Ich erzähl Dir eine Geschichte….

…liebe Lakritze mit dem unsichtbaren Buch,

nämlich die Geschichte vom Kofferzauber!

Wenn die Fjonken verreisen wollte, dann wurde zuvor der Koffer herausgeholt. So ein richtiger olivgrüner Koffer war das noch, kein Trolley, sondern mit Riemen zum drüberziehen und so. Und vor allem mit einer Innentasche im Deckel!

Aber bevor der Koffer gepackt werden konnte, kam der Papafjonk mit einem Tennisball.
Denn der Papafjonk konnte zaubern!
Und das konnte er mit einem Koffer – und einem Tennisball.
Der Tennisball kam in die Innentasche vom Koffer, die Fjonka durfte zusehen und das auch nachkontrollieren. Dann musste sie sich umdrehen und ganz fest die Augen zukneifen, denn um zu zaubern musste der Papafjonk Ruhe haben. Und vor allem durfte ja Niemand, der nicht zaubern konnte, genau sehen, wie das geht mit dem zaubern.
Aber hören konnte die Fjonka den Papafjonk.
Zaubersprüche hat er aufgesagt, ganz laut und deutlich.
Und dann – oh-ha!
Wenn die Fjonka sich wieder umdrehen durfte, dann wurde der Koffer geöffnet, und in der Innentasche war – NICHTS! Weggezaubert, der Tennisball!
Und ganz genauso konnte der Papafjonk den Ball auch wieder zurückzaubern! Da war er wieder, in der Innentasche, als wäre er nie fort gewesen.

Nun war die Fjonka ja nicht doof! Also hat sie sich ganz genau den Zauberspruch gemerkt, der Papafjonk musste sich umdrehen und die Augen zukneifen, sie hat den Zauberspruch aufgesagt, und – trrrrommmmmelwirrrrbellllll – der Tennisball war – ochnööööööö 😦  … immer noch in der Innentasche!

Nochmal der Papafjonk – weg!
Nochmal – wieder da!
Nochmal die Fjonka – nix.

Nein, das musste man schon sagen: der Papafjonk war ein großer Zauberer!!!!

So ging das Jahr um Jahr, bis eines Tages …..

Ja, Ihr könnt es Euch schon denken: die Fjonka wurde älter, und sie hatte oft genug geübt – und natürlich: eines Tages hat sie es auch geschafft.
Der Papafjonk drehte sich um, der Koffer wurde geöffnet – und weg war der Tennisball!

Und wenn Ihr jetzt wissen wollt, wie sie DAS geschafft hat – dann müsst Ihr nur lange genug bei einem richtig großen Zauberer wie dem Papafjonk zuhören, dann schafft Ihr das bestimmt auch eines Tages! 🙂

Es drückt der Alb des Nachts…. und tags dann lacht die Sonne.

Seit „Ende Tanke“, also auch schon bummelig einem Dutzend Jahren immer wieder in Variationen derselbe Streßtraum:

Ich bin an der Kasse, und dann erscheinen statt des Kassendisplays plötzlich nur noch Spiele und/ oder Werbefilmchen und ich komm da nicht mehr raus!
Entweder sind zwar „schließen“-Kreuzchen oben rechts, aber ich schließe, schließe und schließe, aber dahinter sind nur immer weitere SPAM-Bilder, oder aber es gibt erst gar keine Kreuzchen, ESC hilft nicht und auch sonst nix.
Derweil wird die Schlange immer länger, Niemand der KollegInnen ist in Sicht, keine Hotline-Nummer nirgends – und irgendwann werde ich gestreßt wach. Oder merke schlafend, daß das wieder der Traum ist und kämpfe mich ins wachwerden.

Neulich dann eine neue Variante: ich erzähle der inzwischen schon gefühlte Stunden wartenden Kundin, daß ich genau das seit vielen Jahren als Streß-Albtraum habe – und jetzt ist dieser Albtraum also wahr geworden …..

*grusel*

das liest sich jetzt wahrscheinlich eher lustig (und ist auch tatsächlich meinen „richtigen“ Albträumen vorzuziehen!!), aber wach werde ich mit heftigstem Streß, und den abzuschütteln dauert oft Stunden.
Momentan schlafe ich auch sonst nicht gut, aber das wird wohl vielen Leuten jetzt so gehen, schätze ich.

„Das wird eine zähe, sorgenvolle und unwirkliche Zeit“, schreibt Herr Ackerbau – für mich trifft diese Beschreibung bisher am besten, wie ich das ganze empfinde.
Blöd ist, daß mir schlechter Schlaf sofort auf den Kreislauf schlägt, ebenso wie mir diffuse Sorgen auf den Kreislauf schlagen. Manchmal kippe zB ich fast um (und manchmal tatsächlich), wenn ich Leute von Krankheiten oder großen Sorgen berichten höre. Es ist mir unangenehm, aber es ist so. Auch im Arzt-Wartezimmer schlagen mir die diffusen Stimmungen von Angst und warten sowie der Anblich vor allem von verwundeten Menschen ab und an auf den Kreislauf durch. (Und das hat nichts mit meinem eigenen Befinden zu tun, das geht mir auch so, wenn ich völlig gesund bin und nur ein Rezept abholen soll oder so. Es sind die Schwingungen, die die Anderen aussenden, oder es ist meine Einbildung dieser Schwingungen. Keine Ahnung….) Ich lese dann und versuche das auszublenden, aber wenn ich länger dort sitze, wirds immer doller. Ich muß dann die Beine hoch- oder gar mich auf den Boden legen. Seit Jahren wird dies eher schlechter als besser, und momentan macht es mir zusätzlich zu schaffen, denn diffuse schlechte Schwingungen gibts derzeit genug.

Symbolbild 😉

Die Arbeit, auch wenn ich ab und an streß-träume, tut mir gut. Es macht gute Laune, was „ganz normales“ zu tun, auch wenn wir inzwischen wie so viele andere KassiererInnen hinter einer Plexiglasscheibe stehen, das Wechselgeld über einen Zahlteller geben und nehmen und die Leut‘ das Kartenlesegerät selbst bedienen dürfen. Ich habe keine „Panik-Kolleginnen“, sondern ganz normale, und auch die KundInnen sind weitgehend besonnen und halten Abstand, sind aber nicht im Panik-Modus. Außerdem merkt man, daß sich die Lage zumindest an der „Einkaufs-Front“ langsam etwas normalisiert. Die Umsätze sind nicht mehr soooooo wahnwitzig hoch, die ersten fehlenden Waren können aufgefüllt werden. Allerdings fehlen jetzt andere *g* Würden die Leute nicht zB bei fehlenden Nudeln „vorsichtshalber“ mal ein paar Pakete Reis mitnehmen, könnte das vermieden werden, aber nuja – die Leut’….

Für mich tut das Wetter ein übriges: herrlicher Sonnenschein, einigermaßen erträgliche Temperaturen – RAUS!!
Nein, keine Sorge, nicht an den Strand oder in die Stadt, bloß in den Garten. Der Kompost ist umgesetzt, die ersten Frühjahrs-Pelzbienen wurden gesichtet, einige Stauden versetzt – sowas. Und zwischendurch gibts einen Draußen-Kaffee!

 

 

Breit

Am Silvesterabend, mit den Freunden nach dem Fondue drinnen und dem Schalenfeuerchen draußen, haben wir uns darüber unterhalten, daß wir alle seit einiger Zeit ungebremst in die Breite gehen. Und daß wir das alle ziemlich kacke finden (bloß der Herr F. hat sich bei der Bewertung der Fakten fürnehm zurückgehalten, wie mir just noch einmal auffällt).

Auffallend ist der unterschiedliche Umgang mit den Tatsachen:

  • Die Freundin fastet seit längerem 2x wöchentlich. „Ich bin eher der ganz oder garnicht-Typ!“, sagt sie. Außerdem ist sie der tatkräftige Typ. (Sage ich *g*) „Da ist ein Problem? Dann ändere was, damit da möglichst schnell kein Problem mehr ist!!“
  • Der Herr F. nimmts hin – er hat im letzten Jahr diese angeblich Wunder wirkende Geschichte mit dem „12 Stunden oder mehr nix essen“ begonnen, von der ich ihm erzählt habe, die ich aber selbst nicht testen kann, weil ich heftige Kreislaufprobleme bekomme, wenn ich nicht regelmäßig „nachschiebe“. Ganz still und kommunikationslos hat er damit begonnen, wie es seine Art ist. Leider hats keine Wunder gewirkt. Nicht mal klitzekleine.
  • Der Freund hat sich – explizit NICHT zu Silvester – vorgenommen, schwimmen zu gehn und weniger zu essen, ich bin gespannt, ob er das tut und ob er dann tatsächlich abnimmt. Ich trau’s ihm zu, aber sicher bin ich nicht.
  • Und ich? Ich kann es nicht fassen – aber ändere auch nix. Warum? Weil ich nicht meine, etwas falsch zu machen. 50 Jahre lang habe ich gegessen, wenn ich Hunger oder Appetit hatte – und mal zu, mal abgenommen, Schluß. Alles gut. Und jetzt soll, was 50 Jahre lang funktioniert hat, plötzlich falsch sein? Also fühle ich mich unwohl mit den klemmenden oder schon nicht mehr anziehbaren Hosen – und tue trotzig nix, weil nicht sein kann was nicht sein darf.

Meine Handlungsoptionen scheinen mir allerdings auch äußerst begrenzt. Weniger essen? Ich habe HUNGER!! Und wie erwähnt, Kreislaufprobleme wenn ich dem nicht nachgebe. Andere, sinnvollere Eßzeiten? Geht nicht. Wegen meiner Arbeitszeiten. Sport? Schweinehund. Wolkenkratzergroß!

Ich schätze, ich sollte mir als Vorsatz für nächstes Silvester vornehmen, meine Handlungsstrategien zu überdenken. Trotzig zu sein ist nicht immer zielführend ;-|  Und vielleicht sind bis dahin ja die Wechseljahre rum, und das ganze pendelt sich von ganz alleine auf hinnehmbarem Niveau wieder ein!? *seufz* Schließlich wäre es bis dahin schon 2021 durch …. Einfach mal abwarten, ob abwarten zielführend ist … und wenn nicht?

Ach, mal sehen….

 

Prädikat: nicht lernfähig!

Gestern:
Gehe raus in den Garten. Die Sonne scheint, wie schön! Möchte mich ausruhen, diese erste Arbeitswoche nach drei Wochen „krank“ hat es in sich: gleich FÜNF Tage (normalerweise arbeite ich ja 3 oder 4), und dann ist der eigentlich freie Tag auch noch von zwei Stunden Arbeit unterbrochen, Notfall. Sowieso ist „ausruhen“ relativ: Termine und in diesen einen freien Tag gepacktes sind bereits erledigt oder warten noch.

Also einmal durch den Garten schlendern, dann schön mit dem Buch hinsetzen und die Sonne genießen!

Anderthalb Stunden später finde ich mich neben einem großen Haufen Ranken und Zweige wieder, der Rücken schmerzt, die Hände ebenso. Huch, was ist passiert?????

Bei meinem Gang war mir aufgefallen, daß die böse Sigone derzeit lange Ranken bildet und vom Tunu-Gebüsch aus auf dem Weg ist, Gebiete zurückzuerobern, aus denen ich sie bereits erfolgreich verbannt hatte. Das geht natürlich nicht, also weg mit den Ranken – und dann auch gleich samt der Wurzeln, von denen sie ausgehen. Zwei Meter entfernt. Mitten im Gebüsch. Da sind noch viel mehr…. und da…. und da….. und – was ist DAS!? Der Hartriegel hat Bodenabsenker gebildet, die schon Wurzeln getrieben haben …. das will ich da aber nicht, so hat das Pfaffenhütchen, das ich dorthin umgepflanzt hatte, keine Chance! Raus damit….

Tja. Heute und morgen arbeiten mit Händen, die nur schlecht greifen können und einem Rücken, der trotz Massage zwickt und zwackt.

Prädikat: nicht lernfähig!

Und jetzt setze ich mich mit meinem Zweitfrühstück GANZ IN RUHE IN DEN SONNIGEN GARTEN

 

 

Tränen lachen

Gestern zur Nacht hat mir der Herr F. eine Geschichte vorgelesen. An einer Stelle mußte ich so lachen, daß ich zeitweise überhaupt keine Luft mehr bekam! Die Tränen rollten, immer wieder ging es von neuem los, und selbst jetzt beim schreiben gluckse ich schon wieder. Das Zwerchfell hat noch immer Muskelkater – unglaublich!

Kennt Ihr das?

Ich weiß noch, ich lachte Tränen beim Improtheater vor einigen Jahren und auch bei einigen Horst – Evers- Geschichten. Aber so ein richtiger alberner Lachanfall, bei dem man nicht mehr aufhören kann zu lachen – das schien mit Volkers Tod vor nun auch schon über 22 Jahren aus meiner Welt verschwunden zu sein, bis vor wenigen Wochen – da hatte ich schonmal einen, auch beim vorgelesen-bekommen. Daß dies also nicht unwiderruflich weg ist – das will niedergeschrieben sein, damit es nicht in Vergessenheit gerät!

 

 

 

Die Hoffnung und das halbvolle Glas

Gestern, als wattundmeer im letzten Blogbeitrag hier kommentierte, daß sie mit mir darauf hoffe, daß das bayrische Volksbegehren Wirkung zeige, vielleicht sogar auf Restdeutschland gleich mit – da fiel mir sofort ein:

Hoffen und harren hält manchen zum Narren

Das ist eine Art Automatismus. Ich bin damit aufgewachsen, daß Vaddern diesen Spruch wirklich jedes Mal anbringt, wenn Jemand erwähnt, auf irgendetwas zu hoffen.

Gestern dachte ich dann aber gleich: NÖ!!!! Schließlich ist der Spruch ja in manchen Fällen auch gar nicht passend. Hier zum Beispiel: Ich hoffe, das schon, aber ich harre nicht, sondern tue aktiv mehr und mehr dafür, daß sich meine Hoffnung bewahrheitet. In meinem Garten, im Blog, im Naturgartenverein, mit meiner Arbeit, mit meinem immer ein wenig mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Leben.

Ich dachte mir also: Nö! Ich mag lieber

Die Hoffnung stirbt zuletzt

denn das läßt immerhin die Möglichkeit offen, bis zum vorletzten Moment noch selbst Einfluß nehmen zu können.

Auf alle Fälle sehe ich inzwischen ein, daß es kein „Schönreden“ ist, sondern faktisch genauso wahr, vom halb vollen wie vom halb leeren Glas zu sprechen. Faktisch genauso wahr(!), aber mit freundlicherer Sicht auf die Welt. In diesem Sinne:

Es ist unmöglich, daß ein Mensch in die Sonne schaut, ohne daß sein Angesicht hell wird

(Friedrich von Bodelschwingh)

 

 

(K)eine Weihnachtsgeschichte

Gerne erzählt die Nixofenfreundin aus unserer gemeinsamen WG-Zeit um 1990 herum mit leisem Spott von den Fjonk’schen Listen. Ich war und bin nämlich eine Anhängerin von To-do-Listen!

  1. Was aufgeschrieben ist, kann ich aus meinem Kopf verbannnen und muß keine Energie mehr daran verwenden, es nicht zu vergessen, und
  2. To-do-Listen erzeugen die Illusion der totalen Beherrschung des Alltags, ja des Lebens insgesamt.

Was nun die Nixofenfreundin gern berichtet ist, daß sie eines Morgens auf dem Küchentisch der WG eine Liste fand, die begann mit

  • aufstehen
  • Zähneputzen
  • anziehen
  • …..

was die Freundin auch nach Jahren noch ziemlich witzig findet. Und sämtliche Leute, denen sie’s erzählt (oder denen ich’s erzähle) ebenso.

Rein sachlich betrachtet haben sie ja nicht unrecht, das muß ich gestehen.

Aber.

Aber was die Freundin nicht berücksichtigt ist das herrliche Gefühl, einen Punkt auf so einer Liste abhaken oder durchstreichen zu können. Was also liegt näher, als sich die Bestätigung zu gönnen, doch immerhin schon zwei oder drei Dinge geschafft zu haben, wenn frau sich an den Frühstückstisch setzt?

Dieses herrliche Gefühl sei, so dachte ich seit mindestens 18 Jahren (nämlich, seit ich mit dem leisen „Listen-Spott“ lebe), mir allein vorbehalten und eine echte Schrulle. Jetzt durfte ich feststellen: weit gefehlt! Punkt 2 oben ist nämlich ein Zitat und stammt aus einem Blogbeitrag von Myriade, in dem ich lesen konnte, daß ich tatsächlich eine Schwester im Geiste habe! Sie trickst, wie unschwer bemerkt wer den Beitrag liest, auf ein wenig andere Art, aber hej – ich bin nicht allein!!!!

🙂

Euch wünsche ich, daß auch Ihr Euch nicht alleine fühlt – nicht zu Weihnachten und am liebsten überhaupt nie. Es sei denn, auf die wohlige, selbst gewünschte Weise, die ja sehr schön sein kann.

Fröhliche Weihnachten!!!!

Lang her, aber….

et jitt Minsche, die verjißte nie

(BAP)

Eine davon ist eine alte Dame, die ich erst kennenlernte, als sie in den letzten Tagen ihres Lebens angelangt war. Ich machte damals, frisch von der Schule, ein freiwilliges soziales Jahr im Altenheim. Dort war ich normalerweise auf der Pflegestation eingesetzt, aber jeder Pflegestation waren auch einige Zimmer zugeteilt, in denen Menschen wohnten, die noch weitgehend allein zurecht kamen. Dorthin ging man meist nur, um vielleicht ein Bett zu machen, einen Rücken zu waschen, an den Jemand selbst nicht mehr herankam oder sowas. Die Dame, die ich nicht vergessen werde, lebte in einem solchen Zimmer, war aber nun am Ende ihrer Zeit angekommen. Sie konnte nicht mehr aufstehen, und so waren wir oft bei ihr. Meine Aufgabe war eines Morgens, ihr ihr Frühstück zu bringen – und möglichst auch dafür zu sorgen daß sie etwas isst, denn darauf hatte sie nun häufig keine Lust mehr. Sie war sehr dünn, der Kopf wirkte schon ein wenig wie ein Totenschädel, aber sie war bei klarem Verstand und wusste sehr genau, was sie will und was nicht.

Da stand ich nun, naives Mädel, gerade mal 18, aus gut behüteter Kinderstube vor der sterbenden Frau – und bot ihr unterschiedlichste Leckereien an. Nichts wollte sie. Nein, keinen Appetit auf Brot, keinen auf Marmelade, Käse, Wurst, Müsli – auf nichts. „Das mag ich nicht!“, war immer die Antwort. Irgendwann war ich mit meinem Latein am Ende und stieß ein „Ja, was mögen Sie denn bloß?“ aus,
worauf die alte Frau grinsend zu singen begann:

„Schnaps, das war ihr letztes Wort…..“ (das Lied ist im Rheinland ziemlich bekannt und geht weiter: „dann trugen sie die Englein fort…“)

—-

Schade eigentlich – ich war mit diesem Galgenhumor völlig überfordert. Es wäre schön gewesen, ich wäre eine gestandene Frau gewesen wie diese hier . Die hätte sicher gewusst, wie reagieren, dachte ich gerade eben beim lesen.

Ich kann garnicht sagen, wie oft ich mich in meinem Leben schon an dieses Erlebnis erinnert habe, in den unterschiedlichsten Momenten. Ich wünsche mir sehr, daß ich, sollte mir ein so schweres Lebensende bevorstehen, auch meinen Humor werde behalten können. Die alte Frau jedenfalls ist keine zwei Tage später gestorben. Ich werde sie nicht vergessen.

 

Türchen 11.12.: Die Musik meines Lebens, Teil 2

Ja, ich weiß – seit eeeeewigen Zeiten schon brennt Ihr drauf, nun endlich zu erfahren, um welche Platte es denn nun geht und wie die Geschichte dazu ist. *g*

Dann will ich mal erzählen, und wer mag, hört dazu schonmal rein, denn hier ist sie. Die Musik, die ich kenne, seit ich (etwa) 16 bin, die mich seitdem begleitet und die ich trotzdem nie als „Lieblingsmusik“ bezeichnet habe, denn sie war eher so eine Art Hintergrundrauschen, ohne das irgendwie alles nicht richtig ist, aber nie so im Vordergrund, daß man als erstes dran denkt, wenn man nach der Lieblingsmusik gefragt wird.

Damals, als ich etwa 16 war, bin ich zum ersten Mal in eine richtige Disco mitgenommen worden (ja, ich war immer schon und mit allem spät dran *g*) Davor kannte ich nur die Schul-Discos, und mit diesem Kenntnisstand hat es mich (zu Recht) überhaupt nicht danach gedrängt, sowas schreckliches in größer kennenzulernen. Aber dann kamen neue Freunde, und mit denen bin ich halt mal mit. Und so kam es, daß ich relativ verschüchtert in einer relativ leeren Disco saß und der Freundin beim tanzen zuschaute, als „Cathedral“ zu laufen begann (oben Minute 16:37) – und ich mich auf der Tanzfläche wiederfand. Ein Erlebnis, das ich seitdem immer wieder gesucht (und lange Jahre auch gefunden) habe, mit vielen anderen Musikstücken auch. Immer mochte ich Stücke, die sich langsam aufbauen und irgendwann mehr oder weniger explodieren, und ich mit der Musik mit …..

Damit begann es also.

Die Kassette, auf der die Platte drauf ist, ist aber einige Jahre jünger. Da war ich schon um die 20 und in Unterfranken und lernte den um die 15 Jahre älteren W. kennen, den Liebsten einer WG-Mitbewohnerin. Dieser W. hatte eine sehr große Plattensammlung, und ich verdanke ihm nicht nur viel alte, aber mir damals neue und mir nach wie vor liebe Musik, sondern auch den Rest der obigen Platte. Denn bisher kannte ich ja nur „Cathedral“. Ich mochte sie auf Anhieb ganz, die Platte, und habe sie seither als Kassette hoch und runter gehört, seit über 30 Jahren also.

In diesem Zusammenhang ist mir vor relativ kurzer Zeit (sprich, vielleicht 5 oder 6 Jahren) etwas aufgefallen, als ich meine Platten auf CD brannte (denn tatsächlich hatte ich mir diese Musik sogar als Platte gekauft, ein echter Liebesbeweis!) Mir ist erstmals aufgefallen, wie schräg und jazzig einige Stücke sind! Und wie seltsam das ist, denn erst als ich schon her oben im Norden war habe ich Jazz zu schätzen gelernt. Vorher brauchte man nur das Wort zu erwähnen, schon hab ich Pickel gekriegt, metaphorisch gesprochen. Und nun fiel mir auf, daß einige „meiner liebsten“ eigentlich ziemlich viel jazziges in ihren rockigen oder ruhigen Klängen versteckt haben.

Am Morgen

Wachwerden ist so eine Sache…..

Drei Varianten sind mir bekannt:

  1. die Bettlähme: Du wachst auf. Der Körper ist schwer, die Augen auch. Du döst wieder weg. Du schläfst nicht richtig, halbwach kreisen die Gedanken, Du träumst dummes Zeug, ein Dutzend Mal denkst Du: „STEH AUF, dann gehts Dir besser!“, aber Du kannst nicht. Bleischwer jede Hautzelle, bewegen fast nicht möglich. Die Stunden(!) ziehen sich hin. (Diese Variante, jahrelang Thema, habe ich mit viel Training und mehreren endlos piependen Weckern außer Reichweite irgendwann in den Griff bekommen, sie ist glücklicherweise seit über 20 Jahren nur noch eine Erinnerung)
  2. das aufwachen: Du wachst auf, Du döst wieder weg, allmählich wirst Du wacher, Du drehst Dich gemütlich um und läßt den letzten Tag ein wenig Revue passieren, Du überlegst, was heute so ansteht, Du streckst Dich, Du stehst auf. Der Tag kann beginnen. (Leider ist auch Variante zwei, für viele glückliche Jahre ganz normal, offenbar nicht (mehr) möglich)
  3. Hallowach: Du wachst auf, ein Adrenalinstoß durchfährt Dich, der Bauch schmerzt, Du denkst „Ach nein, bitte nicht DAS wieder“, Du stehst auf und gehst für kleine Mädchen – der adrenalingesättigte Körper ist hellwach, aber Du bist müdemüdemüde. Im besten Fall schläfst Du nach dem WC-Gang  (der einzig für den Adrenalinabbau nötig ist, nicht für die Blase), wieder halbwegs ein, aber es wird ein leichter, wenig erholsamer Schlaf mit Zwischensequenzen unguten Kopfkinos bleiben bis zum nächsten Adrenalinstoß. Du stehst auf.

Inzwischen ist Hallowach normal. Ich habe mehrere Taktiken entwickelt, damit besser klarzukommen. Der WC-Gang ist die wichtigste (ohne ihn setzt adrenalinbedingt das Kopfkino sehr ungut ein), dann aber auch Rückenlage mit nach oben ausgestrecktem Arm (keine Ahnung, warum das die Bauchweh bessert) und vor allem: rechtzeitiges aufstehen, damit die Kopfkino-Sequenzen nicht überhand nehmen. Und ja, medizinisch ist alles durchgetestet, was den Ärzten so einfiel. Ich bin pumperlgesund.

Wie ich auf dieses eher abseitige Thema komme?

Heute morgen wurde ich HALLOWACH, samt „Ohneee, Menno, ich bin so müde, nicht schon wieder, bitte!“ und gucke auf den WC-Wecker: Ui! Viertel nach acht!

Schnelles überschlagen zeigt: ich habe NEUN Stunden geschlafen!! Gleich bin ich viel zufriedener, denn schon seit einiger Zeit zeichnet sich ab, daß zwar das aufwachen wirklich nix schönes ist, aber ich dazwischen nicht mehr nur 4-5 Stunden einfach so durchschlafe, sondern wieder ganz normale 7-8, manchmal sogar länger. Auch wenn sich das morgens nicht so anfühlt, so bin ich darüber doch sehr froh, denn tags ist es dann doch deutlich spürbar!  🙂

Eigentlich ist das Thema auch soooo abseitig garnicht: im Freundes- und Kolleginnenkreis ist (Nicht-)schlafen und blödes aufwachen durchaus immer wieder Thema. Vieles ist sicherlich einfach dem Älterwerden geschuldet – die senile Bettflucht rückt näher ………… da ist es vielleicht garnicht so doof, sich mal drüber klarzuwerden, wie das eigentlich so läuft mit dem schlafen und aufwachen und welcher Umgang damit sinnvoll ist. Manches kann geändert werden, mit anderem gilt es sich abzufinden. Und Menno, hätte ich früher gewußt, wie das wird (werden kann), dann hätte ich die seligen Zeiten von Variante 2 mehr zu schätzen gewußt! Wer also noch zur Murmeltier-Fraktion gehört, der kann sich ja morgen früh mal doppelt wohlig umdrehen – und den anderen rufe ich von hier aus zu: „Ihr seid nicht allein, und geteiltes Leid ist halbes Leid!“

Wochen später ergänzt:

Hallelujah: dieser Beitrag wartet schon ein wenig in der „schon geschrieben“-Schlange, genauer gesagt, er ist etwa vier Wochen alt – und seither hat sich das ganze noch weiter verbessert: ganze zweimal seither habe ich Variante zwei genießen dürfen 🙂 Meine Maßnahmen, vom Arbeitswechsel bis hin zu Übungen, scheinen langsam nicht nur tags, sondern eben auch bis hin zum schlafen und aufwachen Wirkung zu zeigen!!

 

Stadtbekannt

Offenbar entwickle ich mich langsam zum Schleswiger Original:

Schon zum 4. Mal wurde ich jetzt, diesmal von der Bedienung der Eisdiele, bei der ich mir – übrigens ohne Buch vor der Nase – ein Feierabendkügelchen genehmigen wollte, drauf angesprochen:
schon lange sähe sie mich immer wieder, und jetzt endlich müsse sie mal fragen, wie das denn eigentlich möglich sei – gleichzeitig zu laufen und zu lesen!?

Dazu kann ich sagen, daß ich bloß eine halbe Stunde Mittagspause habe, und daß zu lesen für mich da geradezu essentiell für eine echte Auszeit von Kakophonie, Gehetze und Multitasking ist. Also wandert mein Buch meist schon an der Fußgängerampel vor die Nase, um erst am Kaffeetresen wieder heruntergenommen zu werden. Jahrzehntelange Übung sorgt dafür, daß ich noch nie Probleme damit hatte, bei solchen Lese-Gängen mit jemandem oder etwas zusammenzustoßen- zur Verwunderung offenbar der gesamten Schleswiger Fußgängerzonenbevölkerung…. das, in kürzerer Form, erzählte ich auch der Bedienungsfrau. Und, erklärte ich weiter, man sähe ja schließlich auch immer öfter Smartphoneguck-GängerInnen, und die habe ich schon öfter mal mit anderen zusammenstoßen sehen.

Stimmt, meint die Verkäuferin, aber mit Buch – da sei ich doch die Einzige, die sie je gesehen hätte.

Das scheint so zu sein, was ich allerdings, bevor ich immer wieder angesprochen wurde, nicht bemerkt hatte …. aber langsam überlege ich mir doch, ob ich diese Art von auffallen gut finden soll. *g* Andererseits ist das Kind ja nun schonmal in den Brunnen gefallen. Schließlich heißt es ja Ist der Ruf erst ruiniert lebt sich’s völlig ungeniert… also werde ich wohl weitere Jahrzehnte lang gehend lesen ….

 

Gökotta*

Das kann ich inzwischen auch öfters.

Ich muß zugeben, daß es sehr schön und still ist (singende Vögel gehören für mich durchaus zu „still“, manchmal sogar schnorchelnde Herr F.s *g*), und auch das Licht ist toll und überhaupt. Trotzdem wäre es mir entschieden lieber, ich würde wie in den ersten 49,5 Jahren meines Lebens nie, nie, niemals von alleine vor halb neun aufwachen und bis dahin oder auch mal länger schlafen wie ein Murmeltier….


*Gökotta (schwedisch): morgens ganz früh aufwachen, um aufzustehen und die ersten Vögel singen zu hören

Was gut war

Das ist die Überschrift einer Beitrags-Welle, die seit vielleicht einem halben Jahr durch die Bloggerei schwappt. Einmal wöchentlich, glaube ich, schreibt, wer mitmacht, ebendies auf: was gut war.
Es liest sich nett, aber ich glaube, am nettesten ists für die SchreiberInnen. Es ist gut, sich klarzumachen, was funktioniert im Leben, statt dauernd nur zu wälzen, was nicht funktioniert.

Mein Freund Volker – ja, der, der schon über 20 Jahre tot ist – der war seiner Zeit weit voraus:
Er hat mir zu einem Geburtstag ein kleines, rotes DinA5-Büchlein geschenkt. Leer. Nur vorn drin stand, daß es dazu dienen sollte, daß ich täglich einmal Rückschau halten und hier notieren sollte, was gut war an diesem Tag. Mir ging es zu der Zeit ziemlich schlecht: heftiger, lange sich ziehender Liebeskummer, gepaart mit Weltschmerz und meiner Neigung zum Blues….
Volker hatte ja so recht – weiß ich jetzt. Damals hab ich es ihm nicht gedankt – ich habe es wenige Tage lang versucht und war erschüttert: nichts, aber auch garnichts aufschreibbares mochte mir einfallen! Und was ich dann schließlich schrieb, das schrieb ich mit dem unguten Gefühl, zu lügen. Also hab ich das schnell wieder aufgegeben. (Aber das Büchlein, das habe ich noch immer)

Nach wie vor gibt es in den dunkelsten Zeiten Tage, an denen finde ich nichts, was gut war. Keinen noch so kleinen Moment der Entspannung, keinen des Friedens, erst recht keinen der Freude. Der Unterschied zu damals ist : heute weiß ich, da sind Dinge zum freuen. Ich kann sie sehen, ich kann sie bloß nicht empfinden. Und ich weiß: dies wird sich wieder ändern.

Nicht der Dicke. Aber trotzdem gut. Gefunden in Flensburg.

An den allermeisten Tagen gibt es aber Momente, die gut sind. Und ich kann sie inzwischen bemerken, auch wenn sie kurz sind (das, finde ich, ist das entscheidende: sie überhaupt zu bemerken im Wust des Tages, und um das zu lernen hilft so ein Büchlein, oder auch ein regelmäßiger Blog-Beitrag): ein warmer Herr F. an der Seite beim fernsehen, ein plötzlicher Blick auf ein leuchtendes Rapsfeld, die Kollegin, die sich freut, daß ich aus dem Urlaub zurück bin, eine schöne Formulierung im Buch, das ich grad lese, der Dicke, der mir beim heimkommen mit hocherhobenem Schwänzchen entgegengelaufen kommt („Mrrrrauuu!“), ein lieber Kommentar hier im Blog, eine unvermutet freundliche Begegnung beim Einkauf, eine Pflanze da, wo sie im letzten Jahr noch nicht war…..
Schnell vorbei – aber kurz entspannt, gefreut, gelächelt. Und an vielen Tagen gelingt es auch, mir die entspannenden Momente zu holen, wenn sie sich nicht von selbst einfinden wollen. Da helfen dann die gelernten MBSR-Übungen, auch meine Trostbücher, wenns richtig schlimm wird, oder ein schön matschiges Essen *gg*

Danke, Volker – ich weiß jetzt, was Du gemeint hast.

Ich lerne.

Es wird besser.

 

Alte Freunde

In solchen Zeiten wie jetzt – zum Glück sind sie so häufig nicht – kann ich mich auf ein paar alte Freunde immer verlassen, und so habe ich in den letzten Tagen Siegfried und Tristan Farnon zu mir eingeladen, Miss Pumphrey und ihr Schwein sowie Helen und Mrs Hall. Und wie immer haben sie mir zuverlässig geholfen.
Ich konnte lächeln und schniefen und mich an der Landschaft der Dales freuen, und vor allem: ich konnte darüber zeitweise mein eigenes Elend (das, wie ich weiß, inwendig  zu verorten ist, denn die äußerlichen Streßfaktoren sind für ein solches Elend einfach nicht ausreichend. Das Wissen ändert bloß leider nichts am Elend…) beiseite schieben, was sehr hilfreich ist.

Fall Jemand weder Tristan Farnon noch Ms Pumphrey kennt – sie sind stets verfügbar, denn sie sind Protagonisten in meinen liebsten „Trostbüchern“, den Tierarzt-Büchern von James Herriot. Zusätzlich sind diese Bücher auch noch sehr fein verfilmt, es gibt da eine ganze Serie, und viele Folgen sind auf dem Festplattenrekorder gespeichert. Sie kommen zwar an die Bücher nicht ran, weil der inhaltliche Teil ziemlich verstümmelt wurde, dafür aber sind die Darsteller wunderbar gewählt, ebenso wie Orte und Landschaft etc. Ich habe auch ferngesehen, wenn ich vonne Arbeit wieder daheim war…….

Viel zu schnell hatte ich die Bücher wiedermal durchgelesen, sicherlich zum mindestens 7. Mal. Danach ein weiteres „Trostbuch“, eins von Barbara Dobrick – da hilft die Art, wie sie schreibt, aber an die Herriot-Bücher kommt die Wirkung nicht ran. Und jetzt überlege ich, ob ich Mma Ramotswe oder besser Daddy Langbein zu mir bitten soll*….. bald muß es allerdings wirklich mal besser werden mit mir und dem IMMER (und nein, ich schildere jetzt mal nicht, was in den letzten zwei Tagen noch wieder dazugekommen ist. Aber es ist dazugekommen, satt sogar), sonst ist alles ausgereizt, was das Bücherregal anzubieten hat.
Aber heute Nacht kommt der Herr F. zurück, ab morgen haben wir Urlaub und das Wetter soll sich bessern. Und dann kommt auch schon bald der Frühling! Wettermäßig einerseits, aber zweitens hatten wir den – menschlichen – alten Freund, der zu Besuch kommt, so genannt, als wir ihn noch nicht kannten. Weil er immer über die Tanzfläche hüpfte wie der Frühling über die Wiesen.

Ja, ich bin zuversichtlich. Es wird besser jetzt, es muß einfach!


*Ich habe mich für Peter Gethers entschieden: „Die Katze, die nach Paris reiste“. Auch nett, aber an James Herriot kommt auch das nicht ran!

 

 

Chanz alleine

Am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit

schrieb der kluge Herr Kästner. Irgendwann hat diesen Satz mal in der Mittelstufe mein Kunstlehrer bei irgendwas eingeworfen, und er ist mir nie wieder aus dem Sinn gegangen.

Es gibt da ja den großen Unterschied zwischen „allein sein“ und „einsam sein“. Beides geht allein, zu zweit und mit beliebig vielen Menschen. Wenn ich früher alleine auf Reisen war, in Norwegen meist, dann habe ich immer das alleinesein gesucht – und manchmal für Tage gefunden, manchmal war ich aber auch tagelang einsam. Und manchmal musste ich erstmal tagelang einsam sein, um dann alleine sein zu können … vielleicht ist das auch diesmal der Fall – derzeit bin ich jedenfalls allein einsam. Der Herr F. ist für drei Tage fort, und es scheint sich nicht einzustellen, was ich kenne und genieße: daß ich allein alleine bin – will sagen, daß ich allein bin und mich wohl, bei mir, fühle. Vielleicht kommt’s ja morgen so weit, oder heute abend, wer weiß – aber bisher bin ich halt eher einsam.

Dabei bin ich extra ins Gespensterzimmer umgezogen, weil ich dort ja gern schlafe, es aber zu zweit eher nicht so bequem in dem schmalen Bett ist. Heute morgen immerhin, aufgewacht vor dem Weckerklingeln, habe ich mich der Vorteile dieses Raumes erinnert und liegend die Vorhänge aufgezogen. Man kann dann in die Baumwipfel und den Himmel schauen, und auch wenn heute morgen alles grau in grau war, ist das etwas schönes.

Mein Katerchen hilft auch nicht weiter: während er jeden Tag mault, daß er nicht ins Gespensterzimmer darf (was daran liegt, daß er dort den Bettpfosten zerschreddert) kommt er nun abends zwar mit, aber nur für ein Viertelstündchen – dann verpieselt er sich und ward bis morgens nicht gesehen – und den ganzen Tag verbringt er auf der Arbeitszimmernischendecke. Nachdem er gemault hat, weil er nicht ins Gespensterzimmer darf, natürlich *g*

Tja. Morgen abend kommt der Gemahl zurück. Ich freue mich auf ihn (aber glücklicherweise nicht nur, weil das mit dem Alleinesein diesmal nicht so gut klappt)