Die zwei Würstchen

ILesebuchm Zuge meiner aussortier-Aktionen bin ich über ein Flurregal „gestolpert“, in dem lauter Hefte und Bücher untergebracht waren, die ich nochmal durchschauen will – seit Jahren. Und hier standen auch meine Lesebücher aus den Schuljahren zwei bis vier. Das erste davon lese ich gerade – und bin sehr erstaunt: obwohl ich mich nicht erinnern kann, dieses Lesebuch für das 2. Schuljahr seit dem zweiten Schuljahr noch einmal wieder aufgeschlagen zu haben, kann ich mich bisher an jede einzelne Geschichte, an jedes Gedicht noch gut erinnern. Und zusammen mit den Erinnerungen zB an das, was als nächstes geschehen wird, kommen auch Gefühle wieder hoch.

Gestern beispielsweise las ich die Geschichte von den zwei Würsten, die sich, als es ihnen in der Pfanne zu heiß wird, auf den Weg machen. Die erste wird gleich draußen auf der Straße vom ersten Auto überfahren und bleibt geplatzt am Straßenrand liegen. Die zweite sieht ein, daß sie in der weiten Welt überfordert ist und bittet einen Passanten um Hilfe- einen Spitz. Der hilft auch erst tatsächlich und nimmt die Wurst mit – aber sie kommt nicht hinterher und bittet ihn, langsamer zu laufen. Das will er nicht, hebt sie aber auf den Rücken. Dort kann sie sich nicht lange halten, fällt herunter, dem Spitz vor die Schnauze, und mit einem ungeduldigen „Na, wer sich so ungeschickt anstellt, hat es nicht anders verdient“ frisst der Spitz die Wurst auf.

Was für eine fürchterliche Geschichte (unterschrieben mit „Volksgut„). Warum nimmt man sowas in ein Lesebuch für kleine Zweitklässler auf? Die Moral der Geschichte kann doch wohl, wenn es überhaupt eine gibt, nur lauten: „Du kannst Dich anstrengen, was aus Deinem Leben zu machen, Du kannst Andere um Hilfe bitten – es ist eh egal, Du hast keine Chance!“

So bewusst habe ich das damals natürlich nicht wahrgenommen, aber daß ich, sobald ich gelesen hatte, daß die Würste aus der Pfanne springen, ein flaues Gefühl im Magen bekam und immer noch wusste, daß jetzt etwas schlimmes geschieht – das spricht doch wohl Bände!

Puh 😦

Insgesamt assoziiere ich allerdings zumindest mit diesem ersten Lesebuch Gutes. Das Titelbild anschauen – dann merke ichs schon, daß ich mich auf die Lesestunden gefreut haben muß. Und ich weiß ja auch von Muddern, daß ich schon lesen konnte, als ich in die Schule kam, und gelesen habe, was ging – Schilder, Plakate, Bilderbücher- egal! Im Lesebuch gibt es dann auch nicht nur grausliges, das hab ich beim schnellen durchblättern gesehen, sondern auch Geschichen vom Zwieselchen (das Buch habe ich übrigens auch ganz gehabt und noch immer im Regal stehen), Auszüge aus dem kleinen Gespenst (Ihr wißt ja, daß ich das mag….) und von den „Der kleine….“ Geschichten von Gina Ruck-Pauquet, die ich als Kind sehr geliebt habe und immer noch mag.

Na, ich bin gespannt, was mich noch erwartet – und ob die zwei anderen Lesebücher auch so voller Erinnerungen stecken – spontan würde ich meinen: nein. Denn die Titelbilder kenne ich zwar, aber sie wecken keinerlei Gefühle oder Erinnerungen.

Abwarten.


Wenige Tage, nachdem ich dies geschrieben hatte, kam im BookCrossing-Forum eine sehr interessante und zum Thema passende Frage auf:

Habt Ihr auch Bücher in Eurer Kindheit gehabt, von denen Ihr heute meint, Ihr hättet sie besser nicht gelesen?

Dazu fiel Vielen Vieles ein, auch mir kamen Erinnerungen – an Märchen zum Beispiel, aber auch an „Alice im Wunderland“. Andere fanden „Die Wolke“ ganz schlimm, oder „Krambambuli“ … wen’s interessiert: hier klicken


Aussortiert: mehrere Bücher, die in demselben Regal wie das Lesebuch standen, die ich aber eh nicht mehr lesen werde (habe ich seit ca 17 Jahren keine Lust auf „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“ verspürt, wird diese Lust wohl auch nicht mehr aufkommen. Und wenn doch, kann ich sie mir neu kaufen. So.)

Wieder da – my old friend, the blues….

Dachte, ich könnte länger gut haben von diesem grandiosen Sommer – doch kaum ist es mal einige Tage düster und ich habe nicht allzuviel vor, schon sagt er „hallooohoooo – hier bin ich!“ und nistet sich bei mir ein – der Blues.

Insofern: hier passiert grad nicht wirklich viel. Raffe mich zu wenig auf, zu neuem schon erst gar nicht, und bin froh, wenn ab Ende der Woche die – noch zu energiereicheren Zeiten verabredeten/ organisierten – Termine auf mich niederprasseln und mich vom Elend ablenken. Gestern waren wir in Kiel zu einer Lesung, da hat das auch ganz gut geklappt. Hält bloß immer nicht lang vor…. die Tageslichtlampe ist im Einsatz und für den Rest heißt es, wie Herr Valentin es so schön sagte:

„Zähne hoch und Kopf zusammenbeißen“.

Der „old friend“ ist Einer, den ich wirklich unglaublich gerne mal aussortieren würde, aber er schafft es immer wieder, mich zu überlisten und große Teile meiner (inneren) Räumlichkeiten zu übernehmen. Dann macht er es sich dort so richtig behaglich (er mag es grau in grau) und bleibt – und bleibt – und bleibt.

Was er gar nicht mag, das habe ich in langen Jahren des kämpfens herausgefunden:

  • Licht
  • Luft
  • Musik
  • Bewegung
  • Abwechslung
  • (Mir angenehme) Gesellschaft. Außer meiner, leider! Aber die möchte er am liebsten exklusiv. Nur an den Herrn F. hat er sich leider schon gewöhnt, dessen Gesellschaft vertreibt ihn nicht.
  • Lachen und Spaß jeder Art

Er hat so eine Art, dafür zu sorgen, daß diese Dinge mir fern bleiben, wenn er sich’s erst einmal bei mir bequem gemacht hat, die es mir sehr schwer macht, sie an ihm vorbei zu schmuggeln. Und daß ich sie, wenn sie dann da sind, genießen kann – das ist auch noch nicht gesagt. Er überzieht sie mit einer Patina aus grau und aus negativen Gedanken, die mich mehr und mehr lähmt, je länger er da ist. Dann kann es passieren, daß draußen die Sonne scheint, es 15° hat – und ich drin auf meinem Sofa sitze wie ein wabbelnder Pudding aus Elend und Unentschlossenheit – in jedem Moment ganz genau wissend, daß ich jetzt bloß raus müsste, bloß anfangen, womit auch immer, und schon wäre der Blues, für den Moment zumindest, nicht mehr Herr über mich. Aber oft schaffe ich das einfach nicht, und das macht es dann nochmal schlimmer – zu wissen, daß es gar nicht so schwierig ist, es aber einfach nicht zu können


Aussortiert: Räucherstäbchen. Ich mache immer mal eines an. Ungefähr einmal im Jahr. Bei diesem Tempo des Verbrauchs würde der Vorrat eh bis an zwei Lebensenden halten, und außerdem sinds alles nicht die Düfte, die ich mir selbst ausgesucht hätte, sondern vor dem wegwerfen bei Freunden gerettete. Jetzt hat das erste Paket auf dem Mitnehmtisch ein neues Zuhause gefunden (was mich daran erinnert, daß ich von ihm schreiben wollte. Jetzt aber…. *g*)


4 Stunden später:

Ha! Neinnein, so leicht geht das nicht, mein Lieber! Nachdem ich mich gestärkt hatte, seelisch mit dem schreiben des Mitmachtisch-Beitrags und körperlich mit dem aufgewärmten Essensrest von gestern, hab ich mich mit einem Kaffee in die Wintergarten-Tür gesetzt. Und kaum hatte ich erstmal eine Viertelstunde „fast draußen“, habe ich mich aufgerafft und bin ganz rausgegangen. Habe Rasen gemäht (ja, das war am 17. November nötig- das Gras wächst noch, bei meist über 10° in den letzten Wochen kein Wunder), etwas in den Staudenbeeten gezupft und bin ganz allgemein an der Luft und sogar in der Sonne gewesen, die kurz rauskam – und? Ja, es geht besser!

Ausgedehnt oder schrumpfelig?

Ich lese gerade „Das große Los“ von Meike Winnemuth und fand darin ein Zitat:

Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus proportional zum eigenen Mut

Anais Nin

Das finde ich sehr, sehr wahr und stelle fest, daß mein Leben sich zwar verglichen mit den verzagten letzten beiden Jahren wieder deutlich ausgedehnt hat, aber sich immer noch um einiges zu schrumpfig anfühlt.

Frau Winnemuth ist mit der bei Jauch gewonnenen halben Million ein Jahr lang in zwölf Städten gewesen (pro Monat in einer großen Stadt gewohnt hat sie) und berichtet weniger von den Städten selbst als davon, was die so mit ihr gemacht haben. Und geht das ganze auf eine sehr schöne, entdeckerische Art und Weise an. Guckt, wohin sie der Tag führt. Offen sein, sich überraschen lassen. Antennen auf Empfang gestellt.

Sehr lesenswert, allerdings nur, wenn das eigene Leben gerade nicht zu schrumpfig ist. Schon so kommen mir ab und an die Tränen. Und dabei bin ich durchaus „on my way“, wieder: Kleinvieh, Besuch von Couchsurfern, der in diesem Jahr ganz neue, andere Zugang zum Garten, der MBSR-Kurs (ich mache zwar nicht die Übungen weiter, leider, habe aber doch einen kleinen, angenehmen „Dreher“ in manchen Dingen erlebt und beibehalten können) – doch, ich habe das Gefühl, gerade wieder Dehnübungen zu machen mit meinem Leben. Kleine, erste. Mal sehn, wohin es geht…. (und nicht daß mich Jemand falsch versteht: ich habe nicht die allerwinzigkleinsten Ambitionen auf grössere Reisen – das ist es nicht….)


Aussortiert: ein angebrochenes Fläschchen Klarlack für Plaka. Keine Ahnung, wofür ich das je gebraucht habe. Sicher ist: ich besitze keine Plakafarben (mehr) und bräuchte ich je wieder Klarlack, würde ich eher welchen aus dem Baumarkt als solchen für Bastelbedarf benutzen wollen. Ab in den Sondermüll.

Musikgeschichte

Hier jetzt sozusagen als Nachtrag zum gestrigen Beitrag die komplette „rooster-Geschichte“:

Ich saß vorm TV und war Teenie, da schaltete ich zufällig in – den Rockpalast.
Kannte ich nicht. Meine Musik war bis dahin Abba, Boney M. und sowas.
Und dann: „Little red rooster“!!
Bis heute weiß ich nicht, welche Band spielte. Aber ich war wie vom Donner gerührt, das war die Art Musik, auf die ich, ohne es zu wissen, mein Leben lang gewartet hatte!!!

Hier ist eine Version, die sich etwa so anhört- guter, schwerer, rockiger Blues von Grateful Dead, hervorragend als soundtrack zum weiterlesen geeignet 😉

Als ich mich wieder bewegen konnte, bin ich gerannt, um meinen Kassettenrekorder zu holen. Zum Glück ist das Stück ellenlang, so daß ich noch Rest-Minuten auf Band bannen konnte 😉

Diese Minuten  hatten die üblichen Nebengeräusche aus dem Haus, denn ich hatte kein Überspielkabel *ggg*. Allerdings kann es bei genauerem überlegen auch sein, daß ich hier verschiedene Zeiten miteinander vermische. Die Kassette gibt es leider nicht mehr – Bandsalat – und so kann es durchaus sein, daß ich schon einen Überspielkabel-Rekorder hatte. Und ich meine mich auch zu erinnern, daß es am Fernseher aber keine passende Buchse gab, und ich deshalb eine Zeit lang bis auf Notfälle nur noch vom Radio aufnahm. Wie auch immer, ob Nebengeräusche oder eben doch nicht, Fakt ist jedenfalls: ich nahm’s auf und ging im Freundeskreis hausieren damit.
Doch Niemand konnte mir sagen

  • Wer ist das?
  • Wie heißt solche Musik?
  • Wie finde ich sowas?

Es gab noch kein Internet gab (zumindest nicht für mich verfügbar) und ich war nicht selbstbewußt genug, mit meinem Kassettenrekorder in den Plattenladen zu stiefeln, was mir, wenn ich mich recht erinnere, meine Mutter vorschlug. Also war es das erstmal mit dieser Art Musk.
Bis ich (gefühlte? Oder echte?? Wohl eher gefühlte) Jahre später eine Bekannte fand, die, das hörend, sagte: kenn ich nicht, aber so ein bißchen so ähnlich ist Creedence Clearwater Revival.
Angelika Haase, dadurch für mich unvergeßlich!!!!
Von CCR war dann auch meine 1. „ein bißchen so“-Platte, dann kam Little Feat und dann startete die Lawine und ließ sich nicht mehr aufhalten 😉 CCR ist natürlich für einen Blues-Kenner alles andere als ähnlich, und so avancierten sie auch nie auf den höheren Plätzen meiner persönlichen Band-Rangliste, aber ich mag ihre bluesigeren Stücke auch heute noch gern.

Das war die erste Musikoffenbarung für mich.

Musik ist derzeit nicht mehr so wichtig für mich wie viele, viele Jahre lang. Durch die ständige Beschallung auffe Arbeit höre ich in meiner Freizeit lieber gar nichts mehr. Doch ich merke durchaus, daß mir etwas fehlt – und allerspätestens zum Renteneintritt kann ich ja dann all die vernachlässigten Kassetten vorholen und Cream, The Doors und Eric Burdon werden wieder durch die Wohnung dröhnen …..

A propos Doors – die haben auch ’ne schöne Version vom kleinen roten Rost, aber die war’s definitiv nicht. Ich habe noch Erinnerungen an die Optik des Sängers, da passen Greatful Dead schon eher rein 😉 Aber anhören lohnt!! (Überhaupt: The Doors!!! Hach, sag ich damal nur vielsagend *gg*)

 

Hiraeth*

*Hiraeth, walisisch: die Sehnsucht nach einem Ort, an den man nicht mehr zurückkehren kann

Ich las dies inmitten einer Aufstellung von Worten, für die es im deutschen keine Entsprechung gibt – und ich hatte ihn vor Augen, meinen Sehnsuchtsort:

Die Hytte

Die Hytte

Mehrmals war ich für einige Tage dort gewesen, oberhalb von Ulvik in Nordnorwegen: abgebogen von einer kleinen (in Norwegen also ganz normalen) Straße. Erst einem Impuls folgend, dann dem Weg. Und schließlich rechts vom Weg mein Platz: eine Hytte, alt und innen ganz kaputt, ein Flecken mit Gras, Fels in lichtem Kiefernwald, Halbinsel umspült von einem kleinen Flüßchen – sonst nichts. Und Niemand.

Ulvik943

Das Flüßchen

Dort habe ich mich – ich frage mich, ob es wirklich nur zweimal war oder öfter – für mehrere Tage niedergelassen. Im Auto geschlafen, tags am Flüßchen gelegen, gestrickt, gelesen, Musik aus dem Walkman gehört, die Umgebung erkundet, Dämme gebaut (nicht im Flüßchen, da war ganz schön Strömung. Aber in Bachläufen, die dorthin führten) In leere Selterflaschen füllte ich mir Wasser, das ich in die Sonne stellte – zum haarewaschen und „duschen“, denn das Flüßchen war unglaublich kalt. Aber zum abkühlen an den heißen Tagen war’s toll, durchzuwaten. Abends gab’s Dosenkost vom Campingkocher, frühstücken hieß Geitost und Mørs flatbrød, denn da ich keine Kühlmöglichkeit hatte, ging alles andere eh kaputt. Gut hatte ich’s!

Einmal kamen Wanderer. Da lernte ich, daß ein Wanderweg in der Nähe abzweigte, den ich nie gesehen hatte. Er führt direkt auf einen Gletscher, und von dem kamen sie. Ich bin dann auch mal dort längs gelaufen, zwei Stunden durch ein Tal, wunderschön! Aber natürlich bin ich nicht annähernd in Gletschernähe gekommen.

Das Tal

Das Tal, hinten der Gletscher

Ein anderes Mal hatte doch tatsächlich Jemand sein Zelt keine 50 Meter von meinem Auto aufgeschlagen, als ich von einer Tour zurückkam. Huch! Abends haben wir dann zusammen am Lagerfeuer gesessen und ein wenig geklönt, auf englisch.

Und ein drittes Mal stellte ich, als ich vom Dämmchenbauen zurückkam, fest: ich hatte meinen Autoschlüssel verloren!! Den ganzen Weg samt Bach habe ich abgesucht. Weg war er! Und den Ersatzschlüssel hatte ich im Rucksack, und der war – im Auto. Das abgeschlossen war.
Dachte ich jedenfalls.
Nach mehrstündiger Suche beschloß ich, mich zu Fuß ins nächste Dorf aufzumachen, um Hilfe zu finden, habe mich aber nochmal vorher ans Flüßchen setzen wollen – und da sah ich ihn: den Rucksack! Friedlich geparkt auf meinem Fell, daneben die Selterflasche…. Ich hatte vergessen, meine Sachen ins Auto zu packen, bevor ich losgegangen war.

Ulvik944

Jahre später wollte ich dem Herrn, der erstmals in Norwegen war, diesen meinen Platz zeigen. Es gab ihn noch – aber ringsum wurden neue Hytter gebaut, der Weg war baumaschinenvergrössert, „meine“ Lichtung hinter einem Zaun….

Hiraeth.

Marotte

Erst als Felis Major von ihrer Gewohnheit, aus Gewohnheit immer dieselben Kleidungsstücke anzuziehen, berichtete, ist mir eine meiner Gewohnheiten mal wieder so richtig aufgefallen:

meine Kleidung wird immer nach der Wäsche unten in einen Stapel einsortiert. T-shirts, Unterwäsche, Hosen – alles. Und wenn ich was frisches raushole, nehme ich’s immer von oben ab. (Strümpfe in der Schublade:  rechts einsortiert, links weggenommen)
Einzige Ausnahme: Strick- oder Sweatjacken, weil die farblich zum T-shirt passen sollen.

Ist das jetzt noch Gewohnheit oder schon Marotte????

Learning by Erfahrung

Noch'n Oldie, der offenbar ab und an ins schlingern kommt ;-)

Noch’n Oldie, der offenbar ab und an ins schlingern kommt 😉

  • Das ist kein Kopfweh, das ist HUNGER!
  • Auch der Blues geht irgendwann wieder weg.
  • Ich bin gern unter Menschen.
  • Es ist möglich, den Inhalt einer Tüte Chips auf bis zu vier Abende zu verteilen.
  • jedenfalls dann, wenn frau Brot, Butter, Hefepaste und Erdnußbutter zur Hand hat.
  • Raus! Bewegen!! Licht!!!
  • Freundlich aussehen hilft.
  • Freundlich sein hilft noch mehr, ist aber ungleich schwieriger.
  • Alle sind unfreundlich? Keiner mag mich? Und erst recht versteht mich niemand? Außerdem ist das Leben insegesamt total sch***?? Dann mal überlegen, ob vielleicht die nächste Regel vor der Türe stehen könnte. Das ändert zwar nichts dran, daß das Leben grad sch*** ist, aber nun kann jahrelange Erfahrung greifen: morgen schon wird’s wieder besser sein!!! Und das Wissen darum wiederum hilft selbst dem „Leiden Christi in Butter gebraten“, Geduld mit sich selbst und der Welt walten zu lassen (btw: kennt Ihr diesen netten rheinischen Ausdruck für’s Häufchen Elend??)
  • Ich kann nicht verstehen, wieso ein Schiff schwimmen kann. Ich muß das aber auch nicht verstehen können!
  • Umziehen ist toll! Aber frau kann auch mal zwanzig Jahre zufrieden wo bleiben. Auch wenn’s zwischendurch mal juckt…
  • Wenn die Füße erst warm sind, wird’s die Restfjonka auch.
  • Sowie zum guten Schluß: es ist möglich, aus Erfahrung zu lernen. Aber mühsam und oft langwierig.

Und das hier weiß ich, aber …..

  • Ich kann einfach nicht so viel „schaffen“ wie viele andere Leute. Das ist so, und es hilft sehr, sich damit abzufinden.
  • 20 Minuten runterkommen hilft  23 Stunden und 40 Minuten lang – gut investierte Zeit.

Wer weiß, vielleicht krieg ich diese Dinge ja dann in den nächsten 48 Jahren irgendwann vom Kopf in den Bauch….

Auf die Idee zu diesem Beitrag hat mich das lesen eines anderen Blogs gebracht. Frau Dingdong hat mich zum nachdenken gebracht darüber, ob mich die oft verfluchten Jahre vielleicht doch auch einige Dinge gelehrt haben. Und sie haben, wie Ihr lest.

Erkenntnis durch Spaten

Hier. Diese Spaten sind es, die mich etwas haben wahrnehmen lassen, das zuvor nicht bis ins Bewußtsein vorgedrungen war:

Frau braucht zwei. Aber keiner davon ist das Original. Das war auf- unser Boden ist steinig, und ich nutze Spaten auch zum Steine rausghebeln und so... deshalb ist der eine auch länger: er hat schon den 2. Stiel...

Frau braucht zwei. Weil, einer ist immer grad nicht auffindbar. Außer nach der Winterpause

Den ersten dieser Sorte hat mir Volker geschenkt, zu meinem ersten Geburtstag hier im Haus mit eigenem Garten. Den ganzen Sommer über hatte ich mit „Normalspaten“ herumgebanaust, und zu Recht konnte er das wohl nicht mehr mit ansehen. Was für einen Unterschied es machte, mit diesem vernünftigen Spaten in die Erde zu stechen! Und dann war’s noch, was ich vorher nicht kannte: ein Damenspaten! Gold wert, wenn man, wie ich, unter 1,60 mißt und auch noch vergleichsweise winzige Hände hat. Da sind normale Gartengeräte sowohl von der Länge als auch der Dicke der Stiele viel zu groß!!

Aber das ist nicht die Erkenntnis, von der ich sprach. Die ist, daß es mir absolut unmöglich ist, einen Spaten zur Hand zu nehmen, ohne an Volker zu denken. Obwohl der Original-Volker-Geschenk-Spaten schon nicht mehr „lebt“, das da oben sind seine Nachfolger.

Als ich erst einmal aufmerksam geworden war, purzelte es nur so:

  • „Norwegen“ denken (oder das Wort hören, das reicht schon) und Volker sehen ist eins.
  • „Roskilde“ denken und Volkers Weste vor Augen haben – eins geht nicht ohne das andere!
  • die Kreissäge rausholen und Volkers Mahnung im Ohr haben, die zu sägenden Äste stets „Daumen NEBEN Zeigefinger“ zu halten – selbstverständlich (daß ich’s dann nicht tue ist genauso selbstverständlich ;-))
  • Käpt’n Blaubär reden hören und Volker lachen hören. Gleichzeitig.
  • Wenn der Michelmann auf bestimmte Art einen Becher hält, dann muß ich jedesmal lächeln- Niemand sonst benutzt diese Volker-Geste.

So könnte ich noch ein Weilchen fortfahren, aber das entscheidende ist klar, denke ich: Ich habe, als ich in diesem Jahr meinen Spaten herausholte, und in den Tagen danach erstmals bewußt gemerkt, daß auch achtzehn Jahre nach seinem Tod Volker noch ganz selbstverständlich und alltäglich bei mir ist. Und darüber freue ich mich sehr.

P.S. für die, die das nicht wissen: Volker war über lange Jahre mein bester Freund. Gestorben ist er 1996.

Wann ich mich so richtig jung fühlte *

  • Als ich von der Frau am Kassenhäuschen vom Mondlift gefragt wurde, ob ich denn schon 16 bin.
    Ihr wisst ja, wann das war.
  • Als Volker und ich in Roskilde ordentlich Spaß hatten beim tanzen (Trash metal, und wir spielten Monsterkampf *gg*) und ein älteres Pärchen meinte, mich lieber mal ansprechen zu wollen, ich solle ein bißchen auf mich aufpassen…..
    Da war ich Ende zwanzig.
  • Als ich von einem Kunden gefragt wurde, ob ich in den Semesterferien hier anne Tanke arbeite.
    Da war ich 37.
  • Als ich im Gershwin-Konzert saß. Da haben wir den Altersdurchschnitt aber sowas von gedrückt!!
    Das war vor drei Wochen.
  • Als ich nachher in der Zeitung las, daß im Gershwin-Konzert der Altersschnitt viel niedriger gewesen sei als sonst bei den Satruper Konzerten….
  • Wenn mich Kunden mal wieder mit „Junge Frau, können Sie mal bitte …..“ ansprechen. Ja, das passiert noch ab und an.
    Meist sind die Kunden zwischen 70 und 80….

* 😉

Wann ich mich so richtig alt fühlte*

  • Als ich nach mehreren diesbezüglichen Anschissen feststellen musste, daß ich nun, was das grüßen von Menschen angeht, auch auf Leute achten muß, die auf Mofas sitzen.
    Da war ich 15.
  • Als ich nach mehreren diesbezüglichen Anschissen feststellen musste, daß ich nun, was das grüßen von Menschen angeht, auch auf Leute achten muß, die am Steuer von Autos sitzen.
    Da war ich 17.
  • Als die Frau im Kassenhäuschen vom Mondlift auf der Kirmes zum ersten Mal nicht gefragt hat, ob ich denn auch schon 16 bin.
    Da war ich 20.
  • Als ich feststellen musste, daß ich mit Riesenschritten auf meinen 30. Geburtstag zusteuere.
    Da war ich 28.
  • Als ich aufwachte, und es war mein 30. Geburtstag.
    Da war ich 75.
    Gefühlt.
  • Als ich mein erstes weißes Haar fand.**
    Da war ich 35.
  • Als mir klar wurde, daß dieser schnuckelige Kerl da locker mein Sohn sein könnte.
    Da war ich 39.
  • Als sich nach einem Blick auf den für die Werkstatt bei mir abgegebenen Personalausweis des älteren Herrn herausstellte, daß besagter älterer Herr zwei Jahre jünger ist als ich.
    Da war ich 42.
  • Als ich meine erste Gleitsichtbrille bekam.
    Da war ich 47.

Wann ich mich so richtig alt fühlen werde, weiß ich übrigens auch schon:

  • Wenn die erste Gleichaltrige aus meinem Bekanntenkreis Oma wird.
    Es kann eigentlich nicht mehr allzu lange dauern……

* 😉

** Ich hab’s übrigens heute noch!

Schaufeln

tikerscherk hat mich zum nachdenken gebracht.

Hier schreibt sie, daß sie sich beim bloggen über trauriges, schmerzliches „die Zufahrt zur Fröhlichkeit freischaufelt“

Hinsetzen, schreiben, noch einmal durchleiden, und weg ist der Gram.
Alles schön zu den Leserinnen und Lesern rüber schieben.

Als ich das las, habe ich verglichen. Mein Blog ist hauptsächlich lustig. Oder ich schreibe über komisches. Oder versuche zumindest, die Dinge einigermaßen leicht oder lustig darzustellen.
Dabei bin ich doch gar nicht so lustig, eigentlich. Jedenfalls nicht so gut drauf, wie ich’s gern wäre. Und längst nicht so fröhlich.
Aber, und das fiel mir dann auch auf: wenn ich über nerviges schreibe, dann werde ich gleich nochmal genervt. Nicht nur, solange ich schreibe, sondern das hält für Stunden vor. Und schreibe ich trauriges, so fühle ich mich traurig. Für Stunden oft. (Deshalb tu ich’s ja auch eher nicht…) Und mir macht es gute Laune, wenn ich was gut gelauntes schreiben kann und mir das einigermaßen gelingt. Und wenn das funktioniert, dann ist die gute Laune ja auch schon prinzipiell mal vorhanden, und das schreiben ist also eine Art, sie freizulegen.
Oder so ähnlich….. Mal ganz abgesehen von der Freude, wenn dann ein Kommentar dazu erscheint!

Irgendwie ists wohl so wie mit Musik. Es gab Zeiten, in denen hab ich fast nur Blues gehört. Ich finde Blues toll, immer noch. Aber irgendwann habe ich zu dosieren begonnen, weil ich gemerkt habe: mich zieht das einfach runter! Und ich bin eh nicht so das heitere Gemüt – ich neige zum schwarzsehen, zum mich sorgen, zum ängstlichsein – also begann ich dafür zu sorgen, daß ich Musik höre, die ich toll finde, und die mir gute Laune macht, mich powert und mir gut tut. Gibt es ja schließlich auch!
Das ist lange her, mindestens seit ich mit 8 Stunden Beschallung arbeite, höre ich daheim eh fast keine Musik mehr, egal welcher Art …. aber es ist ähnlich: offenbar lasse ich mich von der Atmosphäre um mich rum und sogar von meinen eigenen Gedanken leicht anstecken, im guten wie im schlechten, anders als tikerscherk.
Jeder schaufelt die Zufahrt halt auf seine Weise frei ………

In diesem Sinne wünsche ich allen starke Arme – und das schnelle auffinden der bestmöglichen aller Schaufeln 😉

 

Gelüste I: Fjonka.

Es ist heiß. Aber windig.

Nicht windig ist es im Windschutz. Aber da stinkt’s. Also sitz‘ ich jetzt bei schönstem Sommerwetter drin und schreibe in mein Blog…. Und das kam so:

Ich saß gemütlich im Windschutz und schwitzte so vor mich hin, als mir einfiel, daß der 1000-l-Wassertank, der ja eine Ecke unseres Windschutzes bildet, seit einiger Zeit leer ist.
Das brachte mich auf den Gedanken, daß letzten Sommer das Wetter so unerhört schlecht war, daß der Wassertank nicht ein einziges Mal leer wurde. Und das wiederum sagte mir, daß es jetzt- und zwar GENAU jetzt an der Zeit wäre, den Wassertank nach 2 Jahren wieder einmal zu säubern.

Ich liebe es!

Ich brauch nicht ans Meer! Ich muß nicht schwimmen! Ich zucke mit den Achseln, wenn Jemand „Strand“ sagt. Ich geh mit segeln, wenn man mich fragt- aber bitte nicht zu oft!
Aber bring mich an ein Bächlein und laß mich allein- ich werde mich stundenlang damit beschäftigen können, kleine Dämme zu bauen (was ich auf meinen „Wochenlang-allein-in-Norwegen“-Touren auch oft genug getan habe)! Zeig mir ein gestautes Rinnsal, und ich werde ihm Platz verschaffen, abzulaufen! Und gib mir einen Schlauch in die Hand und einen dreckigen, veralgten Wassertank mit dem durchs Sieb gekommenen Dachrinnenschnodder von zwei Jahren – und ich werde mindestens die 1000 Liter Wasser, die gespart werden, weil wir diesen Tank haben und daraus gießen können, aufwenden, um ebendiesen Tank sauberzumachen….Diese letzte Tatsache ist mir allerdings erst aufgefallen, als es schon zu spät war- aber dadurch konnte ich mir immerhin nicht selbst den Spaß verderben *g*
Der Tank ist nämlich nicht wirklich als Dauer-Wassertank konzipiert und saubermachbar nur, indem man von oben beim Zulauf die Algen runterspritzt und all den Schnodder mit gezieltem spritzen Richtung Ablauf treibt.Und immer wieder die Leiter runterflitzt, um von unten den Ablauf, wenn er zugesetzt ist, wieder freizumachen ….

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Stimmt. Sieht halb so wild aus. Ist aber ganz schön viel und olfaktorisch…. nuja…..

Leider habe ich auch kein „vorher“-Bild, um zu zeigen, wie elend viel schmieriges, stinkendes, schleimiges Zeug langsam und mit Dutzenden Leiterauf- und abstiegen von mir und dem Wasserschlauch aus dem Tank gespült wurde … ich kann nur zeigen, wie der Tank von innen in „fast sauber“ aussieht- und wie es draußen vor dem sauberspritzen des Windschutzes aussah.

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Von innen. Von oben fotografiert. Fast sauber.

Mitten drin hing ich dann mit der Nase über dem Einfüllstutzen oben auf der Leiter- und dachte so, daß es eigentlich nicht allzu unschlau wäre, die Brille abzusetzen. Nein, ich hab’s nicht getan- weil ich’s immer wieder vergessen habe. Und: nein, sie ist nicht in den Tank geplumpst- was bedeutet hätte, entweder den Tank aufzuschneiden oder 200 Tacken in eine neue Brille zu investieren.

Schleimiges, stinkendes Geschnodder- ach, es ist herrlich!! ;-)

Schleimiges, stinkendes Geschnodder- ach, es ist herrlich!! 😉

Nein, ich habe schlicht und einfach 2 wunderbare Stunden mit matschen und stinken und naßwerden und bespritzt sein und wieder trocknen verbracht … nur die Knipse hat gelitten. Die hab ich nämlich aus Versehen nach Foto 1 in eine Wasserlache gelegt. Hab’s gleich gemerkt. Funktioniert auch noch. Aber das Display …. jedes Bild sieht aus wie von Hemingway, ein nach innen verschlierender Rahmen aus verdunstendem Wasser…. hoffentlich gibt sich das noch!!!

Sommerregen, damals

Ein Sommerabend vor vielen Jahren.
Ich allein in unserem Garten in dem Resthof, in dem wir damals in einer WG wohnten.
Schön warm war’s, und plötzlich ging ein richtiger heftiger Dicke-Tropfen-Regen runter. Ich mir das T-shirt vom Leib gerissen, nur noch eine Unterbüx an, und mich gefreut. Aber im Gras wurde es kalt, die Teerstraße am Haus dampfte vor Wärme – und auf der Straße fuhr so gut wie nie irgendein Auto…  also raus auf die Straße, rumgeplanscht- das T-shirt hatte ich mit, falls….
und tatsächlich – plötzlich biegt ein Auto umme Kurve!
Ich versuch‘ mir das T-shirt überzuziehen- und scheitere an der Nässe.
Das Auto wird langsamer und langsamer, ich sehe die Scheibe heruntergehen und bereite mich innerlich auf saftiges schimpfen vor, weil ich spottende oder anzügliche Worte erwarte. Aber dann sehe ich hinter der Scheibe einen grauhaarigen Frauenkopf vorgucken. Sie strahlt über das ganze Gesicht und ruft: „Oooooh, das ist schön, das hab ich früher auch gemacht, als ich noch jung war!!!“