Es war einmal…. das Roxy

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Seit Jahren abgerissen, Baulücke. Die Kanalrohre waren (mir) neu. Ob sich was tut?

Als ich nach Flensburg kam, war der erste Teil der Geschichte des Roxy schon Geschichte, sozusagen. Ursprünglich war es nämlich ein großes Kino gewesen. Ideal für eine Zweitnutzung als Disco: super Tanz-Boden, eine erhöhte „Bühne“, auf der erschöpfte TänzerInnen sowie die ja immer in Überzahl vorhandenen „GuckerInnen“ sich aufhalten konnten, der ganze PublikumsraumTanzfläche- also: GROSS!!, an den Seiten Nischen, wo mal Logen gewesen waren. Und dann gab’s noch gute Musik- Herz, was willst du mehr? Das Roxy war einer der entscheidenden Gründe für mich, mir Flensburg als meine neue Nord-Heimatstadt auszusuchen.
Lange Jahre war ich dienstags, oft auch donnerstags und manchmal freitags und/ oder samstagsabends dort zu finden, oft war es schon hell, wenn ich erschöpft vom vielen tanzen, aber zufrieden wieder gen Heimat-WG schlurfte (oder später -fuhr).

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Und so sah ich aus, damals. Meine Lieblingsklamotten, im Keller aufgehängt, haben der Schornsteinfegerin beim ersten kehren fast einen Herzinfarkt beschert *gg*

Dann kam der langsame Abstieg. Die Leute kamen immer später, erst ab 1 wurde es voll, nur noch an den Wochenenden war viel los, die Gruftie-/Fetisch-Szene entdeckte ihre Liebe zum Roxy … also, nicht daß die nicht schon immer dagewesen wären und bei bestimmten (für mich) greuslichen Liedern die Tanzfläche gestürmt hätten, wo sie dann in langen, schwarzen Mänteln und mit Grabesmiene immer 1 Schritt vor, dann 1 zurück gingen, worauf das vordere Bein angehoben wurde, dann wieder abgesetzt- und von vorn, das ganze – kann sich noch Jemand daran erinnern? Ich hab’s nie begriffen, und ich werde das auch nie tun. Dazu muß man allerdings wissen, daß mal Jemand meinen Tanzstil als „wie ein wildgewordener Feudel“ beschrieben hat *g*.
Egal – also, sie waren schon immer da, die Grufties, und das war für Alle ok so. Man amüsierte sich (wohl wechselseitig) über die jeweils schräg wirkenden Gestalten der anderen Szene, und gut. Irgendwann aber gab’s die ganze Nacht über nur noch „duster“, das war dann für mich das Ende meiner Roxy-Zeit. Fürs depressiv-werden brauch ich keinen Eintritt zu zahlen, das kann ich gut ganz allein, schon immer ;-|

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Langer, rampenartiger Flur als Eingang- jetzt, wo das Roxy abgerissen ist, sieht man, wieso

Ein paar Jahre hat es noch durchgehalten, das alte Roxy. Dann ist es umgezogen, 2x sogar, soweit ich weiß. Zum Schluß war es nur noch Konzert-Veranstaltungsort, und inzwischen weiß ich nicht mal mehr, ob es zumindest in dieser Form überhaupt noch existiert (Bea?? Du weißt sowas doch!?) Dann stand das Gebäude einige Jahre lang leer, und schließlich wurde es abgerissen- das Ende einer Ära.

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Blick vom Rummelgang aus

Oberhalb, auf dem mit Mühe erkennbaren „Plateau“, stand bis zum Abriß beider Gebäude noch ein 60er-Jahre-Wohnhaus, mit dem sich auch ein bißchen was verbindet: zu den Zeiten, als ich noch zu Besuch in FL war, nahm ich einmal einen Tramper mit gen Süden. Der war nett, und er war Flensburger, und er wohnte in einer WG in ebendiesem Gebäude. Ich bekam eine Telefonnummer, für den Fall, daß ich irgenwann einmal eine Unterkunft bräuchte, wenn ich wieder zu Besuch wäre. Und so habe ich tatsächlich einmal 2 oder 3 Tage lang direkt über’m Roxy gewohnt….

DAS Bier. Oder auch DER Energydrink.

P1000486Hier, erinnert sich da noch Jemand dran? Das waren Zeiten- die einzigen Zeiten, zu denen ich jemals „vorgeglüht“ habe. Immer, wenn ich wusste: eine lange Disse-Nacht liegt vor mir und (UND) ich muß nicht fahren. Also selten. Aber dann. Dann hab ich mir vonne Tanke ein Catch the Cat mitgebracht, und das hab ich dann genüßlich getrunken.

Ohne lange Nacht ging das nicht, denn da drin war „energy“, heißt für nix gewöhnte Fjonken: vor 3 braucht man nach so einem Teil nicht zu Bett.

Mit fahren-müssen ging das nicht, denn ein Bier heißt für nix gewöhnte Fjonken: fahren ist nicht mehr.

Aber das schmeckte, das Zeug! Hmmmmm!! Nicht so fies nach Gummibärchen wie andere Energydrinks. Und nicht so fies bitter wie andere Biere.

Allerdings war die Freude kurz, ich glaube, mich an vier passende Abende erinnern zu können- denn schon nach vielleicht ein, zwei Jahren hieß das gute Zeug plötzlich „Flens energy“, sah nicht mehr stylish aus und schmeckte nach Gummibärchen. Und noch etwas später gab’s das gar nicht mehr.

Jaja, die guten alten Zeiten- das war irgendwann zwischen ’97 und 2007, zu meinen Tanke-Zeiten …

Wenn ich einmal reich wär’….

Wir haben gestern einen Ausflug gemacht, und da kamen wir an einem „zu verkaufen“-Schild vorbei. Ich so zum Herrn „Wenn da so ein Schild steht, dann kann man da doch auch mal gucken gehen. Man könnte ja schließlich interessiert sein“. Und der Herr so: „Stimmt“. Wir uns so angeguckt und also los, von der Hauptstraße des Dorfes weg durch eine etwa 70m lange Linden(?)allee hin zu dem offenbar zu verkaufenden Haus.

Und – ach, mein Herz schmerzt! Wenn ich doch reich wäre, so richtig reich, so einfach mal ne halbe Million auf dem Konto liegen hätte und nicht wüßte, wohin damit. Wahrscheinlich würde ne Viertelmillion auch schon reichen.

Ich würde da anrufen. Und dann würde ich das Haus kaufen

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Und dann würde ich renovieren (bzw sanieren) lassen. Genauso, wie ich mir das vorstelle. Die feuchten Stellen an den Wänden, wo es vom Fundament naß hochzieht, die würden trockengelegt. Die Holz- und die Terrazzoböden, die man von draußen per Naseplattdrücken sehen konnte, die würden erhalten oder danach wieder verlegt. Die alten Türen mit den schlichten, aber schönen Klinken- abgeschliffen und neu gestrichen (aber nicht die Klinkenblätter. Die waren nämlich auch übergeschmiert. Die dürften wieder ihr altes Schmiedeeisen zeigen.) Vorn und hinten gab’s Ställe, die dürften ruhig Ställe oder Werkstätten oder so bleiben, der Wohnraum, der da ist, würde reichen. Links von dem hinteren Stall, den man im nächsten Bild sieht- da ist eine Ecke mit einer großen Eiche und Wildwuchs- und darauf hinaus gehen links diese grünen Türen. Da würden meine 2 Schweine später wohnen, mit Ausgang zum wühlen.

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Vorne gab’s einen schmalen Streifen Obstgarten, wie schön! Und hier sieht man einen geklinkerten Platz- leider nicht südlich gelegen und somit nicht als Terrasse prädestiniert, aber schön, so schön!

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Der Garten liegt auf der anderen Hausseite und ist eingewachsen von einer alten Hecke, gemütlich und nicht einsehbar von den 2 Häusern gegenüber, das ginge also auch.  Die wunderbaren Fenster würden renoviert und neu gestrichen, das Dach sah noch ganz gut aus, könnte aber als Reetdach erhalten bleiben.

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Eigentlich weiß ich nicht mal so recht, ob wir da wohnen würden- eigentlich schon, aber naja- fürs altwerden ist das auch wieder nix, zu weit ab von allem und  auch so ein Dorf, in dem NICHTS ist außer „schön“. Aber ist ja egal, wenn ich reich wäre, würde ich das alles erstens auch für 5 oder 10 Jahre wohnen machen können, und dann wieder umziehen- oder ich könnte es einfach überhaupt nur deshalb machen, weil  dieses wunderbare alte Haus es sich verdient hat, daß Jemand sich seiner annimmt, der es so wie es ist zu schätzen weiß.

Ach, mein Herz tut mir weh, wirklich! Es ist kaum zu ertragen, daß wir das Haus einfach wieder alleinlassen mussten. Aber noch schlimmer wird es sein, zu ertragen, wenn es dann eines Tages verkauft wird (das Schild ist da schon länger, wir sind nur noch nie hingegangen – wer weiß ….), und Jemand es nicht richtig renoviert.

Liebes, altes Haus, ich wünsche Dir so sehr, daß Dich jemand findet, der weiß, was er an Dir hat, der auf Dich aufpaßt und genug Geld und trotzdem auch Sinn für Altes hat, daß es Dir gutgehn kann, eines Tages!!

Über den Umgang mit neuer Technik

Gerade las ich, was nömix über das Fazit seiner Oma zum Fernsehen schrieb, nachdem diese Oma den Mann, den sie sich, passend zu seiner wunderbaren Radiostimme, seit Jahren als hübschen, attraktiven Kerl vorgestellt hatte, zum ersten Mal im TV gesehen hatte. Sie war enttäuscht von des Mannes Aussehen. Das Fazit lautete:

Es Radioschau’n hat koa Guad’s net!“

*g*.
Mich hat diese Geschichte an die erinnert, die der Herr oft über seine Oma erzählt. Seine Oma nämlich hörte gerne Volksmusik, und so bekam sie von ihrer Tochter anno Dunnemals einen Kassettenrekorder geschenkt- und ein paar Volksmusikkassetten gleich dazu. Man zeigte ihr, wie der Rekorder funktioniert, und einige Wochen später fragte man nach, wie ihr denn das gefalle mit so einem Kassettenrekorder.
Neue Musik könne sie mal wieder brauchen, sagte sie. Ob sie die Kassetten denn nicht mehr hören möge? Nein, die habe sie schon gehört, die seien leer.
Leer?
Die Oma dachte, das mit den Kassetten sei wie mit den Milchflaschen: Inhalt einmal benutzt- leer
Auf den Gedanken, daß die Musik nicht „aufgebraucht“ war, daß man sowas mehrfach hören kann, war sie gar nicht gekommen. Das mußte ihr erstmal Einer erklären. 🙂
Man kann sich gut amüsieren über sowas; weniger lustig ist es dann, wenn man selbst sich als ebenso technik-naiv beim Umgang mit neuen Medien entpuppt:

2004, ich hatte vor etwa einem halben Jahr meinen ersten Computer bekommen, und nun war ich bei BookCrossing aktiv und plante mein jährliches Treffen mit Komma irgendwo in Deutschland. Und da Komma – noch frischer als ich – inzwischen auch BookCrosserin war, lag es nahe, daß wir auch ein Treffen mit dortigen BookCrossern initiieren wollten.
Wir entschieden uns für Dresden als Ziel unserer Tour, die Planung schritt fort und fort, und irgendwann fuhren wir los. Alles war klargemacht für das Treffen. Und ich kündigte an, von nun an bis dahin nicht mehr erreichbar zu sein, also möge man bitte nichts mehr kurzfristig ändern.

Hä? Nicht erreichbar? Nichts mehr ändern? Gibt es denn in Dresden keine internetcafés, wo man mal gucken kann, ob sich was neues ergeben hat?
Ja, wieso, schon- aber von da kann ich doch keine mails gucken!
????
Meine mails sind doch auf meinem Computer, im Outlook!
?????
Ach- wie? Übers web kann man die auch abholen? Man muß nur das Mailprogramm aufrufen und da seinen Namen und sein Paßwort eingeben???
Oh!
Ja, oh! *g* Das hatte ich nicht gewußt, ebensowenig, daß ich mich von jedem beliebigen Computer aus ins BookCrossing einloggen könnte.

Im Grunde halte ich mich für relativ aufgeschlossen neuen Medien gegenüber, und es macht mir Spaß, mich in neue Programme oder Hardware einzufrickeln. Und doch entdecke auch ich  langsam die ersten Anzeichen der typischen Technik-Oma an mir. Zum Beispiel, daß ich viele Sachen, die da auf dem Markt sind, für total überflüssig halte, auch ohne sie je ausprobiert zu haben.

  • facebook? Wat soll dä Quatsch? (Natürlich habe ich Gründe! Datenschutz! Nur mal so zum Beispiel! *g*)
  • CD? mp3? Wat soll dä Quatsch? (Natürlich wird eine CD die Vorteile der Kassette im Leben niemals mit noch so schönen Möglichkeiten aufwiegen können!! Und mp3? Das ist doch alles viiiiiel zu umständlich!! *g* CDs habe ich trotzdem. Geht ja kaum ohne. Aber mein Herzensmedium für Musik ist und bleibt die Kassette!)
  • twitter? Smartphone? Natürlich habe ich gute Gründe, mich damit nicht befassen zu wollen. Was waren das noch gleich für welche …..

Ich habe Freunde, die keinen Anrufbeantworter wollen, keinen Computer, keinen CD-Spieler. Das Tastentelefon reicht, das TV, die Musiktruhe aus den 60ern mitsamt Radio. Die zwei sind an die 80 Jahre alt. Nicht zusammen, JedeR für sich. Und ihre Gründe? Natürlich haben sie Gründe. Die sich in meinen Ohren anhören wie „Wat soll dä Quatsch?“
Vielleicht könnte man aber auch sagen: die müssen nicht mehr jedem Trend hinterherlaufen ….
Ja, genau! Das isses doch eigentlich! Nix da Technik-Oma! Ich laufe bloß nicht jedem Trend hinterher!!
P.S.: „Wat soll dä Quatsch“ ist übrigens §9 der rheinischen Grundgesetzes….

Nostalgie …

Da hat doch humptydumpty einen BC-thread von vor FÜNF Jahren herausgekramt und wieder nach oben (im Forum) gepusht, und dieser thread war von mir eröffnet und ist Nostalgie pur für Alle, die in den 70ern und 80ern groß wurden.
Ich habe ganz zu Beginn dieses threads von meiner Jeans erzählt. Von DER Jeans. Der mit den vielen Lederflicken. Damals gab’s sie noch, wenn auch schon seit Jahren im Schrank. Inzwischen – *seufz*- ist sie tatsächlich im Müll gelandet. Aber auch nur, weil sie im Schrank (dem im fast unbeheizten Gäste“trakt“) Schimmel angesetzt hatte. Und daß ich sie nie wieder tragen würde, das war eh klar….
Aber lest selbst die Geschichte meiner Lederflickenjeans- Anlaß war damals ein Buchring- Gernot Gricksch „Im Schrank“:

Habe nun doch schon die erste Geschichte (Anm.:des Buches) gelesen, und – ohweh – Gernot Gricksch und seine alte Lederjacke – das ist die Geschichte von mir und meiner Lederflickenjeans!!!!
Die Gute hab ich seit 1986.
Das weiß ich deshalb so genau, weil sie ein Einkauf für meinen großen Schritt weg von daheim war: weg vom Rheinland, hin zur Lehre in Franken, wo ich keinen Menschen kannte.
Damals war sie noch ne normale Jeans.
1988 dann war ich um einiges dicker geworden und trug eh nur noch Pumphosen, selbstgeschneidert (das allerdings nicht, weil ich SO furchtbar dick gewesen wäre, sondern weil ich die toll fand). Da hab ich sie meinem damaligen Freund geliehen.
ICH meine: geliehen. ER sagt: geschenkt. Naja.
Jedenfalls, als er mich dann schändlich verraten und verlassen hatte, da hab ich sie mir zurückgeholt, schon aus Prinzip. Und weiter nicht getragen, weil ich ja meine Pumphosen hatte.
Aber dann: 1989!!! Der Umzug nach Flensburg, Neuanfang, ich kurze Zeit später fast 10 Kilo leichter – und stolz in meiner Jeans!!! Die ungeheuer bequem und schön war. Und getragen wurde. Und getragen. Und getragen.
Dann das erste Loch, und da mein (nun anderer) Freund gut nähen konnte und sogar Maschinen zur Verfügung hatte, die Leder schafften: der erste Lederflicken. Am Knie.
Dann gings rapide: 5 Jahre, in denen ich fast keine andere Hose trug, und die Flickenlandschaft wurde immer ausgedehnter. Und ich hab diese Hose GELIEBT!!!!
Tja, und dann?
Sie liegt immer noch im Schrank. Sie paßt auch noch, das ist es nicht.
Aber ich bin inzwischen 41, und deshalb paßt sie dann irgendwie doch nicht mehr, und das auch schon seit – na, vielleicht etwa 9 oder 10 Jahren.
Jedes Jahe ein- oder 2 mal hab ich so richtig Lust auf meine Hose.
Dann zieh ich sie an – stell mich vor den Spiegel – sehe eine von diesen übriggebliebenen Altfreaks, die gar nix mehr merken, seufze SEHR tief, zieh sie wieder aus – und schmeiße sie NIE in den Müll!!!!
Genausowenig wie die Lieblingspumphose, die hat aber immerhin noch ne Aufgabe: einmal im Jahr erschreckt sie den Schornsteinfeger, weil der im Keller das Licht anmacht – und da hängt sie, zusammen mit den wunderbaren Elefantenschuhen mit den Wollsocken drin, einer Lieblings- Rüschen- ewiglang- Flowerpowerbluse und einem Windeltuch um den nichtvorhandenen Hals das Abbild der Oedi, wie sie sich 1992 am liebsten mochte…….
*S_E_U_F_Z*!!!!!

Und da man mich da nun WIRKLICH nicht wieder erkennt, hier ganz öffentlich ein Bild aus der Pumphosenzeit (’86)- und 2 aus der Fast-noch-ungeflickten-Flickenjeanszeit (’89) Übrigens: die 10 abgespeckten Kilos kamen einzig und allein daher, daß es in Franken superleckere Torten bei jedem Bäcker gibt- und Flensburg damals die totale Torten-Diaspora war. Zum Glück habe ich die 10 Kilo noch nicht wieder drauf, obwohl sich das geändert hat *g* Die 5, die wieder drauf sind, die liegen aber auch nicht an Torten. Eher an Chips. Und am Alter.

  

Und wer jetzt auch nostalgisch aufgelegt und etwa in dem richtigen Alter ist, dem empfehle ich den thread- da gibts ziemlich viel „damals pur“: hier klicken zum lesen

Und für Diejenigen, die sich jetzt vielleicht wirklich da festlesen: die besprochene Party in Frankfurt hat es dann wirklich gegeben, schön war’s 🙂

Mein erster Computer

Es war einmal das Jahr 2004. Die Fjonka hieß damals noch ganz anders, weil sie gar nicht wusste, daß es sowas wie Gravatare und Nicknames überhaupt gibt, und sie war der Überzeugung, daß sie erst dann einen Computer würde haben wollen, wenn man per Telefon oder Fernseher computern würde können- also allerfrühestens 2050 oder so 😉

Dann sah sie diesen kleinen Artikel im SPIEGEL:

und es war um sie geschehen. Die Fjonka hatte einen fortschrittlichen guten Freund, bei dem durfte sie mal in seinem Computer gucken, was das denn so war im Internet mit den Büchern. Und es ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Aber nur für so ein vielleicht nettes neues Hobby so viel Geld ausgeben????
Der gute Freund wusste Rat: so viel Geld musste es nicht sein, es gab ja gebrauchte Computer. Das sollte völlig ausreichen. Dazu gabs dann ein Modem.  Denn von sowas wie flatrate, ISDN, WLan oder so hatte man noch nie gehört im nördlichen Schleswig-Holstein.

Jedenfalls: gesagt, getan: Computer bestellt und eingerichtet (das machte dann wieder der Freund… wie gesagt, ein GUTER, immerhin hat er einen ganzen und noch einen halben Tag damit verbracht- nix mit „vorinstalliert“ und so …. und danach noch viele Male support geleistet, wenn der kleine Grundkurs, der den zweiten halben Tag dauerte, läääängst noch nicht ausreichte)

Bei Bookcrossing hat die Fjonka sich dann Oedi02 genannt. Sie war sicherheitsbewusst und hatte gehört, man solle immer Buchstaben und Zahlen kombinieren, und sie dachte sich „Oedi02, das vergeß ich nie, denn Oedi, der Herzenskater, ist 2002 gestorben“. Sie hatte recht – nur nicht mit ihrem Sicherheitsdenken- denn sie hatte den Unterschied zwischen Paßwort und Screenname nicht kapiert….das 02 hat sie dann später auch aus ihrem Screename gestrichen.

Und so startete die rasante Fahrt ins Computerzeitalter mit einem kurzen Artikelchen in der Zeitung….

P.S. Wie ich da jetzt drauf komme? Ich wurde in letzter Zeit wieder mal gefragt, wie ich denn zu BC kam, und was mein Screenname bedeutet. Und das Artikelchen hängt immer noch an meiner Arbeitszimmer-Magnetwand.
P.P.S.: Hej, Freund, meld Dich doch mal!!!

Wie kommt man denn vom Rheinland nach Mürscht? Und dann von da nach Angeln?

Das wurde ich grad in den Kommentaren zu einem Blogartikel gefragt, der übrigens auch noch recht interessant ist. Es ist ja doch spannend, wie man in den Weiten des Netzes dann doch irgendwie auf Lebensparallelen stößt- wie eben zu der Dame, die ebendiesen Blogartikel geschrieben hat, und die ich, da mein Blog wiederum aus mir (zuvor) unerfindlichen Gründen in ihren Lesezeichen auftauchte, nach Lektüre des besagten Artikels „verdächtigte“, mir eventuell bekannt  zu sein; schließlich schrieb sie auch noch von der Vorrhön UND von der Arbeit in Behindertenwohnheimen… so viel Zufall auf einmal kann doch garnicht….?

Doch. Kann. Wir kennen uns nicht, stellte sich heraus, aber nun war auch ihre Neugierde geweckt. Und wenn ich schon auf so eine Frage schriftlich antworte, dann kann ich das auch gleich hier tun…

Das war nämlich so:

Ich komme ja aus dem Rheinland. Aber wahrscheinlich bin ich auf dem Fließband von gemeinen Terroristen ausgetauscht worden, nachdem ich schon das Zettelchen für den Storch an den Zeh gebunden bekommen hatte und alles hätte paletti sein sollen: ich hätte in den 50ern geboren werden sollen, und das in Norddeutschland. Denn während andere Jugendliche meines Alters Schulterpolster trugen und Disco-Musik hörten, suchte ich auf Flohmärkten nach 70er-Blüschen, nähte Pumphosen und trug Opa-Unterhemden als Pullis. Und ging von Roger Whittaker und ABBA nahezu nahtlos zu CCR, Ten Years After und Led Zeppelin über, nachdem ich fast vom Schlag getroffen worden war, als ich zufällig im TV über ein Lied names „Little Red Rooster“ gefallen war (und den Bandnamen nicht mitbekommen hatte und es das letzte Stück war, und es gab noch keine Mediatheken, und ich musste gefühlte Monate mit dem aufgenommenen Endstückchen von „Little Red Rooster“ im Bekanntenkreis hausieren gehen, die Frage „Wie heißt solche Musik, und wer spielt sowas?“ im Gepäck)

Ähhh, wo war ich stehen geblieben?

Ja, der Austausch…  Die doofen Terroristen haben mich also immer wieder nach hinten gepackt und dann auch noch mein Schildchen mit dem Wohnort ausgetauscht 😉   (Nun kommen wir also der Antwort auf die Frage im Titel dieses Geschreibsels langsam näher) Und deshalb fühlte ich mich schon als Kind mehr zuhause, wenn wir im Norden im Urlaub waren („Norden“ begann für mich damals allerdings schon bei Celle *räusper*) als wenn wir „zuhause“ waren. Deshalb war für mich klar: ich will in den Norden. Aber was eine echte Fjonka ist, die kann nix auf gradem Wege- und so bin ich also erstmal nach Unterfranken gekommen, weil ich dort eine Lehrstelle als Gärtnerin bekam. Die mir nicht gefiel. Was mich (in Erinnerung daran, daß ich nach meinem FSJ im Altenheim sogar mal überlegt hatte, Altenpflegerin zu werden) zur Überlegung brachte, Erzieherin zu lernen (Gedankengang: nicht Altenpflege, immer nur Leute wegsterben sehen ist es nicht. Aber sozial war gut). Was mich nach Münnerstadt brachte, weil dort 1. das FSJ als Vorpraktikum mit anerkannt wurde und ich 2. mit einigen Wochen Verspätung noch ins Schuljahr starten durfte.

Aber ich wollte ja nach Norden. Also habe ich mich zwei Jahre später, fürs Berufspraktikum, nach Norddeutschland beworben. Was auch wieder nicht so einfach war, weil nämlich die Mürschter Schule nur bis 80km Umkreis Berufspraktikanten betreut. Daher musste ich vor einem 4- oder 5köpfigen Lehrergremium begründen, warum man mich aber 800 km entfernt betreuen muß. Und meine einzige Begründung war: weil ich in den Norden gehöre. Obwohl ich dort Niemanden kenne und aus dem Rheinland stamme. Und ich muß da zum Berufspraktikum hin, weil es ziemlich schwierig wird, wenn ich als Berufsanfängerin ankomme und sage: „Hallo, hier bin ich, Ihr kennt mich nicht und ich bin von weit weg und Berufserfahrung hab ich auch nicht, aber bitte, laßt mich bei Euch arbeiten“

Überzeugend? Offenbar überzeugend genug, ich durfte los!

Daß ich dann genau hier gelandet bin, das liegt daran, daß ich in Würzburg Volker kennengelernt hatte. Er stammt von hier und hatte mich mal mitgenommen, und daher wusste ich, daß mehrere wichtige Voraussetzungen für den Aufbau eines guten Lebens hier ganz oben gegeben waren:

Stadt und Land gefallen mir
– Es gab eine gute Kneipe, fürs Leute-kennenlernen (die gibt’s nicht mehr…)
– Es gab eine gute Disco, für den Gute-Laune-Erhalt (die gibt’s nicht mehr…)

Und das ist also meine Möglickeit, wie man vom Rheinland nach Mürscht kommt. Und dann von da nach Angeln. Es gibt bestimmt noch mehr Möglichkeiten, aber, doch: meine ist eine gute, finde ich. Ganz ohne „und da war dann dieser Mann“, aber dafür mit einer kleinen Prise Schicksal (oder Terroristen) … denn wenn ich erklären soll, warum ich denn meine, hierher zu gehören, dann kann ich das immer noch nicht. Ich weiß bloß, daß.

P.S. Münnerstadt- Mürscht:
Das ist derselbe Ort! Die Franken sind so, die kürzen teils höchst merkwürdig ab, es geht sogar noch doller: ein Dörfchen namens Kleineibstadt heißt überall nur Kleeneuscht…. diese Verstümmelei Abkürzerei führte dazu, daß ich monatelang dachte, ich würde auch gern mal in die sagenumwobene Mürschter Disco gehen- bis ich feststellen musste, daß ich beinahe jedes Wochenende darin WAR….

Ein typischer Fjonk

An unserer Wintergartentüre haben wir schon seit Frühjahr ein kleines Problem: die Tür hat eine Gummidichtung, und ich habe noch eine zusätzliche in den Rahmen geklebt, weil sich das ganze etwas verzogen hatte und dadurch ein kleiner Spalt entstanden war. Nun klebten diese beiden Dichtungen an einer Stelle beim öffnen aneinander, und langsam, aber sicher löste sich dadurch die Türdichtung aus ihrer Falz.

Erste Maßnahme von Herrn und Frau F. bei solchen Sachen: ignorieren. Vielleicht gehts ja von allein weg…

Klappte nicht. Bis vorletzte Woche waren’s schon an die 30cm, die bei jeden türöffnen aneinanderklebten. Der Herr hatte schon mehrfach angemerkt „Da müssen wir mal was tun!“, ich hatte schon ein paarmal gesagt „Ja, stimmt!“- aber, verdammt noch eins- das hatte auch nicht geholfen.

Also bin ich eines energiereichen Tages zur Tat geschritten und habe beide Dichtungen mit Tesa beklebt. Das hat geholfen, wie sollten auch die ollen Dichtungen weiter aneinanderkleben, wenn 2 Tesa-Lagen sie daran hindern?

Allerdings war selbst mir klar, daß wahrscheinlich die Hilfe nur von kurzer Dauer sein würde. Eigentlich hatte ich vorgehabt, die selbstangeklebte Rahmendichtung abzulösen und zu ersetzen, aber das war daran gescheitert, daß sie nicht nur an der Türdichtung, sondern auch da, wo sie es sollte, nämlich am Rahmen, bombenfest klebt.

Zwei Tage nach meiner Tesa-Aktion kam Besuch vom Michelmann. Der Michelmann ist ein ganz besonderer Mensch. Einer der bewundernswerten Sorte insofern, daß er ALLES kann. Dachdecken, verputzen, Fenstereinbauen, Drainagelegen, Mausefallen bauen, tollen Garten anlegen, Auto schrauben, egal, was: der Michelmann kann das.

Und dieser Michelmann geht also mit mir raus in den Garten und so ganz nebenher, im raustreten aus der Wintergartentüre, sagt er einen Satz, der dazu führt, daß ich mir vor den Kopf haue, mit den Augen rolle, stöhne und in den Keller renne- aber alles erst, als der Michelmann schon wieder weg ist, denn die Blöße mag ich mir in dem Moment nicht geben.

Der Michelmann sagt nämlich angesichts der unter dem Tesa noch sichtbaren Klebe-Dichtungs-Reste:
„Da gehört mal Gummipflege drauf“
Sprach’s und hat’s auch schon wieder vergessen, sowas läuft bei so Einem ganz nebenher…..

In mir allerdings arbeitete es. So lange, bis der Michelmann wieder weg war und ich – ich erwähnte es ja schon- endlich stöhnen, mir vor den Kopf schlagen, mit den Augen rollen und sagen konnte „Ja, kann denn das wahr sein?????“
Dann lief ich in den Keller, holte die dort friedlich herumstehende Buddel mit Gummipflege, zog den Tesa von den Dichtungen, besprühte sie mit der Gummipflege – und seitdem ist Ruhe….

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Übrigens:

Dem Herrn hab ich’s auch erzählt. Ich sagte: „Ist Dir eigentlich aufgefallen, daß die Dichtungen an der Wintergartentür nicht mehr kleben? Letzt‘ war doch der Michelmann da-“ An dieser Stelle wurde ich vom Herrn mit einem halb gestöhnten, halb ausgerufenen „GUMMIPFLEGE!“ unterbrochen.
Mein fragender Blick sprach wohl Bände. Der Herr lachte und sagte: „Du sagts „Türdichtung“ und „Michelmann“- und schon fällt’s mir ein! Aber vorher die ganze Zeit nicht, da hatte ich nur gedacht, wir müssen die auswechseln“

Die Essenz …

… des BookCrossing – das kam mir eben in einem Forumsthread so aus den Tasten geflossen- ist irgendwie ja auch die Essenz überhaupt:

Im Grunde muß es so sein, daß man wirklich den Anspruch an ein Buch aufgibt, wenn man es freiläßt.
Ich vergesse all diese Bücher sofort- und dementsprechend kann ich mich dann über jeden Journaleintrag immer noch freuen! Und ärgere mich nicht über all die NICHT erfolgten Einträge…
Für mich ist der wildrelease die eigentliche Essenz des BookCrossing – alles andere folgt nur daraus: die netten Bekannt- und Freundschaften, die schönen Erlebnisse (für die Neulinge mal wieder ein Hinweis auf die Geschichtensammlung), all das sind Nebeneffekte…sehr tolle Nebeneffekte, aber eben nur Nebeneffekte des wilden freilassens und eben auch LOSlassens. 🙂

Beim bookcrossen fällt mir das loslassen nicht schwer- bei vielem anderen wird es mit den Jahren etwas leichter, aber es bleibt schwierig:

  • Freundschaften, die sich auseinanderleben – inzwischen muß ich nicht mehr jahrelang damit hadern und kämpfen, aber trauern tu‘ ich noch immer
  • alt werdende Tiere (und Menschen, aber nuja, das ist NOCH ein ganz anderes Thema) – all das „sich schonmal vorbereiten“ wird letzten Endes wohl wieder überhaupt nichts geholfen haben, wenn der Tag des Verabschiedens gekommen ist
  • Lebensträume, für die es ja kein 2. Leben gibt, die aber in diesem nicht mehr verwirklichbar sein werden – der Resthof zum Beispiel ist so ein Traum: selbst wenn ich jetzt sofort einen bekommen könnte, wäre er mir doch inzwischen eher eine Belastung, die kaum zu stemmen wäre. Und deshalb ist er inzwischen ein Traum, den ich losgelassen habe. Und doch….

Und so kann ich nur hoffen, daß mir irgendwann wie beim loslassen meiner inzwischen über tausend Bücher auch im richtigen Leben die tollen Nebeneffekte des frei- und loslassens klar werden, statt mich über die nicht erfolgten Einträge (die dann vielleicht all die nicht erlebten Erlebnisse sind) zu grämen…

meint eine
heute mal ganz grundsätzliche
Fjonka

Lesebiographie

Durch einen thread bei BookCrossing angeregt, versuche ich mal, so rein interessehalber aufzudröseln, was für Lese-Phasen es bei mir so gab.
Gelesen hab ich ja schon, seit ich das kann (und im Grunde auch schon vorher, wir haben Stapel von Bilderbüchern aus der Bücherei heimgeschleppt), insofern ging’s wohl los mit

Bilderbüchern Mir fällt aus dieser Zeit aber kein besonders wichtiges ein, nur die Schreiblern-Fibel mit dem abwischbaren durchsichtigen Blatt aus dem Kindergarten, auf das man dann zB lauter Us malen konnte – und damit als Schindeln ein Dach decken, das auf der Seite drunter abgebildet war. Vielleicht kann ja die hier mitlesende Mutter was dazu beitragen!? Dann

Erste Kinderbücher, da weiß ich schon einige, die ich toll fand: das Zwieselchen, Die Gute-Nacht-Geschichten-Serie, Die Sandmännchen-Geschichten von Gina Ruck-Pauquet …. Ich hatte ja das Glück, daß mir, auch, als ich schon lesen konnte, noch viel vorgelesen wurde – und daß meine Eltern auch gut vorlesen KÖNNEN, es ist ja nicht so, daß das JedeR kann

– MENGEN von Kinderbüchern für jedes Alter – gut in Erinnerung ist mir die Pünkelchen-Serie, Mary Poppins, Die 3???, Die „Geheimnis um…“-Serie……, dann noch, später, Semi-Sachbücher über Tierforschung (Jane Goodall etc) in Mengen

– Als Teenie/ Anfangs-Twen dann eine heftige Hesse- Phase, nebenher Borchert, Brecht etc, zu dieser Zeit hab ich auch Sachbücher der Psycho-Schiene gelesen, zusätzlich unendlich viel über Umweltschutz jeder Art

– etwas später dann auch Frauenliteratur (Der Tod des Märchenprinzen, Der kleine Unterschied…..).

– über viele Jahre hauptsächlich Krimis/ thriller, auch heute noch sehr viel davon.

– Im thread hab ich eher über die WICHTIGSTEN Bücher geschrieben:

1. Das auf seine Art wichtigste Buch meines Lebens : „Ich bin ok- Du bist ok“, das ist ein Buch zur Transaktionsanalyse, und es hat mich im Teenie-Alter (so um 17) so sehr aufgerüttelt, daß es tatsächlich geschafft hat, mein Leben zu verändern. Danach hab ich es geschafft, mich zu zwingen, meine damals doch recht heftige Menschen-Ängstlichkeit zu überwinden („heute grüße ich einen Menschen, den ich vom sehen kenne, statt mich zu verstecken“ war der erste Schritt, und so gings dann laaangsam vorwärts)
2. „Das alte Haus“-Serie von Wilhelm Matthiesen – die hab ich als Kind geliebt und mag sie noch immer, und einige der Gestalten sind fest in meinem Unterbewussten verankert
3. „Katze mit Hut“ – der Zappergeck ist sogar bei mir (und inzwischen auch im Freundeskreis) Synonym für eine bestimmte Art Mensch geworden
4. Die James-Herriot-Serie, weil die mir schon durch viele schlechte-Laune-Phasen und Traurigkeits-Phasen geholfen hat

– Momentan scheint sich das ganze wieder etwas zu ändern. Bei vielen Thrillern hab ich das Gefühl „zu berechenbar“. Liegt ganz bestimmt an der puren Masse, ich kenn‘ einfach zu viel schon. Deshalb brauch ich immer mehr anderes zwischen den Krimis, aber so recht weiß ich oft nicht, was. Bienenlektüre ist natürlich interessant, aber mit Sachbüchern tu ich mich insofern schwer, daß ich die nicht in einem Zug weglesen kann.

– Spannend ist die ein oder andere Autobiographie, vor allem immer mal wieder von ZeitzeugInnen des 3. Reiches. Letztens hab ich mich an der von Nina Hagen versucht – aber, Holla, das ging GAR nicht, sowas wirres!! Weiß man vorher nie!! Es muß ja nicht nur ein interessantes Leben da sein, nein, der oder die AutorIn muß ja auch noch schreiben können… Oder zwischendurch gibts mal was fürs Gemüt, Dr.James Herriot oder Dear Doosie oder so.

– Und dann versuch ich mich an Allem, was ich von den Skandinaviern so in die Finger bekomme, die können einfach schreiben, da werden sogar einfache Familiengeschichten oft noch wirklich lesbar.

– Schließlich begleitet mich seit Jahrzehnten mein SPIEGEL-Abo. Nicht, daß mich alles interessieren würde oder ich mit allem übereinstimmte- aber das ist doch die einzige Zeitschrift, die mich dauerhaft so interessiert und informiert, daß ich noch nie überlegt habe, das Abo zu kündigen

Wenn ich das jetzt selbst mal so angucke, dann kann ich zusammenfassend sagen, daß mich sicherlich die Spät-Teenie-Früh-Twen- Zeit am meisten geprägt hat. Ist wahrscheinlich normal, da ist Aufbruch, Ablösung, man findet die Themen seines Lebens, die sich festsetzen, auch wenn man sich später nicht mehr so dolle damit beschäftigt ….

Ich bin gespannt, zu lesen, wie Eure Lese-Biographie wohl so aussieht!

Paralleluniversen – mein allererstes

Mein allererstes  persönliches Paralleluniversumserlebnis hatte ich 1986 oder 1987.

Fjonka, aus dem rheinischen Ballungsgebiet stammende fast frisch-entschulte und gut behütet aufgewachsene Gymnasiastin kam aufs unterfränkische Winz-Dorf. Dort traf sie auf Kolleginnen, die aus dem Nachbardorf stammten, nie da rausgekommen waren und mit vielen Geschwistern und wenig Zeit der Eltern aufgewachsen waren.

Cultureclash!!!

Ich war schon irgendwas zwischen geschockt und beeindruckt, als ich nur den normalen Tagesablauf der einen Kollegin mitbekam: morgens hoch, Kühe, Ehemann und Kinder füttern (die Kühe zusätzlich melken), um dreiviertel 8 (sommers 7) mit dem Mofa los zur Arbeit beim Gärtner. In der Mittags“pause“ heim, Essen kochen für die Kinder, Wäsche in die Maschine, büschen putzen und Co, dann wieder auffe Arbeit. Abends um 17 (sommers 18) Uhr Feierabend, heim, kochen für den Mann, Kühe füttern und melken, restliche Hausarbeit.

Die Rentnerin (72) hatte ja Mann und Kind nicht mehr daheim (worüber sie nicht müde wurde zu jubeln, vor allem was den offenbar nichtsnutzigen Mann anging, dessen Tod ihr wohl recht gelegen gekommen war) und verbrachte ihre Freizeit im Schrebergarten, wo sie nach 10 Stunden Arbeit beim Gemüse(!)gärtner ihr eigenes Gemüse anbaute. Aber sie fand, sie hatte es gut: konnte sie doch in der Mittagspause ein Nickerchen machen! Übrigens mochte auch ich des Gärtners Gemüse (und das sämtlicher anderer konventioneller Gemüsebauer) bald nicht mehr essen. Weil ich mitbekam, was da alles und wie oft gespritzt wurde. Das war’s aber bei der alten Dame nicht- sie hat in ihrem Schrebergarten eigentlich nichts anders gemacht….

Der große Wunsch für die Zukunft der Jüngeren (im PLURAL)? Sich irgendwann ein echtes Dirndl leisten zu können (was auch immer „echt“ in diesem Zusammenhang sein mag- es scheint viel Geld zu kosten!) Und die beste Zeit im Jahr? Die Zeit der Weinlese. Da haben sie alle Urlaub genommen. Und statt zehn Stunden beim Gärtner zwölf Stunden in den Weinbergen gearbeitet. Auf meinen offenbar doch ziemlich fassungslosen Gesichtsausdruck hin wurde mir erklärt: die Weinlese, da träfe man schließlich alle, die man sonst nie sähe, und es gäbe jeden Tag ’ne richtig gute Vesper, da ließe sich der Winzer nicht lumpen, und überhaupt sei die Arbeit zwar ziemlich anstrengend, aber das ganze wie ein langes Fest. Okaaaayyyy…. ich konnte das (leider?) nicht austesten, denn in dieser Zeit war es wirklich bitter nötig, daß wenigstens wir Lehrlinge in der Gärnerei arbeiteten….

Aber so richtig das Gefühl, in eine andere, parallele Welt geraten zu sein, hatte ich erst, als ich zu wissen bekam, warum meine damals 34-jährige Kollegin mit 18 (GERADE 18) geheiratet hatte. Nämlich deshalb, weil sie mit 17 der festen Meinung war, heiße Milch, vor dem „Akt“ getrunken, wirke empfängnisverhütend.

Ich konnte mir damals einfach ü-ber-haupt nicht vorstellen, daß sowas in unseren Zeiten möglich wäre und war nachhaltig erschüttert!
Zum ersten Mal hatte ich Einblick in ein Paralleluniversum gleich nebenan.

30

Es ist lange her, aber irgendwann wurde auch ich mal jugendliche 30.

Allerdings hatte ich mit dieser Zahl mehr Probleme als je wieder mit einem älterwerden zuvor und seither. Und da es hier oben im Norden den fürchterlichen Brauch gibt, Leute, die 30 werden und noch nicht unter der Haube sind, dazu zu zwingen, vor dem Rathaus den Boden zu fegen, bis ein Solo-Mensch des anderen Geschlechts sich erbarmt und eineN küßt (*schüttel*) war mir auch klar: ich muß weg hier!

Und so bin ich geflohen, mit einer Freundin wech nach Lübeck, wo wir ein nettes Wochenende ganz ohne Geburtstagsreminiszenzen verbrachten.

Aber auch das ging zuende, und so kam ich irgendwann wieder heim. Heim hieß: in das Haus, in dem ich jetzt auch noch lebe. Aber in eine ganz andere Wohnsituation. Es waren noch WG-Zeiten, Volker wohnte in den beiden Zimmern oben, in denen jetzt Gästezimmer und Bienen-Zubehör-Unterkunft zu finden sind.

Ich komme also heim, aber kein Volker- nirgends. Ein bißchen enttäuscht stell ich meine Tasche ab und gehe in die Küche- und da!

Nein, nicht Volker-

Mein Geburtstagsgeschenk! Verpackt in typischer Volker-Art, nämlich so:

30 verschiedene Nägel waren eingeschlagen in eine Baumscheibe, schön säuberlich nach Größe geordnet, und am größten Nagel angelehnt war – ein heute noch geschätzter weil was taugender und jetzt mir gehörender Hammer. Mit einem roten Bändchen um den Griff natürlich.

so ähnlich kann man sich das vorstellen- der Hammer noch funkelnd und neu , keine Wachsreste am Nagelbrett, 30 Nägel, nicht 29 …. so ähnlich halt….

Und da die Geschenkverpackung so klasse war, steht sie seit dem Tag darauf und auch heute noch auf dem Fensterbrett bei mir im Wohnzimmer- als Kerzenhalter

Dor bin ick to huus (oder so)

Ursprünglich rheinisch, jahrelang unterfränkisch und immer schon tiefinnerlich norddeutsch, bin ich nun schon seit fast 23 Jahren Wahl-Angeliterin.

Und immer noch bin ich gerne hier. Dafür gibt es einige Gründe, aber einen großen Anteil haben die Dörfer und mit ihnen die Häuser hier. Und da ich, wie ja bereits hier und da erwähnt, eher orts- als menschenbezogen bin, meine ich jetzt keinesfalls die sozialen Strukturen oder die Bewohner dieser Dörfer, sondern ganz wörtlich: die Dörfer.

Keine ausufernden Neubausiedlungswucherungen mit pflegeleichten depressionsfördernden Bodendecker- Koniferen- „Gärten“- wie sie im Rheinland leider an der Tagesordnung sind

70er-Jahre- Stadtzentrum im Rheinland *schauder*- man beachte: auch nach der Jahrtausendwende noch nette 70er-Jahre-Bepflanzung. Aber das ist ja in der ganzen Republik leider so, nicht nur dort.

Keine engen, dunklen, mit riesigen Hoftoren sich abschottenden und sich durch ihre Farben (graugrün, grauorange, graublau, grau,  graugelb sowie graurosa) noch extra verhäßlichenden Häuserschluchten mit winzigen Fenstern, die, inzwischen der traditionellen Fensterläden beraubt, wirken wie Schießscharten im Bunker – wie in Unterfranken üblich.

graugelb und grauweiß – allerdings in recht hübschen, frisch sanierten Fassaden

Nein, hier gibt es traditionell Ansammlungen von rotem Backstein, ergänzt durch Reetdächer, verfeinert mit Angeliter Grün (wird auch weniger, ja, ich weiß) sowie, wenn denn Farben, dann FARBEN: weiß, sonnengelb, friesisch blau, orange- und alles ohne einen Hauch von „grau-“ davor. Man merkt den skandinavischen Einfluß. Klar, schlicht und freundlich, warm soll es sein. Und ist es. Obwohl es natürlich auch hier architektonische Selbstverwirklichungsorgien aller Nachkriegsjahrzehnte gibt, klar. Und individuelle Eigenheim-Verscheußlichungsmaßnahmen in augenzerfressender Vielfalt. Doch hier hat der Krieg nicht so schlimm gehaust wie anderswo, und deshalb ist noch recht viel vom schönen alten erhalten.

Und es gibt, wovon ich eigentlich schreiben wollte: Gutshöfe, Herrenhäuser, Schlösser – alles auch ein Nümmerchen kleiner und bescheidener als anderswo, und oft recht versteckt. Und weil man sie so schlecht findet, fand ich die verlinkten Seiten fein. Sind recht unprofessionell, aber vieles davon ist ganz in unserer Nähe, und wenn ersteinmal der Winter uns aus seinen Klauen entlassen hat, hätte ich nicht übel Lust, beim ein oder anderen dieser Prachtstücke mal weiter-zu-ixquicken und bei denen, die man angucken kann, mal längszufahren.

P.S. Fotos: wikimedia commons – hier ist naturgemäß (weil die Leute ja meist nicht ihre schlimmsten Fotomotive frigeben) nicht genau das zu finden, was ich oben beschrieben habe. Leider aber auch kein schönes Beispiel des hiesig-schönen. Vielleicht geh ich ja, wenn das Wetter mal besser wird bzw ich mal wieder im Urlaub in den alten Heimaten bin, selbst knipsen, und dann zeig ich Euch, was ich meine….

Eigentlich müsste ich in der Großstadt leben

Mitten im Zentrum. Da, wo frau zu Fuß von der Wohnung zur Arbeit und zurück laufen kann und auf dem Weg an etwa 225 kleinen Lädchen vorbeikommt.

Ich stelle mir vor: einen Käseladen (Bio), einen Obst- und Gemüseladen (Bio), eine Drogerie, einen winzigen Edeka (oÄ), einen Bäcker (Bio), einen Schlachter (Bio), eine Post. Unter anderem. Und da würde ich dann beim eh-dran-vorbeigehen jeden Tag reingucken, und wenn Niemand drin ist, dann- husch- rein, gekauft, was ich brauche und wieder raus.

So wäre das.

Ich wohne aber auf dem Dorf und fahre mit dem Auto von zuhause zur Arbeit. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Arbeit sind Geschäfte. Aber keine, die für den täglichen Bedarf irgendwie nützlich wären. Friseure, Handyläden, Schuhläden, Ein-Euro-Läden, Nagelstudios, Parfümerien – lauter unnützes Zeugs.
Also muß ich, wenn nicht, was er meistens tut, der Herr F. einkaufen fährt, auf dem Heimweg beim Supermarkt stoppen.

Im Supermarkt ist einkaufen allerdings doof: Aussteigen auf einem riesigen Parkplatz, unschöne weite Strecken bis zum Eingang laufen, sich durch Menschenmassen und brauch-ich-heute-nicht-Zeug-Gänge schlängeln, warten an der Käsetheke, warten an der Fleischtheke (jedenfalls vor den Wir-kaufen-nur-Biofleisch-Zeiten, denn für Bio-Fleisch sind die Supermärkte in der kleinen Stadt dann wieder zu klein), warten an der Kasse- …. und dann gestern noch das:

Fjonka denkt sich: nach der Arbeit kauf‘ ich ein- dann nehm‘ ich doch gleich die Pfandflaschen mit. Gut. Angehalten- aber im einzigen Supermarkt auf dem Weg ist „Getränke“ abgeteilt- schonmal nervig, extra- warten!! Aber halt! Komme rein und sehe: auch an r*** geht der Fortschritt nicht ganz vorbei: es gibt inzwischen einen Pfand-Automaten, und keine Schlange davor!
Freue mich. (Zu früh, aber das weiß ich da ja noch nicht). Lege eine Buddel rein, noch eine… alles gut. 23 Cent. Dann der Kasten : „Diese Kiste gehört nicht zum Sortiment. Bitte entnehmen Sie die Kiste“.
Na, toll. Aber die anderen 2 Flaschen krieg ich jetzt nicht mehr da raus – und an der Kasse stehen inzwischen 5 (FÜNF!) Leute an. Ich steh mir doch wegen 23 Cent nicht die Füße platt- die hol‘ ich mir, wenn ich den Rest bezahle. Also schlängel ich mich durch Menschenmassen und unnützes-Zeug-Regale, bin dementsprechend genervt, stehe an der Kasse an (immerhin: dieses eine Mal hab ich die schnelle Schlange erwischt!!) – und bekomme von der Kassiererin gesagt, daß ich meine 23 Cent von ihr nicht bekommen kann, weil es 2 verschiedene Kassensysteme gibt und nur das im Getränkemarkt den Bon nimmt. Also zurück zum Getränke-Teil des Ladens – alles, wohlgemerkt, immer mit dem nicht losgewordenen Kasten im Gepäck-
oh! Nur 1 vor mir. Schön.
Ja, schön.- Wäre es gewesen, wenn denn ein Kassierer dagewesen wäre.
Bis der kommt stehen hinter mir weitere 5 Kunden an…. dann bekomme ich endlich meine 23 Cent, laufe den Marathon zurück zum Auto – und bin dem Herrn wieder einmal unendlich dankbar, daß er fast immer einkaufen geht!

Eigentlich müsste ich in der Großstadt leben. Zumindest was das einkaufen angeht…. zumidest, wenn es in der Großstadt dann so wäre, wie ich mir das so ausmale…