Tränen lachen

Gestern zur Nacht hat mir der Herr F. eine Geschichte vorgelesen. An einer Stelle mußte ich so lachen, daß ich zeitweise überhaupt keine Luft mehr bekam! Die Tränen rollten, immer wieder ging es von neuem los, und selbst jetzt beim schreiben gluckse ich schon wieder. Das Zwerchfell hat noch immer Muskelkater – unglaublich!

Kennt Ihr das?

Ich weiß noch, ich lachte Tränen beim Improtheater vor einigen Jahren und auch bei einigen Horst – Evers- Geschichten. Aber so ein richtiger alberner Lachanfall, bei dem man nicht mehr aufhören kann zu lachen – das schien mit Volkers Tod vor nun auch schon über 22 Jahren aus meiner Welt verschwunden zu sein, bis vor wenigen Wochen – da hatte ich schonmal einen, auch beim vorgelesen-bekommen. Daß dies also nicht unwiderruflich weg ist – das will niedergeschrieben sein, damit es nicht in Vergessenheit gerät!

 

 

 

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Die Hoffnung und das halbvolle Glas

Gestern, als wattundmeer im letzten Blogbeitrag hier kommentierte, daß sie mit mir darauf hoffe, daß das bayrische Volksbegehren Wirkung zeige, vielleicht sogar auf Restdeutschland gleich mit – da fiel mir sofort ein:

Hoffen und harren hält manchen zum Narren

Das ist eine Art Automatismus. Ich bin damit aufgewachsen, daß Vaddern diesen Spruch wirklich jedes Mal anbringt, wenn Jemand erwähnt, auf irgendetwas zu hoffen.

Gestern dachte ich dann aber gleich: NÖ!!!! Schließlich ist der Spruch ja in manchen Fällen auch gar nicht passend. Hier zum Beispiel: Ich hoffe, das schon, aber ich harre nicht, sondern tue aktiv mehr und mehr dafür, daß sich meine Hoffnung bewahrheitet. In meinem Garten, im Blog, im Naturgartenverein, mit meiner Arbeit, mit meinem immer ein wenig mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Leben.

Ich dachte mir also: Nö! Ich mag lieber

Die Hoffnung stirbt zuletzt

denn das läßt immerhin die Möglichkeit offen, bis zum vorletzten Moment noch selbst Einfluß nehmen zu können.

Auf alle Fälle sehe ich inzwischen ein, daß es kein „Schönreden“ ist, sondern faktisch genauso wahr, vom halb vollen wie vom halb leeren Glas zu sprechen. Faktisch genauso wahr(!), aber mit freundlicherer Sicht auf die Welt. In diesem Sinne:

Es ist unmöglich, daß ein Mensch in die Sonne schaut, ohne daß sein Angesicht hell wird

(Friedrich von Bodelschwingh)

 

 

(K)eine Weihnachtsgeschichte

Gerne erzählt die Nixofenfreundin aus unserer gemeinsamen WG-Zeit um 1990 herum mit leisem Spott von den Fjonk’schen Listen. Ich war und bin nämlich eine Anhängerin von To-do-Listen!

  1. Was aufgeschrieben ist, kann ich aus meinem Kopf verbannnen und muß keine Energie mehr daran verwenden, es nicht zu vergessen, und
  2. To-do-Listen erzeugen die Illusion der totalen Beherrschung des Alltags, ja des Lebens insgesamt.

Was nun die Nixofenfreundin gern berichtet ist, daß sie eines Morgens auf dem Küchentisch der WG eine Liste fand, die begann mit

  • aufstehen
  • Zähneputzen
  • anziehen
  • …..

was die Freundin auch nach Jahren noch ziemlich witzig findet. Und sämtliche Leute, denen sie’s erzählt (oder denen ich’s erzähle) ebenso.

Rein sachlich betrachtet haben sie ja nicht unrecht, das muß ich gestehen.

Aber.

Aber was die Freundin nicht berücksichtigt ist das herrliche Gefühl, einen Punkt auf so einer Liste abhaken oder durchstreichen zu können. Was also liegt näher, als sich die Bestätigung zu gönnen, doch immerhin schon zwei oder drei Dinge geschafft zu haben, wenn frau sich an den Frühstückstisch setzt?

Dieses herrliche Gefühl sei, so dachte ich seit mindestens 18 Jahren (nämlich, seit ich mit dem leisen „Listen-Spott“ lebe), mir allein vorbehalten und eine echte Schrulle. Jetzt durfte ich feststellen: weit gefehlt! Punkt 2 oben ist nämlich ein Zitat und stammt aus einem Blogbeitrag von Myriade, in dem ich lesen konnte, daß ich tatsächlich eine Schwester im Geiste habe! Sie trickst, wie unschwer bemerkt wer den Beitrag liest, auf ein wenig andere Art, aber hej – ich bin nicht allein!!!!

🙂

Euch wünsche ich, daß auch Ihr Euch nicht alleine fühlt – nicht zu Weihnachten und am liebsten überhaupt nie. Es sei denn, auf die wohlige, selbst gewünschte Weise, die ja sehr schön sein kann.

Fröhliche Weihnachten!!!!

Lang her, aber….

et jitt Minsche, die verjißte nie

(BAP)

Eine davon ist eine alte Dame, die ich erst kennenlernte, als sie in den letzten Tagen ihres Lebens angelangt war. Ich machte damals, frisch von der Schule, ein freiwilliges soziales Jahr im Altenheim. Dort war ich normalerweise auf der Pflegestation eingesetzt, aber jeder Pflegestation waren auch einige Zimmer zugeteilt, in denen Menschen wohnten, die noch weitgehend allein zurecht kamen. Dorthin ging man meist nur, um vielleicht ein Bett zu machen, einen Rücken zu waschen, an den Jemand selbst nicht mehr herankam oder sowas. Die Dame, die ich nicht vergessen werde, lebte in einem solchen Zimmer, war aber nun am Ende ihrer Zeit angekommen. Sie konnte nicht mehr aufstehen, und so waren wir oft bei ihr. Meine Aufgabe war eines Morgens, ihr ihr Frühstück zu bringen – und möglichst auch dafür zu sorgen daß sie etwas isst, denn darauf hatte sie nun häufig keine Lust mehr. Sie war sehr dünn, der Kopf wirkte schon ein wenig wie ein Totenschädel, aber sie war bei klarem Verstand und wusste sehr genau, was sie will und was nicht.

Da stand ich nun, naives Mädel, gerade mal 18, aus gut behüteter Kinderstube vor der sterbenden Frau – und bot ihr unterschiedlichste Leckereien an. Nichts wollte sie. Nein, keinen Appetit auf Brot, keinen auf Marmelade, Käse, Wurst, Müsli – auf nichts. „Das mag ich nicht!“, war immer die Antwort. Irgendwann war ich mit meinem Latein am Ende und stieß ein „Ja, was mögen Sie denn bloß?“ aus,
worauf die alte Frau grinsend zu singen begann:

„Schnaps, das war ihr letztes Wort…..“ (das Lied ist im Rheinland ziemlich bekannt und geht weiter: „dann trugen sie die Englein fort…“)

—-

Schade eigentlich – ich war mit diesem Galgenhumor völlig überfordert. Es wäre schön gewesen, ich wäre eine gestandene Frau gewesen wie diese hier . Die hätte sicher gewusst, wie reagieren, dachte ich gerade eben beim lesen.

Ich kann garnicht sagen, wie oft ich mich in meinem Leben schon an dieses Erlebnis erinnert habe, in den unterschiedlichsten Momenten. Ich wünsche mir sehr, daß ich, sollte mir ein so schweres Lebensende bevorstehen, auch meinen Humor werde behalten können. Die alte Frau jedenfalls ist keine zwei Tage später gestorben. Ich werde sie nicht vergessen.

 

Türchen 11.12.: Die Musik meines Lebens, Teil 2

Ja, ich weiß – seit eeeeewigen Zeiten schon brennt Ihr drauf, nun endlich zu erfahren, um welche Platte es denn nun geht und wie die Geschichte dazu ist. *g*

Dann will ich mal erzählen, und wer mag, hört dazu schonmal rein, denn hier ist sie. Die Musik, die ich kenne, seit ich (etwa) 16 bin, die mich seitdem begleitet und die ich trotzdem nie als „Lieblingsmusik“ bezeichnet habe, denn sie war eher so eine Art Hintergrundrauschen, ohne das irgendwie alles nicht richtig ist, aber nie so im Vordergrund, daß man als erstes dran denkt, wenn man nach der Lieblingsmusik gefragt wird.

Damals, als ich etwa 16 war, bin ich zum ersten Mal in eine richtige Disco mitgenommen worden (ja, ich war immer schon und mit allem spät dran *g*) Davor kannte ich nur die Schul-Discos, und mit diesem Kenntnisstand hat es mich (zu Recht) überhaupt nicht danach gedrängt, sowas schreckliches in größer kennenzulernen. Aber dann kamen neue Freunde, und mit denen bin ich halt mal mit. Und so kam es, daß ich relativ verschüchtert in einer relativ leeren Disco saß und der Freundin beim tanzen zuschaute, als „Cathedral“ zu laufen begann (oben Minute 16:37) – und ich mich auf der Tanzfläche wiederfand. Ein Erlebnis, das ich seitdem immer wieder gesucht (und lange Jahre auch gefunden) habe, mit vielen anderen Musikstücken auch. Immer mochte ich Stücke, die sich langsam aufbauen und irgendwann mehr oder weniger explodieren, und ich mit der Musik mit …..

Damit begann es also.

Die Kassette, auf der die Platte drauf ist, ist aber einige Jahre jünger. Da war ich schon um die 20 und in Unterfranken und lernte den um die 15 Jahre älteren W. kennen, den Liebsten einer WG-Mitbewohnerin. Dieser W. hatte eine sehr große Plattensammlung, und ich verdanke ihm nicht nur viel alte, aber mir damals neue und mir nach wie vor liebe Musik, sondern auch den Rest der obigen Platte. Denn bisher kannte ich ja nur „Cathedral“. Ich mochte sie auf Anhieb ganz, die Platte, und habe sie seither als Kassette hoch und runter gehört, seit über 30 Jahren also.

In diesem Zusammenhang ist mir vor relativ kurzer Zeit (sprich, vielleicht 5 oder 6 Jahren) etwas aufgefallen, als ich meine Platten auf CD brannte (denn tatsächlich hatte ich mir diese Musik sogar als Platte gekauft, ein echter Liebesbeweis!) Mir ist erstmals aufgefallen, wie schräg und jazzig einige Stücke sind! Und wie seltsam das ist, denn erst als ich schon her oben im Norden war habe ich Jazz zu schätzen gelernt. Vorher brauchte man nur das Wort zu erwähnen, schon hab ich Pickel gekriegt, metaphorisch gesprochen. Und nun fiel mir auf, daß einige „meiner liebsten“ eigentlich ziemlich viel jazziges in ihren rockigen oder ruhigen Klängen versteckt haben.

Am Morgen

Wachwerden ist so eine Sache…..

Drei Varianten sind mir bekannt:

  1. die Bettlähme: Du wachst auf. Der Körper ist schwer, die Augen auch. Du döst wieder weg. Du schläfst nicht richtig, halbwach kreisen die Gedanken, Du träumst dummes Zeug, ein Dutzend Mal denkst Du: „STEH AUF, dann gehts Dir besser!“, aber Du kannst nicht. Bleischwer jede Hautzelle, bewegen fast nicht möglich. Die Stunden(!) ziehen sich hin. (Diese Variante, jahrelang Thema, habe ich mit viel Training und mehreren endlos piependen Weckern außer Reichweite irgendwann in den Griff bekommen, sie ist glücklicherweise seit über 20 Jahren nur noch eine Erinnerung)
  2. das aufwachen: Du wachst auf, Du döst wieder weg, allmählich wirst Du wacher, Du drehst Dich gemütlich um und läßt den letzten Tag ein wenig Revue passieren, Du überlegst, was heute so ansteht, Du streckst Dich, Du stehst auf. Der Tag kann beginnen. (Leider ist auch Variante zwei, für viele glückliche Jahre ganz normal, offenbar nicht (mehr) möglich)
  3. Hallowach: Du wachst auf, ein Adrenalinstoß durchfährt Dich, der Bauch schmerzt, Du denkst „Ach nein, bitte nicht DAS wieder“, Du stehst auf und gehst für kleine Mädchen – der adrenalingesättigte Körper ist hellwach, aber Du bist müdemüdemüde. Im besten Fall schläfst Du nach dem WC-Gang  (der einzig für den Adrenalinabbau nötig ist, nicht für die Blase), wieder halbwegs ein, aber es wird ein leichter, wenig erholsamer Schlaf mit Zwischensequenzen unguten Kopfkinos bleiben bis zum nächsten Adrenalinstoß. Du stehst auf.

Inzwischen ist Hallowach normal. Ich habe mehrere Taktiken entwickelt, damit besser klarzukommen. Der WC-Gang ist die wichtigste (ohne ihn setzt adrenalinbedingt das Kopfkino sehr ungut ein), dann aber auch Rückenlage mit nach oben ausgestrecktem Arm (keine Ahnung, warum das die Bauchweh bessert) und vor allem: rechtzeitiges aufstehen, damit die Kopfkino-Sequenzen nicht überhand nehmen. Und ja, medizinisch ist alles durchgetestet, was den Ärzten so einfiel. Ich bin pumperlgesund.

Wie ich auf dieses eher abseitige Thema komme?

Heute morgen wurde ich HALLOWACH, samt „Ohneee, Menno, ich bin so müde, nicht schon wieder, bitte!“ und gucke auf den WC-Wecker: Ui! Viertel nach acht!

Schnelles überschlagen zeigt: ich habe NEUN Stunden geschlafen!! Gleich bin ich viel zufriedener, denn schon seit einiger Zeit zeichnet sich ab, daß zwar das aufwachen wirklich nix schönes ist, aber ich dazwischen nicht mehr nur 4-5 Stunden einfach so durchschlafe, sondern wieder ganz normale 7-8, manchmal sogar länger. Auch wenn sich das morgens nicht so anfühlt, so bin ich darüber doch sehr froh, denn tags ist es dann doch deutlich spürbar!  🙂

Eigentlich ist das Thema auch soooo abseitig garnicht: im Freundes- und Kolleginnenkreis ist (Nicht-)schlafen und blödes aufwachen durchaus immer wieder Thema. Vieles ist sicherlich einfach dem Älterwerden geschuldet – die senile Bettflucht rückt näher ………… da ist es vielleicht garnicht so doof, sich mal drüber klarzuwerden, wie das eigentlich so läuft mit dem schlafen und aufwachen und welcher Umgang damit sinnvoll ist. Manches kann geändert werden, mit anderem gilt es sich abzufinden. Und Menno, hätte ich früher gewußt, wie das wird (werden kann), dann hätte ich die seligen Zeiten von Variante 2 mehr zu schätzen gewußt! Wer also noch zur Murmeltier-Fraktion gehört, der kann sich ja morgen früh mal doppelt wohlig umdrehen – und den anderen rufe ich von hier aus zu: „Ihr seid nicht allein, und geteiltes Leid ist halbes Leid!“

Wochen später ergänzt:

Hallelujah: dieser Beitrag wartet schon ein wenig in der „schon geschrieben“-Schlange, genauer gesagt, er ist etwa vier Wochen alt – und seither hat sich das ganze noch weiter verbessert: ganze zweimal seither habe ich Variante zwei genießen dürfen 🙂 Meine Maßnahmen, vom Arbeitswechsel bis hin zu Übungen, scheinen langsam nicht nur tags, sondern eben auch bis hin zum schlafen und aufwachen Wirkung zu zeigen!!

 

Stadtbekannt

Offenbar entwickle ich mich langsam zum Schleswiger Original:

Schon zum 4. Mal wurde ich jetzt, diesmal von der Bedienung der Eisdiele, bei der ich mir – übrigens ohne Buch vor der Nase – ein Feierabendkügelchen genehmigen wollte, drauf angesprochen:
schon lange sähe sie mich immer wieder, und jetzt endlich müsse sie mal fragen, wie das denn eigentlich möglich sei – gleichzeitig zu laufen und zu lesen!?

Dazu kann ich sagen, daß ich bloß eine halbe Stunde Mittagspause habe, und daß zu lesen für mich da geradezu essentiell für eine echte Auszeit von Kakophonie, Gehetze und Multitasking ist. Also wandert mein Buch meist schon an der Fußgängerampel vor die Nase, um erst am Kaffeetresen wieder heruntergenommen zu werden. Jahrzehntelange Übung sorgt dafür, daß ich noch nie Probleme damit hatte, bei solchen Lese-Gängen mit jemandem oder etwas zusammenzustoßen- zur Verwunderung offenbar der gesamten Schleswiger Fußgängerzonenbevölkerung…. das, in kürzerer Form, erzählte ich auch der Bedienungsfrau. Und, erklärte ich weiter, man sähe ja schließlich auch immer öfter Smartphoneguck-GängerInnen, und die habe ich schon öfter mal mit anderen zusammenstoßen sehen.

Stimmt, meint die Verkäuferin, aber mit Buch – da sei ich doch die Einzige, die sie je gesehen hätte.

Das scheint so zu sein, was ich allerdings, bevor ich immer wieder angesprochen wurde, nicht bemerkt hatte …. aber langsam überlege ich mir doch, ob ich diese Art von auffallen gut finden soll. *g* Andererseits ist das Kind ja nun schonmal in den Brunnen gefallen. Schließlich heißt es ja Ist der Ruf erst ruiniert lebt sich’s völlig ungeniert… also werde ich wohl weitere Jahrzehnte lang gehend lesen ….

 

Gökotta*

Das kann ich inzwischen auch öfters.

Ich muß zugeben, daß es sehr schön und still ist (singende Vögel gehören für mich durchaus zu „still“, manchmal sogar schnorchelnde Herr F.s *g*), und auch das Licht ist toll und überhaupt. Trotzdem wäre es mir entschieden lieber, ich würde wie in den ersten 49,5 Jahren meines Lebens nie, nie, niemals von alleine vor halb neun aufwachen und bis dahin oder auch mal länger schlafen wie ein Murmeltier….


*Gökotta (schwedisch): morgens ganz früh aufwachen, um aufzustehen und die ersten Vögel singen zu hören

Was gut war

Das ist die Überschrift einer Beitrags-Welle, die seit vielleicht einem halben Jahr durch die Bloggerei schwappt. Einmal wöchentlich, glaube ich, schreibt, wer mitmacht, ebendies auf: was gut war.
Es liest sich nett, aber ich glaube, am nettesten ists für die SchreiberInnen. Es ist gut, sich klarzumachen, was funktioniert im Leben, statt dauernd nur zu wälzen, was nicht funktioniert.

Mein Freund Volker – ja, der, der schon über 20 Jahre tot ist – der war seiner Zeit weit voraus:
Er hat mir zu einem Geburtstag ein kleines, rotes DinA5-Büchlein geschenkt. Leer. Nur vorn drin stand, daß es dazu dienen sollte, daß ich täglich einmal Rückschau halten und hier notieren sollte, was gut war an diesem Tag. Mir ging es zu der Zeit ziemlich schlecht: heftiger, lange sich ziehender Liebeskummer, gepaart mit Weltschmerz und meiner Neigung zum Blues….
Volker hatte ja so recht – weiß ich jetzt. Damals hab ich es ihm nicht gedankt – ich habe es wenige Tage lang versucht und war erschüttert: nichts, aber auch garnichts aufschreibbares mochte mir einfallen! Und was ich dann schließlich schrieb, das schrieb ich mit dem unguten Gefühl, zu lügen. Also hab ich das schnell wieder aufgegeben. (Aber das Büchlein, das habe ich noch immer)

Nach wie vor gibt es in den dunkelsten Zeiten Tage, an denen finde ich nichts, was gut war. Keinen noch so kleinen Moment der Entspannung, keinen des Friedens, erst recht keinen der Freude. Der Unterschied zu damals ist : heute weiß ich, da sind Dinge zum freuen. Ich kann sie sehen, ich kann sie bloß nicht empfinden. Und ich weiß: dies wird sich wieder ändern.

Nicht der Dicke. Aber trotzdem gut. Gefunden in Flensburg.

An den allermeisten Tagen gibt es aber Momente, die gut sind. Und ich kann sie inzwischen bemerken, auch wenn sie kurz sind (das, finde ich, ist das entscheidende: sie überhaupt zu bemerken im Wust des Tages, und um das zu lernen hilft so ein Büchlein, oder auch ein regelmäßiger Blog-Beitrag): ein warmer Herr F. an der Seite beim fernsehen, ein plötzlicher Blick auf ein leuchtendes Rapsfeld, die Kollegin, die sich freut, daß ich aus dem Urlaub zurück bin, eine schöne Formulierung im Buch, das ich grad lese, der Dicke, der mir beim heimkommen mit hocherhobenem Schwänzchen entgegengelaufen kommt („Mrrrrauuu!“), ein lieber Kommentar hier im Blog, eine unvermutet freundliche Begegnung beim Einkauf, eine Pflanze da, wo sie im letzten Jahr noch nicht war…..
Schnell vorbei – aber kurz entspannt, gefreut, gelächelt. Und an vielen Tagen gelingt es auch, mir die entspannenden Momente zu holen, wenn sie sich nicht von selbst einfinden wollen. Da helfen dann die gelernten MBSR-Übungen, auch meine Trostbücher, wenns richtig schlimm wird, oder ein schön matschiges Essen *gg*

Danke, Volker – ich weiß jetzt, was Du gemeint hast.

Ich lerne.

Es wird besser.

 

Alte Freunde

In solchen Zeiten wie jetzt – zum Glück sind sie so häufig nicht – kann ich mich auf ein paar alte Freunde immer verlassen, und so habe ich in den letzten Tagen Siegfried und Tristan Farnon zu mir eingeladen, Miss Pumphrey und ihr Schwein sowie Helen und Mrs Hall. Und wie immer haben sie mir zuverlässig geholfen.
Ich konnte lächeln und schniefen und mich an der Landschaft der Dales freuen, und vor allem: ich konnte darüber zeitweise mein eigenes Elend (das, wie ich weiß, inwendig  zu verorten ist, denn die äußerlichen Streßfaktoren sind für ein solches Elend einfach nicht ausreichend. Das Wissen ändert bloß leider nichts am Elend…) beiseite schieben, was sehr hilfreich ist.

Fall Jemand weder Tristan Farnon noch Ms Pumphrey kennt – sie sind stets verfügbar, denn sie sind Protagonisten in meinen liebsten „Trostbüchern“, den Tierarzt-Büchern von James Herriot. Zusätzlich sind diese Bücher auch noch sehr fein verfilmt, es gibt da eine ganze Serie, und viele Folgen sind auf dem Festplattenrekorder gespeichert. Sie kommen zwar an die Bücher nicht ran, weil der inhaltliche Teil ziemlich verstümmelt wurde, dafür aber sind die Darsteller wunderbar gewählt, ebenso wie Orte und Landschaft etc. Ich habe auch ferngesehen, wenn ich vonne Arbeit wieder daheim war…….

Viel zu schnell hatte ich die Bücher wiedermal durchgelesen, sicherlich zum mindestens 7. Mal. Danach ein weiteres „Trostbuch“, eins von Barbara Dobrick – da hilft die Art, wie sie schreibt, aber an die Herriot-Bücher kommt die Wirkung nicht ran. Und jetzt überlege ich, ob ich Mma Ramotswe oder besser Daddy Langbein zu mir bitten soll*….. bald muß es allerdings wirklich mal besser werden mit mir und dem IMMER (und nein, ich schildere jetzt mal nicht, was in den letzten zwei Tagen noch wieder dazugekommen ist. Aber es ist dazugekommen, satt sogar), sonst ist alles ausgereizt, was das Bücherregal anzubieten hat.
Aber heute Nacht kommt der Herr F. zurück, ab morgen haben wir Urlaub und das Wetter soll sich bessern. Und dann kommt auch schon bald der Frühling! Wettermäßig einerseits, aber zweitens hatten wir den – menschlichen – alten Freund, der zu Besuch kommt, so genannt, als wir ihn noch nicht kannten. Weil er immer über die Tanzfläche hüpfte wie der Frühling über die Wiesen.

Ja, ich bin zuversichtlich. Es wird besser jetzt, es muß einfach!


*Ich habe mich für Peter Gethers entschieden: „Die Katze, die nach Paris reiste“. Auch nett, aber an James Herriot kommt auch das nicht ran!

 

 

Chanz alleine

Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit

schrieb der kluge Herr Kästner. Irgendwann hat diesen Satz mal in der Mittelstufe mein Kunstlehrer bei irgendwas eingeworfen, und er ist mir nie wieder aus dem Sinn gegangen.

Es gibt da ja den großen Unterschied zwischen „allein sein“ und „einsam sein“. Beides geht allein, zu zweit und mit beliebig vielen Menschen. Wenn ich früher alleine auf Reisen war, in Norwegen meist, dann habe ich immer das alleinesein gesucht – und manchmal für Tage gefunden, manchmal war ich aber auch tagelang einsam. Und manchmal musste ich erstmal tagelang einsam sein, um dann alleine sein zu können … vielleicht ist das auch diesmal der Fall – derzeit bin ich jedenfalls allein einsam. Der Herr F. ist für drei Tage fort, und es scheint sich nicht einzustellen, was ich kenne und genieße: daß ich allein alleine bin – will sagen, daß ich allein bin und mich wohl, bei mir, fühle. Vielleicht kommt’s ja morgen so weit, oder heute abend, wer weiß – aber bisher bin ich halt eher einsam.

Dabei bin ich extra ins Gespensterzimmer umgezogen, weil ich dort ja gern schlafe, es aber zu zweit eher nicht so bequem in dem schmalen Bett ist. Heute morgen immerhin, aufgewacht vor dem Weckerklingeln, habe ich mich der Vorteile dieses Raumes erinnert und liegend die Vorhänge aufgezogen. Man kann dann in die Baumwipfel und den Himmel schauen, und auch wenn heute morgen alles grau in grau war, ist das etwas schönes.

Mein Katerchen hilft auch nicht weiter: während er jeden Tag mault, daß er nicht ins Gespensterzimmer darf (was daran liegt, daß er dort den Bettpfosten zerschreddert) kommt er nun abends zwar mit, aber nur für ein Viertelstündchen – dann verpieselt er sich und ward bis morgens nicht gesehen – und den ganzen Tag verbringt er auf der Arbeitszimmernischendecke. Nachdem er gemault hat, weil er nicht ins Gespensterzimmer darf, natürlich *g*

Tja. Morgen abend kommt der Gemahl zurück. Ich freue mich auf ihn (aber glücklicherweise nicht nur, weil das mit dem Alleinesein diesmal nicht so gut klappt)

 

Fjonka mbsrt

Bin fast ein wenig froh, daß ich schon vor zwei Jahren auf meinen MBSR-Kurs gekommen bin – derzeit rollt die Welle der Achtsamkeit durch alle Blogs und Foren, und ich glaube, hätte ich’s nicht vorher ganz allein und zufällig entdeckt, und unter dem für mich „einfacheren“, weil keine Eso-Assoziationen erweckenden  Namen (Mind Based Stress Reduction), dann würde mich das jetzt eher abschrecken.

gaaaanz entspannt im Hier und Jetzt

Dabei ist es doch wirklich was richtig gutes, hilfreiches – und so vielfältig in der Umsetzung, daß es leicht ist, Dinge zu finden, die Einem liegen. Für mich hat sich herausgestellt, daß ich gut runterfahren kann, wenn ich mich auf eine bestimmte Wahrnehmung konzentriere. – Wer lauscht (zB), der kann nicht denken – das Karussell stoppt kurz. Und wenn man das übt, dann kann man’s selbst ohne allzuviel Dranbleiben (ich habe NICHT geschafft, was sicher toll wäre: sich täglich 20 Minuten dafür zu nehmen) auch nachts (zB), wenn man im Halbschlaf ängstliche Karussellfahrten macht. Andere atmen. Oder essen. Oder gehen. Oder schnippeln (Essen) Also- atmen oder essen oder schnippeln NUR.
Damit wird geübt für das, worum es eigentlich geht: Im ganzen Leben innerlich nicht dauernd an mehreren Stellen gleichzeitig zu sein, sondern der Sache, die man momentan tut, die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Nicht leicht!

Der zweite Punkt ist: nicht zu bewerten. Zu bemerken, was gerade passiert, aber das nicht zu bewerten. Auch nicht leicht. Wie schnell schimpfe ich mit mir selbst, wenn schon wieder die Gedanken abschweifen. Wie oft sage ich innerlich „Jetzt stell Dich nicht so an“. Undsoweiter.

Zusätzlich habe ich mir ein Buch gekauft, in dem es viele Übungen gibt. Vorgeschlagen wird, immer eine Woche lang eine zu wiederholen.  Manche krieg‘ ich hin (Immer wieder mal was mit links statt mit rechts machen. Oder mehrfach täglich auf seine Körperhaltung zu achten – und sie ggfls zu korrigieren, weg vom fläzen), andere nicht (1x täglich irgendjemandem ein ernstgemeintes Kompliment zu machen. Kam ich mir blöd bei vor, so mit Vorsatz. Oder eben alle Mahlzeiten bewußt NUR zu essen. Furchtbar! Hab ich nichtmal EINE Mahlzeit lang hingekriegt *g*Aber der Test ist allemal interessant. Wieso zB komm‘ ich mir blöd dabei vor, Jemandem was nettes zu sagen, bloß, weil ich’s mir vorher vorgenommen habe? Sowas…)

Persönliches Fazit nach zwei Jahren MBSR, angefangen mit angeleitetem Kurs, dann auf eigene Faust fortgesetzt: Ja, es hilft weiter, aber ich benutze das ganze vielleicht zu sehr zweckbezogen. Als Hilfsmittel in den Momenten, in denen es mir nicht gut geht. Das ist mir lange nicht aufgefallen, erst in den letzten Wochen eigentlich. Wenn ich wirklich möchte, daß es mir gut geht, werde ich dranbleiben müssen, mir auch zu normalen Zeiten, im Alltag, bewußte Momente einzubauen. Daß mir das jetzt aufgefallen ist, ändert ja an sich schon etwas. Ich bleibe dran….

Wer sehr gestresst oder schlecht drauf ist, wenn er auszuprobieren beginnt, dem empfehle ich dringend einen angeleiteten Kurs. Wenn man zehn Wochen lang einmal wöchentlich drei Stunden lang sowas macht und „Hausaufgaben“ bekommt plus Theorie, das verändert tatsächlich allerhand zum besseren. Allein wird das auch mit CDs und Büchern so nicht funktionieren, schätze ich. Und die Krankenkasse bezahlt das sogar! Aufbauen kann man dann ja allein, je disziplinierter, desto hilfreicher.

Nur zu, auch wenns noch so modern ist, denn nicht alles, was trendy ist, ist auch gleich schlecht
sagt

Fjonka
die Trendsetterin
*g*

P.S. welches Wort ist eigentlich hip grad? Trendy und hip sowie modern sind’s jedenfalls nicht, schätze ich *g*

 

Ich muß mal ;-)

Nein, nicht, was Ihr jetzt denkt. Ich muß mal schnell was zum vergehenden Jahr sagen. Zu meinem eigenen, gefühlten  Jahr, sozusagen. Denn, passend zu unserem jetzigen Elfchen-Wettbewerb, hatte ich mir ausnahmsweise etwas vorgenommen. Ich wollte dafür sorgen, daß mich der alte Freund und die Angst nicht mehr im Griff haben. Das ist nicht so leicht, aber ich hatte schon ein paar Vermutungen betreffend die Ursachen meiner Not. Und wer die Ursachen kennt, der kann auch was tun. Und?

Vorsatz
mühsam gefaßt
endlich auch begonnen
es tut sich was.
2016

Also habe ich mögliche Ursachen abklären lassen – tatsächlich hat sich herausgestellt, daß es auch körperliche Gründe gibt, die relativ unkompliziert, aber nicht nebenwirkungsfrei auszuräumen sind. Der Rest ist mühsam, aber auch da bin ich dran, zwei Wege sind beschritten, von denen einer symptomatisch helfen soll (dazu später etwas), einer tiefer greifen.

Plingeling?
Nein, leider.
Schritt für Schritt
gehts langsam, aber vorwärts
Puh.

Nein, ich bin keine Elfchen-Heldin *gg* Umso bewundernder blicke ich auf Eure Elfchen! Noch habe ich keinen absoluten Favoriten. Es wird sehr schwer werden, vielleicht muß ich das Los entscheiden lassen … vielleicht aber kommt ja noch das ultimative Elfchen, das sogar die bisherigen „schönsten“ mühelos aussticht, auf den letzten Drücker in die Kommentare geschwebt. Obwohl ich da so meine Zweifel habe 😉 Zu gut ist, was schon dortsteht.

Und 2017? Da habe ich wieder keine Vorsätze. Weitermachen mit dem, was begonnen wurde, das schon, aber das muß ich mir nicht erst vornehmen. Dat löppt. 🙂

PS Stimmt nicht! Beim beantworten von Weihnachtspost habe ich eben grad festgestellt: ich habe ja DOCH einen Vorsatz: ich möchte im nächsten Jahr mit den mir lieben Menschen besser Kontakt halten, sei es per Post, Telefon oder, noch besser, per Besuch. Ich habe mich zu viel zurückgezogen, finde ich. Das ist nicht gut. Für Freundschaften nicht und für mich nicht.

Ich möchte Anfang November sterben.

Auf einer Autofahrt kam ich ins denken. Und dabei fiel mir wieder einmal auf, daß ich den Gedanken daran, daß Andere um  mich herum sterben könnten, nur schwer ertragen kann. So schwer, daß mich manchmal der Gedanke daran, daß das geschehen könnte, nicht schlafen lässt. (Viel furchtbarer: zu erleben, daß sie’s wirklich tun. Klar.) Aber der Gedanke, selbst zu sterben, hat mich noch nie wirklich geschreckt. Oder vielleicht genauer gesagt, der Gedanke, tot zu sein. Sterben selbst als Vorgang schreckt mich durchaus….

Nicht, daß ich den Wunsch hätte, tot zu sein. Die Zeiten gab es auch, aber das ist lange her. Es muß/soll auch gar nicht schon dieser November sein (dessen Anfang ist ja nun auch schon vorbei *g*), im Gegenteil. Es darf auch gern erst in zwanzig, dreißig Jahren sein, wenn die Umstände ähnlich bleiben wie sie sind. Ich finde bloß, daß Anfang November (für mich) eine recht gute Zeit wäre, den Hut zu nehmen. Einen (hoffentlich) warmen und sonnigen Sommer erleben, noch nett Geburtstag feiern, den Winter nicht mehr ertragen müssen – tjüs.

Ich habe dann überlegt, warum mich der Gedanke tot zu sein so wenig schreckt. Und ich denke, daß es daran liegt, daß ich es in der Gesamtschau eher anstrengend finde, zu leben. Es gibt sehr schöne Momente und Zeiten. Trotzdem: insgesamt finde ichs – eben eher anstrengend.
Das liegt wohl daran, daß ich – und das schon lebenslang – eine Schwernehmerin bin.
Daß die guten Momente vorbeischwirren und ins Nichts entschwinden, ganz ohne Rückstände. Die schlechten aber kleben, verfolgen mich, bleiben. Oft für lange. Außerdem habe ich oft und vor vielem Angst. Und deshalb finde ich das Leben nicht unbedingt sooooooo dolle, daß der Gedanke, daß das irgendwann mal ein Ende hat, so furchtbar schrecklich wäre. Eher ist er beruhigend.
Gleichzeitig denke ich allerdings auch oft, daß ich noch ein zweites Leben brauchen könnte, in dem ich die Dinge tun könnte, die in dieses wahrscheinlich nicht mehr hineinpassen. Zum Beispiel noch mindestens 350 weitere alte Häuser renovieren. Oder Schweine haben. Und Hühner.

Vielleicht liest sich das für manchen jetzt sehr seltsam. Schwer zu sagen. Für mich fühlt es sich sachlich an, ich fühle mich nämlich durchaus nicht unwohl in meinem Leben! Im Gegenteil, in den letzten Jahren ist vieles sehr viel angenehmer, freundlicher, lustiger. Auch geborgener. Ich bin zufriedener mit mir und meinem Leben als ich es je zuvor war; es gibt auch Grund dazu: den Herr F., die Villa Fjonka, die Freunde, die Tiere, eine Arbeit in oft angenehmem Arbeitsklima … und das empfinde ich auch so. Ich weiß es nicht nur verstandesmäßig.
Daß es so werden konnte, dafür habe ich aber auch Einiges getan. Und muß immer wieder dranbleiben –  schon wären wir wieder beim „anstrengend“. Da ruht nichts einfach in sich selbst. Da ist „entspannen“ nichts, was man halt tut, wenn man grad keinen Streß hat. Und viel zu oft ist mir viel zu klar, daß jeden Moment alles kippen kann. Da fühlt sich nichts selbstverständlich oder sicher an. Und immer nagt es im Bauch, ohne Unterlaß.

„Das einzig sichere im Leben ist die Veränderung“ – das empfindet eine Freundin, mit der ich mal darüber sprach, als Verheißung. Ich, die Zauderin, die Ängstliche, die Schwernehmerin – ich empfinde es als Drohung. Und deshalb ist es gut, zu wissen: irgendwann einmal ist Ruhe. Endgültig.

Aber bitte noch nicht so bald…. und wenn, dann gern Anfang November mal 😉


1 Geschrieben habe ich diesen Beitrag im Oktober 2014. Seither steht er in der Warteschleife, weil ich nicht so recht wusste. Oder wagte. Jetzt, am Ende diesen Oktobers, habe ich ihn noch einmal gelesen und festgestellt: doch. So ist es, und das ist nicht schlimm. Und kann zugemutet werden. Nicht nur mir, sondern auch den LeserInnen hier. Hoffe ich.


Meertau schrieb 2015 einen – sehr schönen (im Sinne von „schön geschrieben und inhaltlich sehr berührend) – Beitrag zum Thema. Ihr macht genau das Angst, was ich als beruhigend empfinde: das NICHTS „danach“ (auf das ich hoffe. Genau weiß man’s ja nie…) Wie unterschiedlich man fühlen und denken kann und doch – die Grundstimmung des Beitrags ist so, daß ich mich wiederfinde.


3 Und dann wurde das neue Sterbehilfegesetz verabschiedet – wie schrecklich und wie absurd, daß man geliebten Tieren die schlimmste Zeit ersparen darf – nicht aber geliebten Menschen! Warum sollen Menschen qualvoll sterben müssen, ich verstehe das einfach nicht! Und nein, es stimmt eben NICHT, daß Schmerzmittel inzwischen so gut sind, daß Niemand mehr leiden muß – bei mehreren Menschen im weiteren Umfeld stieß dieses Konzept an seine Grenzen, es gab schier unerträgliche Schmerzen, auch über Tage!

 

Die Zeit und ich – wir beide haben ein Problem…. *

  • Kurz vor acht – aufgestanden.
  • Morgenrituale (Bad, Kater füttern, Frühstück. Aber der Kater war heute schon satt – der Herr F. hat Heimarbeitstag)
  • Abwasch erledigt. Trotz Spülmaschine ist das alle paar Tage nötig 😦
  • Emails geschrieben
  • Kaffeeautomaten gereinigt (nicht das Reinigungsprogramm, sondern das „Fingerhakelprogramm“: es ist unglaublich, wie viele Kaffeereste nach der maschinellen „Selbstreinigung“ überall rumhängen und miefen. Soweit meine Finger kommen, pule ich ab und an für 20 Minuten raus, was ich rauskriege. Späßken….
  • Im Netz für Ab. recherchiert: Ausgedruckt, was ich so zum Thema „Praktikum von Flüchtlingen“ zusammengetragen habe. Bus- und Zugverbindungen nach FL zum Busunternehmen rausgesucht. Festgestellt, daß das Problem beim Praktikum, falls es denn was werden sollte, Geld sein wird: eine einzelne Fahrt kostet 4,70 Euro… lange gebraucht, um herauszufinden: das gilt immerhin für die Bus- UND Zugfahrt, die Ab. kombinieren muß. Erst dachte ich, das Zugticket käme noch extra dazu…. und doch….
  • Einiges an Wäsche abgehängt, verräumt, Gästezimmer-Bett bezogen.
  • Mit Putzfee und dem Herrn Kaffee getrunken
  • Waschmaschine befüllt
  • Im trockenen Leiter geholt. Im einsetzenden Regen auf die Leiter gestiegen, um den wilden Wein zu zähmen: an der Wand wachsen – prima. In die Dachrinnen wachsen – nä! Dabei entdeckt, daß eine Dachrinne voll ist und nix mehr abläuft. Gereinigt. Naß wieder ins Haus gegangen.
  • Regenradar betrachtet. Hoffe, am Nachmittag mal bei den Sternchen gucken zu können – mir macht Sorgen, daß sie seit Tagen kaum Pollen eintragen. Nicht, daß die Königin verstorben ist…. (PS: nachmittags zwischen zwei Schauern kurz geguckt, kleine Maden gesehen. Immerhin. Hoffe, das WE wird besser, zum gründlichgucken….)
  • Getrockneten Abwasch verräumt.
  • Überlegt, wie es sein kann, daß schon wieder Mittag durch ist. Mich hingesetzt und diese Liste zu tippen begonnen. Beim tippen immer wieder an neue Kleinigkeiten erinnert und die an der passenden Stelle dazwischengetippt. Okay, es ist also nicht ganz so, wie es mir vorkam – gefühlt hatte ich noch nichts getan, und schon ist wieder Mittag.
  • Überlegt, was ich jetzt tun kann. Unten rumort noch die Putzfrau, mit „ein bißchen lesen“ isses also nichts. Rausgeguckt und strömenden Regen gesehen. Festgestellt, daß ich zu dem, was ich tun könnte und sollte (Zahnarzttermin machen und so) definitiv schon wieder keine Lust habe. Verschoben. Das tue ich jetzt schon seit Februar…. festgestellt, daß ich früher bei sowas disziplinierter war.
  • Solitär gespielt. Verloren.
  • Gucken gegangen, ob die Wäsche fertig ist. Bei der neuen Maschine, die wir brauchten, hört man das nicht – die ist wirklich leise! Maschine war nicht fertig, aber holla- was war der Keller dreckig! Durchgesaugt. Wieder ’ne halbe Stunde rum, ganz plötzlich….
  • Essen! Hunger!!!!

Und damit beende ich jetzt auch mal diese Liste, denn immer wieder zum Computer zu laufen und zu schreiben, was ich nun gerade wieder gemacht habe – das ist sinnlos, stelle ich fest. Der AHA-Effekt stellte sich beim nachhalten ein. Die Zeit ist so schnell rumgegangen, weil ich eben doch allerhand getan habe, offenbar. Allerhand, das sofort nach dem Tun aus meinen Gedanken verschwunden ist – und übrig bleibt dieses Gefühl von „nichts tun“, „nichts geschafft kriegen“, „nur rumhängen“ und trotzdem blitzschnell vorbeihuschender Zeit.

Ernst entsteht aus Überschätzung der Zeit

Ernst entsteht
aus Überschätzung der Zeit

Das gibt es auch noch grundsätzlicher, fällt mir beim schreiben auf:  wenn ich höre oder lese, was Andere so tun, dann immer der Gedanke „Wie schaffen die das bloß alles?“. Dann wiederum die Rückmeldungen, zB auch immer mal wieder hier im Blog, daß Andere von mir genau dasselbe denken (daß ich richtig viel tue und ein volles, abwechslungsreiches Leben führe), wodurch latent das Gefühl entsteht „ohje, wie kann denn bloß dieser Eindruck entstehen? Lüge ich Allen was vor? Lasse ich zu viel aus und erzähle nur vom netten, abwechslungsreichen?“
Vor einigen Wochen hat mich Jemand gebeten, mal zu schildern, was mein Leben so ausmacht. Jemand, der mich zuvor noch nie gesehen hatte. Ich habe das also kurz umrissen (Reihenfolge zufällig, nicht nach Zeit geordnet):

  • Haus und Hof
  • Garten (incl. gefühlt ununterbrochenem Meisentassen-herstellen *augenroll*)
  • Familie (Herr F. und der Kater, mein‘ ich damit jetzt)
  • Arbeit
  • Bienen (incl. Imkertreffen, Lektüre, „Anfängerhilfe“ für die Anti-Genfood-Frau)
  • de ole Lüüd
  • BookCrossing (incl. meetups etc)
  • Freunde
  • Flüchtlinge (incl. Lotsentreffen etc.)
  • lesen
  • Couchsurf-Besuch
  • Bauchtanzen (wöchentlich)
  • Entspannungs-Abende (monatlich)

und die spontane Reaktion war „Das hört sich nach einem ausgefüllten, bunten Leben an!“ Dieser Satz beschäftigt mich seitdem sehr, denn wenn ich mir das so aufliste und jeden einzelnen Punkt betrachte – ja, dann hört es sich auch für mich nach einem bunten, ausgefüllten Leben an. Warum fühlt es sich dann oft so anders an? Als huschte die Zeit nur so vorbei und ich sei überfordert vom Nichtstun?
Bisher hat sich in meinem Gefühl, das merkt man ja am Anfang dieses Berichts, noch nicht wirklich etwas geändert – aber ich merke: es arbeitet in mir, und im Kopf hat sich schon zumindest insoweit etwas getan, als ich manchmal innehalte, wenn ich mich grad wieder „überfordert vom Nichts“ fühle, und mir klarmache: mein alltägliches selbstverständliches „Nichts“ ist ganz schön viel! Außerdem: das meiste davon ist frei gewählt, und nichts davon möchte ich missen – obwohl es natürlich toll wäre, wenn Einiges weniger Zeit bräuchte. Oder die Tage mehr Stunden hätten 😉 Ab und an setze ich mich jetzt auch einfach mal hin und lege bewußt die Hände in den Schoß (Danke, Maria!). Dann gucke ich den Meisen/ Spechten/ Spatzen zu oder schließe die Augen und lausche aufs Haus. Das tut gut und entspannt manchmal ein wenig.

Jetzt täte mich aber schon interessieren: kennt Ihr das auch, daß Euch die Zeit zwischen den Fingern verrinnt und Ihr nicht wißt, wo sie bleibt? Und/ oder daß Ihr gefühlt garnichts auf die Reihe kriegt, während Andere gefühlt viel mehr als Ihr mit links schaffen? Und wie geht Ihr damit um?


PS: falls sich Jd. wundert von wegen „aber es ist doch erst morgens, jetzt, wo der Beitrag veröffentlicht wird“: geschrieben (und getan *g*) hab ich das alles am letzten Donnerstag


* bzw. habe wohl eher ich ein Problem mit der Zeit.