§8: Jeder Jeck is anders, oder: den Garten in den Genen???

Ich habe in letzter Zeit immer mal wieder darüber nachgedacht, woher es wohl kommt, daß mein Leben sich immer mehr gen Garten, Natur, auch Naturschutz ausrichtet. Der erste Anlaß dazu war ein Blogartikel. Dort überlegte Jemand sich, wie denn eigentlich ihr Bezug zur Natur zustande gekommen war. Da war mir beim lesen spontan der Garten der „Hansi-Oma“ eingefallen, in dem ich sehr gern war und sogar ein eigenes kleines Beet bekam.

Der zweite Anlaß: die „älteste Freundin von allen“. Neinnein, sie ist nur ein Jahr älter als ich, aber die einzige, die noch aus zwar nicht Kinder-, aber doch Jugendzeiten übrig geblieben ist, zu der ich noch Kontakt habe. Diese Freundin berichtete, wie sehr meine Eltern für sie Vorreiter in Sachen Umweltschutz gewesen waren: kein FCKWhaltiges Deospray stand da im Bad, sondern ein Deoroller! Und es gab – sie meint, als erstes im Bekanntenkreis – ein Auto mit Katalysator!

Urlaub auf dem Bauernhof ….

Allerdings waren wir da schon Teenies, und in meiner Wahrnehmung war das eher so, daß ich die Eltern in diese Richtung geschubst bis genötigt habe *g*. Das war die Zeit, in der ich mit selbstgeschriebenen Traktaten (vergeblich) den Gemeinschaftsgarten der Eigentumswohnungsanlage zu Wandbegrünung und Wiese und fremde Frauen zur Pelzmantelverweigerung zu missionieren trachtete, also schon deutlich umweltbewegt war. Es gab eine „UmweltAG“ in der Schule und sogar einen VHS-Kurs „biologisch gärtnern“, durch den ich an mein 1. Stückchen „eigenes“ Land kam. Ich schrieb und verteilte Flyer und habe mich einmal sogar in eine Legebatterie geschlichen, um Fotos zu machen. Ich wollte, daß wir Eier von freilaufenden Hühnern kaufen sollten und schlug mich mit der Totschlagargumentation, die es auch heute noch zu hören gibt, herum: „was soll es schon nützen, wenn WIR was ändern, wo doch alle anderen das nicht tun“!

Schweine fand ich schon immer toll!!

Da waren also die Würfel schon gefallen, sozusagen 😉

Ob meine Erinnerung mich trügt, wenn ich mich an „woher hat das Kind das bloß“-Sprüche meines Vaters in Bezug auf meinen schon in frühen Zeichnungen erkennbaren tiefen Wunsch nach einem eigenen Haus mit Garten und Tieren erinnere, weiß ich nicht genau. Die Zeichnungen allerdings (samt Grundrissen!! *g*) gibt es noch, die sind also verifiziert 😉 Und auch der Wunsch auf dem Land zu leben ist ganz sicher nicht von den Eltern auf mich übergesprungen. Die sind nämlich eher Stadtmenschen mit Bedürfnis nach Kulturellem, nach Büchern, nach Theater, Ausstellungen, Konzerten. Am Ar*** der Welt wie ich würden sie sich niemals wohlfühlen, und während Mama nie einen Garten in der Familie hatte, ist in des Vaters Erinnerung „Garten“ ein Synonym für „verhasste Arbeit“ – kein Wunder, war doch der oben erwähnte Garten im Grunde ein großer, strikt unkrautfreier Gemüse- und Obstgarten mit Walnußbaum drin, nur ganz vorn ein kleines Rondell mit Rose, tränendem Herzen und anderen Blumen. Der Rest mit Kantsteinen eingefaßte, bewirtschaftete Gemüse- und Obstbeete mit Plattenweg und Trampelpfaden dazwischen – nicht das, was ich heute als schönen Garten bezeichnen würde …. und viel Arbeit, schließlich wurde noch umgegraben, Mist eingebracht undundund

Waren die geliebten Urlaube auf dem Bauernhof ein Puzzlestückchen? Das waren noch die Zeiten, in denen es kein Kinderbespaßungsprogramm gab, sondern man einfach mitlief. Ich durfte morgens Eier sammeln, die Schweine waren robust genug um zu verkraften, daß ich mit im Koben saß oder mal ein Ferkel auf den Arm nahm, und ansonsten durfte man mit ins Heu/ Stroh, musste aber nicht.

Im Urlaub mit dem Papa

Vielleicht war ein weiteres Puzzlestückchen das „matschen“ und Dämmebauen bei jedem Bächlein, an dem man vorbei kam? Eines, daß wir mehrere Jahre lang Kaulquappen im Weckglas in der Etagenwohnung hatten – getreulich wurde jeden 2. Tag zum Ursprungstümpel gefahren und frisches Wasser geholt, und sobald Füßchen auftauchten wurde das Glas so umgestaltet, daß der werdende Frosch auch Steine/ Hölzchen/ Erde zum aus dem Wasser kommen da hatte, so daß wir tatsächlich lebende Fröschlein zum Tümpel zurückbringen konnten, nachdem wir das ganze Wunder beobachtet hatten. Und ein weiteres vielleicht der „Godesberger Opa“ mütterlicherseits, der schlecht laufen konnte, aber mit Fernglas im Garten der Wohnanlage Vögel beobachtete? (Obwohl ich mich da an kein größeres Interesse meinerseits erinnern kann, was ich heutzutage bedaure, denn der Opa kannte, so heißt es, alle Vögel an den Stimmen. Fällt mir jetzt sehr schwer, das zu lernen!) Es gibt Tabellen mit gesichteten Vogel- und anderen Tierarten in Fjonk’scher Kinderhandschrift aus diversen Urlauben, und ich habe Federn gesammelt.

Dann wurde ich Pferdemädchen – und danach langsam Ökotante, als Teenie, siehe oben. Sicherlich, das war damals auch „in“ – für mich aber blieb es wichtig, was bei vielen Anderen nicht so gewesen ist. Vielleicht hat es ja auch dann erst seinen Anfang genommen, „das mit der Natur“. Oder es lag mir im Blut, immer schon, warumauchimmer.

Ist ja vielleicht auch total egal *gg* Denn: isso. Und fühlt sich richtig an.

Ich hoffe nur, daß es nicht so schnell weiter bergab geht! Ich möchte so gern noch so viel mitkriegen und nicht nur traurig auf Artensterben, kaputte Böden und Landschaften blicken und sehen, was es nicht mehr gibt! Der blaue Himmel momentan, ohne Kondensstreifen; der Verfall der Ölpreise wegen mangelnder Nachfrage; die morgendliche Ruhe beim aufwachen, wo sonst die dörfliche „Rushhour“ vor dem Fenster stattfindet; das alles ist eine merkliche Ruhepause für die Natur, wird aber weder von Dauer sein noch wage ich zu hoffen, daß mehr als ein paar Versprengte Freude an ihrem enthetzten, terminentleerten Leben finden werden oder daß Einrichtungen wie Videokonferenzen und Homeoffice die Umwelt weiterhin dauerhaft entlasten werden.

Manchmal ist es ganz tröstlich, in kaum faßbaren, großen Dimensionen zu denken:
„Was ist denn mit DIR los, Du siehst ja so schlecht aus“, fragt der vorbeisausende Meteorit die Erde. „Achja, mir gehts nicht gut – ich hab Mensch!!“ „Achso, kenn ich! Nicht so schlimm, warte ein paar Tausend Jahre – das geht vorbei!“

Dann wird es zwar die Natur, so wie ich sie kenne und mag, nicht mehr geben – aber sehr wahrscheinlich immer noch Pflanzen und Tiere, sicherer Flechten, Moose, Pilze, Algen … wie auch schon Zehntausende Jahre „vor Mensch“.

Es sei denn, die Sonne platzt – etwas, das, wie der Herr F. mir letztlich abends erklärte, unweigerlich auf die Erde zukommt und sie verglühen lassen wird. Schluß, aus, Ende. Für jede Art Leben – auf diesem Planeten hier jedenfalls.
Ist nicht die Frage, ob, ist nur die Frage, wann. Tausende Jahre, hunderttausende, Millionen?

Na, bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit zum umweltschützen, Garten genießen und Tiere bestimmen…. ;-|

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4 Kommentare zu “§8: Jeder Jeck is anders, oder: den Garten in den Genen???

  1. ladypark sagt:

    Und wärst du nicht so eine Naturfreundin, die die Schönheit eines alten Bauerngartens zu schätzen weiß, hätten wir nie zusammen gewohnt und uns auch nie näher kennengelernt. Dass du damals wertschätzen konntest, was Ruhnmark zu bieten hatte, war für mich der ausschlaggebende Punkt, dir damals den Zuschlag für das WG-Zimmer zu geben. Ich freue mich, dass wir seitdem verbunden sind. 🙂

  2. Beithe sagt:

    zeig mir deinen Garten und ich sag Dir wie du tickst : )

    • Fjonka sagt:

      Na, denn man tau. Den meinen kennst Du ja…. nimm kein Blatt vor den Mund 🤔

      Aber davon ab: wäre mal spannend, einen Blindtest zu machen (ohne daß man die GartenbesitzerInnen vorher schon kennt)

Platz für Klönschnack ...

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