jetzt abzuwarten…. Da nach „Zeitplan“ der Königinnenentwicklung die junge Königin tatsächlich frühestens letztes Wochenende zu stiften begonnen haben kann, könnte das sein. Abwarten.

Man nennt den Zustand des drohnenbrütigseins auch „Buckelbrut“; ein anschaulicher Name, denn das Drohnenmütterchen zieht ja große Drohnen auch in den kleineren Arbeiterinnenzellen – da schaffen die Bienen dann Platz, indem die Zellen buckelig verdeckelt werden – ein buckeliges Brutbrett ist die Folge. (und die Drohnenzellen sind ja eh nicht so glatt verdeckelt wie die Arbeiterinnenzellen)

Imkerlatein: Weiselprobe

Die Weisel ist die Königin.

Eine Weisel zu haben ist für jedes Bienenvolk überlebenswichtig! Schließlich ist sie die einzige im Volk, die befruchtete Eier legen kann und somit für den Fortbestand des Volkes sorgt. Deshalb guckt man auch gern immer, wenn man eh ins Volk guckt, ob man die Königin zu sehen bekommt. Alternativ (da die Königinnen sich immer gern verstecken und auch noch von Arbeiterinnen um sie herum geschützt werden) kann man gucken, ob man frische Stifte sieht. Wenn man welche findet, weiß man: okay, vor 1-3 Tagen war die Königin zumindest noch da und hat Eier gelegt, gestiftet eben.

Nun waren wir gestern bei unserem Schwarm und haben weder die Weisel gesehen noch junge Stifte oder auch „nur“ Maden. Huh! Was ist da los? Ist Karin, die ja mit dem Schwarm in die TBH gekommen war, verunglückt? Dafür sprach auch die Unruhe, die wir ja immer wieder im Volk wahrgenommen hatten, aber nicht auf Weisellosigkeit, das Fehlen einer Königin also, bezogen hatten.

Was tun?

Wir legten eine Weiselprobe an, und das geht so:

Aus einem anderen Volk – in unserem Fall den Sternchen – haben wir ein Stück Wabe mit Stiften herausgenommen. Das Wabenstückchen versuchten wir an den Oberträger zu kleben, indem wir’s oben warm machten. Da das nicht geklappt hat, haben wir’s mit einem Draht am Oberträger festgemacht.

Die verdeckelte Brut kann schlüopfen, in den

Die verdeckelte Brut kann schlüpfen, in den „leeren“Zellen sind Stifte.

Diese Konstruktion haben wir nun bei der Villa hineingehängt. Und so werden wir in einigen Tagen sehen können, was die Weiselprobe ergibt: wenn die Bienen tatsächlich keine Königin haben, werden sie ihre Chance nutzen und sich aus den Stiften eine heranziehen. Ist doch eine da, so werden sie schlicht Arbeiterinnen daraus „machen“. Das können nämlich die Bienen selbst entscheiden: die Temperatur und das Futter machen den Unterschied: die Königin wird mit Gelée Royale gefüttert und (glaube ich, korrigiert mich, wenn ich falsch liege) ein wenig wärmer gehalten als die Arbeiterinnenbrut.

Wir hoffen, daß unsere Weiselprobe so oder so gut endet – nämlich mit einem starken, brütenden Volk in der Villa Brumselia.

Imkerlatein: in der Beute

  • Die Beute ist ganz allgemein die Bienenbehausung, ganz egal, wie sie aussieht. Wir haben
  • TopBarHives (TBH), das sind die „Kindersärge“
  • und Dadant-Beuten, benannt nach ihrem Erfinder. Die Dadant-Beute gehört in die Kategorie der
  • Magazinbeuten. Das sind die, bei denen man Türme stapelt, bestehend aus einzelnen
  • Zargen. Jede der Kisten, die da übereinandergestapelt werden, ist eine Zarge. Es gibt
  • Bruträume, das sind die Zargen, in denen die Bienen ihr Brutnest bauen, und
  • Honigräume, das sind die Zargen, in denen von Biens Honig gelagert wird; damit der Imker es leichter hat, wird bei den meisten Imkereien zwischen diese zwei Sorten Zargen ein
  • Bild: AxelHH, Wikipedia

    Bild: AxelHH, Wikipedia

    Trenngitter gelegt. Das hat genau so breite Zwischenräume zwischen den Gitterstangen, daß zwar die kleineren, Waben bauenden und honigsammelnden Arbeiterinnen durchkrabbeln können, nicht aber die größere Königin, die deshalb dazu gezwungen ist, nur im Brutraum zu stiften (wer diesen Ausdruck noch nicht kennt – dazu gibts schon ein Extra-Imkerlatein). Bei unseren Dadant-Beuten ist nur ein einziger, dafür größerer Brutraum, auf den die kleineren Honigräume gestapelt werden. In die Zargen werden meist

  • Rähmchen eingehängt. Das nützt auch dem Imker, weil dadurch die Bienen die Waben nur wenig am Zargenrand festkleben und schön gerade bauen, wenn man – wie die meisten Imker- eine
  • Bild: AxelHH, Wikipedia

    Bild: AxelHH, Wikipedia

    Mittelwand einlötet. Mittelwände sind aus Wachs gepreßte Waben-Anfänge (die Wabengröße für Arbeiterinnenbrut ist schon eingeprägt, die Bienen müssen nur noch „ausbauen„, also die nötige Tiefe daranbauen) Manche, wie wir, lassen aber die Bienen auch im

  • Naturbau bauen, das heißt, daß die Bienen die ganze Wabe selbst bauen. In den Dadant-Beuten haben wir dafür Rähmchen, in deren Falz oben wir nur einen
  • Anfangsstreifen einkleben (mit Wachs), einen etwa 3 cm langen Streifen eines Mittelwändchens. Damit die Bienen den als Orientierung nehmen und daran schön gerade herunterbauen, was auch fast immer klappt. Noch freier sind sie in der TBH, da haben sie nur
  • Naturbau an einem OT

    Naturbau an einem OT

    Top Bars, auf deutsch Oberträger (OT), heißt: Leisten, an die Dreiecksleisten angebracht sind. Diese Dreiecksleisten bestreichen wir mir Wachs- auch das mit dem Ziel, den Bienen einen hübsch geraden Anfang zu geben, an dem sie hüsch gerade Waben bauen. Das allerdings klappt manchmal nicht so dolle, dann errichten sie

  • Krumm- oder Schrägbau. Den Bienen ist das egal, aber unsereins kann dann die Waben nicht mehr gut (oder garnicht) herausziehen, deshalb ist das äußerst unbeliebt bei Imkern 😉
    Wichtig ist dann noch das
  • Trennschied, sozusagen eine mobile Wand, die man je nach dem Platz, die das Volk im wachsen und gen Winter im verkleinern braucht, versetzen kann.
    Unter dem Zargenstapel ist ein
  • Gitterboden (luftig),unter den man zum zählen der Varroen eine
  • Das ist die ganze Schublade.

    Das ist die ganze Schublade.

    Varroaschublade (seltsamerweise auch Windel genannt) einschieben kann.

  • Achja, und dann gibt es noch den Fluglochkeil. Bei der Magazinbeute ist das ein Holzstück, das genau in das große, breite Flugloch paßt. Wenn das Volk noch klein ist, kann man dieses Holzstück so drehen, daß nur vielleicht 40-50 Bienen gleichzeitig rein oder raus können. Im Winter wird sogar nochmal gedreht (oder bei Räuberei), die Öffnung ist dann so winzig, daß immer nur 1- vielleicht 2 Bienen zur Zeit durchkommen – und keine Spitzmäuse. Im Sommer ist der Fluglochkeil bei großen Völkern meist im Haus zu finden 😉 Bei den TBH können wir Korken in die Fluglöcher stecken und so vergrößern oder verkleinern. Für den Notfall haben wir sogar korkengroße Holzstücke halbiert und bei einem sogar nur einen kleines Dreieck rausgeschnitten. Das ist dann die Größe der kleinsten Keil-Stellung.

Imkerlatein: schröpfen; Sammelbrutableger

Aus aktuellem Anlaß (damit Ihr gleich kapiert, was Ihr morgen lesen werdet ;-)) gleich noch ein Ausdruck der Imkersprache:

schröpfen

Heißt: einem Volk werden Arbeiterinnenbrutwaben entnommen. Aber warum tut man dies?

  • Der Grund ist, daß man durch vorsichtiges schröpfen (man spricht dabei von vielleicht 4-5 Arbeiterinnen-Brutwaben über die Saison) den Schwarmtrieb niedrig halten kann. Die Königin legt in der Saison ja extra viele Stifte*, die Bienen möchten ihr Volk teilen. Sind aber nicht genug Bienen da, dann sehen sie, daß sie ihr eigenes Volk zu stark schwächen würden, wenn sie schwärmen würden. Und der (konventionelle) Imker freut sich. Wir auch, weil wir nie sicher sein können, Schwärme zu bemerken und deshalb lieber keine haben.
  • Es gibt noch einen gewichtigen Grund, Brut zu entnehmen, und der heißt: Varroabekämpfung (Varroen, das sind die fiesen Milben, die, tut man nichts gegen sie, unsere Bienenvölker so schwächen, daß sie zugrunde gehen. Bei uns gibt es sie erst seit den 70er-Jahren, deshalb haben unsere Bienen noch keine Möglichkeit gefunden, sich selbst ihrer zu erwehren) Die Varroen vermehren sich nämlich in den verdeckelten Brutzellen, wo die Mütter sich von Maden und Larven ernähren, ihre Eier legen und zusammen mit der fertigen Biene schlüpfen. Wenn man also eine Brutwabe mit verdeckelter Brut entnimmt, dann entnimmt man dem Volk auch gleich viele erwachsene und auch junge Varroen. Besonders gut geht das bei Drohnenbrut* – die mögen die Varroen besonders gern, weil sie etwas länger brauchen, bis sie schlüpfen. Die Entnahme von Drohnenbrut ist aber nicht eigentlich ein „schröpfen“

Nun hat man also Brutwaben entnommen – was macht man aber damit?

Hat man mehrere Völker und möchte noch mehr ;-), dann kann man einen Sammelbrutableger basteln: man nimmt aus mehreren Völkern je eine Brutwabe mit Arbeiterinnenbrut samt den Bienen, die dransitzen (Achtung: vorher Königinnen suchen – die sollen ja in ihren Stammvölkern bleiben – ein Grund, warum das für uns schon kaum in Frage kommt – wir sehen so gut wie nie eine Königin….) und tut sie zusammen in eine frische Beute. Damit Biens dableiben und nicht in ihre Stammvölker zurückfliegen, bringt man sie 4km weit weg (Grund 2, warum wir das nicht machen können) an einen anderen Stellplatz. Dort läßt man entweder der Natur ihren Lauf (Achtung: drauf achten, daß junge Stifte* mit auf den Waben sind), dann basteln Biens sich eine neue Königin. Oder man setzt eine Königin dazu (kann man kaufen oder auf Vorrat züchten. Auch keine Option für uns)

Ja, das also tun wir nicht. Was aber tun Imker, die das nicht tun, mit ihren Brutwaben? Und was tun Imker mit den zur Varroabekämpfung entnommenen „überflüssigen“ Drohnenbrutwaben?

Ich musste hören, daß die meisten sie wohl einfach in den Müll oder ins Feuer schmeißen. Ersteres finde ich richtig übel. Denn immerhin sind auch überflüssige Drohnenlarven Leben. Und man schmeißt tausende lebendiger Larven in den Müll, wo sie langsam verkühlen und/ oder verhungern. Geht garnicht!!! Ins Feuer- okay, das geht immerhin schnell! Wir haben uns für eine andere Methode entschieden: wir frieren die Brutwaben ein. Erfrieren ist ja ein vergleichsweise angenehmer Tod. Und dann gibt es Müllvermeidung der etwas anderen Art- und das lest und seht Ihr morgen 🙂


* diese Ausdrücke wurden bereits erklärt. Du findest sie, wenn Du den tag „Imkerlatein“ anklickst

 

Imkerlatein: sterzeln; sich einfliegen

Heute eine weitere Folge der Imkerfachsprachen-Erklärungen, diesmal zu dem schönen Wörtchen

 sterzeln

Das ist zumindest mal kein Wort, bei dem man denkt „ja, warum hat sie das denn nicht gleich gesagt“ – denn es gibt kein einfaches, sich selbst erschließendes Wort für das, was die Bienen da tun. So sieht es aus, wenn sie’s machen:

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das helle vor dem letzten, spitz zulaufenden Segment des Hinterleibs, ist die Duftdrüse

Sie tuns vor den Eingängen zu ihrer Bienenbehausung, und was sie da tun ist: eine Wegmarkierung setzen. Denn sie sitzen mit dem Kopf zum Einflugloch, recken ihr Hinterteil in die Höhe und knicken dabei das allerletzte Stückchen davon ab, um ihre Duftdrüse freizulegen. Das ist deutlich zu sehen, es ist der hellere Teil, zwischen vorletztem und letztem  Segment des Hinterleibs. Dort sondern sie dann Duftstoffe ab, die sie mit den emsig schlagenden Flügeln in die Luft vor ihrer Behausung verteilen. Und so können Flugbienen gut heimfinden. Genutzt wird diese Art Wegweiser

  • wenn Jungbienen sich zum ersten Mal hinausbegeben, was sie meist in Gruppen tun, und sich in der Umgebung orientieren – das nennt man „sich einfliegen“
  • wenn ein Schwarm abgeflogen ist – dann sterzeln Bienen am Bienenstock – immer gibt es auch Bienen, die mit dem Trubel herausgesogen wurden, aber garnicht schwärmen wollen, die finden dann besser zurück
  • und auch an der Sammelstelle des Schwarms sterzeln viele Bienen, damit versprengte Schwarmbienen sie finden
  • außerdem natürlich immer dann, wenn das Bienenvolk eine neue Heimat gefunden hat – der Schwarm im neuen Bienenstock, oder das Volk, wenn der Imker es woandershin gebracht hat, oder ein Ableger, der in eine neue Behausung gebracht wurde

Übrigens hat jedes Volk seinen eigenen Duft – für Menschennasen nicht zu unterscheiden, aber selbst bei direkt nebeneinanderstehenden Völkern wird jede Biene riechen können, wohin sie gehört, wenn überall sterzelnde Bienen stehen!


Und jetzt könnt Ihr gleich mal anwenden,was Ihr gelernt habt, denn es gibt Neues von Biens, und das hat sehr damit zu tun:

Freitag
Als ich von der Arbeit kam, erzählte mir der Herr, begleitet von Fotos, dies:
mittags lief er durch den Garten, als ihm auffiel, daß am Mondvolk auffallend viele Bienen saßen und sterzelten

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Er fragte sich, warum wohl dies. Aber da das Volk ja garnicht schwärmen KONNTE (schließlich hatten sie erst vor kurzer Zeit Weiselzellen auszubauen begonnen, die neue Königin konnte noch garnicht geschlüpft sein), hat er sich zunächst nicht viel dabei gedacht. Vielleicht viele Jungbienen auf ihrem ersten Flug unterwegs oder so. Aber da sterzeln schon bemerkenswert viele Bienen! Naja. Okay. So dachte er. Bis er dann hinten im Garten dies sah:

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Noch immer war nur beim Mondvolk auffälliges zu sehen (die sterzelnden Bienen). Er hat dann das Schwärmchen abgefegt (er sagt, das Bild täuscht, es war weniger als es scheint) und vor dem Mondvolk abgestoßen. Es geschah dies:

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und nach einer Weile waren sämtliche Bienen ohne Kämpfe (also waren es wohl auch keine aus einem anderen Volk, oder??) wieder im Flugloch verschwunden.
Tja. Und jetzt? Ein Volk ohne Königin schwärmt doch nicht! Wir haben große blinkende Fragezeichen auf der Stirn.


Samstag

Der Herr F. muß ran, schließlich wollen wir wissen, was da los ist – und möglichst nicht, daß mittags wieder ein Schwärmchen irgendwohin fliegt. Ich muß arbeiten, blöd! Und was sieht der Herr F., als er das Mondvolk öffnet? Dies:

von der Sorte gab es zwei!

von der Sorte gab es zwei!

Zwei Weisel (Königinnen-)zellen mit säuberlich geöffneten Deckelchen. Da waren also gleich zwei Jungköniginnen geschlüpft!! Und beide Zellen an einer der alten Waben! Die jedeR von uns einmal in der Hand gehabt hatte, um zu suchen – ohne Weiselzellen zu entdecken!! Deshalb hatten wir ja frisches Wabenwerk mit Stiften (Stifte – nachzugucken unter der Rubrik „Imkerlatein!! *g*) zugehängt – und komischerweise hatten die Bienen ja auch daran einige Weiselzellen angesetzt – warum sie das getan haben, wenn sie doch offenbar schon auf der ursprünglichen Wabe 2 Zellen in Arbeit hatten – das ist mir ein Rätsel. Diese Zellen (die jüngeren) waren übrigens auch noch da – aber mindestens eine davon hatten die Bienen zerstört. Vielleicht also wollten sie auf Nummer sicher gehen, 2 Zellen waren ihnen zu wenig – und nun, wo gleich 2 Königinnen geschlüpft waren, konnten sie die jüngeren aufgeben? Wie auch immer – der Herr F. hatte also am Freitag tatsächlich ein Schwärmchen abgefegt und in den Bienenstock zurückgebracht …. da sie heute nicht wieder zu schwärmen versucht hatten, wird entweder die abgeschwärmte Königin beim fegen gestorben sein, oder sie haben das anders gelöst- so wie es eigentlich hätte sein sollen und normal gewesen wäre: eine Königin wird vom Volk „gekrönt“, die andere totgestochen. Aber unsere Bienen machen ja immer alles gaaaaanz anders *seufz*.

Wo er dabei war, hat der Herr F. auch noch in die anderen Völker geschaut und festgestellt: auch das Sonnenvolk wollte schwärmen. Mehrere Weiselzellen hat der Herr entfernt… auch seltsam – normalerweise soll ein per Flugling geteiltes Volk zuverlässig die Schwarmlust verlieren. Unseres nicht. *nochmalseufz*

Die Sternchen sind auch ordentlich stark geworden, aber die haben keine Weiselzellen, sind also (noch) nicht in Schwarmstimmung. Zumindest hat der Herr F. nichts gesehen – inzwischen traue ich uns da nicht mehr über den Weg….. Wir haben eine verdeckelte Brutwabe mit (hauptsächlich) Drohnenbrut entnommen – einerseits um die Varroen zu dezimieren (die sich in den verdeckelten Brutzellen, besonders gern bei den Drohnen, vermehren) und andererseits, um die Sternchen nicht in Schwarmstimmung kommen zu lassen.

Wieder ein Bienen-Abenteuer …..

Imkerlatein: Stifte

Aaaalso, ich werde von heute an hin und wieder büschen was grundsätzliches über Bienen erzählen, mit Erklärungen von Fachbegriffen. Der Grund: ich habe in den Kommentaren mitgekriegt, daß es für nicht imkernde Bieneninteressierte durchaus interessant ist, Begriffe nochmal erklärt zu bekommen. Es gibt dann auch einen tag „Imkerlatein“, in dem ich diese Beiträge sammeln werde. Wenn Ihr dann wiederrmal denkt „Verdammtnochmal, was zur Hölle war nochmal eine Drohne?“, oder „Mannmann, was ist nun schon wieder ein Stift?“, dann könnt Ihr diesen tag anklicken und bekommt eine Übersicht, aus der Ihr dann den betreffenden Beitrag anwählt und Euch den fehlenden Begriff fix nochmal erklären lassen könnt. Na, ist das was? Servicewunderland Bloggolei! 😉

Die Serie beginnt mit dem Begriff „Stifte„.

Und wenn man dies Bild hier anschaut, das ich letzte Woche gemacht habe, dann weiß man auch, warum

die Eier, die die Königin legt

so genannt werden:

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Sie stehen in den ersten zwei Tagen wie kleine Stifte aufrecht (meist) genau in der Mitte auf dem unteren Zellenboden – die kleinen weißen, die man da sieht – das sind sie. Nach zwei Tagen legen sie sich dann hin, und weitere 4 Tage später schlüpfen auch schon die kleinen Maden aus. Die Stifte im Bild sind wohl gerade dabei, sich zu legen.

Also ganz einfach:

  • die Königin stiftet heißt: die Königin legt Eier.
  • Junge Stifte: einen bis zwei Tage alte Eier

Wichtig ist dieser Begriff schon (warum man nicht einfach „Eier“ sagt, wenn man „Eier“ meint, ist eine andere Frage. Ich verstehs auch nicht….): sind junge Stifte da, weiß ich: in diesem Volk ist eine lebende Königin. Bzw war gestern noch eine. Außerdem kann ich eine Wabe mit jungen Stiften in ein Volk hängen, das keine Königin hat – wie letzte Woche. Aus den jungen Stiften kann es sich dann selbst eine großziehen, denn die kleinen Stifte, die bis zu zwei Tage alt sind, sind noch nicht festgelegt: ob eine Arbeiterin daraus wird oder eine Königin – das bestimmen Biens über Futter und Bruttemperatur. Nur muß ich drauf achten, daß ich den königinnenlosen Bienen befruchtete Stifte gebe … das ist im Beitrag über Drohnen erklärt :-), einem älteren Beitrag, den ich nochmal überarbeitet habe, so daß er jetzt in die Rubrik „Imkerlatein“ paßt.

 

mal….

Dies hier ist auch bisher einzigartig! Und schön ausgeführt, finde ich!


So. Ich bin jetzt Mitglied bei beenature. Das ist der Verein Derer, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, auf natürliche Weise den Bienen zu helfen – u.a., indem statt auf Säuren auf den Bücherskorpion gesetzt wird. Am Wochenende waren wir ja zu einer Bienen-Veranstaltung, auf der Jürgen Tautz gesprochen hat (HOCHspannend!!!) und das war in der Schule, in der Torben Schiffer als Lehrer arbeitet – der Mann, der seine Examensarbeit über den Bücherskorpion geschrieben hat und jetzt mit Schülern weiter daran forscht. Und wenn man beim Verein Mitglied ist, dann bekommt man die Ergebnisse zu Haltung, Züchtung und dem, was andere Imker schon alles so mit Bücherskorpionen ausprobiert haben. Das soll so eine Art Netzwerk werden (sein), in dem Jeder, der versucht, mit den kleinen Biestern etwas zu machen, seine Erfahrungen mit einbringt und so dem Ganzen weiterhilft. Ich bin sehr gespannt – wenn mein erster Mitgliedsbeitrag dort eingegangen ist, wird das ganze für mich freigeschaltet – und wer weiß, vielleicht gehen wir ja demnächst unter die Bücherskorpionzüchter! Lust hätte ich dazu! Der Herr überlegt schon, wie er unsere Beuten modifizieren kann, damit die Kleinen sich dort wohlfühlen…. Uiuiui….. unsere Köpfe rauchen, es tut sich was!!!!

Hier werden Sie geholfen!

Habe mal ein paar Suchanfragen bzgl. Bienen gesammelt, mit denen die FragerInnen bei mir gelandet sind, aber bisher keine Hilfe gefunden haben. Aber nu‘ 😉

  • Bienenbeine auf der Unterlage sind erstmal total normal – zumindest, wenn „Unterlage“ die Gemüllschublade, auch „Windel“ genannt, meint. Denn tote Bienen gibt es immer, gerade um den Endwinter, und die lassen sich nunmal besser nach draußen entsorgen, wenn die sperrigen Beine und Fühler abgeknabbert sind. Sollten allerdings vor allem im Spätsommer vergleichsweise sehr viele zu finden sein, so könnte das ein Anzeichen für Räuberei sein, also dann näher hinschauen!
  • Maden rausziehen – ja, solche ekligen Dinge tut der Imker auch! Und zwar, wenn er tote Maden in den Brutzellen findet. Man will ja schließlich wissen, ob man es mit vielleicht wirklich schlimmen Krankheiten wie der amerikanischen Faulbrut zu tun hat. Oder ob die Sackbrut im Stock ist, oder die Kalkbrut! Normalerweise aber ist es nicht nötig, Maden herauszuziehen. Die Bienen merken selbst, wenn da was mit einer Made nicht stimmt und entsorgen sie.
  • bienenschwarm hängt seit 5 tagen am baum Tja, das ist seltsam! Da sollte man vielleicht mal einen Imker anrufen statt im Netz zu gucken. Es sei denn, die hängt so weit oben, daß der eh nicht rankäme, dann braucht man den auch nicht zu stören. Vielleicht ist das Ganze dann auch ganz was anderes, was der Bienenlaie bloß falsch identifiziert hat. Wer weiß, ob derselbe Mensch auch
  • bienenschwarm anlocken eingegeben hat.. kann man versuchen, mit einer Schwarmlockkiste zum Beispiel. Bei uns hat das bisher nicht geklappt ….
  • wivil bienen schlupfen auf ein wabe dnm – da möchte ich zuallerserst einmal anmerken: eine Suchmaschine bringt bessere Ergebnisse bei zumindest rudimentär richtiger Rechtschreibung! Bei mir allerdings findet man die Antwort auf diese Frage nicht, denn DNM haben wir nicht. Aber vielleicht gabs ja was anderes interessantes zu entdecken….
  • oxalsaeure pro wabengang: Träufeln im Dezember: 3,5%ige Oxalsäuredihydratlösung (bezogen auf das Endvolumen) 5-6ml pro Wabengasse (30ml kleines Volk; 40 mittleres Volk; 50ml starkes Volk)
  • waben eklig – präzisieren, bitte…. *ggg*
  • wesensnahe imkerei: mellifera eV
  • varroabekämpfung in der tbh mit ätherischen Ölen ist mE Schwachsinn. Punkt.
  • wie verhalten sich die bienen in den ersten tagen nach dem einschlagen Ersteinmal fliegen sie sich ein, d.h. man wird viele Bienen mit dem Kopf zur Beute Zickzack vor dem Flugloch herumfliegen sehen. So soll es sein! Und dann gehts auch schon los, drin wird gebaut, draußen gesammelt! In der ersten Zeit sollte es für die Bienen Honigwaben aus einem anderen Volk oder Zuckerwasser zur Unterstützung geben! Und zu guter Letzt:
  • was ist eine cola glas voller bienen? Nichts Gutes! Denn keine Macht der Welt wird so viele Bienen lebendig dazu bringen, sich in einem Colaglas aufzuhalten…..

Es wundert (und freut) mich immer wieder, wie viele Menschen hier auf der Suche nach Antworten auf Bienenfragen landen. Sehr viele werden die gesuchten Antworten hier finden – ab jetzt noch mehr *g*. Leute, ich würde mich freuen, wenn mal öfter Jemand von Euch ein feedback hier hinterlassen würde!!!

 

 

Die Bienen summen nur noch leis‘ – ganz leis‘
und nur der alte Bienenvater weiß,
daß sie in warmer Traube sich verbinden,
vereint den kalten Winter überwinden.
Gönnt ihnen gern die wohlverdiente Ruh‘,
deckt jedes Volk warm und behaglich zu.
Horcht, wie sie flüstern leise, wie im Traum,
von neuer Blütenpracht im weiten Raum.

Edmund Herold – wahrscheinlich jedenfalls

….und bald können sie wieder fliegen… letztes Jahr gabs um diese Jahreszeit schon erste Flugtage. Dies Jahr noch nicht, obwohl es jetzt grad deutlich wärmer wird (von -5 auf+5° in zwei Tagen….)


Aussortiert: eine Porzellanplatte