Kanarienvögel

Gestern gelesen: In Mossul, Irak, ist ein Kanarienvogelzüchter vom IS verhaftet worden. Grund: Musik und Gesang sind verboten, wenn sie nicht Gott lobpreisen. Kanarienvögel singen nicht zum Lobe Gottes und sind deshalb haram, unrein. Daraus folgt daß, wer sie züchtet, ein Gottloser sein muß.

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Vor Monaten erzählt bekommen: Ab möchte, wenn er eine eigene Wohnung hat und weiß, daß er in Deutschland bleiben darf, einen Kanarienvogel haben. In Basra, Irak, seiner Heimatstadt, hatte ein Freund Kanarienvögel. Die singen so schön, findet Ab.

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Zwei kleine Momente, die sich, durch Erinnerung verbunden, zusammenfügten und eine ganz neue Bedeutung gewannen. Wieder einmal wurde mir vor Augen geführt, wie grundsätzlich verschieden Lebenswelten sein können, und daß NICHTS, aber auch G-A-R-N-I-C-H-T-S selbstverständlich ist.

 

 

Irakisch Kuchen

S hatte uns eingeladen, gestern um halb zwei sollten wir kommen, es sollte irakischen Kuchen geben. Klar, er war ja Bäcker in Bagdad! Klasse, wir haben uns gefreut. Als hätte ich etwas gerochen, sagte ich im losfahren zum Herrn F.: „Ich bin ja gespannt, was uns erwartet- wäre ja nicht das erste Mal, daß was ganz anders läuft als ich gedacht hatte“.

Also wir ab ins Großdorf. Angekommen, werden wir freudig in Empfang genommen. Es riecht nach „Mittag“. Und – tataaaaa:

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Das war klasse, mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Weinblättern, alles gefüllt mit Reis und Hack. Dazu Salat, gewürzter Joghurt und Fladenbrot, gegessen mit Löffeln und/ oder Fladenbrot als Eßwerkzeug.

Im Nachhinein wird klar, was los war:

S hatte uns eingeladen, gehört hatten wir: „Ihr kommt zu uns, ich mache irakisch Kuchen!“ – O und U sind für irakische Ohren sehr ähnlich, und die Grammatik ist auch noch nicht perfekt – gemeint hatte er: „Kommt zu uns, wir werden irakisch kochen!“

Eine wunderbare Überraschung, für die sie zu 4. stundenlang in der Küche gestanden hatten 🙂

Gute Wünsche

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Ein unbeabsichtigt lustiger, aber auch sehr schöner Wunsch, den mir D da an mein Geburtstagsgeschenk geheftet hatte! Unten der Gruß ist von A. Könnte auch Jemand von hier geschrieben haben, gell?
Nachdem sie mitgekriegt hatten, daß ich Geburtstag gehabt habe, habe ich vor einigen Tagen von jedem von ihnen noch nachträglich ein Geschenk bekommen. Und ein Ständchen von allen zusammen. Sie kommen bei den deutschen Sitten an (im Irak feiert man Geburtstage nur bei Kindern) und ich habe, arabisch-höflich, meine Geschenktüten erst daheim geöffnet. Und mich sehr gefreut.

Die Fallstricke der fremden Sprache und Kultur: vorn auf den Anhängern steht „frohe Weihnachten“, weil die Geschenktüten Weihnachtstüten sind…. *gg*

D ist jetzt fast schon „unser Vierter“ *seufz* – immer mit dabei, ein wirklich netter Kerl übrigens – aber ich weiß auch schon jetzt, daß wir irgendwann, wenn’s drauf ankommt, nicht sagen können „Komm allein klar, wir sind nicht Deine Lotsen“. Glücklicherweise wird’s ja weniger, was wir noch mit-regeln müssen.

 

Nachhilfe!

Nachdem das mit der Flüchtlingshilfe dann doch nicht konkret wurde, habe ich „den Fall Ab “ nochmal beim Lotsentreffen vorgetragen. Und was soll ich sagen?

Am Dienstag sind Ab und ich unterwegs gewesen, um ihn seiner neuen Nachhilfelehrerin vorzustellen! Die wunderbare VHS-Leiterin des Kleinortes hatte sich am Tag nach dem Treffen gemeldet: es gebe da Jemanden in ihrem Bekanntenkreis, die vor einiger Zeit signalisiert habe, für „kleinere Hilfen“ offen zu sein, und da dieser Jemand Ex-Lehrerin ist, habe sie mal gefragt – und tadaaaaa…. seit Dienstag bekommt Ab einmal wöchentlich für zwei Stunden Nachhilfe. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie ich am Dienstag, der ersten Stunde zuschauend, nochmal deutlich merkte:

Mehl, Zucker, Eier (…) mischen und alles in einer Schüssel zu einem Teig verkneten. In einer Pfanne Butter erhitzen, etwas Teig hineingeben und ein bis zwei Minuten anbraten (….)

So gehts weiter, schon nicht leicht zu verstehen (erhitzen, verkneten – Worte, die man nicht allzu oft im Alltag benutzt…) – und dann die Aufgabe: Setzen Sie dieses Rezept in den Imperativ!

Alles klar? Nein? Okay, ein Beispielssatz wird noch gegeben: „Mischen Sie Mehl, Zucker, Eier (…) in einer Schüssel und verkneten sie alles zu einem Teig“ Denn man tau, Herr Araber, der noch vor einem Jahr kein Wort deutsch sprach…. Wie, Du verstehst die Aufgabe nicht!? …..

Naja – ich freue mich sehr, daß das nun losgeht mit der Nachhilfe. Ich denke, die beiden werden sich aneinander gewöhnen. Für die Lehrerin ist die Situation neuer als für Ab, denn sie hatte noch nie mit einem Flüchtling zu tun, und muß nun erstmal mitkriegen: was kann er, was nicht. Und wie viel versteht er, wie oft aber sagt er nur höflich „ja“ und meint „keine Ahnung“. Sowas. Aber nochmal zum „Tropfen“:  steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es ja auch. Und „Übung macht den Meister“.
Heute habe ich von einer anderen Lotsin gehört, daß ihr Schützling sich durch alle Module gekämpft hat und bald seine Prüfung macht. Sie ist stolz auf ihn. Zu Recht!
Auch ich merkte zwischendurch wieder, wieviel Respekt ich vor Ab‘ Leistung und Mut habe: wenn er flüssig lange Worte niederschreibt – er, der „nur“ arabische Schrift kannte, als er hier ankam! Wenn er wieder eine neue Person freundlich lächelnd mit seinem „Hallo – ich bin Ab!“ begrüßt, obwohl in diesem Jahr schon viele gekommen und gegangen sind. Wenn er auf die Armbanduhr der Lehrerin guckt und nach kurzem überlegen sagt, es sei elf nach elf, was der Herr erst letzte Woche mit ihm geübt hatte. Und wenn er selbst auch stolz auf sich ist, weil er einfach schnell mal „gehen“ durchdekliniert:

„Diese Aufgabe einfach! Mache ich allein in mein Hause!“

 

 

Anhörung(en)

Es ist wirklich ätzend: jetzt plötzlich kommt die Info rüber, daß offenbar üblich ist, zwei Anhörungen für die Flüchtlinge anzuberaumen: eine, bei der nur Daten aufgenommen werden – das war dann für unsere Iraker die im März. Und dann später noch eine, das eigentliche Interview, das dann auch mal zwei Stunden lang dauern kann. Das ist das, für das die drei nun durch ihre eigene Initiative, einfach bei der neuen BAMF-Außenstelle in Kiel vorzusprechen, kurzfristig Termine bekommen konnten.

Das üble ist das „jetzt plötzlich, offenbar„. Offiziell nämlich hat’s immer geheißen: 1. Registrierung, 2. Anhörung. Auch die Nachfrage des Amtes bei der Ausländerbehörde hatte ja nichts anderes ergeben, da hatte es ja geheißen „die hatten ihre Anhörung, die müssen jetzt nur noch auf den Bescheid warten“ – Und jetzt, als wir von der Initiative der Unseren berichteten, damit Andere dies auch wissen und was unternehmen können – jetzt hören wir, daß schon mehr Flüchtlinge einen zweiten Anhörungstermin bekommen haben! Das ist doch einfach unerhört, daß man von Behördenseite so im unklaren gelassen wird! Außerdem ists doch furchtbar überflüssig, die Daten sind doch überall vorhanden!

Viele Flüchtlinge werden außerdem derzeit nach Glückstadt beordert, eine Himmelfahrtstour quer durch Schleswig-Holstein. Einige bekamen dort Termin um 8 Uhr, das ist mit dem Zug nicht machbar. Wer keinen Lotsen als Fahrer hat, muß sehn, ob er irgendwo in Hamburg andere Flüchtlinge kennt, bei denen er übernachten kann. – Ich tippe, das ist nicht mal Schikane, sondern einfach nur Ignoranz. Ärgerlich ists trotzdem!

Drückt die Daumen, daß nun schnell positive Bescheide für die unsrigen kommen!

Schnell! Schwierig!!

Das ist das momentane Fazit der drei Iraker zum Thema Integrationskurs. Und tatsächlich, die Arbeitsblätter, die wir heute zu sehen bekamen, haben es in sich, wenn man bedenkt, daß die drei gerade mal einen Monat dabei sind. Zwei Beispiele:

Europa: Land? Nein: Kontinent.
steht da, und nun sollen sie einen Frage- und einen Antwortsatz daraus bilden.

Oder:
Wasili kommt aus Rußland. Er ___ (sein) neu in Deutschland. In die Lücke soll die korrekte Form des Wortes „sein“. Bei manchem haben alle drei nicht einmal verstanden, was überhaupt die Aufgabenstellung ist. Die Lehrerin sagt, sie kann nix dran ändern- so ist der Lehrplan nunmal, und da hat sie recht – es ist allgemein Thema, daß der Integrationskurs-Plan extrem schnell und straff ist. Nachhilfe ist dringend nötig, aber leider hat sich von der Flüchtlingshilfe aus bisher nichts getan.

S. und A. wollten sich ja eigentlich einen Minijob vormittags suchen, und heute waren sie hier, um mit mir eine Bewerbung zu formulieren (nix da, hingehn und fragen – alle Märkte wollen eine offizielle Bewerbung 😦 ) Haben wir auch gemacht, aber nachdem danach klar wurde, daß auch diese beiden inzwischen Probleme mit dem hinterherkommen im Kurs haben, habe ich ihnen zu bedenken gegeben, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn sie, statt zu arbeiten, sich mehr Zeit zum lernen nähmen, ggfls ebenfalls mit Nachhilfe. ICH meine, das wäre sehr sinnvoll. Sie wollen sich das in den Herbstferien nochmal durch den Kopf gehen lassen, denn während der Ferien sind sie nicht hier und deshalb hat’s keinen Sinn, da vorher noch was auf die Füße zu stellen.

Schwierig.

Was ich ü-ber-haupt nicht kapiere ist, daß sowohl A. als auch S. nun einen Einladung nach Kiel zur Anhörung bekommen haben. Nachdem sie dort vorstellig geworden waren, weil „ein Freund“ damit angeblich Erfolg gehabt hatte, was ich für absolut unnötig gehalten hatte, weil sie

  1. in Neumünster beim BAMF gewesen waren und
  2. ich bisher überall und immer zu hören bekommen hatte, daß man die Vorgänge eh nicht beeinflussen/ beschleunigen könne

Wir hatten uns daraufhin auch noch extra beim Amt informiert (und das Amt extra bei der Ausländerbehörde), weil sie ja gesagt hatten, daß der Termin im März nur eine schnelle Daten-Aufnahme war und keine richtige Anhörung, und hatten die Info bekommen, alle drei hätten ihre Anhörung gehabt und müssten jetzt nur noch auf den Bescheid über’s Asyl warten. ICH VERSTEHE DAS NICHT!!!

Im Moment ist wieder alles nur Chaos und Wirrwarr, wenn nicht sogar Desinformation. Ich mag mir garnicht vorstellen, wie das weitergeht. Und ich komme mir reichlich bescheuert vor, wenn ich ihnen die Info vom Amt weitergebe – und dann kommt dieser Wisch, anderthalb Wochen später 😦

Herbst, golden.

Ein Geschenk zum Herbstanfang läßt mich nach wie vor jedesmal schmunzeln, wenn ich dran vorbei komme. Von unserer neuen Putzfee :-)

Ein Geschenk zum Herbstanfang läßt mich nach wie vor jedesmal schmunzeln, wenn ich dran vorbei komme. Von unserer neuen Putzfee 🙂

Herbstsonne hinterm Perückenstrauchblatt. Schön!

Herbstsonne hinterm Perückenstrauchblatt. Schön!

Das mit dem „goldenen Herbst“ ist allerdings jetzt vorbei. Regen, Sturm… eben richtiger Herbst. Der goldene kann  gern nochmal vorbeigucken! Er ist herzlich willkommen!!


Zum Thema Ab.: leider war’s dann doch nicht so konkret. Vorgestellt bei der Flüchtlingshilfe, aber derzeit wäre es ein „er kann kommen und eigentlich ist immer Irgendwer da, der schon helfen wird“ Das wiederum scheint weder dem Mann, mit dem wir sprachen noch mir besonders sinnvoll, es sollte schon eine feste Person sein. Die aber muß erst noch gefunden werden. Morgen sei Ehrenamtsmesse, es gäbe bereits 30 angemeldete Gespräche mit neuen Hilfswilligen, und die wollen erfahrungsgemäß, was ihnen in der Flüchtlingshilfe in FL (aufgrund der Strukturen) oft nicht geboten werden kann: einen festen Platz, ein festes Projekt. Nun gibt es ein festes Projekt: Ab. *gg* Insofern ist der junge Mann zuversichtlich, morgen etwas vermitteln zu können. Er meldet sich.

Abwarten.

Schnickschnackschnuck

… wird entscheiden, wer von uns mit A. und S. die Supermärkte abklappern muß. Freiwillig gibt keineR klein bei, zu schrecklich finden wir beide den Gedanken; aber eineR wird verlieren!
Was tut frau und man nicht alles…. aber nur, wenn sie und er wirklich muß….. noch sind’s ja ein paar Tage.

Wenn Ihr dies lest, begleite ich grad Ab. zur Flüchtlingshilfe. Ich bin wirklich sehr gespannt! Als ichs ihm erzählt habe, hat er erstmal gesagt „heute Hausaufgabe leicht“ „Heute WAR DIE Hausaufgabe leicht, gut so!“ Aber da er sogar schon die Lehrerin gefragt hatte (und uns), ob er nicht in einen Kurs könne, der nur 3x die Woche stattfinde, weil er nicht recht mitkommt (so einen Kurs gibt es nicht), ist das ganze trotzdem sinnvoll. Und er war auch nicht abgeneigt.
Wir hatten allerdings an diesem Abend nur wenig Zeit – morgen im Auto reden wir genauer drüber, und dann lernt er ja auch die Flüchtlingshilfe schonmal kennen.
Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Monaten, dann dies: wenn Du mit Jemandem sprichst, bei dem die Sprachbarriere hoch ist, dann versuche

  1. so konkret wie möglich zu bleiben
  2. „wenn…. dann“-Konstruktionen absolut zu vermeiden und
  3. kompliziertere Dinge erst kurz bevor sie konkret werden grob vorzubereiten. Details erst beim Termin – man weiß eh nie, was dann dort passiert.

Das hört sich einfach an, widerspricht aber sämtlichen Fjonk’schen Gepflogenheiten sowas von, daß ich nach wie vor immer mal wieder (aber lange nicht mehr so oft) beginne, zu erklären oder zu fragen was… wenn.
Dabei würde es auch für mein Leben betreffende Dinge absolut prima sein, könnte ich meinen Kopf dazu bringen, diese Punkte zu beachten *gg*. Nun, immerhin bemerke ich diese Fallen jetzt schon häufiger – ein erster Schritt.

Was ich noch gelernt habe (auch deshalb schlafe ich besser) ist das Prinzip PAL: Wer kennt „Per Anhalter durch die Galaxis“? Da kommt das vor.
PAL– das Problem Anderer Leute.
Sehr hilfreich, wenn man es schafft, sich zu sagen: okay, ich habe mein Teil getan, der Rest ist ein PAL. Und einschlafen kann.
Zum Beispiel die Nachhilfe: ich kann sie für Ab organisieren, weil er viel weniger als ich die Möglichkeiten kennt. Ob er dann regelmäßig hingeht – PAL! Da bin ich raus! Das gelingt mir viiiiiiiiel besser jetzt, und – heureka! – nicht nur beim Thema „Flüchtlinge“ sondern überhaupt. Weil ich so viel üben musste ….

WOW :-)

In der Nacht habe ich schlecht geschlafen. Der Grund lag woanders, aber immerhin hat die schlechte Nacht eine Idee hervorgebracht, was Ab.‘ Problem angeht. Und so habe ich mich morgens hingesetzt und der Flüchtlingshilfe Flensburg eine Mail geschrieben:

Hallo,

seit letztem Jahr betreuen mein Mann und ich ehrenamtlich drei irakische Männer auf dem Lande, in S..
Nun konnten alle drei einen Integrationskurs in Flensburg beginnen, und sie sind sehr motiviert dabei.
Der jüngste, gerade mal 19, hat allerdings schon jetzt, nach drei Wochen, Probleme, mitzukommen: er wurde als „A1“ eingestuft, versteht aber nun vieles nicht und bräuchte Hilfe bei den Hausaufgaben (Grammatik, lesen … sprechen kann er schon recht gut, aber das schriftliche; er ist im Irak nur wenige Jahre zur Schule gegangen) Er ist sehr motiviert, lernt und strengt sich an – aber es ist schwer für ihn!

Meine Frage: habt Ihr vielleicht Kontakte zu Menschen, die Nachhilfe geben könnten und würden?
Wir sind beide berufstätig und finden eh schon wenig Zeit für die anderen Anliegen, die die drei Männer haben – regelmäßige Nachhilfe für Ab. würde uns zeitlich überfordern, und hier im Dorf gibt es leider auch nicht so viele engagierte Leute, wir haben oft Not, Lotsen für alle Flüchtlinge zu finden….

(…)

Vielen Dank,

Es dauerte keine Stunde, bis ermutigende Antwort kam

Hallo Frau

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Natürlich können wir da helfen. Wenn der junge Mann erst um 14:00 Uhr Unterricht hat, kann er vorher kommen. Er bekommt dann von uns Nachhilfe.

Mit freundlichen Grüßen

Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.

DANKE!!!! Eine so formulierte Antwort ist wirklich ein Geschenk! 🙂

Also habe ich angerufen – ein Rückruf kam prompt: wir sollen einfach vormittags längskommen, dann sprechen sie’s mit ihm und mir durch – Termin unnötig. Na, denn! Nun muß nur noch Ab. mitziehen, denn er weiß ja noch nichts von seinem Glück *g* Ich hoffe, er nimmt’s positiv auf.

 

….

 

 

Plural im Akkusativ und andere Hürden

Wir hatten Besuch von S. und A.- ein Bett musste repariert werden – und sie verblüfften uns mit speziellen Fragen zur deutschen Grammatik !
Momentan sind (in ihrem Integrationskurs) bestimmte und unbestimmte Artikel von Wörtern dran, im Singular und im Plural, im Akkusativ und Nominativ. A. und S. sind guten Mutes und sagen, sie und zwei syrische Personen (ja, so sprechen sie! *g*) seien immer die ersten. Die Lehrerin sage oft „S., nicht Du, die anderen!“ Kann ich mir lebhaft vorstellen, S. ist Schnellmerker, super im kaschieren von dem, was er nicht weiß und die geborene Rampensau noch dazu… 🙂 A. ist zurückhaltender, aber sehr gründlich. Man hört ihn seltener (deutsch) sprechen, aber wenn, kommt oft ein fehlerfreier Satz mit überraschenden Wörtern und korrekter Aussprache heraus.

Abends ist der Herr F. zum Bettaufbau mit zu ihnen gefahren, und da kam Ab. Ob der Herr F. ihm mit den Hausaufgaben helfen könne. Das tat er, der Herr, und kam zurück mit der Kunde, daß Ab. dringend Hilfe nötig hat. Er versteht nicht, wie das alles zusammenhängt.

Gut, daß der Herr F. da war, denn der hat das verstanden:

  • DER Mann;  DIE Männer;  EIN Mann; KEIN Mann; KEINER; Ich suche DEN Mann; ich suche DIE Männer
  • DIE Frau;     DIE Frauen;   EINE Frau; KEINE Frau: KEINE;  Ich suche DIE Frau; ich suche DIE Frauen
  • DAS Kind;    DIE Kinder;    EIN Kind;    KEIN Kind;   KEINS;   Ich suche DAS Kind; ich suche DIE Kinder
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Symbolbild „deutsche Grammatik“ *g*

Hängt also alles am Geschlecht, und das Geschlecht jeder Sache ist rein willkürlich, das muß auswendig gelernt werden. Wenn man das aber weiß, dann ist der Rest an dieser Tabelle ablesbar.

Hätte ich nimmernienicht so erklären können, nicht einmal gewußt hätte ich das! Im Leben habe ich nie Grammatik gelernt, trotz Deutsch-Leistungskurs und trotz guter Noten. Ich erinnere mich an Klassenarbeiten, die ich intuitiv gelöst habe, um danach erst die geforderten Begründungen für meine Lösungen zu suchen (und oft nicht zu finden), obwohl die Lösungen selbst meist zu 100% richtig waren.
Aber lesen üben und üben helfen und so, das kann auch ich – und so ringe ich momentan mit mir, ob ich mich verpflichten kann und will, einmal in der Woche mit Ab. zu üben. Und der Herr F. ringt mit sich, ob er dasselbe, an einem anderen Tag, auch tun kann und will.

Außerdem wollen A. und S. neben dem Integrationskurs arbeiten. Wir waren beim Amt um nachzuhaken. Der Gedanke ist: stundenweise Arbeit zB bei einem Discounter oder Supermarkt wäre toll und auch gut für einen späteren Lebenslauf. Also ringe ich auch da, denn es wäre sicher besser, meint die Frau vom Amt, wenn ich mitgehe. Da ringe ich nicht um ZEIT (die hab ich) sondern mein ringen betrifft meinen Charakter: Ich HASSE Bewerbungsauftritte. Kann ich das für andere eher als für mich oder bin ich, was das angeht, eher Hürde als Hilfe? Zumal ich ja durchaus Gründe dafür habe, mich immer mal selbst als Soziallegasthenikerin zu bezeichnen.

Am liebsten würde ich das abgeben, aber an wen? Der Herr F. hasst sowas ganz genauso und er hat deutlich weniger Zeit. Und sonst ist da Niemand.

 

Der erste Eindruck…

…der drei Iraki von der Schule ist gut 🙂

Die Lehrerin, eine Polin sei nett. Sogar „viel nett“! (Schön, daß sie das ist! Aber es heißt sehr nett. – Warum? – Äähmmm) Die Bücher müssen sie selbst besorgen, beim Fitneßsstudio haben sie sich schon angemeldet; bloß unseren Angaben zum Zugticket und der Wartezeit aufs Geld glauben sie offenbar nicht so recht: obwohl wir’s im Vorfeld mehrfach erklärt hatten, wollen sie nun mal zur VHS, nachfragen, wie das denn nun ist mit ihrem Geld.

Denn man tau!

Die Klasse ist allerdings wieder recht groß: über 20 Leute. Schade, aber es hätte mich auch gewundert, wäre es anders – so viele Flüchtlinge warten auf Integrationskurse, so rar sind die Lehrkräfte… Immerhin ist 2x wöchentlich eine 2. Lehrkraft dabei, das ist doch auch schonmal hilfreich.